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Kritiker
der Darwinistischen Evolutionslehre
"The 'new' biology is biology in the form of an exact science
of complex systems concerned with dynamics and emergent order. Then
everything in biology changes. Instead of the metaphors of conflict,
competition, selfish genes, climbing peaks in fitness landscapes,
what you get is evolution as a dance. It has no goal. As Stephen
Jay Gould says, it has no purpose, no progress, no sense of direction.
It's a dance through morphospace, the space of the forms of organisms."
Brian Goodwin"Brian should be described as a theoretical biologist.
He was introduced into biology from early days, but more recently
he has had a structuralist perspective, reaching for fundamental
patterns on some expression of life. In that sense, he has come
in with a new message, into a biology that's more or less fixated
on components and molecules." Francisco Varela
Brian Goodwin war Professor der Biologie am Schumacher College,
Milton Keynes, und Autor von: Temporal Organization in Cells and
Analytical Physiology, How The Leopard Changed Its Spots: The Evolution
of Complexity, und (mit Gerry Webster) Form and Transformation:
Generative and Relational Principles in Biology. Dr. Goodwin ist
Mitglied des Board of Directors of the Sante Fe Institute.
Sein bekanntestes Buch
Der Leopard, der seine Flecken verliert. Evolution und Komplexität.
Das Buch behandelt Themen wie:
Wo sind eigentlich die Organismen geblieben?
Wie der Leopard zu seinen Flecken kam
Leben, das erregbare Medium
Die Entstehung der lebendigen Gestalt
Die Evolution typischer Formen
Neue Richtungen, neue Metaphern
Klappentext
Der Leopard, der seine Flecken verändert oder verliert, bleibt trotzdem
ein Leopard. Der Biologe und Komplexitätsforscher Brian Goodwin benützt
dieses Bild, um zu zeigen, dass die moderne Synthese aus Darwinismus
und Genetik die Entstehung des Lebens nicht hinreichend erklären kann.
Vor dem Hintergrund der neuen Komplexitätswissenschaft belegt Goodwin,
warum Konkurrenz, Vererbung, Egoismus und Überlebensstrategien als
Triebkräfte der Evolution nicht ausreichen, warum Darwins Theorie
ergänzt werden muss.
Florian Roetzer über dieses Buch:
In seinem Buch versucht Brian Goodwin mit den aus der Komplexitätsforschung
gewonnenen Erkenntnissen die Theorie der Evolution zu erweitern. Angriffspunkt
ist vor allem die Kritik am Glauben, daß sich ein Organismus
vollständig aus seinen Genen "berechnen" lasse. In
einigen Fällen wurde bereits nachgewiesen, daß sich Mutation
auch durch die Veränderung einer Zellstruktur und nicht eines
Gens ergeben kann. Gene stellen für Goodwin lediglich eine selektive
und stabilisierende Struktur dar, die sich mit einem Impfkristall
in einer wässrigen Lösung vergleichen läßt. Ohne
eine bestimmte Lösung geschieht gar nichts, ansonsten entstehen
je nach Impfkristall und Lösung, also durch deren Zusammenwirken,
bestimmte "Gestalten". Auch Gene können sich ohne den
spezifischen Kontext einer Zelle oder eines Organismus nicht replizieren.
Sie sind während der Morphogenese auch nicht die einzigen kausalen
Kräfte, denn sie werden je nach Entwicklungsstufe und Lage in
anderen Kombinationen an- und ausgeschaltet. Gene als Replikatoren
haben zumindest eine symbiotische Beziehung zur Zelle und zum Gesamtorganismus,
so daß sich die dogmatische Trennung zwischen Gen und Zelle
oder zwischen Genotyp und Phänotyp nicht aufrechterhalten läßt.
Überdies wirkt sich während der Morphogenese, aber auch
beim erwachsenen Organismus die Umwelt auf das Lebewesen aus, das
wiederum auf die Umwelt einwirkt. Als neues Paradigma stellt Goodwin
die "dynamische Organisation" als übergreifende Einheit
vor, die aus der Interaktion von vielen Bestandteilen hervorgeht und
bestimmte Muster innerhalb eines Möglichkeitsraumes erzeugt.
Goodwin mag mit seiner Kritik am molekulargenetischen Darwinismus
wieder in das andere Extrem umschlagen, wenn er sagt, daß es
bei der räumlichen Musterbildung nicht auf die Natur der beteiligten
Komponenten, sondern lediglich auf ihre Wechselwirkung in Zeit und
Raum ankomme: "Das Leben kann ohne DNS entstehen; es bedarf lediglich
eines umfangreichen Netzwerks sich wechselseitig fördernder Elemente.
Dies ist Kooperation, gegenseitige Unterstützung und Bereicherung."
Aber schon der Blick auf lebensgeschichtlich frühe Bakterienkulturen
läßt für viele Forscher den Egoismus allmählich
hinter notwendigen Kooperationsfomen zurücktreten. Immer eindringlicher
stellt sich denn auch heraus, daß alle Organismen kooperative
Verbände sind. Auch wenn sich Kooperation beispielsweise mehrerer,
zunächst autonomer Mikroorganismen in einer Zelle weiterhin durch
Egoismus erklären läßt, hat dessen zentrale Stellung
im Darwinismus dennoch Risse erhalten. Dynamische Organisation ist
daher auch nicht auf die Biologie beschränkt, sondern findet
sich überall von der Physik bis hin zur Soziologie oder Psychologie.
Entscheidend freilich ist, daß durch diese Erklärung die
Evolution oder die Morphogenese nicht länger eine zufällige
Auswahl darstellen, sondern einen genau umschreibbaren Möglichkeitsraum
austasten, in dem sich bestimmte Muster durch symmetriebrechende Kaskaden
in der Morphogenese aus an sich einfachen Organisationsprinzipien
stabilisieren, die dann durch Selektion variiert werden können.
Der Lebenszyklus verbindet, so Goodwin, Gene, Umwelteinflüsse
und morphogenetisches Feld zu einem Prozeß, der sich immer wieder
neu generiert. Interessant wird das natürlich vor allem für
die Bewertung von gentechnologisch veränderten Organismen: "Die
in Nutzpflanzen eingebrachten herbizid- und pestizidresistenten Gene
werden wahrscheinlich nicht in diesen Arten verbleiben und durch Viren,
Bakterien und Pilze auf andere Species übertragen, so daß
'Unkrautarten' ihrerseits Toleranzen entwickeln." Goodwin plädiert
für ein nachhaltiges und ausgewogenes System, das aufgrund der
vielen wechselwirkenden Komponenten viel robuster als irgendwelch
gentechnisch hochgerüsteten Monokulturen sei.
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