Ich habe mein ganzes Leben für das Studium der Natur eingesetzt
und doch kann ein einziger Satz alles ausdrücken, was ich getan
habe. Ich konnte zeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen
Fischen früher geologischer Zeiten und den Stadien ihrer Eientwicklung,
- das ist alles. Es war ein Glück, dass dieses Resultat auch
auf andere Tiergruppen zutraf und führte zu Schlüssen
ähnlicher Natur.
Louis Agassiz, 1869
Louis Agassiz ist am 28. Mai 1807 in Môtier im Kanton Fribourg
(Schweiz) geboren. Er war der Sohn eines Pfarrers und Neffe des Lausanner
Chirurgen Matthias Mayor.
Nach dem Besuch der Mittelschule in Biel und Lausanne studiert er
Medizin in Zürich, Heidelberg und München, wo er sich speziell
für Zoologie interessiert. 1829 schliesst er sein Medizinstudium
mit einer Arbeit über Knochenlehre ab.
Im selben Jahr bereits erscheint seine erste zoologische Arbeit:
die Beschreibung einer Sammlung brasilianischer Fische. Diese Arbeit
hat Agassiz in Zusammenarbeit mit Professor Martius, einem seiner
Lehrer, durchgeführt.
1830 wird Agassiz Doktor der Medizin und lässt sich für
eine Weile in Concise, der Pfarrgemeinde seines Vaters, nieder.
Neben seiner ärztlichen Tätigkeit arbeitet er weiter an
seinem Fisch-Thema. Bald wird er einer der unbestrittenen Meister
der paläontologischen Ichtyologie (Fischkunde).
Ende 1831 geht Agassiz nach Paris, wo er den bekanntesten Zoologen
dieser Zeit, Georges Cuvier, überzeugen
kann, ihn mit der Aufgabe des Beschreibens der versteinerten Fische
der Welt zu betrauen. In dieser jahrelangen Arbeit (1833-1844) entstand
eine einzigartige Fisch-Monographie (Recherches sur les poissons fossiles),
in der die Anzahl beschriebenen Fische um das Zahnfache der damals
bekannten erhöhte.
Durch die Unterstützung von Alexander von Humboldt und Louis
Coulon wird am Gymnasium von Neuchâtel ein Lehrstuhl für
Naturwissenschaft geschaffen, den Agassiz 1832 erhält und in
den 14 Jahren seiner Anwesenheit Neuchâtel zu einem bekannten,
wissenschaftlichen Zentrum macht. Das dortige Museum ist stolz auf
den Besitz von Agassiz grosser Sammlung von Fisch-Fossilien.
Aus dieser Periode seines Lebens sind zahlreiche Arbeiten hervorgegangen,
die klassisch geblieben sind. So seine Arbeit über die Gletscher
(Etude sur les Glaciers, 1840). Mehrere Expeditionen auf den Aaregletscher
und quartäre Gletscher-Spuren in England führen ihn zur
Beschreibung der geologischen Eiszeiten, mir der er nun z.B. die bisher
unbekannte Herkunft von erratischen Bläcken befriedigend erklären
kann.
Seine Veröffentlichungen verschaffen Agassiz - nicht zuletzt
wegen der mustergültigen Tafeln seines Künstler-Mitarbeiters
Joseph Dinkel - Bewunderung der gelehrten Fachwelt.
1846 reist Agassiz nach den USA. Gründe sind wohl seine dauernden
Finanzsorgen und eine unglückliche Beziehung. Seine Vorträge
in Boston sind sogleich von Erfolg gekrönt.
Bald entdeckt er auch in Amerika Spuren von früherer Gletscher.
1848 begibt er sich an die Ufer des Oberen Sees. Das Material von
dieser Expedition befindet sich in dem von Agassiz ins Leben gerufene
Museum für vergleichende Zoologie, welches 1860 in Cambridge
(Massachusetts) eröffnet wird.
Der seit einigen Jahren verwittwetet Agassiz heiratet 1850 ein zweites
Mal in Boston. 1851 wird er in Charleston zum Professor ernannt. Ein
Jahr später wird er mit dem Cuvier-Preis geehrt.
1865 unternimmt er eine Expedition nach Brasilien, 1871 eine in
Amerika. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Reisen bilden den
Stoff seiner letzten Publikationen.
In seinen späteren Jahren wurde er bekannt für seine
heftige Opposition Darwins Evolutionstheorie,
die begründet war in seiner religiösen Überzeugung.
Seine Abneigung gegenüber diesem Thema war so gross, dass er
jegliche Diskussion über Evolution ablehnte. Teils aus Witz,
teils aus Verärgerung gründeten seine Studenten eine "Gesellschaft
zum Schutz der amerikanischen Studenten vor fremden Professoren.
" Als Agassiz von diesem Verein vernahm, entliess er die betreffenden
Studenten. Um die Verwandlungen der Lebewelt trotzdem erklären
zu können, die aus dem Studium der Fossilien offenbar wird,
kommt er auf die Theorie der aufeinanderfolgenden Schöpfungen.
Trotzdem wurden ihm seine Gedanken über den vielfältigen
Ursprung der menschlichen Rassen von einigen Theologen heftig verübelt.
Trotz seiner Niederlagen trug Agassiz noch vieles zur Förderung
der Wissenschaft bei. Er gründete das Museum der Vergleichenden
Zoologie in Harvard. Mit der Hilfe des Präsidenten Abraham Lincoln
gründete er die National Academy of Sciences.
Agassiz stirbt am 14. Dezember 1873 in Cambridge, MA. Auf seinem
Grab liegt ein monumentaler Granitblock aus dem Aaregletscher.
Classification seems to me to rest upon too narrow a foundation
when it is chiefly based on structure. Animals are linked together
as closely by their mode of development, by their relative standing
in their respective classes, by the order in which they have made
their appearance upon earth, by their geographical distribution, and
generally by their connection with the world in which they live, as
by their anatomy. All these relations should, therefore, be fully
expressed in a natural classification; and though structure furnishes
the most direct indication of some of these relations, always appreciable
under every circumstance, other considerations should not be neglected
which may complete our insight into the general plan of creation.
Publikationen von Agassiz
Recherces sur les Poissons Fossiles (1833-1844)
Etude sur les Glaciers (1840)
Essay on Classification (1859)
Evolution and permanence of type. Atlantic Monthly 33:94-101
(1874)

|