Du sollt wissen, daß alle kranckheiten in fünfferley
weg geheilt werden: unnd heben also an unser artzney bey der heylung,
unnd nit bey den ursachen, darumb, das uns die heylung, die ursach
anzeigt. Auff das geht unser argument, das fünfferley heylung
sind: dz ist als viel geredt, als das fünfferley artzney sind,
oder fünfferley künst, oder fünfferley faculteten,
oder fünfferley artzet: unter denen fünffen ist ein jegliche,
ein genugsame facultas der artzney, alle kranckheiten zu heylen.
Wann in fünff weg, wie angezeigt ist, werden fünfferley
faculteten der artzney erfunden, da ein jedliche für sich selbst
soll haben den gradum eines bewerten artzts, und eines genugsamen
artzets, und eines kunstreichen artzts, zuheilen einen jeglichen
zufall, kranckheit, und siechtagen, in beyden artzneyen, alß
desselbigen gradts, der fünfferleyen faculteten einer, allein
genugsamer artzt.
Volumen
Medicinae Paramirum Theophrasti, de Medica Industria
Paracelsus war der Arzt und Alchimist, der in der Renaissance
die Behandlung von Krankheiten mit chemischen Mitteln einführte.
Der Fortschritt der praktischen Medizin zu Anfang des 16. Jahrhunderts
ist zum grossen Teil ihm zu verdanken, wie auch der Ansatz zur
modernen Medizin.
Paracelsus' richtiger Name war Philippus Theophrastus Bombastus
von Hohenheim. Er wurde in einem Dorf bei Zürich als Sohn
eines Arztes und Chemikers geboren. Mit 14 Jahren begann er an
den führenden Universitäten Europas nach Lehrern zu
suchen, deren Auffassung er achten konnte. Da er eine sehr unkonventionelle
und direkte Art hatte, verletzte er bald die meisten seiner Lehrer,
aber auch andere mit seinen skeptischen Ansichten.
Dennoch erwarb Paracelsus 1510 in Wien den Grad eines Bakkalaureus
der Medizin und 1516 in Ferrara den Doktorhut. Um diese Zeit nahm
er den Namen Paracelsus an, was soviel heissen sollte wie über
Celsus stehend, um seine Missachtung gegenüber dem
alten römischen Arzt auszudrücken, der damals sehr bewundert
wurde.
Reisen führten Paracelsus nach Irland, nach Konstantinopel
und bis nach Russland. Als Militärarzt nahm er an mehreren
lokalen Kriegen teil. Er strebte stets danach, seine Kenntnisse
der medizinischen Behandlung zu vervollkommnen und die verborgenen
Kräfte der Natur zu entdecken. Seine Redegewandheit
brachte das Wort bombastisch auf, das von seinem Zunamen
Bombastus abgeleitet ist. Zeitlebens liess er keine Gelegenheit
aus, um akademische Autoritäten lächerlich zu machen.
Als er ein Lehramt in Basel annahm, provozierte er die Behörden,
indem er die Werke des bekannten griechischen Arztes Galen öffentlich
verbrannte. Er verschlechterte seine Situation weiters noch dadurch,
dass er seine Vorlesungen für jeden öffnete und sie
in Deutsch, statt in Latein abhielt. Aus allen Himmelsrichtungen
Europas strömten Studenten zu ihm. Paracelsus blieb jedoch
nie lange an einem Ort - wohin er auch kam, machte er sich Feinde
und in Basel wurde er sogar aus der Stadt verjagt.
Wie Hippokrates glaube Paracelsus an eine Behandlung, die vom
Körper als einem Ganzen ausgeht und an die Heilkraft des
Körpers selbst. Es heisst, er habe ein wirksames Mittel gegen
die Pest entwickelt - eine Pille aus Teig mit Spuren von Ausscheidungen
des Patienten. Er betrachtete magische oder "mentale Kräfte"
als wichtig für den Heilungsprozess.
Paracelsus war ein glänzender Diagnostiker. Während
er die Astrologie verspottete, suchte er in der Alchimie nach
grundlegenden Wahrheiten: Magie ist eine grosse verborgene
Weisheit - Verstand eine grosse offene Torheit, erklärte
er. Sein Interesse an der Alchimie führte ihn schliesslich
zu einigen grundlegenden Erkenntnissen auf dem Gebiet der Chemotherapie.
Paracelsus war der erste, der davon ausging, dass Lungenkrankheiten
von Bergarbeitern durch Einatmen metallischer "Dämpfe" verursacht
wurden und nicht von bösen Geistern. Vor ihm hatte auch niemand
auf den Zusammenhang zwischen niedrigem Mineralgehalt von Trinkwasser
und der Verbreitung von Kröpfen in manchen Gegenden hingewiesen.
Seine Beschreibung der Syphilis war eine bahnbrechende Abhandlung,
in der erstmals eine Behandlung mit einer Quecksilbermischung
vorgeschlagen wurde.
"Die grosse Wundtartzney", die 1536 veröffentlicht wurde,
führte ihn auf den Höhepunkt seines Ruhms und brachte
ihm Ehrungen von Edelleuten und Fürsten ein. Er liess sich
jedoch nicht davon abhalten, bis an sein Lebensende von Stadt
zu Stadt und von Land zu Land zu ziehen. Er starb in einem Gasthaus
in Salzburg - manche sagen, er sei vergiftet worden, andere, er
sei den Verletzungen erlegen, die er erlitten habe, als er betrunken
einen Berg hinunterrollte.
Werke
- Opera Omnia Medico-Chemico-Chirurgica (Genf, 1658)
- Die grosse Wundtartzney (1536)
- Vom ursprung und herkommen des Bads Pfeffers (Basel, 1576)
Links
Ein
Paracelsus Projekt an der Uni Zürich
Die
Huser-Ausgabe im Internet, Medizinhistorisches Institut
und Museum der Universität Zürich (im Aufbau).