Insektenforscher
»In meinen Träumereien habe ich mir oftmals gewünscht,
nur einige Minuten mit dem urwüchsigen Hirn meines Hundes denken,
die Welt durch die Facettenaugen einer Mücke betrachten zu
können. Wie anders würden die Dinge dann aussehen!«
Jean-Henri Casimir Fabre wurde am 21. Dezember 1823 in Saint-Léons
(Département de l'Aveyron) in eine Bauernfamilie geboren.
Seit seiner Jugend machte Jean-Henri schwierige Erfahrungen mit
der Armut. Seine Schulzeit war daher nicht einfach. Im Alter von
10 Jahren wurde ihm ein Stipendium für das Collège Royal
de Rodez zugesprochen, in der Stadt, wo seine Eltern sich niedergelassen
hatten und ein Café betrieben. Nach einem kurzen Aufenthalt
in Aurillac zog die Familie nach Toulouse, wo der Knabe kostenlos
an das Séminaire de l'Esquille zugelassen wurde. Nur kurze
Zeit später musste Jean-Henri erneut die Schule wechseln, weil
seine Eltern nach Montpellier umzogen und dort eine neue Imbissbude
eröffneten.
Die finanziellen Sorgen der Familie Fabre waren aber so gross, dass
Jean-Henri seine Ausbildung aufgeben und mit verschiedenen Arbeiten
seine Familie unterstützen musste. Nach einem kurzen Aufenthalt
in Nîmes zogen die Fabres im Jahre 1840 schliesslich nach
Avignon.
Dank seiner ausserordentlichen Lernfähigeit und Intelligenz,
kam Jean-Henri bei einer glänzend bestandenen Eintrittsprüfung
in die École Normale erneut in den Genuss eines Stipendiums.
Zwei Jahre später (1842) wurde er Primarlehrer im Collège
de Carpentras. In dieser Stadt hat Fabre seine erste Frau Mari-Césarine
Villard kennengelernt, die ihm sieben Kinder schenkte.
Trotz seiner vielfältigen Arbeiten in Beruf und in der Familie
eignete sich Fabre umfangreiches Wissen autodidaktisch mit grossem
Fleiss an. So bestand er sein Baccalauréat und ein Lizenziat
in Mathematik und Physik.
Nach seiner Zeit in Carpentras, wo er sieben Jahre zugebracht
und gearbeitet hatte, wurde er Mathematiklehrer im Collège
Imperial in Ajaccio in Korsika. Diese Stelle hielt er von 1849 -
1853 inne. Hier an diesem schönen Platz wurde er von den beiden
Naturwissenschaftler Moquin-Tandon und Requien auf biologische Fragen
aufmerksam, hier spürte Fabre seine Berufung zum Biologen.
Zurück von Korsika wurde er als Physik- und Chemielehrer
am Collège Impérial von Avignon angestellt und er
blieb dort 17 Jahre lang. Seine Freizeit nutzte Fabre, um eine dritte
Fachrichtung zu studieren: Naturkunde. 1855 verteidigte er in Paris
seine Doktorarbeit in Naturkunde. Fabre war zu dieser Zeit 32 Jahre
alt.
1868 wurde ihm eine Ehrung von der Légion d'Honneur durch
den Erziehungsminister Victor Duruy zuteil. Duruy baute eine Abendschule
auf und Fabre wurde beauftragt, in Avignon die Naturwissenschaften
zu übernehmen. Zu seinem Unglück erlaubte er sich in seinen
lebendigen und naturnahen Stunden vor einer weiblichen Hörerschaft
die Befruchtung bei Pflanzen zu präsentieren. Eine so starke
Kritik kam unter prüden Eltern und Kirchenvertretern auf, dass
Fabre seine Lehrtätigkeit 1870 aufgab und - mit seiner grossen
Familie - ohne Mittel dastand. Sein Freund John-Stuart Mill lieh
im auf sein Bitten 3000 Gold-Francs.
Fabre liess sich nach diesem Vorfall in Orange nieder, wo er neun
Jahre verbrachte. Während dieser Zeit publizierte er zahlreiche
Schulbücher und auch wissenschaftliche Bücher für
die nichtgelehrte Bevölkerung. Er behandelte unter anderem
Algebra, Trigonometrie, Arithmetik, Chemie, Himmelskunde, Hauswirtschaftslehre,
Geologie, Geometrie, Hygiene, Wirtschaft, Mechanik, Physik. Seine
etwa 30 Bücher brachten ihm etwas Geld ein und Fabre konnte
Stuart Mill in zwei Jahren den Vorschuss zurückzahlen. In Orange
hat Henri Fabre auch seinen ersten Band zur Insektenkunde geschrieben
und veröffentlicht, seine berühmten Souvenirs Entomologiques.
Mit dem durch die Autorenrechte verdienten Geld konnte sich Fabre
1879 in Sérignan-du-Comtat ein Grundstück erwerben,
das er l'Harmas nannte, in Anlehnung an den provencalischen Ausdruck
Ermès, was Ödland bedeutet. Dort, endlich in
einem eigenen Haus, setzte er seine Arbeit an den pädagogischen
und didaktischen Büchern fort (insgesamt verfasste er etwa
hundert Bücher!), die ihm seinen Lebensunterhalt garantierten.
Dort auch setzte er seine Studien über das Insektenleben fort.
In Sérignan vertiefte sich Fabre vor allem in die Studien
über das Verhalten von Insekten. Insgesamt verfasste er noch
neun weitere Bände der berühmten Souvenirs Entomologiques,
welche in viele Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt
bekannt sind.
Seine Frau starb 1885 mit 64 Jahren. Seine Kinder waren in dieser
Zeit verheiratet und haben das Elternhaus verlassen. Im Jahre 1887
heiratete Fabre erneut, Marie-Joséphine Daudel, eine viel
jüngere Frau, mit der er drei Kinder aufzog.
Ab 1890 begann Fabre Verse zu schreiben. Die provençalischen
Gedichte von ihm wurden publiziert unter dem Namen "Oubreto prouvençalo".
1908 suchte ihn Frédéric Mistral auf. Der Gründer
von Félibrige, einer Gruppe provençalischer Dichter,
kam mit der Absicht, für sein "Muséon Arlaten" (Museum
von Arles) eine Sammlung von 700 Pilz-Aquarellen von Fabre zu erstehen.
Der grosse Insektenforscher kannte nicht nur seine Kerbtiere sehr
gut, er beschäftigte sich auch intensiv mit Pilzen, auch mit
den unscheinbaren, die nur im Mikroskop zu beobachten waren.
Der Homer oder Vergil der Insekten, wie man ihn öfter bezeichnete,
starb am 11. Oktober 1915 im Alter von 92 Jahren. Auf seinem Grab
- ein einfaches Familiengrab auf dem alten Friedhof in Sérignan
- finden wir zwei Inschriften: eine von Seneca: "Quos periisse putamus
praemissi sunt" (die man glaubt verloren zu haben, wurden vorzeitig
weggeschickt), die andere von Fabre selbst: "Minime finis sedlimen
vitae excelsioris" (der Tod ist nicht ein Ende, es ist die Schwelle
zu einem höheren Leben.
Werke
- Souvenirs Entomoligiques
- unzählige pädagogisch-didaktische Schriften
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