Begründer
der modernen Evolutionstheorie
Charles Robert Darwin, englischer Wissenschaftler, begründete
die moderne Evolutionstheorie mit seiner Erklärung, dass der
Artenwandel und die Entstehung neuer Arten durch natürliche
Selektion realisiert werde. Seine Arbeiten beeinflussten Biologie
und Geologie grundlegend und gewannen auch Bedeutung für das
moderne Denken.
Darwin war das fünfte Kind einer wohlhabenden und gebildeten
Landarztfamilie. Sein Grossvater mütterlicherseits war ein
erfolgreicher Geschäftsmann, sein väterlicher Grossvater
der bekannte Naturwissenschaftler Erasmus
Darwin.
Nach einer weniger erfolgreichen Schulzeit begann Darwin in Edinburgh
Medizin zu studieren. Nach zwei Jahren musste er das Studium abbrechen.
Beim Vorhaben, einen Bachlor of Arts in Cambridge abzulegen, begegneten
ihm zwei wichtige Persönlichkeiten: der Geologe Adam
Sedgwick (1785-1873) und der Biologe John Stevens Henslow (1795-1861).
Henslow half Darwin, sein angeschlagenes Selbstvertrauen wiederherzustellen
und brachte ihm genaue Beobachtung bei und wies ihn an bei der Erstellung
von Sammlungen.
Mit 22 Jahren schloss Darwin seine Studien in Cambridge ab. Es
wurde ihm - durch die hilfreiche Vermittlung von Henslow - das attraktive
Angebot gemacht, mit dem englischen Forschungsschiff HMS Beagle
eine Weltreise zu unternehmen.
Während der fünfjährigen Weltreise hatte Darwin
die Gelegenheit, geologische Formationen der verschiedenen Kontinente
und zahlreiche Fossilien und lebende Tiere zu untersuchen. Was Darwin
am meisten beeindruckte, waren die Wirkungen der natürlichen
Kräfte, welche die Erdoberfläche verändert haben.
Zu dieser Zeit waren die meisten Geologen Anhänger der Katastrophentheorie
von Georges Cuvier, welche verschiedene
frühere Lebensgemeinschaften zerstört haben sollte. Die
jüngste Katastrophe war dieser Theorie zufolge die Sintflut,
welche die gesamte Lebewelt hinweggespült haben soll - ausser
denjenigen Tieren, welche in der Arche Noahs waren. Für die
Katastrophisten waren die Arten individuell erschaffen und unveränderbar.
Sir Charles Lyell griff diese Theorie in seinem bekannten zweibändigen
Werk "Principles of Geology (1830-33)" an. Lyell behauptete, die
Erdoberfläche verändere sich dauernd durch natürliche
Kräfte, dies aber sehr langsam und über lange Zeitepochen.
Darwin, der Lyells Buch mit auf die Beagle genommen hatte, fand,
dass viele seiner Beobachtungen mit Lyells Hypothesen übereinstimmten.
Er fand Fossilien, welche den heutigen Arten sehr ähnlich waren.
Auf verschiedenen Galapagosinseln vor der Küste Equadors beobachtete
er Finken und andere Vögel (tortoise, mockingbird), welche
nahe verwandt aber - von Insel zu Insel - verschieden in Merkmalen
und Essgewohnheiten waren. Diese beiden Beobachtungen führten
ihn zur Frage, ob ausgestorbene und heute lebende (rezente) möglicherweise
verwandt seien.
Nachdem Darwin 1836 nach England zurückgekehrt war, begann
er seine Ideen über die Wandelbarkeit der Arten aufzuschreiben.
Eine Erklärung für den Artwandel aber fand er erst nach
der Lektüre von einem Artikel von Thomas Robert Malthus (An
Essay on the Principle of Population), einem englischen Ökonomen.
Nach Malthus vermehrt sich die menschliche Bevölkerung mehr
als die Nahrungsgrundlage zunimmt. Vermehrt sich die Bevölkerung
übermässig, so wird sie nach unten reguliert durch natürliche
Wirkungen wie Hungersnöte und Krankheiten oder soziale Auswirkungen
wie Kriege.
Darwin übernahm sofort diese Gedanken und wendete sie auf
Pflanzen und Tiere an. Etwa im Jahre 1838 hatte er seine Theorie
der Evolutions durch natürliche Selektion bereits umrissen.
In den nächsten 20 Jahren arbeitete er an diesen Gedanken und
beschäftigte sich intensiv mit der Anatomie und Biologie von
Tiergruppen wie Seepocken.
1839 heiratete Darwin seine Cousine Emma Wedgwood (1808-96) und
lebte mit ihr in der Nähe von London. Er und seine Frau hatten
zehn Kinder, drei von ihnen starben in der Kindheit.
Der Zufall wollte es, dass Alfred Russel
Wallace, ein weitgereister englischer Biologe, Darwin 1857 ein
Manuskript zukommen liess mit der Bitte um Publikation. Dieses Manuskript
enthielt genau dieselben Gedanken, wie sie Darwin bereits skizzenhaft
dargestellt und im Schreibtisch gelagert hatte. Die Abhandlung von
Wallace zusammen mit einer Kurzfassung
von Darwins Origin of Species wurde der Linnean Society vorgelegt.
Darwin wurde die Urheberschaft dieses Gedankens anerkannt. Ein Jahr
später erschienen Artikel über die Arbeiten von Darwin
und Wallace. 1859 konnte Darwin eine "Kurzfassung" seines Hauptwerks
"On the Origin of Species" herausgeben.
Das Buch war bereits am ersten Tag seines Erscheinens vergriffen.
Kurz nacheinander erschienen sechs Auflagen dieses Buches.
Die Reaktionen auf das Buch Darwins waren prompt. Zu Beginn viel
Kritik, vor allem von Seite der Kirche, die bis zu Beginn des 20.
Jahrhunderts anhielt. Nach der Wiederentdeckung der Mendelschen
Genetik wurde aber der Boden für den Darwinismus geebnet.
Den Rest seines Lebens verbrachte Darwin damit, verschiedene Details
aus dem "Origin" zu verbessern und Beispiele dafür zu finden.
Er publizierte weitere Werke wie: "The Variation of Animals and Plants
Under Domestication (1868)", "The Descent of Man (1871)", and "The
Expression of the Emotions in Animals and Man (1872)". Seine Zeitgenossen
erkannten die Bedeutung Darwins. Er wurde in die Royal Society (1839)
and the French Academy of Sciences (1878) gewählt. Eine letzte
Ehrung erfuhr er durch sein Begräbnis im Westminster Abbey.
Darwins Theorie
Für die Entwicklung der Evolutionstheorie spielte Darwins
Besuch auf den Galapagos-Inseln eine bedeutende Rolle. Zum Zeitpunkt
des Besuches der Beagle war nur eine einzige der Inseln bewohnt.
Die Bevölkerung bestand fast ausschliesslich aus Strafgefangenen
und lag bei ungefähr 200 Personen "governed by an Englishman,
Nicholas Lawson, in the name of the state of Ecuador. Whalers visited
regularly to obtain water and to collect some of the giant tortoises
for food."
Abgesehen davon waren die Inseln jedoch völlig sich selbst
überlassen, was sie zum idealen Forschungsobjekt für Charles
Darwin machte. Für die Entwicklung der Evolutionstheorie war
zudem von Bedeutung, dass die Inseln vom Festland weit entlegene
Vulkaninseln darstellen, die im Laufe der Geschichte nur von relativ
wenigen Arten erreicht worden sind. Diese wenigen Arten differenzierten
sich jedoch auf den einzelnen Inseln des Archipels und auch innerhalb
dieser Inseln stark heraus.
So gibt es auf den Galapagos Inseln für jede Insel eine andere
Rasse der Riesenschildkröte Testudo elephantopus, die
jeweils eine eigene Form des Rückenpanzers entwickelt hat.
Sogar 13 verschiedene Arten haben sich aus jenen Finken entwickelt,
die vor Jahrtausenden aus Südamerika auf die Galapagosinseln
verschlagen wurden. Diese heute nach Charles Darwin benannten "Darwin-Finken"
hatten sich im Laufe der Zeit verschiedenen Lebenweisen und -räumen
optimal angepasst. Die Farben der Finken unterscheiden sich ebenso
wie die Formen ihrer Schnäbel, die dem Verzehr von Insekten,
Beeren oder dem Stochern in Baumrinden angepasst sind.
Eine ähnliche Entdeckung hatte Darwin zuvor bereits auf den
Falklandinseln vor der Ostküste Patagoniens gemacht, die er
im März 1833 und im März 1834 mit der Beagle besucht hatte
"where foxes were found to differ between islands in small
but significant ways" (BOWLBY, 1990)
Die später vielfach tradierte romantische Vorstellung, Darwin
hätte auf den Galapagosinseln die Evolutionstheorie "erfunden",
entspricht sicher nicht der Realität. Nicht umsonst dauerte
es noch über zwanzig Jahre nach seiner Rückkehr nach England,
bis er diese bahnbrechende Theorie in seinem Werk "On the Origin
of Spezies by Means of Natural Selection" der Öffentlichkeit
vorstellte. Auf den Galapagosinseln konnte Darwin allerdings noch
keine Theorie entwickeln, "but he was raising some radical
questions." (BOWLBY, 1990)
Während der nächsten zwanzig Jahre entwickelte Darwin
mit Hilfe der Aufzeichnungen die "Evolutionstheorie",
deren Kurzzusammenfassung wohl folgende Punkte beinhalten muss:
Darwin behauptet, dass "die Arten während einer langen
Deszendenzreihe modifiziert worden sind. Dies ist hauptsächlich
durch die natürliche Zuchtwahl zahlreicher, nacheinander auftretender,
unbedeutender günstiger Abänderungen bewirkt worden, in
bedeutungsvoller Weise unterstützt durch die vererbten Wirkungen
des Gebrauchs und Nichtgebrauchs von Theilen, und, in einer vergleichsweise
bedeutungslosen Art, nämlich in Bezug auf Adaptibildungen,
gleichviel ob jetzige oder frühere, durch die direkte Wirkung
äusserer Bedingungen und das unserer Unwissenheit als spontan
erscheinende Auftreten von Abänderungen." (DARWIN, 1988)
Darwin, insbesondere aber seine AnhängerInnen sahen die ständige
Konkurrenz, den ständigen Kampf aller Individuen innerhalb
einer Art um die bestmögliche ökologische Anpassung und
den Kampf zwischen den Arten für den eigentlichen Motor der
Evolution.
Darwin geht davon aus, dass "die Struktur eines jeden organischen
Gebildes auf die wesentlichste, aber oft verborgene Weise zu der
aller anderen organischen Wesen in Beziehung steht, mit welchen
es in Concurrenz um Nahrung oder Wohnung kommt, oder vor welchen
es zu fliehen hat, oder von welchen es lebt." (DARWIN, 1988)
Und diese Konkurrenz ist nun eben für Darwin der Hauptmotor
für die Evolution.
Mit seinem späteren, zweiten Hauptwerk "Die Abstammung
des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl" übertrug
Darwin selbst diese Thesen bereits teilweise auf den Menschen.
Aus vorzüglich drei nachfolgend aufgeführten natürlichen
Gegebenheiten können sich nach Darwin in einem kontinuierlichen
Prozess neue Arten bilden.
- Variabilität der Individuen einer Population, die genetisch
festgelegt sind
- Nachkommenüberschuss
- Natürliche Selektion der Bestangepassten
Darwin ging davon aus, dass ein Evolution stattfand, das bedeutet,
dass die heute lebenden Arten nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt
gemeinsam geschaffen wurden.
Darwin deutete die abgestuften Ähnlichkeiten zwischen den Organismen
als Beleg für eine gemeinsame Abstammung (Deszendenz).
Darwin ging davon aus, dass die Evolution in kleinen Schritten ablief
und dass keine Sprünge auftraten.
Darwin versuchte zu zeigen, dass im Lauf der Zeit Wesen entstanden,
die es vorher noch nicht gab.
Für Darwin war die Selektion der Hauptmechanismus, der eine
Evolution, wie er sie sich vorstellte, ermöglichte.
Kritik am Darwinismus
Darwin erntete für seine Thesen nicht nur grosses Interesse,
sondern auch scharfe Kritik. Es sollte Jahrzehnte dauern ehe seine
Evolutionstheorie zur dominanten Strömung innerhalb des wissenschaftlichen
Diskurses werden sollte.
Die ersten Jahrzehnte erntete Darwin vor allem Kritik aus den
Reihen christlicher Wissenschafter und Theologen, die weiterhin
an der Schöpfungslehre festhalten wollten, also die in der
Bibel dargestellte Schöpfung der Arten und insbesondere des
Menschen durch Gott als wissenschaftliche Wahrheit betrachteten.
Wenn diese Kritik an Darwin durch die fortschreitende Säkularisierung
Europas hierzulande mittlerweile auch völlig unbedeutend geworden
ist, so heisst das nicht, dass sie völlig verschwunden wäre.
Insbesondere in den USA - mit ihren starken fundamentalischen Stömungen
in den evangelikalen Kirchen und eigenen "christlichen Universitäten"
- ist die Evolutionstheorie Darwins noch keineswegs gesellschaftlich
anerkannter wissenschaftlicher Standard. Duane T. Gish, der auf
der Universität von Kalifornien in Berkeley Biochemie studiert
hatte und heute einer der Direktoren des "Institute for Creation
Research" und Professor am Christian Heritage College in San
Diego ist, konnte etwa in einem auch auf Deutsch erschienen Buch
nach langen Abhandlungen über Fossilienfunde und das "sprunghafte
Auftreten neuer Arten schliessen: "Im Anfang schuf Gott...
ist immer noch die modernste Aussage, die über unsere Herkunft
gemacht werden kann!" (GISH, 1982)
Wesentlich ernstzunehmendere Einwände stammen von Theoretikerinnen
und Wissenschafterinnen, die zwar nicht die allgemeine Evolutionstheorie
in Frage stellen, sprich die Entwicklung allen Lebens aus einem
gemeinsamen Ursprung bejahen, aber die Motivationen und Spielregeln
der Veränderungen wie sie Darwin annimmt, ablehnen.
So gibt es heute etwa Einwände, dass sich bei komplizierten
Organen, wie den menschlichen Augen, nicht nur ein einzelnes Organ
zweckmässig ändern kann, sondern zahlreiche Merkmale gleichzeitig
und gleichsinnig ändern müssen. Auch ist es umstritten,
ob sich die Entstehung neuer Arten durch kleine, schrittweise Mutationen
ergeben oder durch sprunghafte Makromutationen.
Die Motivationen und Antriebe für die Evolution, wie sie Darwin,
bzw. die DarwinistInnen annehmen, stellt auch der russische Anarchist
und Universalgelehrte Peter Kropotkin in Frage. In seinem erstmals
1902 erschienenen Buch "Gegenseitige Hilfe in der Tier- und
Menschenwelt" berichtet Kropotkin von seinen Reisen in Sibirien,
auf denen er, obwohl er "emsig darauf achtete, nicht jenen
erbitterten Kampf um die Existenzmittel zwischen Tieren, die zur
gleichen Art gehören, entdecken [konnte]. Und es war dieser
Kampf, der seitens der meisten Darwinisten - keinesfalls aber ständig
von Darwin selbst - als das typische Kennzeichen des Kampfes um
das Dasein und als Hauptfaktor der Entwicklung betrachtet wurde."
(KROPOTKIN, 1975)
Kropotkin sieht in dieser Kampfschrift gegen den Sozialdarwinismus
nicht den "suvival of the fittest" als Motor der Evolution,
sondern stellt fest, dass die "gegenseitige Hilfe ein wichtiges
progressives Element der Evolution darstellt" (KROPOTKIN, 1975)
Unabhängig davon, ob nun aber die Thesen Darwins für die
Tier- und Pflanzenwelt Gültigkeit beanspruchen können
oder nicht, erscheint es mir wichtig, dass sie keinesfalls den Anspruch
erheben dürfen, auch im Bereich menschlicher Gesellschaften
gültig zu sein. Der Mensch ist eben nicht nur ein von seiner
Biologie determiniertes Wesen, sondern ein Wesen mit Kultur, Bewusstsein,
Reflexionsfähigkeit und Gesellschaft. Als solches kann er seine
Geschichte in die Hand nehmen und seine Gesellschaft so formen,
wie er sie nun einmal haben will.
Wer also eine Gesellschaft des "survival of the fittest"
als natürlich betrachtet, macht damit in Wirklichkeit keine
Aussage über die Beschaffenheit der Welt, sondern über
jene Gesellschaft, die er/sie haben möchte.
Diskussionsthemen: Natürliche
Selektion versus Schöpfung, Evolution versus Genesis, Darwin
und das Christentum.

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