Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Warschau und für kurze
Zeit an der königlichen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
zu Bonn, wurde STRASBURGER 1864 Assistent im Jenaer Phytophysiologischen
Labor des berühmten Botanikers Nathanael PRINGSHEIM, legte 1866
an der Universität Jena seine Doktorprüfung ab und habilitierte
sich nur ein Jahr später an der Universität Warschau.
1869 nahm er den Ruf an das Extraordinariat für Botanik in Jena
an, das mit der Leitung des Phytophysiologischen Institutes PRINGSHEIMs
und der Leitung des Botanischen Gartens der Universität verbunden
war. Er wurde aber erst zur Abwendung eines Rufes auf das Ordinariat
für Botanik in Lemberg (Polen) auf Betreiben seines Kollegen HAECKEL
als ordentlicher Professor und Nachfolger von PRINGSHEIM übernommen.
1880 folgte STRASBURGER dem Ruf auf die Nachfolge von HANSTEINs
nach Bonn, wo er bis zu seinem Tode im Mai 1912 das Ordinariat
für Botanik mit Sitz im Poppelsdorfer Schloß innehatte.
STRASBURGERs Forschungen beschäftigten sich mit den Befruchtungsvorgängen
bei Moosen, Farnen und Nacktsamern. Sein besonderes Interesse
galt der Zellteilung und in diesem Zusammenhang konnte er bestätigen,
daß sich der Zellkern bei der Zellteilung nicht auflöst, sondern
im Prozess der Mitose in zwei Tochterkerne teilt, die an die beiden
Tochterzellen weitergegeben werden. Ferner konnte er, wie zuvor
schon FLEMING bei tierischen Zellen zeigen, daß sich im Verlaufe
der Kernteilung die Chromosomen der Länge nach spalten. Zu seinen
weiteren Entdeckungen gehört die spezies-spezifische Konstanz
der Chromosomenzahl und die Reduktionsteilung (Meiose), die der
Bildung von Geschlechtszellen vorangeht. Darüber hinaus hat STRASBURGER
über die Natur der pflanzlichen Zellwände, über den Bau der Leitungsbahnen
in Pflanzen und an vielen anderen Problemen auf dem Gebiet der
botanischen Zytologie gearbeitet.
Strasburgers Lehrbuch der Botanik
STRASBURGER, E., F. NOLL, H. SCHENK, A. F. W. SCHIMPER: Lehrbuch
der Botanik für Hochschulen. Jena: G. Fischer Verlag 1894 (1. Aufl.)
Strasburgers Lehrbuch der Botanik [neubearbeitet von P. SITTE,
H. ZIEGLER, F. EHRENDORFER und A. BRESINSKY. Stuttgart: G. Fischer
Verlag, 1998 (34. Auflage)]
Von STRASBURGER und drei weiteren gleichberechtigten Autoren
verfaßter Klassiker unter den Botaniklehrbüchern, erschienen zum
ersten mal 1894 im Verlag Gustav Fischer, Jena
STRASBURGERs Lehrbuch der Botanik ist seit seinem ersten Erscheinen
34 mal neu aufgelegt, jedesmal überarbeitet und auf den neuesten
Stand gebracht worden. In der Folge der Neuauflagen wurde nach
Ausscheiden eines der Autoeren (inclusive STRASBURGER selbst nach
seinem Tode mit der 12. Auflage, 1913) von den drei verbliebenen
ein neuer Autor hinzugewonnen, sodaß das Werk bis heute ein Höchstmaß
an Kontinuität mit einem Maximum an Aktualität verbindet. Die
Erstausgabe wurde ausschließlich von Dozenten des Bonner Botanischen
Institutes bestritten und auch in späteren Ausgaben waren immer
wieder neben namhaften Kollegen aus anderen Universitäten Mitglieder
des Botanischen Institutes unter den Mitautoren vertreten, weshalb
das Werk in Fachkreisen auch als das "Bonner Lehrbuch" bekannt
war. Die Bonner Mitautoren waren die Professoren Fritz NOLL, Wilhelm
SCHIMPER, Georg KARSTEN, Hans FITTING und Walter SCHUMACHER. Erst
mit der 31. Auflage (1978) war kein Bonner Autor mehr in Strasburgers
Lehrbuch vertreten.
(aus: Ulrich G. MOLTMANN: 100 Jahre Strasburgers Lehrbuch der
Botanik, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1994)