"Weismanns Ideen waren neuartig und bedeutend, aber sie stifteten
auch Verwirrung, weil er sich metaphysisch ausdrückte." C.
D. Darlington (in "Gesetze des Lebens")
Friedrich Leopold August Weismann wurde am 17.
Januar 1834 als Sohn des Gymnasialprofessors für alte Sprachen
und Literatur Johann Weismann und seiner Frau Elise in Frankfurt
am Main geboren. Die hochmusikalische Mutter sorgte dafür,
daß August schon mit vier Jahren Musikunterricht erhielt.
Durch seinen Klavierlehrer, der ein großer Naturfreund war,
wurde Weismann früh zu einem begeisterten Schmetterlingssammler.
Später machte ihn ein Apotheker auf Exkursionen mit der Pflanzenwelt
in der Umgebung seiner Heimatstadt vertraut.
Als Weismann 17 Jahre alt war, starb seine Mutter an Typhus. Nach
dem Abitur wollte er zunächst Naturwissenschaften studieren,
entschied sich dann aber wegen der besseren Berufsaussichten für
das Studium der Medizin in Göttingen, wo er auch die Gelegenheit
hatte, naturwissenschaftliche Vorlesungen zu hören. Er hatte
so hervorragende Hochschullehrer wie den Anatomen F. G. J. Henle,
den Mediziner E. K. J. Siebold, den Physiker W. E. Weber, den
Chemiker F. Wöhler sowie den Zoologen und Physiologen R.
Wagner.
1857 promovierte Weismann mit dem biochemischen
Thema "Über dem Ursprung der Hippursäure im Körper
des Menschen". Anschließend ging er für ein Jahr als
Assistenzarzt an die Universität Rostock und arbeitete dort
für ein weiteres Jahr als unbezahlter Assistent des Chemikers
F. Schulze. Auf einem Umweg über Wien kehrte Weismann nach
Frankfurt zurück und ließ sich als praktischer Arzt
nieder.
Als es im Sommer 1859 zu einem kurzen Krieg zwischen
Österreich und dem Piemont kam, arbeitete Weismann als Oberarzt
des Badischen Heeres in den österreichischen Feldlazaretten
von Bozen und Verona. Nach der Entlassung aus dem Badischen Heer
unternahm Weismann Studienreisen nach Paris und Gießen,
wo er sich bei dem hervorragenden Zoologen R. Leuckart vertiefte
Kenntnisse in der Zoologie aneignete. Weismann nahm dann eine
Anstellung als Leibarzt des in Schaumburg an der Lahn (heute in
den kleinen Ort Balduinstein eingemeindet) residierenden habsburgischen
Erzherzogs Stephan an, weil er hoffte, dabei viel Zeit für
eigene Arbeiten erübrigen zu können. In der Bibliothek
des Schlosses las Weismann 1861 Darwins Buch "Über den Ursprung
der Arten" und wurde sofort zu einem begeisterten Anhänger
der Evolutions-Theorie. Damit waren für ihn auch die Weichen
gestellt, sich endgültig dem Studium der Biologie zu widmen.
Einer Anregung Leuckarts folgend begann er in seiner
neuen Stelle die Keimesentwicklung der Dipteren zu untersuchen,
wobei ihm wichtige neue Erkenntnisse über die Metamorphose
der Fleischfliegen und Corethra-Mücken gelangen. Nachdem
Weismann nach Freiburg umgezogen war, führte er diese Arbeiten
weiter, die 1863 zu seiner Habilitationsschrift "Über die
Entstehung des vollendeten Insekts in der Larve und Puppe
"
führte. 1867 wurde er planmäßiger außerordentlicher
Professor auf dem neu errichteten Lehrstuhl für Zoologie
an der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg.
Da ihm damit die wirtschaftliche Zukunft gesichert schien, heiratete
er seine Verlobte Mary Gruber. Aus der Ehe gingen in den folgenden
Jahren sechs Kinder hervor.
Bereits 1865 hafte sich bei Weismann ein Augenleiden
eingestellt, das ihn für zehn Jahre am Mikroskopieren hinderte,
und auch später trat es sporadisch auf. Diese Zeit war jedoch
für Weismanns Entwicklung als Wissenschaftler außerordentlich
fruchtbar; denn wegen der erzwungenen Zwangspause in der praktisch-mikroskopischen
Forschung beschäftigte er sich zunehmend mit grundlegend
theoretischen Fragestellungen: Vor allem versuchte er, die bisherigen
Erkenntnisse auf den Gebieten der Cytologie und Evolutions-Theorie
zusammenzuführen. Auf diese Überlegungen, die seine
größte Bedeutung als Wissenschaftler ausmachen, wird
unten genauer eingegangen. Weitere wissenschaftliche Arbeiten
befaßten sich mit dem Saisondimorphismus bei Schmetterlingen,
dem Generationswechsel von Wasserflöhen sowie der Keimzellenbildung
bei Hydromedusen. 1886 starb seine Frau. Eine zehn Jahre später
geschlossene zweite Ehe zerbrach nach einigen Jahren an der Morphiumsucht
der Frau, die sich auch durch Entziehungskuren nicht heilen ließ.
Danach wurde Weismann von seiner früh verwitweten Tochter
Therese versorgt, die mit ihren fünf Kindern in sein Haus
zog. 1912 wurde Weismann emeritiert. In den letzten Jahren stand,
wie in früher Kindheit, die Musik wieder im Mittelpunkt seines
Lebens. Sein Sohn, der Komponist Julius Weismann, spielte ihm
regelmäßig vor; besonders liebte er Bach.
Nach kurzer Krankheit starb August Weismann am 5. November 1914.