Berlusconi, der Cavaliere...
Am 1. September 2011 wurde bekannt, dass Silvio
Berlusconi in einem abgehörten Telefonat offen über
sein Land geschimpft hat:
«Die Leute können sagen, dass ich vögle. Das
ist das Einzige. In ein paar Monate werde ich fortgehen und mich
um meine eigenen Angelegenheiten kümmern. Ich verlasse dieses
Scheissland, bei dem ich kotzen könnte.»
Doch das war längst nicht der erste verbale Aufreger des
Silvio Berlusconi.
Wer war Silvio Berlusconi, der 17 Jahre lang von vielen
bewundert Italien geprägt hat?
Silvio Berlusconi (*1936) ist ein schillernder Populist und
ein Verkäufer seiner persönlichen Ideen, ein Unternehmer,
der durch zweifelhafte politische Aktionen, durch eine unternehmerische
Beziehungen und durch fehlende gesetzliche Schranken zum reichsten
Italiener aufstieg.
Sein Geld und seine Macht haben Millionen von Italiener in den
Bann gezogen, er war das Vorbild für Erfolg und Einfluss
und zugleich wurde er wegen seines lockeren Lebens von vielen
bewundert.
Er kontrolliert mit seinen Medien-Unternehmen weite Teile der
Fernsehlandschaft Italiens. Weiter gehören ihm Zeitschriften,
Werbeagenturen, Kaufhäuser, Baugesellschaften und viele weitere
Unternehmen.
Sein Aufstieg ist begleitet von zahlreichen dunklen Aktionen,
welche ihn immer wieder in zahllose Gerichtsverfahren verwickelten
und immer noch verwickeln. Als seine politischen Gönner Anfang
der 90er Jahre durch die Anti-Korruptionskampagnen aus ihren Ämtern
katapultiert wurden, schuf sich Berlusconi mit Hilfe seiner geballten
Medienmacht eine eigene Partei, mit deren Hilfe er amtierender
Ministerpräsident wurde.
In Europa besteht keine auch nur annähernde Machtposition
eines Ministerpräsidenten, der neben der politischen Macht
auch das Fernsehen kontrolliert und wirtschaftlich sehr potent
ist. Es scheint auch, dass Berlusconi in Sizilien das politisch-juristische
Bündnis mit der Mafia von den Christdemokraten übernommen
hat.
Berlusconis dunkle Seiten
Spiegel online beschreibt die folgenden Skandale von Berlusconi:
Sexskandale
"Mit seinem großherzigen Einsatz für ein Partygirl
sorgte Berlusconi im Oktober für Aufsehen. Der 74-Jährige
soll eine junge Marokkanerin mit einem Anruf vor der Justiz bewahrt
haben. Berichten zufolge soll er die 17-Jährige nicht nur
zu Festen in seine Residenz bei Mailand eingeladen haben, sondern
sie höchstpersönlich vor einer Festnahme wegen Diebstahls
bewahrt haben.
Als Kandidatinnen der Regierungspartei für die Europawahl
2009 schlug Berlusconi drei junge Schönheiten vor: eine ehemalige
TV-Ansagerin, eine Fernsehschauspielerin und eine Sängerin.
"Schamlose Luder im Dienst der Macht", kommentierte
seine damalige Ehefrau Veronica Lario. Sie reichte 2009 die Scheidung
ein.
Eine angebliche Affäre mit der Schülerin Noemi Letizia
hatte schon zuvor für Aufsehen gesorgt. Nach einem Besuch
des Medienmoguls auf Noemis Party zum 18. Geburtstag hatte Lario
öffentlich gesagt, Berlusconi treffe sich "mit Minderjährigen".
Gerüchte um eine Liaison mit der Schülerin, die ihn
"Papi" nannte, wies er zurück. " (Quelle spiegel
online)
Mafia-Nähe
"Im März wurde ein Senator von Berlusconis Regierungspartei
PdL unter Mafia-Verdacht festgenommen. Unter anderem geht es um
Wahlbetrug und Geldwäsche. Der Politiker soll zudem mit Hilfe
der Mafia ins Parlament gekommen sein. Zuvor hatte ein ehemaliger
Mafiakiller Berlusconi vor Gericht mit einer Serie von Bombenanschlägen
in Verbindung gebracht. " (Quelle: spiegel online)
Verbale Entgleisungen
"Erst sorgte Silvio Berlusconi mit einem Hitler-Witz für
Wirbel, dann erregte er mit einem Juden-Witz im Oktober großen
Unmut: Die Empörung über Berlusconi war groß -
doch der Premier leistet sich immer neue Entgleisungen. Jüngster
Fauxpas: Auf harsche Kritik an seinem mutmaßlichen Interesse
an einem minderjährigen Partygirl sagte Berlusconi, er schaue
eben gerne Frauen an, das sei besser "als schwul zu sein".
Bereits nach einem Erdbeben in den Abruzzen 2009 gab Berlusconi
den in Zelten untergebrachten Opfern Empfehlungen der besonderen
Art. "Man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende",
sagte er bei einem Besuch in der Region. Bei der Katastrophe waren
mehr als 290 Menschen ums Leben gekommen, 50.000 wurden obdachlos.
" (Quelle: Spiegel online)
Bestechungen und Korruption
"Ein Korruptionsprozess gegen Berlusconi wurde 2008 vorübergehend
ausgesetzt, weil ihm ein neues umstrittenes Gesetz Immunität
verlieh. Zuvor musste sich der Medien-Milliardär wegen der
Bestechung des britischen Anwalts David Mills verantworten. 1998
soll Berlusconi 600.000 US-Dollar, umgerechnet 446. 000 Euro,
bezahlt haben, damit dieser in Prozessen gegen seinen Medienkonzern
Falschaussagen macht. Das Verfassungsgericht hat das Gesetz mittlerweile
gekippt. Mehrere Verfahren gegen Berlusconi können damit
neu aufgerollt werden. " (Quelle: Spiegel online)
Eine Zusammenstellung der Prozesse, welche Berlusconi am Hals
hat oder hatte, sind hier zu finden (aus Wikipedia)
Verurteilungen mit anschließender Amnestie
Meineid im Fall Propaganda Due: Berlusconis Name wurde 1981 bei
einer Hausdurchsuchung bei dem Leiter der Loge, Licio Gelli, auf
der Mitgliederliste gefunden. Seine Mitgliedsnummer war 1816 und
sein Grad der eines Lehrlings. Berlusconi hatte zuvor die Mitgliedschaft
abgestritten und wurde deswegen 1990 wegen Meineides verurteilt,
profitierte jedoch von einer Amnestie des Parlaments.
Bilanzfälschung im Fall Villa di Macherio: Es geht um den
Kauf von Grundstücken rund um eine von Berlusconis Villen.
Freisprüche wegen Verjährung
Drei Schmiergeldzahlungen an die Finanzpolizei: Das Delikt verjährt
deswegen, weil das Berufungsgericht „mildernde Umstände“
attestiert.
Bilanzfälschung im Fall Lentini: Beim Kauf eines Fußballspielers
wurde mehr Geld gezahlt als offiziell angegeben.
Richterbestechung im Fall Lodo Mondadori: Das Berufungsgericht
stuft den Fall als „einfache Korruption“ und nicht
als „Korruption in Gerichtsverfahren“ ein, deswegen
ist der Fall verjährt.
Richterbestechung im Fall Sme-Ariosto 1: Es geht um den Kauf und
Verkauf des staatlichen Lebensmittelkonzerns Sme.
Schmiergeldzahlung an den ehemaligen Ministerpräsidenten
Bettino Craxi
Freisprüche aus Mangel an Beweisen
Schmiergeldzahlung an die Finanzpolizei
Bilanzfälschung beim Kauf des Unternehmens Medusa Cinematografica
Richterbestechung im Fall Sme-Ariosto 1
Bilanzfälschung im Fall Sme-Ariosto 2
Anklagen, die inzwischen keinen Tatbestand mehr darstellen
Bilanzfälschung im Fall All Iberian: Ein von der Regierung
Berlusconi II erlassenes Gesetz beendete den Prozess.
Freisprüche
Illegale Aneignung, Steuerbetrug und Bilanzfälschung im Fall
Villa Macherio: Es geht um den Kauf von Grundstücken rund
um eine von Berlusconis Villen.
Richterbestechung im Fall Sme-Ariosto 1
Archivierte Untersuchungen
Drogenhandel: Die Finanzpolizei hörte eine Zeit lang die
Telefonleitungen Berlusconis ab, ohne irgendetwas Verdächtiges
in Erfahrung zu bringen.
Preisabsprachen RAI-Fininvest: Berlusconi wurde angeklagt, als
Ministerpräsident Preisabsprachen bei der Fernsehwerbung
zwischen der staatlichen Anstalt RAI und seinem Konzern Fininvest
vorangetrieben zu haben.
Schmiergeldzahlung an Beamte im Finanzministerium: Berlusconi
soll Schmiergelder gezahlt haben, um eine Steuersenkung auf Bezahlfernsehen
zu erreichen und Rückzahlungen zu erhalten.
Mafia-Anschläge ’92–’94: Berlusconi wird
verdächtigt, Auftraggeber mehrerer Attentate zwischen 1992
und 1994 gewesen zu sein. Die Untersuchungen stützen sich
dabei auf mehrere Aussagen von festgenommenen oder übergelaufenen
Mafiosi.
Verdacht auf äußere Mitwirkung an einer mafiaartigen
Vereinigung und Geldwäsche in Palermo
Bilanzfälschung der Fininvest von 1988 bis 1992
Bilanzfälschung der konsolidierten Fininvest
Laufende Verfahren
Missachtung des Anti-Trust-Gesetzes in Spanien und Steuerbetrug
durch das Berlusconi-Unternehmen Telecinco: Das Verfahren wird
aufgeschoben, um die Beziehungen zwischen Italien und Spanien
nicht zu belasten.
Schmiergeldzahlungen an David Mills. Ein Gesetzesentwurf soll
die Verhandlungen für ein Jahr aussetzen, so dass der Fall
verjährt wäre.
TV-Rechte, Bilanzfälschung, Steuerbetrug, Veruntreuung
Ein reuiger Mafioso ("Pentito" = Kronzeuge), Gaspare
Spatuzza, beschuldigte Berlusconi vor Gericht, während des
Untergangs des alten Parteiensystems anfangs der 1990er Jahre
der sizilianischen Mafia mit seiner noch jungen Partei Forza Italia
ein neues Bezugssystem zur Politik geboten zu haben. Er habe dabei
sogar eine Mordanschlags-Serie zur Destabilisierung des alten
Systems ausdrücklich gutgeheißen. Im Gegenzug sei ihm
die Mafia beim Aufbau seines Wirtschafts-Imperiums behilflich
gewesen. Berlusconi bestreitet diese Vorwürfe.
Ruby-Affäre: Amtsmissbrauch und Förderung der Prostitution
Minderjähriger
Der Baulöwe
Berlusconi studierte Jura und verdiente sich sein Studium u.a.
als Sänger auf Kreuzfahrtschiffen bis er 1959 im Alter von
23 Jahren Geschäftsführer eines Bauunternehmens wurde.
Von Ehrgeiz getrieben machte er sich 1961 selbständig, um
große Wohn- und Geschäftskomplexe um Mailand zu bauen,
finanziert von der Rasini-Bank.
Berlusconi war verantwortlich für die Bauprojekte seiner
EDILNORD-Holding:
• Brugherio (ab 1963 Satellitenstadt für 4000 Personen
gebaut)
• Milano 2 (eine exklusive Vorstadt für 10 000 Bewohner,
die er 1972-79 auf 712 000 qm baute)
• Milano 3 (ab 1978 Vorstadt in Basiglio für 14 000
Einwohner)
• Il Girasole (1979 Europas größte Handelsstadt)
Wie finanzierte Berlusconi sein Imperium?
Die Rasini-Bank, in der Berlusconis Vater Prokurist war und die
ihn mitfinanzierte, geriet in den 80er Jahren in Verdacht Drogengelder
gewaschen zu haben. Berlusconi hatte u.a. enge Kontakte zu Flavio
Carboni, der in viele anrüchige Finanzskandale der Zeit verwickelt
war. Auch der Mafia-Bankier Sindona bestätigte Mafia-Kontakte
der Rasini-Bank.
Berlusconi war u.a. Mitglied der berüchtigten Loge P2, die
1981 aufflog. Bei den folgenden Recherchen ergab sich, dass die
Banken (Banca Nationale del Lavoro, Banco Ambrosiano), die ihm
in den 70er Jahren den Aufstieg mitfinanzierten, in den Händen
von Loge-P2-Mitgliedern waren. Er bekam stets größere
Kredite als es seine Kreditwürdigkeit erlaubt hätte.
Nach Ermittlungen über seine Finanzierungsmethoden von 1978-85
finden sich sehr verschachtelte und fragwürdige Transaktionen,
die dem Zweck dienten, den wahren Geldgeber zu verschleiern. 1978-1985
flossen 94 Millirden Lire in 38 Holdingfirmen (u.a. in der Schweiz)
von Berlusconi, ohne dass Dokumente für die Herkunft dieser
Gelder existieren. Offiziell firmierten die Holdingfirmen u.a.
als Schönheitssalons oder Friseure. Im Mindesten handelt
es sich hier um eine sehr weite Operation zur Steuerhinterziehung,
wenn nicht gar um Geldwäsche - aus welchen Quellen auch immer.
Berlusconi verweigerte jede Mithilfe zur Aufklärung der Transaktionen
und gab den Ermittlern 1998 keinerlei Dokumente, da dies seine
Rechte als Abgeordneter verletzen würde. 2001 versuchte er
vergeblich, weitere Ermittlungen durch ein Gesetz zu verhindern,
das die Zusammenarbeit mit Schweizer Behörden de-facto unmöglich
macht.
Der Verdacht, daß die Sanierung seines überschuldeten
Konzerns Ende der 80er Jahre u.a. mit reingewaschenen Mafia-Mitteln
realisiert wurde, steht im Raum. Nicht nur Antimafia-Staatsanwalt
Giancarlo Caselli aus Palermo verdächtigt einen der Berlusconi-Fernsehkanäle,
Mafia-Gelder gewaschen zu haben. Auch die Rekapitalisierung der
Fininvest-Gruppe steht zur Diskussion. Schließlich wird
seit geraumer Zeit auch gegen den einstigen Fininvest-Spitzenmanager
Marcello Dell'Utri ermittelt, der im Verdacht der Mafia-Zusammenarbeit
steht.
Quellen: http://www.reise-nach-italien.de/berlusconi-justiz.html
