Alexander
der Grosse
Alexander wurde im Juli 356 v.Chr. als Sohn von Philipp II. von
Makedonien und Olympias in Pella geboren. Sein Vater nutzte die
Schwäche der unter sich zerstrittenen griechischen Stadtstaaten
geschickt aus und brachte grosse Teile Griechenlands in die Einflusssphäre
Makedoniens. Alexander genoss eine ausgezeichnete Ausbildung beim
Philosophen Aristoteles.
Schon im Alter von 16 Jahren führte Alexander erfolgreich
ein makedonisches Heer gegen ein Volk in Thrakien. Nach der Ermordung
seines Vaters durch einen Leibwächter anlässlich der Vermählung
von Alexanders Schwester übernahm der 20-jährige Alexander
selbst die Herrschaft und liess innenpolitische Gegner umbringen.
Nach ein paar Feldzügen im Hinterland von Makedonien wandte
sich Alexander gegen die Griechen, die nach dem Tod von Philipp
wieder von Makedonien abgefallen waren. Durch seinen schnellen Vormarsch
verhinderte er eine gemeinsame Abwehrstrategie der Griechen, zerstörte
die Stadt Theben bis auf die Grundmauern und erreichte so rasch
die Kapitulation der anderen Städte, welche nicht auch das
Schicksal von Theben erleiden wollten.
334 überschritt Alexander mit einem Heer von etwas mehr als
30000 Mann den Hellespont. Dies markierte den Angriff auf das Reich
der Perser, welches sich damals vom Mittelmeer bis nach Indien erstreckte
und auch Ägypten umfasste. Nach dem Sieg am Fluss Granikos
über die persischen Statthalter konnte Alexander ungehindert
nach Osten ziehen. In der Ortschaft Gordion befand sich ein Wagen,
der mit einem kunstvoll verschlungenen Knoten versehen war. Wer
diesen "gordischen Knoten" lösen konnte, sollte die
Herrschaft über Asien erhalten. Alexander, so wird berichtet,
habe sein Schwert gezückt und den Knoten kurzerhand durchtrennt.
Auf dem weiteren Vormarsch Richtung Persien traf Alexander im Spätherbst
333 auf den persischen Grosskönig Dareios, der ihm bei Issos
mit einem gewaltigen Heer entgegentrat. Alexander siegte auch in
dieser Schlacht und konnte anschliessend das persische Lager ohne
grosse Gegenwehr einnehmen. Neben riesigen Schätzen fielen
ihm auch Dareios' Frau und seine Töchter in die Hände.
Als ihm Dareios im Austausch für die gefangenen Frauen die
Abtretung aller Gebiete westlich des Euphrat anbot, lehnte Alexander
dies ab, da er viel mehr im Sinn hatte.
Er zog nun mit seinem Heer zunächst nicht mehr Richtung Osten,
sondern nach Süden, um bei seinem späteren Vormarsch keine
gegnerischen Kräfte im Rücken zurückzulassen. Nach
monatelanger Belagerung gelang die Eroberung der wichtigen Hafenstadt
Tyros. Die Juden unterwarfen sich daraufhin freiwillig, und in Ägypten
wurde Alexander als Befreier empfangen und zum Pharao gekrönt.
An der Nordküste Ägyptens gründete er die nach ihm
benannte Stadt Alexandria, die später zu einem Zentrum der
antiken Welt werden sollte. In der Oase Siwa befragte er das Orakel
des Zeus Ammon, wo er als Sohn von Zeus bezeichnet wurde - daher
liess er sich gerne auf Münzen mit den Hörnern des Widders
abbilden, der dem Zeus Ammon heilig war. Auch die griechische Kolonie
Kyrene, die sich westlich von Ägypten an der Küste des
Mittelmeeres befand, unterwarf sich Alexander. Damit war der Weg
frei für die Eroberung des persischen Kernlandes.
Im Sommer 331 durchquerte Alexander mit seinem Heer die mesopotamische
Wüste und überschritt die Flüsse Euphrat und Tigris.
Am 1. Oktober kommt es zur Entscheidungsschlacht bei Gaugamela,
die Alexander wiederum gegen ein scheinbar übermächtiges
persisches Heer für sich entscheiden kann. Den Ausschlag gab
ein direkter Angriff durch Alexander persönlich und seine Reiterei
auf Dareios, der den Zweikampf scheute und sich zur Flucht wandte.
Als das Heer bemerkte, dass der Oberbefehlshaber sich auf der Flucht
befand, liess es ebenfalls vom Kampf ab, obwohl zumindest einige
Verbände die Makedonen schon beinahe geschlagen hätten.
Dareios floh vor Alexander nach Medien, so dass diesem die grossen
persischen Städte meist kampflos in die Hände fielen:
Babylon, Susa (wo sich auch der Königspalast befand) und Persepolis.
Als Rache für die Zerstörung Athens durch die Perser liess
Alexander Persepolis vollständig dem Erdboden gleich machen.
Danach führte er die Verfolgung von Dareios weiter und zog
weiter nach Osten. Dareios wurde auf der Flucht von einem Gefolgsmann
ermordet, der so die Freundschaft von Alexander erreichen wollte.
Alexander erwies allerdings dem toten Dareios die gebührenden
Ehren und verfolgte nun dessen Mörder.
In den folgenden Jahren unterwarf sich Alexander alle im Osten
gelegenen Reichsteile, die sich auf dem Gebiet des heutigen Iran,
Afghanistan und Pakistan befanden. Als eigene seiner Generäle
sich gegen ihn zu stellen schienen, liess er sie kurzerhand ermorden.
Dadurch und durch die Übernahme persischer Sitten entfremdete
sich Alexander immer mehr von seinen ursprünglichen makedonischen
Gefolgsleuten.
Als Alexander, der von ihm Weltreich träumte, nach einigen
siegreichen, aber unter hohen Verlusten geschlagenen Schlachten
auch noch ganz Indien erobern wollte, meuterte das Heer, das nun
schon fast 10 Jahre fern von der Heimat kämpfte. Nur mit grosser
Verbitterung nahm Alexander Abschied von seinen Eroberungsplänen
und stimmte einem Rückzug zu. Während sich ein Teil des
Heeres auf dem Seeweg von der Mündung des Indus nach Persien
zurückbegab, wählte Alexander für sich den Weg durch
die Wüsten von Südiran, die nach der Überlieferung
vor ihm noch niemand durchquert hatte. Alexander gelang zwar auch
diese Durchquerung, allerdings unter dem Verlust grosser Teile seines
Heeres.
Als Alexander schon die nächsten Feldzüge (gegen Arabien
und gegen den Westen des Mittelmeerraumes plante), erkrankte er
im Frühjahr 323 in Babylon schwer. Am 10. Juni starb er dort
an den Folgen seiner Erkrankung, die schon früh auf unnatürliche
Ursachen (Vergiftung) zurückgeführt wurde. Da keine Nachfolgeregelung
bestand, zerfiel das Reich rasch in verschiedene Teile, deren Herrscher
sich gegenseitig bekämpften. Nichtsdestoweniger sorgte der
Alexanderzug für einen gewaltigen Kulturaustausch zwischen
Ost und West und war Grundlage für den Hellenismus, die Blüte
der griechischen Kultur im östlichen Mittelmeerraum.
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