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    Osama bin Laden (1942 - 2011) (englisch here)    
          
   
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Usama ibn Muhammad ibn Awad ibn Ladin (geboren vermutlich am 10. März 1957 in Riad, Saudi-Arabien, gestorben bei einem Tötungsanschlag durch die USA Ende April 2011), kurz als Osama bin Laden bekannt, ist ein Terrorist und spirituelles Oberhaupt verschiedener dschihadistischer Gruppierungen wie beispielsweise al-Qaida. Als Mudschahid kämpfte bin Laden mit Unterstützung der USA gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Später begannen die USA, bin Laden für mehrere Anschläge verantwortlich zu machen, bei denen US-Bürger ums Leben kamen. Dazu werden häufig auch die Terroranschläge am 11. September 2001 gezählt. Auf Hinweise zu seinem Verbleib setzte der US-Senat im Juli 2007 ein Kopfgeld in Höhe von 50 Millionen Dollar aus. Seit 1994 ist er staatenlos.



 
Eltern

Osama bin Ladens Mutter Alia Ghanem stammt aus dem syrischen Latakia und ist eine Palästinenserin. Sein aus dem Jemen stammender Vater Muhammad bin Laden war Bauunternehmer, Multimillionär und saudischer Minister für öffentliche Bauvorhaben. Osama bin Laden ist der Siebzehntgeborene unter dutzenden Halbgeschwistern. Familiäre Eckdaten bleiben ungewiss, weil Muhammad bin Laden viele Kurzehen einging und Geburten oft nicht amtlich gemeldet wurden. Die Angaben zur Zahl der anerkannten Kinder von Muhammad bin Laden schwanken in der Literatur, meist zwischen 52 und 57.
Der Vater Muhammad bin Laden hatte sich um 1931 in der am Roten Meer gelegenen Stadt Dschidda niedergelassen. Ab 1932 gehörte diese dem neuen Königreich Saudi-Arabien an. Sein unternehmerischer Erfolg half Muhammad bin Laden zeitlebens nicht, gesellschaftliche Akzeptanz unter Saudi-Arabern zu finden. Das Stigma ging möglicherweise auf seine Söhne über.
Gerüchte über die Mutter Alia Ghanem besagen, sie und ihre Familie gehören den in Syrien verbreiteten schiitischen Alawiten an. Für Araber, insbesondere für Sunniten, gelten Alawiten gemeinhin nicht als vollwertige Muslime. Angehörige der Familie Ghanem wiesen Behauptungen, alawitisch zu sein, stets zurück.
Osama bin Ladens Eltern lernten einander kennen, als Muhammad bin Laden im Sommer 1956 eine Geschäftsreise nach Syrien unternahm. Alia Ghanem war zu diesem Zeitpunkt nach einigen Quellen erst 14 Jahre alt, nach anderen bereits über 20. Sie trat schon bald in den Haushalt bin Ladens in Dschidda ein. Offen bleibt, ob Alia Muhammads vierte Ehefrau war oder die beiden nur eine Liebschaft unterhielten.
Alia Ghanem war verhältnismässig modern und weltlich eingestellt, trotzdem zeigte sie sich gemäss saudischem Brauch öffentlich nur mit Hidschab. Ihr Familienstand soll aufgrund Herkunft, Alter und Habitus niedrig gewesen sein. Die Annahme besteht, der Familienkreis könnte sie abfällig als „Sklavenfrau“ bezeichnet haben – eine nicht unübliche Bezeichnung für die vierte Ehefrau in Haushalten polygamer Muslime. Osama bin Laden könnte daher den Rufnamen „Sohn der Sklavin“ gehabt haben. Minderwertigkeitsgefühle und Drang nach Selbstvergewisserung gelten daher als sein möglicher Antrieb.
Ursprünge des Familienvermögens
1931 gründete Muhammad bin Laden in Dschidda die „Muhammad bin Laden Company“. Das Bauunternehmen wuchs in den 1940er-Jahren zu einem Branchenführer heran, nachdem Aufträge amerikanischer Ölfirmen zum Ausbau der saudi-arabischen Infrastruktur eingingen. Mit der Erschliessung weiterer Wirtschaftszweige ab 1950 wurde das Unternehmen zur Dachgesellschaft „Saudi Binladin Group“ umgewandelt.
Unter der Regentschaft von König Ibn Saud, 1932 bis 1953, gelang es Muhammad bin Laden, Bande zum saudischen Königshaus zu knüpfen. Sie verfestigten sich in der Herrschaftszeit von Ibn Sauds Söhnen Saud, 1953 bis 1964, und Faisal, 1964 bis 1975. Unter Faisal diente Muhammad bin Laden als ehrenamtlicher Minister für öffentliche Bauvorhaben. Er verantwortete in den 1950er-Jahren den Bau königlicher Paläste, den Ausbau des saudi-arabischen Strassennetzes und die Renovierung sakraler Stätten. Zu dieser Zeit erwarb Muhammad bin Laden beträchtlichen Reichtum.
Osama bin Laden beschrieb seinen Vater in einem 1999 ausgestrahlten TV-Interview als einen der „Begründer der Infrastruktur Saudi-Arabiens“. Er stellte fest, sein Vater leitete in den 1950er- und 1960er-Jahren die Renovierung samt Modernisierung dreier bedeutender Moscheen, nämlich der Al-Haram-Moschee in Mekka, der Prophetenmoschee in Medina und der al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem. Sein Vater habe dabei zum Teil ohne Profit kalkuliert.
Die Aktienanteile der „Saudi Binladin Group“ werden im Familienbesitz gehalten. Unter der Firmenleitung von Osama bin Ladens Brüdern Salim, 1972 bis 1988, und Bakr, seit 1988, wuchs die SBG zum Mischkonzern mit Beteiligungen an transnationalen Unternehmen heran. Neben dem Stammgeschäft im Baugewerbe operiert der Konzern unter anderem in der Automobilindustrie, im Telekommunikationsgewerbe und auf dem Agrarsektor. Zudem ist die SBG Eigentümer vieler Immobilien und hält Anteile an Banken nebst Investmentfirmen. Die verschiedenen Unternehmensbereiche sowie ausländische Vertretungen werden vornehmlich von weiteren Brüdern Osama bin Ladens geführt. Das Gesamtvermögen wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt. Trotz der Belastung durch die Aktivitäten Osama bin Ladens seit den frühen 1990ern unterhalten Familie und Unternehmen weiterhin gute Kontakte zum Hause Saud.
Kindheit und Jugend
Osama bin Laden wurde zwischen März 1957 und Februar 1958 geboren. Er war das einzige gemeinsame Kind von Muhammad bin Laden und Alia Ghanem. Das genaue Geburtsdatum ist nicht belegt, und Osama bin Laden selbst gab unterschiedliche Daten an. Im Jahr 1991 zitierte ihn eine arabische Zeitung, er sei im Monat Radschab des islamischen Jahres 1377 bzw. im Januar oder Februar 1958 nach Gregorianischem Kalender auf die Welt gekommen. In einem 1998 aufgezeichneten und 1999 gesendeten Interview mit dem Nachrichtensender Al-Dschasira soll er den 10. März 1957 genannt haben. Als Geburtsort identifizierte bin Laden den Malaz-Bezirk der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Weil sich die Angabe eines genauen Geburtstages – im Gegensatz zu dem des Geburtsortes – nicht in der offiziellen Abschrift des Al Dschasira-Interviews wiederfindet, schlussfolgert Lawrence Wright, bin Laden sei wahrscheinlich im Januar 1958 geboren. In der Interview-Abschrift wird bin Laden nur damit zitiert, er sei im Jahr 1377 geboren (also nach christlicher Zeitrechnung zwischen Juli 1957 und Juli 1958). Der Vorname Osama bedeutet Löwe und erinnert an einen der Weggefährten des Propheten Mohammed.
Seine früheste Kindheit verbrachte Osama bin Laden zeitweise dort, wo sein Vater in Saudi-Arabien Bauaufträge ausführte. Ab dem sechsten Lebensmonat wohnte er stets in der heimatlichen Region Hedschas, und zwar abwechselnd in Mekka, Medina und Dschidda. Seine frühe Ortsnähe zu heiligsten Stätten hat Osama bin Laden in Interviews wiederholt herausgehoben. Aufenthaltsort des jungen Osama bin Laden war zumeist das weitläufige, aber schlichte Haus der Familie bin Laden im Vorort al-Amarija von Dschidda. Den häufig auf Geschäftsreisen befindlichen Vater sah Osama nur selten. Und selbst wenn dieser sich in Dschidda aufhielt, war es angesichts vieler Geschwister im Haushalt unmöglich, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen.
Als Osama bin Laden vier oder fünf Jahre alt war, liess sich Muhammad bin Laden von Alia scheiden. Für seine Exfrau Alia arrangierte Muhammad bin Laden eine neue Ehe mit dem Firmenangestellten Mohammed al-Attas. Osama begleitete seine Mutter in deren neues Domizil, das einige Blocks vom Familiensitz der bin Ladens in Dschidda entfernt lag. Im neuen Haushalt kümmerte er sich als älterer Bruder auch um die Erziehung der vier Halbgeschwister – drei Jungen, ein Mädchen. Zu seiner Mutter hatte Osama bin Laden ein inniges Verhältnis, das zum Stiefvater war aufgrund von dessen Tätigkeit für den leiblichen Vater aber kompliziert.
Von seinem Jugendfreund Chaled Batarfi wird der junge Osama als „ruhig, scheu, fast mädchenhaft“ beschrieben. Ehemalige Schulfreunde erinnern sich an Osamas Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit. Bin Laden galt ferner als durchweg friedfertig und selten jähzornig. Er liebte es, in seiner Kindheit fernzusehen, vor allem amerikanische TV-Serien wie Bonanza und Fury. Mit Freunden spielte er häufig Fussball, war aber selbst nur ein mittelmässiger Spieler.
Muhammad bin Laden starb am 3. September 1967 bei einem Flugzeugabsturz in der saudi-arabischen Provinz Asir, als Osama bin Laden etwa zehn Jahre alt war. Da sie nicht volljährig waren, konnte keiner der Söhne Muhammads das väterliche Erbe antreten, woraufhin König Faisal drei Treuhänder ernannte, die das Familienvermögen für einige Jahre verwalten und sich um eine standesgemässe Ausbildung der Söhne kümmern sollten.
Bin Laden besuchte ab 1968 die weltlich-westlich orientierte al-Thagr-Schule, eine angesehene staatliche Bildungseinrichtung im Zentrum Dschiddas. Wie alle al-Thagr-Schüler trug er dort eine Schuluniform nach angelsächsischem Vorbild und wurde unter anderem von britischen und irischen Englischlehrern unterrichtet. Als „durchschnittlichen“ Schüler bezeichnete ihn Ahmed Badib, der ihn in Naturwissenschaften unterrichtete; der irische Gastlehrer Seamus O’Brien erinnerte sich an bin Laden als „guten“ Schüler. Im Gegensatz zu seinen Halbbrüdern, die Schulen in England und im Libanon besuchten, blieb Osama bin Laden jedoch in Saudi-Arabien (? Abschnitt Frühe Auslandsaufenthalte). Seine Halbbrüder bereisten auch später Nordamerika und Europa und waren daher eher kosmopolitisch eingestellt.
Als Jugendlicher und junger Erwachsener erfuhr Osama bin Laden auch jene Privilegien, die dem Reichtum seiner Familie entsprachen. Seine Ferien verbrachte er beim Bergsteigen in der Türkei oder mit Freunden auf Safari in Kenia. Schon früh besass Osama bin Laden mehrere Limousinen, mit denen er manchmal zu schnell gefahren sein soll. Einen Unfall mit Totalschaden seines Chryslers überstand er dabei unverletzt. Die Familie besass ein Landgut in einer Oase südlich von Dschidda, auf der Pferde gehalten wurden, einige davon Eigentum Osama bin Ladens. Bin Laden war für die risikoreiche Art bekannt, mit der er die Wüste mit Geländewagen und zu Pferd durchquerte.
Osama bin Laden zeichnete sich durch Häuslichkeit und Aufrechterhaltung familiärer Beziehungen aus. Nach eigener Erinnerung hat er schon in früher Jugend auf Strassenbaustellen des Familienunternehmens mitgeholfen. Als die bin-Laden-Gesellschaft einen grossen Bauauftrag übernehmen sollte, wollte er die Schule verlassen, um sich im Familienunternehmen zu bewähren. Erst der Widerspruch seiner Mutter, so bin Ladens Erinnerung im Jahr 1991, habe ihn zum Umdenken bewegt: „Ich konnte den Tränen meiner Mutter nicht widerstehen. Ich musste an die Schule zurückkehren und meine Ausbildung beenden.“
Entdeckung von Religion und Politik


Osama bin Laden
Bin Laden wuchs in der Tradition des Wahhabismus bzw. Salafiyyas auf, eine hanbalitische Richtung des sunnitischen Islam. Es ist nicht bezeugt, dass er in früher Jugend ein inniges Verhältnis zu Religion und Politik hatte. Jedoch lernte er schon früh Personen religiöser Prägung kennen. Während des Dhu l-hiddscha bot Vater Muhammad bin Laden regelmässig zahlreichen Mekkapilgern eine Bleibe, darunter hohe Geistliche und Anführer islamischer Bewegungen. Muhammad bin Laden war an theologischen Fragen interessiert und regte seine Gäste häufig zu entsprechenden Debatten an.
Osama bin Ladens Intimität zu Religion könnte sich an der al-Thagr-Schule unter dem Einfluss eines als charismatisch beschriebenen syrischen Sportlehrers entwickelt haben. Bin Laden nahm an Treffen eines Studienzirkels teil, den der Lehrer ins Leben rief, um Koranpassagen und Hadiths mit Interessierten zu diskutieren und zu verinnerlichen. An Prinzipientreue appellierend, schilderte der Lehrer unter anderem Gleichnisse, um fundamentalistisch motivierte Gewalt zu legitimieren. Der Lehrer gehörte mutmasslich der Muslimbruderschaft an, der sich Osama bin Laden später, aber noch während der Schulzeit, ebenfalls anschloss.
Es war kennzeichnend für die in den 1970er-Jahren vor allem in Ägypten und Syrien verbreitete Muslimbruderschaft, religiöse und politische Überzeugungen ideologisch zu verbinden. Sie wünschte einen revolutionären und antiimperialistischen Gesinnungswandel der muslimischen Welt. Dies stand mit saudischem Wahhabismus in Konflikt, denn die systembewahrende und sozialkonservative Ulema stützt die Herrschaft des Königshauses Saud. Obwohl sich die Muslimbrüder in Saudi-Arabien organisierten, strebten sie dort nicht nach politischem Umsturz.
Osama bin Laden wandte sich ab dem 14. Lebensjahr der Religion zu und übte strikte Selbstkasteiung. Dies forderte er ebenso Mitgliedern des al-Attas-Haushaltes ab, insbesondere seinen Halbgeschwistern. Zu den fünf täglichen Gebetszeiten legte er eine weitere um 1:00 Uhr nachts ein, fastete wie Mohammed an zwei Tagen der Woche, trug fortan kaum westliche Kleidung mehr und kehrte sich von Musik wie Fernsehen ab.
Osama bin Laden äusserte jetzt Besorgnis über den Zustand der arabischen und muslimischen Welt im Allgemeinen und die Lage der Palästinenser im Besonderen. Er sah den Grund politischer Malaise in allgemeiner Vernachlässigung von Religion. Er klagte, die Muslime seien gottesfern und jugendliche Muslime bloss damit beschäftigt, sich Weltlichem hinzugeben.
Auch Brüder Osama bin Ladens galten als sehr fromm. Osama bin Ladens gleichwohl striktere Religiosität erfuhr in der Familie eher Bewunderung, keineswegs Kritik. Doch beobachtete Mutter Alia Ghanem die spätere Radikalisierung ihres Sohnes mit Sorge.
Studium
1976 immatrikulierte Osama bin Laden für Betriebswirtschaft und Bauingenieurwesen an der König-Abdul-Aziz-Universität zu Dschidda. Allerdings widmete er religiösen Aktivitäten mehr Aufmerksamkeit als seinem Studium. Er gründete eine religiöse Wohlfahrtsorganisation, in deren Rahmen er mit anderen Studenten den Koran und die Lehre vom Dschihad interpretierte.
Eine Reihe von Professoren der König-Abdul-Aziz-Universität waren Anhänger der Muslimbruderschaft. Mit dem Ziel, auf Basis des Korans politische und religiöse Ordnung in Einklang zu bringen, traten sie für die Umgestaltung muslimischer Gesellschaften ein. Der Flügel radikaler Muslimbrüder propagierte dabei einen gewaltsamen politischen Kampf, der sich gegen moderate Muslime zu richten versuchte.
Einige Quellen geben an, dass Osama bin Laden sich erst in dieser Zeit radikaleren politischen Lehren zuwandte. Diese beruhten vor allem auf Schriften des Ägypters Sayyid Qutb. Hierzu hielt Mohammad Qutb, der sich als Bannerträger der Lehren seines 1966 hingerichteten Bruders verstand, regelmässige Vorträge an bin Ladens Universität. Bin Laden wohnte den Vorträgen bei. Doch zögerte er nach Erinnerung seines Freundes Dschamal Chalifa, bevor er jenen Lehren zustimmte. Die revolutionäre Rhetorik radikaler Muslimbrüder übte auf junge Studenten wie Chalifa und bin Laden eine gewisse Anziehung aus. Die Rhetorik unterschied sich von der konservativen Haltung saudischer Theologen.
Bin Laden suchte während seines Studiums ein Betätigungsfeld im Unternehmen des Vaters. Auf Drängen gaben ihm seine Brüder eine Teilzeitanstellung. Bin Laden überwachte den Bau von Strassen, Hotels und Pilgerunterkünften in Mekka. Dort legte er selbst Hand an und bediente schweres Arbeitsgerät. Obwohl er in Interviews späterer Jahre betonte, er habe seinerzeit Nebenverdienst und Studium vereinbaren können, hielt er den Belastungen nicht stand. 1979, ein Jahr vor dem eigentlichen Abschluss, verliess er die Universität. Nach widersprüchlichen Berichten habe er dennoch 1979 oder 1981 einen Universitätsabschluss im Bauingenieurswesen oder im öffentlichen Verwaltungswesen erlangt.
Familienleben
Osama bin Laden hat zusammen mit fünf Ehefrauen mindestens 24 Kinder. Von einer Ehefrau wurde er geschieden.
1974, als bin Laden 16 oder 17 Jahre alt war, heiratete er zum ersten Mal. Seine Ehefrau wurde die vierzehnjährige Cousine Najwa Ibrahim Ghanem, die Tochter eines Onkels mütterlicherseits. Er kannte sie durch jährliche sommerliche Besuche bei Verwandten in Syrien. Das junge Paar lebte noch mehrere Jahre im Haushalt seiner Mutter und seines Stiefvaters.
Das erste gemeinsame Kind, Abdullah, wurde einige Jahre nach der Hochzeit geboren. Im Laufe der Zeit brachte die Ehe zehn weitere Kinder hervor. Obwohl säkular aufgewachsen, trug Najwa seit ihrer Hochzeit mit Osama in der Öffentlichkeit stets den für saudische Frauen üblichen Hidschab. Osama bin Ladens frühere Schwägerin Carmen bin Laden beschreibt Najwa als „blutjung, unterwürfig und ständig schwanger“.
Noch während des gemeinsamen Studiums entschlossen sich bin Laden und sein Freund Dschamal Chalifa, einen polygamischen Lebensstil zu führen. Dieser wurde in Saudi-Arabien mittlerweile als inakzeptabel betrachtet, weil Männer, wie auch bin Ladens Vater, ihn für Eintagsehen ausnutzten. Ein Ansinnen von bin Laden und Chalifa war daher, dafür einzutreten, dass der Islam und die Polygamie, sofern nicht missbräuchlich praktiziert, in Einklang stehen können.
Im Jahr 1982 heiratete bin Laden seine zweite Frau Umm Hamsa, mit der er einen Sohn, Hamsa, hatte. Sie stammt aus der angesehenen Familie Sabar aus Dschidda, ist sieben Jahre älter als ihr Mann, besitzt einen Universitätsabschluss der Kinderpsychologie und lehrte am Frauenkolleg der Abd-ul-Aziz-Universität. Gemeinsam mit seinen zwei Familien bezog bin Laden nach der zweiten Hochzeit ein Haus in Dschidda.
Bin Ladens dritte Ehefrau Umm Chaled aus der Familie Scharif in Medina schloss ein Studium der arabischen Sprachwissenschaften ab und dozierte an einem Lehrerkolleg in ihrer Heimatstadt. Neben dem Sohn Khaled haben die beiden drei Töchter. Die vierte Ehefrau, Umm Ali aus der Familie Gilaini in Mekka, hat drei gemeinsame Kinder mit bin Laden. Auf ihr Bitten hin liess bin Laden sich in der Zeit seines Aufenthalts im Sudan im Jahr 1994 von ihr scheiden. Nach saudischer Tradition blieben die Kinder bei der Mutter und kehrten mit ihr in deren Heimatstadt Mekka zurück.
Bin Laden wird als liebevoller, aber auch als strenger Vater geschildert. Er lehnte es ab, seine Kinder zur Schule zu schicken und liess sie statt dessen durch Hauslehrer unterrichten. Einige der Kinder blieben dadurch in ihrer Bildung hinter Altersgenossen deutlich zurück, zum Teil konnten sie kaum lesen.
Eine Ehefrau und einige Kinder wurden bei einem Grenzübertritt aus Afghanistan Anfang September 2001 aufgebracht und seither im Iran festgehalten. Khaled bin Laden forderte im März 2010 in einem Brief an die iranische Führung auf, diese freizulassen.
Eine der Töchter von Osama bin Laden soll mit Mullah Omar, dem Anführer der Taliban, verheiratet sein.
Politischer Kampf

Das Schlüsseljahr 1979
Beim Versuch, zu erklären, warum und wann Osama bin Laden bewaffneten politischen Kampf zu unterstützen begann, werden in der Literatur häufig drei Ereignisse des Jahres 1979 herangezogen.
Islamische Revolution im Iran
Anfang 1978 demonstrierten Regimegegner im Iran gegen die Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Man forderte eine islamische politische Neuordnung und eine Abwendung von den USA. Als Mohammad Reza Pahlavi im Januar 1979 den Iran verliess und dessen Widersacher Ajatollah Ruhollah Khomeini aus dem Pariser Exil in den Iran zurückkehrte, erreichte die islamische Revolution einen Höhepunkt. Im April 1979 wurde der Iran per Referendum zur „islamischen Republik“ erklärt und erhielt im Dezember schliesslich eine theokratische Verfassung.
Radikal-islamische Gruppierungen in arabischen Ländern, vor allem Moslembrüder, zeigten sich wegen des politischen Umsturzes beschämt und gleichermassen bestärkt. Denn einerseits konnte ein schiitisches Land wie der Iran für Sunniten nicht als Leitbild dienen, andererseits erfüllte der Iran jetzt aber wesentliche Programmatik sunnitischer Radikaler; hier zu nennen sind die Machtvereinigung von Weltlichkeit und Geistlichkeit, die Einführung der Scharia und ein antiamerikanischer Kurs. Die sunnitischen Radikalen erhielten in der Folge in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens Auftrieb. Die Forderung kam auf, es dem Iran gleichzutun.
Die Erstürmung der Grossen Moschee in Mekka
Am Morgen des 20. November 1979 stürmte eine bis zu 500 Personen zählende Gruppe schwer bewaffneter radikaler Muslime aus verschiedenen arabischen Ländern die Grosse Moschee in Mekka und nahm tausende versammelte Gläubige als Geiseln. Anführer der Gruppe war Juhaiman al-Utaibi, ein fundamentalistischer Prediger. Der Überfall fand am letzten Tag des Pilgermonats und Vortag des Neujahrstags des Jahres 1400 nach muslimischer Zeitrechnung statt. Die von eschatologischen Vorstellungen und dem iranischen Vorbild angetriebenen Aufständischen erklärten, dass das Ende der Welt bevorstehe. Sie riefen zur Übernahme islamischer Rechtsordnungen in allen muslimischen Ländern, zum Sturz des saudischen Königshauses und zum Bruch der diplomatischen Beziehungen mit westlichen Ländern auf.
Die meisten Geiseln wurden bald freigelassen, aber ein Teil blieb in den Händen der Aufständischen. Die saudische Regierung erwirkte eine Fatwa der obersten Theologen, die die Anwendung von Gewalt in der heiligen Stadt erlaubte. Erst nach langwierigen und verlustreichen Kämpfen in dem labyrinthischen Gebäude, gelang es nach mehr als zweiwöchiger Besetzung, die überlebenden Aufständischen zur Aufgabe zu bringen. Unzählige Geiselnehmer, Geiseln und Sicherheitskräfte kamen in dieser Zeit ums Leben. 63 Aufständische, darunter al-Utaibi, wurden am 9. Januar 1980 in einer Massenexekution in verschiedenen Städten Saudi-Arabiens hingerichtet.
Die Familie bin Laden wurde von diesem Ereignis unterschiedlich berührt. Einerseits gab diese schwere Krise des Landes der Familie die Chance, ihre Loyalität zum Königshaus zu beweisen. So waren die zur Verfügung gestellten Baupläne der vom Familienunternehmen renovierten Moschee den Sicherheitskräften bei der Eroberung des Gebäudes hilfreich. Andererseits wurden Osama bin Laden und sein Bruder Mahrous kurz nach Beginn des Aufstands für ein bis zwei Tage festgenommen, weil sie sich verdächtig benommen hatten. Es gibt keine Hinweise, dass Osama bin Laden von der terroristischen Aktion im Vorfeld wusste, und er distanzierte sich damals auch von ihr; allerdings fand er in späteren Jahren lobende Worte für sie. Nach anderen Berichten hing die Verhaftung von Mahrous bin Laden damit zusammen, dass die Aufständischen sein freundschaftliches Vertrauen missbraucht und Bauwagen der Bin Laden Company ohne sein Wissen zum Schmuggeln ihrer Waffen nach Mekka benutzt hatten.
Sowjetische Besetzung Afghanistans
Die am 25. Dezember 1979 beginnende sowjetische Invasion in Afghanistan hatte zum Ziel, ein prosowjetisches politisches Regime in dem Land zu erhalten. Der Einfall wurde von Muslimen weltweit mit Bestürzung aufgenommen. Das vormoderne zentralasiatische Afghanistan war den meisten von ihnen zwar fremd, aber der Versuch, durch äusseren Einfluss dort eine säkulare, der sowjetischen Form der Moderne verpflichtete politische Ordnung zu etablieren, wurde als Bedrohung der gesamten muslimischen Welt wahrgenommen. Schnell entwickelte sich vor allem in arabischen Ländern eine Bewegung, den sich von Pakistan aus formierenden afghanischen Widerstand zu unterstützen, sowohl durch grosszügige Finanzhilfen als auch mit freiwilligen Kämpfern.
Kampf in Afghanistan (1979–1989)
Stellvertreterkrieg und Dschihad-Bewegung
Privatinitiativen für den afghanischen Widerstand gegen die Sowjets wurden offiziell von der saudi-arabischen Führung zwar nicht gebilligt, aber insgeheim begrüsst wie auch unterstützt. Bestärkt wurden die Saudis dabei von der US-Regierung unter Präsident Jimmy Carter. Diese wollte der Sowjetunion in Afghanistan „ihr Vietnam“ bereiten, wie Carters Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski es formulierte.
Der Widerstand in Afghanistan wurde zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den beiden Grossmächten. Die US-Regierungen – erst unter Präsident Carter, ab 1981 unter Präsident Ronald Reagan – unterstützten die aufständischen Mudschahiddin. Finanz- und Militärhilfen gingen verdeckt über die CIA und die saudische Regierung an den pakistanischen Geheimdienst ISI. Der ISI gab das Geld wiederum an Ittihad-e-Islami weiter, eine von den Saudis formierte Fraktion der zerstrittenen afghanischen Widerstandsgruppen unter Leitung von Abu Sajaf. Die Saudis verpflichteten sich, amerikanische Finanzhilfen mit eigenen Beiträgen aus Staatsmitteln und mit privaten Spenden zu verdoppeln. So flossen bis 1989 Milliarden US-Dollar an den afghanischen Widerstand.
Der palästinensische Gelehrte Scheich Abdallah Yusuf Azzam propagierte einen Dschihad gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans. Azzam lehrte ab 1980 an der König-Abd-ul-Aziz-Universität in Dschidda; im November des darauffolgenden Jahres wechselte er an die Islamische Universität von Islamabad. Von dort aus nahm er Kontakt zum afghanischen Widerstand auf, der sich um Peschawar organisierte. In seinen Schriften und Videobotschaften verbreitete Azzam anschliessend das Bild des heiligen Kriegers, der sog. Mudschahiddin, denen es mit Gottes Beistand gelinge, den „gottlosen“ Invasoren in Afghanistan auf wundersame Weise erfolgreich Widerstand zu leisten.
Bin Laden und die Rolle der „arabischen Afghanen“
Osama bin Laden gab in Interviews in den 1990er-Jahren an, die Kenntnisnahme über die sowjetische Besetzung Afghanistans habe ihn derart erzürnt, dass er schon wenige Tage darauf das erste Mal nach Afghanistan gereist sei. Auch in Folgejahren will er das Land regelmässig besucht haben, um Spendengelder persönlich zu überbringen. Allerdings habe er die Reisen vor seiner Familie verheimlicht. Dem widerspricht sein Freund Chalifa: Bin Laden habe Afghanistan erstmals 1984 betreten. Nach Darstellung verschiedener Quellen interessierte sich bin Laden zunächst weniger für Afghanistan als für den Aufstand der Moslembrüder gegen die Herrschaft der alawitischen Baath-Partei in Syrien. Die Revolte hatte 1976 begonnen und wurde erst 1982 blutig niedergeschlagen. Bin Laden soll die syrischen Moslembrüder finanziell unterstützt und sich Afghanistan erst nach deren Niederlage zugewandt haben.
Als die saudische Führung die Gründung regionaler Hilfskomitees für Afghanistan organisierte, wurde Osama bin Laden auf Familienwunsch Zweigstellenleiter für die Region Hedschas. Abdallah Azzam war bei mehrmaligen Reisen nach Dschidda sein Gast und versuchte bei Vorträgen, junge Saudis zu bewegen, sich den Mudschahiddin anzuschliessen. Nach Darstellung von bin Ladens Frau Najwa hatte dieser Azzam 1979 während eines zweiwöchigen Aufenthalts im US-Bundesstaat Indiana getroffen. Seit 1980 oder 1981 hatte er in Dschidda Vorlesungen Azzams besucht. Bei wechselseitigen Besuchen entstand im Laufe der Jahre eine enge persönliche Bindung zwischen beiden.
Bin Ladens Haus entwickelte sich bis 1984 zu einer wichtigen Anlaufstelle, in der sich Afghanistanfreiwillige verschiedener Länder vor der Abreise nach Pakistan sammelten. Bin Laden betätigte sich als Spendensammler und errichtete im städtischen Umland militärische Ausbildungslager. Er reiste bis 1984 mehrmals nach Islamabad und Lahore in Pakistan, um den Widerstand zu unterstützen. Dabei hielt er sich aber von Afghanistan und von Peschawar fern, angeblich weil ihm die saudische Führung ein persönliches Auftreten dort untersagt hatte. Da die regelmässigen Reisen ihn davon abhielten, den Aufgaben im Familienunternehmen nachzukommen, verlor er seine Anstellung.
1984 besuchte bin Laden auf Einladung Azzams ein Mudschahiddinlager in Ostafghanistan und wurde dort Zeuge eines sowjetischen Angriffs. Sein jahrelanges Fernbleiben beschämte ihn: „Ich fühlte, dass mir dieser vierjährige Aufschub nicht vergeben werden konnte, wenn ich nicht selbst zum Märtyrer würde.“ Osama bin Laden war nun überzeugt, dass die Unterstützung der Mudschahiddin intensiviert werden müsse. Er reiste nach Saudi-Arabien zurück und mobilisierte dort in Kürze rund 10 Millionen US-Dollar an Spendengeldern. Bei einer gemeinsamen Hadsch einigte er sich mit Azzam darauf, die wenigen arabischen Freiwilligen für Afghanistan zu stärken und besser zu koordinieren. Azzam erliess eine (in der arabischen Welt durchaus umstrittene) Fatwa, in der er den Kampf in Afghanistan zur Pflicht aller dazu fähigen Muslime (fard ayn) erklärte.
1984 richtete bin Laden in Peschawar ein Bait al-ansar genanntes Gasthaus ein, das als Anlaufstelle für arabische Mudschahiddin diente. Mit Azzam gründete er das Peschawarer Büro Maktab al-Chadamat zwecks Organisation und Betreuung der Kämpfer und der Verteilung der Spendengelder unter afghanischen Flüchtlingen. Ausserdem unterstützte bin Laden Abu Sajaf bei der Gründung der Universität Dawa al-Dschihad, einer Einrichtung in der Umgebung Peschawars, die später als Ausbildungsstelle für Terroristen diente. Als Geldgeber wurde Osama bin Laden zu einer Respektsperson bei den Mudschahiddin, obschon er die Rolle des charismatischen militärischen Führers nicht ausfüllen konnte.
Trotz der Legenden, die zunächst Azzam und später bin Laden über ihr Wirken verbreiteten, war der Einfluss arabischer Freiwilliger auf den afghanischen Freiheitskampf gering. Die Zahl der „arabischen Afghanen“ überschritt zu keinem Zeitpunkt 3000. Die meisten von ihnen blieben in Peschawar, wo sie sich auf Hilfsdienste für die afghanischen Flüchtlinge konzentrierten, und nahmen nie an Kämpfen gegen die Rote Armee teil. Der Märtyrerkult, den diese von ihren Heimatländern bald entfremdeten Araber, inspiriert von den Schriften Sayyid Qutbs und Abdallah Azzams, entwickelten, blieb den afghanischen Mudschahiddin fremd. Auch die Militärhilfe der Araber war nicht immer erwünscht. Ähnliches galt für deren Versuche, wahhabistische oder andere arabische religiöse Prinzipien in Afghanistan zu verbreiten oder die Arbeit westlicher Hilfsorganisationen und Korrespondenten im Land zu behindern.
Bin Laden im Partisanenkampf
Anfänglich seines Engagements in Pakistan und Afghanistan hielt Osama bin Laden sich mehrere Monate jährlich bei seiner Familie in Saudi-Arabien auf. Bei diesen Gelegenheiten stattete er den saudischen Behörden Bericht über seine Auslandsaktivitäten ab. 1986 brachte er seine Frauen und Kinder nach Peschawar. Er liess die Höhlen von Tora Bora an der afghanisch-pakistanischen Grenze zu Munitionslagern ausbauen und führte erstmals eine kleine Einheit arabischer Freiwilliger in den Kampf nach Afghanistan, von wo diese sich aber schnell zurückziehen musste.
Sein Entschluss, dauerhaft eigene Widerstandslager für Araber auf afghanischem Boden zu unterhalten, brachte ihn in Konflikt mit Azzam, der die orts- und sprachunkundigen Freiwilligen nur als Mitglieder afghanischer Einheiten kämpfen lassen wollte. Bin Laden liess im ersten Lager Masaada (=Höhle des Löwen) im Nordosten Afghanistans mit schwerem Baugerät, das die SBG zur Verfügung gestellt hatte, künstliche Höhlen anlegen, in denen die Kämpfer sich verschanzen konnten.
Seit dem Frühjahr 1987 führte bin Laden seine Männer in kleinere Kämpfe gegen sowjetische Einheiten, die zumeist mit demütigenden Niederlagen und Rückzug endeten. Das schädigte den Ruf der arabischen Freiwilligen bei afghanischen Mudschahiddin und sie unterstützenden Pakistanern. Allerdings gelang es bin Ladens Männern, die Festung Masaada, die kurzzeitig wegen starker sowjetischer Angriffe hatte geräumt werden müssen, zurückzuerobern. Dies wurde für die „afghanischen Araber“ zu einem mythischen Ereignis, das göttlichen Rückhalt zu beweisen schien. Nach widerstreitenden Berichten soll bin Laden selbst während solcher Gefechte Nervenstärke bewiesen haben oder krank und indisponiert gewesen sein.
Gründung von al-Qaida und Ende des Afghanistan-Einsatzes
Im Mai 1988 begannen die Sowjets ihren bis Februar 1989 dauernden Abzug aus Afghanistan. Die Führer der „arabischen Afghanen“ wollten ihre Männer aus einem sich abzeichnenden Bruderkrieg zwischen den Mudschahiddingruppen heraushalten und den Dschihad gegen „Ungläubige“ andernorts fortführen. Auf einer Zusammenkunft am 11. August 1988 in Peschawar beschlossen sie, geeignete Männer in einer neuen Organisation namens al-Qaida („die Basis“) zu vereinen. Bin Laden zufolge bezog sich der Begriff zunächst auf das Militärübungslager, in dem Kämpfer auf Tauglichkeit für die neue arabische Elitelegion geprüft wurden.
Es herrschte Uneinigkeit, wo genau der Dschihad fortgesetzt werden solle. Der Ägypter Aiman az-Zawahiri, der auf bin Laden inzwischen grossen Einfluss gewonnen hatte, plädierte dafür, den Sturz säkularer Regime in Ländern wie Ägypten herbeizuführen. Für Abdallah Azzam hatte vor dem Hintergrund der ersten Intifada der Kampf um Palästina Vorrang, den er mithilfe der neugegründeten islamischen Hamas als Gegengewicht zur säkularen Fatah Jassir Arafats führen wollte. Bin Laden schlug vor, die „arabischen Afghanen“ im Kaschmir, auf den Philippinen oder in den zentralasiatischen Republiken der Sowjetunion einzusetzen.
Weil der Grossteil des Geldes zur Unterstützung der „arabischen Afghanen“ aus Saudi-Arabien kam, sollte auch die Führung der Dschihadisten einem Saudi obliegen. Dass die Wahl dieses „Emirs“ 1988 auf Osama bin Laden fiel, hing auch mit wachsenden Animositäten zwischen den Ägyptern um Zawahiri und den Unterstützern Azzams zusammen. Die arabischen Gruppierungen, die vor dem Hintergrund des sowjetischen Abzugs mehr Zulauf von Freiwilligen denn je hatten, konkurrierten in der Folge um Gunst und Finanzmittel bin Ladens. Gleichzeitig reduzierten die saudische Führung und die USA ihre Hilfen für die arabischen Mudschahiddin, was diese verärgerte und die einstigen Unterstützer als neue Gegner erscheinen liess. In einem 1999 ausgestrahlten Interview mit Al Dschasira bestritt bin Laden, dass die arabischen Dschihadisten jemals von den USA unterstützt worden seien, und meinte, die Amerikaner hätten ihn und seine Kämpfer bestenfalls behindert.
Im Kampf um die Stadt Dschalalabad erlitten bin Laden und seine Männer zusammen mit den afghanischen Mudschahhidin im Frühjahr 1989 eine bittere Niederlage gegen die afghanischen Regierungstruppen. Das Desaster verschärfte den Zwist zwischen den Fraktionen der Mudschahiddin. Bin Laden reiste nach Saudi-Arabien, um von der Regierung in Riad Anweisung zu erhalten, welche Seite er unterstützen solle. Er erhielt die Antwort, er und seine Männer verliessen Afghanistan und Pakistan am besten ganz. Bin Laden gehorchte und kehrte im Herbst 1989 in sein Heimatland zurück. Die meisten arabischen Freiwilligen taten es ihm gleich. Der in Peschawar verbliebene Azzam starb im November 1989 bei einem Attentat unbekannter Urheber.
Aufenthalt in Saudi-Arabien (1989–1992)
Nach der Rückkehr ins Heimatland lebte Osama bin Laden abwechselnd in Dschidda und in Medina. Er stieg erneut in das Familienunternehmen ein und überwachte vor allem Strassenbauprojekte. Sein damaliges Vermögen wird auf 7 Millionen US-Dollar geschätzt, rund 270.000 US-Dollar kamen jährlich durch Gewinnanteile an der SBG hinzu. In Saudi-Arabien war er inzwischen zu einer respektablen Persönlichkeit geworden. Die saudischen Medien zeichnten das Bild, bin Laden und seine Männer seien für die Niederlage der Weltmacht Sowjetunion in Afghanistan hauptverantwortlich gewesen.
In Reden und Handeln bin Ladens trat ein wachsendes politisches Sendungsbewusstsein zutage, was Konfliktpotential mit der saudischen Führung barg. Mehrfach argumentierte er in der familieneigenen Moschee in Dschidda für die Notwendigkeit, Dschihad gegen die USA zu führen, da Washington nur bei Gewaltanwendung Abstand von der Unterstützung Israels nehmen werde. Er forderte seine Zuhörer dazu auf, amerikanische Handelswaren zu boykottieren.
1990 schlug bin Laden Prinz Turki bin Faisal Al Saud, Leiter des saudischen Auslandsgeheimdienstes, vor, seine in Afghanistan ausgebildeten Männer in den Kampf gegen die kommunistische Führung im Anrainerstaat Südjemen zu führen. Der Vorschlag wurde zurückgewiesen. Als sich Süd- und Nordjemen 1991 vereinigten, schloss bin Laden bei mehreren Reisen ins Nachbarland mit nordjeminitischen Stammesführern ein Bündnis mit dem Vorhaben, die Führer der an der neuen Koalitionsregierung im Jemen beteiligten Sozialisten aus dem Süden gezielt zu töten. Bei diesen Unternehmungen kamen erstmals Männer aus bin Ladens al-Qaida-Gruppe ausserhalb Afghanistans zum Einsatz. Infolge mehrfachen Protests des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih beim saudischen König Fahd musste bin Laden seine Kampagne im Jemen einstellen. Sein Reisepass wurde eingezogen, die Führung verbot ihm weitere aussenpolitische Aktivitäten.
Bin Laden warnte ebenfalls vor dem säkularen Regime Saddam Husseins im Irak. Er sah seine Befürchtungen bestätigt, als die irakische Armee im August 1990 in Kuwait einmarschierte. Saudi-Arabien war überzeugt, dass die Einnahme kuwaitischer Ölfelder eigentliches Ziel Husseins war. Zögernd nahm die Regierung in Riad das Angebot aus Washington an, mehrere hunderttausend amerikanische Soldaten zum Schutz Saudi-Arabiens im Land zu stationieren (siehe Operation Wüstenschild). Bin Laden betrachtete diese Einladung an Nichtmuslime als Verstoss gegen das Gebot Mohammeds, in Arabien dürfe es nur eine Religion geben. Vergeblich versuchte er, die saudische Führung zu überzeugen, er allein könne eine Freiwilligenarmee von 100.000 Mann aufstellen, um das Land zu verteidigen.
Der Kuwait-Krieg endete im März 1991. Anschliessend warb bin Laden mithilfe einflussreicher Unterstützer darum, sein Ausreiseverbot aufzuheben. Er wollte nach Afghanistan zurückkehren, um zwischen zerstrittenen Mudschahiddingruppen zu vermitteln, die inzwischen kurz vor dem Sturz der marxistischen Regierung in Kabul standen. Im März 1992 erhielt er seinen Pass zurück und reiste nach Afghanistan. Dort gewann er bald den Eindruck, seine Vermittlungsbemühungen unterminierten die Versuche von Prinz Turki, die islamische Gruppierung von Gulbuddin Hekmatyar zu stärken. Bin Laden erklärte seinem Umfeld, die saudische Führung plane, ihn in einem Komplott mit dem pakistanischen Geheimdienst ermorden zu lassen.
Aufenthalt im Sudan (1992–1996)
Leben und wirtschaftliche Betätigung
Osama bin Laden entschloss sich, nicht nach Saudi-Arabien zurückzukehren. Stattdessen nahm er eine bereits 1990 von der Regierung in Karthum ausgesprochene Einladung an, sich im Sudan niederzulassen. Bin Laden kannte das Land von Geschäftsreisen für die SBG, die den Flughafen Bur Sudan ausbaute. Im grossen, ärmlichen und politisch instabilen Sudan hatte es 1989 einen von islamischen Gruppen getragenen Militärputsch gegeben. Im Gegensatz zu den Regierungen anderer arabischer Staaten begrüsste die neue sudanesische Führung, wenn arabische Exmudschahiddin aus Afghanistan ins Land übersiedelten. Einige Hundert taten dies in den folgenden Jahren. Bin Laden folgte mit seinen Frauen und Kindern im Jahr 1992. Sie lebten gemeinsam in einer Villa in Karthums Stadtteil Riad.
Als geistiger Führer der Islamisierung des Sudan gilt Hasan at-Turabi, Vorsitzender der Nationalen Islamischen Front (NIF), die 1969 als Gegenstück zur ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet worden war. Turabi wollte den Sudan zum Zentrum einer islamischen Revolution machen, in deren Zuge die Gemeinschaft aller Muslime („Umma“) und eine Abgrenzung vom Westen herbeigeführt werde. Viele seiner Vorstellungen, etwa dass die Scharia nur schrittweise eingeführt werden könne, waren mit denen bin Ladens nicht in Einklang zu bringen. Später führte dies zu Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden.
Bin Laden gründete im Sudan eine Reihe von Firmen, zusammengefasst in der Dachgesellschaft Wadi El Aqiq. Sie betätigte sich in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen wie Bau, Lederherstellung, Produktion von Insektiziden, Import von Lastwagen, Maschinen und Fahrrädern sowie im Agrarwesen. In der schwach entwickelten sudanesischen Wirtschaft wurde bin Laden zum Hauptinvestor, obwohl nur rund 500 Angestellte für ihn arbeiteten. Ausserdem lieh er dem sudanesischen Staat mehrmals Geld zum Ankauf von Weizen und Erdöl. Als Bezahlung für den Ausbau von Strassen erhielt bin Laden Ländereien, was ihn zum vielleicht grössten Grundbesitzer des Landes machte. Beim Export wichtiger sudanesischer Agrarprodukte, wie Sesam und Gummiarabikum, hatte er fast eine Monopolstellung inne. Überdies erwarb er mehrere Häuser in Karthum, in denen er Gäste und Gefolgsleute bewirtete. Sein Vermögen verteilte er auf Konten in Karthum, Dubai, London, Malaysia und Hongkong, die unter Namen von al-Qaida-Mitgliedern geführt wurden. Da er mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten zumeist Verluste machte, blieb bin Laden von monatlichen Gewinnbeteiligungen der SBG abhängig.
Zu Beginn seines Aufenthalts im Sudan zeigte bin Laden wenig Neigung, seine politische Tätigkeit fortzusetzen. Freunden erklärte er, der politische Kampf sei für ihn vorüber. Al-Qaida-Mitglieder, die auf seinen Landgütern arbeiteten, führten zwar weiterhin Militärübungen durch, aber in geringem Umfange. Bin Laden widersetzte sich sogar der Forderung, seine Kämpfer im Bürgerkrieg der sudanesischen Regierung gegen den christlichen Süden des Landes einzusetzen.
Die USA als neuer Hauptgegner
Bei wöchentlichen Treffen der al-Qaida-Führung in bin Ladens Gästehaus in Karthum wurde ab Herbst 1992 vermehrt über die Bedrohung der islamischen Welt seitens der USA diskutiert. Trotz Abzugszusagen aus Washington zu Beginn des Kuwaitkrieges waren in Saudi-Arabien weiterhin US-Truppen stationiert. Der im November 1992 begonnene US-Militäreinsatz in Somalia zur Unterstützung der UN-Operation „Wiederherstellung der Hoffnung“ erschien der al-Qaida-Führung als Teil einer umfassenden Kreuzzugsstrategie des christlichen Westens gegen den Islam. Rufe nach einem Dschihad gegen die USA kamen in bin Ladens Umfeld auf. Unter dem Einfluss seines Freundes und religiösen Beraters Mamduh Mahmud Salim, genannt Abu Hadscher, schloss sich bald auch bin Laden diesen Forderungen an.
Am 29. Dezember 1992 ereigneten sich zwei Bombenanschläge auf Hotels im jemenitischen Aden; zwei Menschen starben. Ziel der Anschläge waren offenbar US-Soldaten, die im Rahmen des Somalia-Einsatzes in der Stadt untergebracht waren. Sie kamen aber nicht zu Schaden. In einigen Darstellungen gelten diese Anschläge, die in US-Medien kaum registriert wurden, als erste Terrorakte al-Qaidas; auch bin Laden hat in späteren Jahren die Urheberschaft seiner Organisation eingeräumt. Weil das Töten Unschuldiger ein moralisches Dilemma darstellt, erliess Abu Hadscher zwei Fatwas, in denen er die Ermordung von US-Soldaten und von Menschen, die sie direkt oder indirekt unterstützten, als legitim darstellte.
Internationalisierung der Aktivitäten
Bis 1994 vernetzte sich al-Qaida mit weiteren radikalen Gruppierungen auf internationaler Ebene, wenngleich diese andere Ziele verfolgten und andere Strukturen nebst Methoden besassen. Dazu gehörte die schiitische Hisbollah, die im Libanon um Einfluss rang. Bin Laden traf in dieser Zeit Imad Mughniyah, den Sicherheitschef der Hisbollah, und al-Qaida-Männer übten in Hisbollah-Ausbildungslagern. Kontakte gab es auch zur Islamischen Vereinigung von Umar Abd ar-Rahman, dem „blinden Scheich“, der durch Anschläge auf Politiker wie Touristen einen politischen Umsturz in Ägypten einleiten wollte. Auch für Rahman wurden die USA als Unterstützer der Regierung in Kairo nun zum Gegner. Anhänger von Rahman planten seit 1992 Terroranschläge in New York, die nach späteren Informationen der US-Bundespolizei FBI von bin Laden finanziert werden sollten. Ramzi Ahmed Yousef, der am 26. Februar 1993 einen Autobombenanschlag auf das World Trade Center verübte, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen, war in einem afghanischen Lager von al-Qaida zum Sprengstoffspezialisten ausgebildet worden. Ungeklärt bleibt weiterhin, ob Yousef beim Anschlag in New York im Auftrag Rahmans oder bin Ladens agierte.
Eine dritte Gruppierung, mit der al-Qaida Kontakte pflegte, bildete der al-Dschihad unter der Führung Aiman az-Zawahiris, den Osama bin Laden aus Afghanistan kannte. Wie sein Kontrahent Rahman wollte Zawahiri das ägyptische Regime stürzen, lehnte die Operationen der Islamischen Vereinigung aber ab, weil sie zu Antiterroraktionen der ägyptischen Geheimpolizei führten, bei denen auch Zellen von al-Dschihad ausgehoben wurden. Zawahiri verweigerte sich in dieser Zeit der antiamerikanischen Kampagne Rahmans und bin Ladens, da er die Amerikaner für seine Zwecke auszunutzen hoffte. Ständige Geldnöte seiner ebenfalls in Sudan befindlichen Organisation zwangen Zawahiri jedoch 1993, die finanzielle Unterstützung bin Ladens zu suchen, obgleich er die Kooperation ursprünglich nur als Bündnis auf Zeit ansah. Bei einem gescheiterten Anschlag auf den ägyptischen Innenminister Hassan al-Alfi setzte al-Dschihad im August 1993 erstmals Selbstmordattentäter ein – eine bei sunnitischen Gruppen bis dahin fast unbekannte Praxis.
Infolge des Anschlages auf das World Trade Center wurde man im Jahr 1993 in westlichen Ländern erstmals auf al-Qaida und bin Ladens Rolle aufmerksam. So berichtete die Nachrichtenagentur Agence France-Presse in einer Meldung des 30. Mai 1993 über einem Mann, der „von al-Qaida ausgebildet worden [ist]“, und sprach ferner von „einer geheimen Organisation in Afghanistan, die von einem wohlhabenden saudischen Geschäftsmann namens Osama bin Laden finanziert wird, der in Dschidda eine Baufirma betreibt.“
Die steigende Bekanntheit bin Ladens führte zusehends mehr junge Männer aus unterschiedlichen muslimisch geprägten Ländern in das Ausbildungslager al-Qaidas südlich von Karthum. Geübt wurde an Waffen, die aus den verbliebenen Beständen im afghanischen Tora Bora stammten. Sie waren mit einem von bin Laden erworbenen amerikanischen Militärflugzeug in den Sudan verfrachtet worden. Neue Dschihadisten nahm bin Laden persönlich in Empfang. Er stellte gegenüber den Neuankömmlingen die USA als Hauptfeind der muslimischen Welt dar und argumentierte, der Vietnamkrieg und der amerikanische Rückzug aus dem Libanon im Jahr 1983 hätten gezeigt, dass der Kampfeswille der Amerikaner bereits durch verhältnismässig geringe Verluste gebrochen werden kann.
Bin Laden sah den Schwund amerikanischer Gefechtsmoral in Somalia bestätigt, von wo das US-Militär im März 1994 abzog, nachdem am 3./4. Oktober 1993 in der Schlacht von Mogadischu 18 US-Soldaten gefallen waren. Bin Laden präsentierte den Abzug als Erfolg al-Qaidas. Laut Darstellung des sudanesischen Geheimdienstes waren jedoch nur einige Dutzend al-Qaida-Männer nach Somalia geschickt worden, waren dort in Konflikt mit einheimischen Milizenführern geraten und hatten sich bereits im Oktober 1993 wieder in den Sudan abgesetzt. Eine Beteiligung der al-Qaida-Kämpfer an der Tötung amerikanischer Soldaten während der Schlacht von Mogadischu wurde zwar später von Vertretern amerikanischer Sicherheitsdienste unterstellt, kann aber nicht dokumentiert werden.
Mit Finanzmitteln unterstützte bin Laden zeitweilig den Guerillakrieg der GIA, der nach einem Militärputsch im Zuge des Wahlsiegs der Islamischen Heilsfront im Jahr 1992 in Algerien eingesetzt hatte. Jedoch keimten bald ideologische Konflikte mit al-Qaida: GIA-Vertreter warfen bin Laden Schwäche und Nachgiebigkeit gegenüber Demokraten vor. Womöglich befürchtete bin Laden, die Terrorkampagne der GIA, der mehrere zehntausend Zivilisten zum Opfer fielen, schade dem Ansehen der dschihadistischen Bewegung. Er entzog der GIA schliesslich seine Unterstützung.
Wachsende Probleme
Am 4. und 5. Februar 1994 versuchte eine radikale Gruppierung unter Führung des Libyers Abdullah al-Chalifei, einem ehemaligen Mudschahiddin, Osama bin Laden zu ermorden. In mehreren wirr verlaufenden Aktionen überfielen Chalifei und seine Männer zwei Polizeiwachen in Karthum, um Waffen zu erbeuten, töteten 16 Personen beim Sturm auf bin Ladens Moschee, feuerten auf Mitarbeiter seiner Unternehmen und griffen schliesslich auch bin Ladens Villa an, wo sie jedoch überwältigt wurden. Osama bin Laden, der eine Urheberschaft des ägyptischen Geheimdienstes vermutete, blieb unverletzt, mehrere seiner Mitarbeiter und Gäste wurden aber von Geschossen getroffen. Bin Laden musste nun seinen bis dato sehr freien Lebensstil im Sudan ändern. Auf Zawahiris Drängen hin umgaben ihn nun ständig ägyptische Leibwächter, und er verliess sein Haus nur noch bewaffnet.
Während die meisten westlichen Geheimdienste noch nicht auf bin Laden und al-Qaida aufmerksam geworden waren, brachten deren Aktivitäten die saudische Führung in der arabischen Welt zunehmend in diplomatische Bedrängnis. Algerien und Ägypten forderten die Saudis dazu auf, ihrem Staatsbürger Einhalt zu gebieten. Als der Versuch, durch die Entsendung von Mitgliedern seiner Familie in den Sudan mässigenden Einfluss auf Osama bin Laden auszuüben, scheiterte, entzog König Fahd ihm am 5. März 1994 die saudische Staatsbürgerschaft. Sein Halbbruder Bakr bin Laden, Chef des Clans, verstiess ihn in einer öffentlichen Erklärung kurz darauf aus der Familie. Das saudische Innenministerium beschlagnahmte Osama bin Ladens Anteile an der SBG, was ihn schnell in Finanznot brachte. Bin Laden verschärfte nun seine Rhetorik gegen den saudischen König und die ihn tragende Geistlichkeit. Zur Verbreitung seiner gegen das Regime in Riad gerichteten Propaganda diente ihm ein als „Beratungs- und Reformausschuss“ („Advice and Reformation Committee“) bezeichnetes Informationsbüro, das al-Qaida in London betrieb.
Auch im Privatleben wuchsen bin Ladens Probleme. Mehrere seiner heranwachsenden Söhne waren mit den Lebensbedingungen im Sudan unzufrieden und äusserten den Wunsch, nach Saudi-Arabien zurückzukehren. Seine vierte Ehefrau Umm Ali bat ihn um Scheidung, und bin Laden willigte ein. Umm Ali zog mit den drei gemeinsamen Kindern nach Mekka.
Aufgrund seiner Finanzschwierigkeiten teilte bin Laden den al-Qaida-Männern Ende 1994 mit, dass er ihre Gehälter kürzen müsse. Auch Sonderzuweisungen für seinen engsten Umkreis wurden eingeschränkt. Bisher hatten die meisten al-Qaida-Mitglieder unterstellt, bin Ladens Finanzmittel seien unerschöpflich. Da der enge Zusammenhalt der Dschihadisten im Sudan auch mit den regelmässigen Zahlungen zusammenhing, wirkte die Ankündigung wie ein Schock. Es kam zu ersten Absatzbewegungen. Medani al-Tajeb, der Schatzmeister von al-Qaida, der mit einer Nichte bin Ladens verheiratet war, kehrte nach Saudi-Arabien zurück. Bin Ladens enger sudanesischer Gefolgsmann Dschamal al-Fadl tauchte unter, nachdem er in bin Ladens Unternehmen Geld unterschlagen hatte. Anschliessend bot Fadl mehreren Geheimdiensten Informationen über al-Qaida an und verkaufte diese 1996 für 1 Million Dollar an die amerikanische Regierung. Fadl berichtete den Amerikanern unter anderem, Osama bin Laden habe 1994 versucht, Uran von einem sudanesischen General über Schwarzmarktwege zu beziehen, um offenbar eine „schmutzige Atombombe“ bauen zu können. Allerdings sei bin Laden bei dem Geschäft betrogen worden. Ausserdem habe bin Laden mit der sudanesischen Regierung an der Produktion chemischer Kampfstoffe gearbeitet.
Noch immer versuchte die saudi-arabische Führung über Mittelsmänner, bin Laden zur Einlenkung zu bewegen. Man bot ihm eine Restitution seines Eigentums, die Rückgabe der Staatsbürgerschaft und möglicherweise auch Geldzahlungen an. Im Gegenzug sollte bin Laden dem Dschihad abschwören und seine Angriffe auf König Fahd widerrufen. Bin Laden verlangte jedoch zusätzlich eine volle Amnestie und einen festen Zeitplan für den vollständigen Abzug amerikanischer Truppen aus Saudi-Arabien. Die Unterhandlungen führten zu keinem Ergebnis. Mit einem per Fax verschickten, offenen Brief an König Fahd, in dem er diesen zum Rücktritt aufforderte, vollzog bin Laden im August 1995 den endgültigen Bruch mit der saudischen Führung. Er prangerte die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Saudi-Arabien an, machte den König persönlich und dessen Prunksucht sowie die Abhängigkeit vom Rohstoff Erdöl für die Zustände verantwortlich und protestierte erneut gegen die Stationierung amerikanischer Truppen in seiner Heimat: „Diesen schmutzigen, ungläubigen Kreuzzüglern darf nicht gestattet werden, im heiligen Land zu bleiben.“ Allerdings rief bin Laden, der Hoffnungen an eine Thronübernahme von Kronprinz Abdullah knüpfte, weder zum Sturz des Hauses Saud noch zu einer politischen Revolution in Saudi-Arabien auf.
Bei einem Sprengstoffanschlag auf die Befehlsstelle der saudischen Nationalgarde in Riad starben am 13. November 1995 sieben Menschen, darunter fünf Amerikaner, die die saudischen Sicherheitskräfte ausbilden sollten. Die Tat wurde von der saudischen Führung als Racheakt für die Hinrichtung eines „arabischen Afghanen“ wenige Monate zuvor bewertet. In Reaktion auf den Anschlag wurden weitere „arabische Afghanen“ verhaftet und vier angeblich Verantwortliche im saudischen Fernsehen präsentiert, wo sie Schuldbekenntnisse verlasen und behaupteten, von den Erklärungen bin Ladens und anderer Radikaler angestachelt worden zu sein. Es ist indes zweifelhaft, ob die offenbar unter Folter erzwungenen Geständnisse von den wirklichen Tätern stammten. Osama bin Laden bekannte sich selbst niemals öffentlich zu einer Rolle al-Qaidas bei dem Anschlag, soll aber einem arabischen Journalisten gegenüber vertraulich geäussert haben, er habe die verantwortliche Zelle aktiviert, nachdem sein Brief an König Fahd folgenlos blieb.0
Ausweisung aus dem Sudan
Am 26. Juni 1995 verübten al-Dschihad und Islamische Vereinigung ein Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Schauplatz war die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba, in der Mubarak anlässlich eines Gipfels des Staatenbundes OAU weilte. Leiter der Operation war Mustafa Hamsa, ein führendes Mitglied sowohl al-Qaidas wie auch der Islamischen Vereinigung. Mubarak wurde von den Geschossen der Attentäter nicht getroffen, aber zwei seiner Leibwächter und drei Angreifer starben bei Schusswechseln. Durch die Verhaftung weiterer Verschwörer konnte die äthiopische Polizei die sudanesischen Verbindungen der Drahtzieher offenlegen. Der UN-Sicherheitsrat forderte den Sudan im Januar 1996 mit UN-Resolution 1044 auf, die Verantwortlichen an Äthiopien auszuliefern und Terroristen keine Zuflucht mehr zu gewähren. Im April 1996 traten weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen das Land in Kraft. Die ägyptische Geheimpolizei erpresste in der Folge des Attentats zwei ägyptische Jugendliche, das Umfeld Zawahiris in Karthum auszuspionieren und bei der geplanten Ermordung des al-Dschihad-Führers zu helfen. Mehrere Anschläge auf Zawahiris Leben schlugen jedoch fehl, und die jugendlichen Spione konnten enttarnt werden. Zawahiri liess sie unter einem privaten Tribunal hinrichten – zum Entsetzen von Hasan at-Turabi und der sudanesischen Führung, die den ägyptischen Dschihadisten vorwarfen, die Gesetze ihres Gastlandes zu missachten. Zawahiri und seine Anhänger wurden aufgefordert, den Sudan umgehend zu verlassen. Sie reisten nach Afghanistan, Jordanien und in den Jemen aus. Wegen der inzwischen engen Vernetzung von al-Dschihad und al-Qaida verlor Osama bin Laden dadurch einige seiner wichtigsten Gefolgsleute im Sudan.
Der geschwächte al-Dschihad verübte am 19. November 1995 einen Anschlag auf die ägyptische Botschaft im pakistanischen Islamabad. Ein Selbstmordattentäter fuhr mit einem sprengstoffbeladenen Kleintransporter in ein Gebäude, das daraufhin durch Explosion zum Einsturz kam. 16 Menschen starben, 60 wurden verletzt. Da sowohl die Tötung einfacher Botschaftsmitarbeiter als auch der Einsatz von Selbstmördern unter den al-Dschihad-Mitgliedern umstritten war, sah sich Zawahiri genötigt, den Anschlag in mehreren Erklärungen zu verteidigen: Wer für die ägyptische Regierung gearbeitet habe, sei es auch nur in einer niederen Positionen, könne nicht als unschuldiges Opfer gelten; und Märtyrertum sei ein legitimes Mittel im Kampf gegen die Feinde Gottes. Die Ausführung des Attentats und Zawahiris Rechtfertigungen wurden zum Vorbild späterer Aktionen al-Qaidas. Osama bin Laden missbilligte das Attentat von Islamabad, weil er Pakistan, wichtigste Verbindung zu seinen Stellungen in Afghanistan und Gastland vieler „arabischer Afghanen“, nicht zum Feind der Dschihadisten machen wollte. Persönlich erwirkte er bei den pakistanischen Behörden die Freilassung von 200 „arabischen Afghanen“, die nach dem Attentat verhaftet worden waren. Sie durften bin Laden in den Sudan begleiten.
Die Attentate in Addis Abeba und Islamabad unterminierten die Stellung Osama bin Ladens im Sudan, obwohl es sich bei den Attentaten nicht um Operationen al-Qaidas gehandelt hatte. Die Regierung in Karthum war nun darum bemüht, die drohende diplomatische Isolation des Landes abzuwenden, weswegen man bin Ladens Aufenthalt im Land folglich als Belastung empfand. Der sudanesische Geheimdienst streute falsche Gerüchte, eine Auslieferung bin Ladens nach Frankreich stünde bevor; dies geschah offenbar mit der Absicht, ihn zur freiwilligen Ausreise zu bewegen. Staatspräsident Omar al-Baschir bot dem saudischen Kronprinzen Abdullah die Überstellung bin Ladens nach Saudi-Arabien an, falls diesem Straffreiheit gewährt würde. Das Angebot wurde zurückgewiesen. Die USA liessen gegenüber der Führung in Karthum vertraulich durchblicken, die Ausweisung bin Ladens sei eine Voraussetzung dafür, dass der Sudan von der Liste der den internationalen Terrorismus unterstützenden Staaten gestrichen würde. Eine Auslieferung an die USA wurde jedoch nicht gefordert, weil offenbar keine Beweise vorlagen, um bin Laden wegen der Ermordung von Amerikanern anklagen zu können.
In mehreren persönlichen Gesprächen erläuterte Hasan at-Turabi Osama bin Laden im Frühjahr 1996, der al-Qaida-Führer müsse entweder seine politische Betätigung einstellen oder den Sudan verlassen. Bin Laden, der sich dem Ultimatum nicht beugte, verwies auf die Dankespflicht des Sudan wegen seiner Investitionen im Land. Schliesslich erklärte er sich aber zur Ausreise bereit. Weil er keinen Pass besass, war die Auswahl möglicher Zufluchtsorte begrenzt. Nachdem er auch ein Untertauchen in Ägypten und Somalia erwogen hatte, entschied sich bin Laden, nach Afghanistan zurückzugehen. Obwohl ihm die sudanesische Regierung noch immer Geld schuldete, zwang sie ihn, seine grossen Besitztümer im Land zu einem Bruchteil ihres Wertes zu veräussern. Am 18. Mai 1996 wurde Osama bin Laden vom Sudan ins afghanische Dschalalabad ausgeflogen, begleitet wurde er nur von seinen Söhnen Saad und Omar sowie einigen Leibwächtern. Den verbliebenen al-Qaida-Männern finanzierte bin Laden den Rückflug in ihre Heimatländer. Nur einige von ihnen wurden eingeladen, ihm nach Afghanistan zu folgen.
Im Afghanistan der Taliban (1996–2001)
Osama bin Laden kehrte in ein von 16 Jahren Krieg weitgehend zerstörtes Afghanistan zurück. Die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Mudschahiddinfraktionen hatten die staatliche Ordnung in weiten Gebieten zusammenbrechen lassen. Der Mohnanbau hatte sich zum einzig lukrativen Wirtschaftszweig des Landes entwickelt. Der Einflussbereich des amtierenden Präsidenten Burhanuddin Rabbani, unter dem Afghanistan zur „Islamischen Republik“ ausgerufen worden war, reichte kaum über die Hauptstadt Kabul hinaus. Zur stärksten Kraft im Bürgerkrieg waren inzwischen die Taliban geworden, eine erst 1994 formierte, radikale muslimische Gruppierung, die sich vor allem aus vormaligen Koranschülern zusammensetzte. Als afghanische Flüchtlingswaisen waren diese häufig in pakistanischen Madrassen im Geiste eines besonders strengen Islam ausgebildet worden, in dem die Bedeutung von Scharia und Dschihad herausgehoben wurde. Der Taliban-Führer Mohammed Omar („Mullah Omar“), ein islamischer Rechtsgelehrter und ehemaliger Mudschahid, sah sich auserwählt, Frieden in seinem Land zu stiften. Seine Organisation genoss die finanzielle und logistische Unterstützung Pakistans sowie Saudi-Arabiens, die sich von einer Machtübernahme der Taliban ein Ende der Bürgerkriegswirren in Afghanistan versprachen. Ausserdem finanzierten sich die Taliban durch Schutzgeldzahlungen von Mohnbauern und Opiatschmugglern.
Osama bin Laden errichtete in Afghanistan etwa fünfzig Militärlager. Am 23. Februar 1998 unterzeichnete er mit Aiman az-Zawahiri und anderen gemeinsam ein Manifest zur Gründung einer Internationalen Front für einen Dschihad gegen die Juden und Kreuzfahrer, in der der Kampf gegen die USA zur Pflicht eines jeden Muslim erklärt wurde.
In der Folgezeit veröffentlichte er die erste Dschihad-Erklärung: Ziel seiner Organisation al-Qaida sei „die Vertreibung amerikanischer Truppen aus der Golfregion, der Sturz des saudischen Könighauses und damit die Befreiung der heiligen Stätten der Muslime und die weltweite Unterstützung militanter islamistischer Gruppen“.
Zwischenzeitlich wurde russischerseits spekuliert, bin Laden habe sich im georgischen Pankissi-Tal versteckt gehalten.
Der erste Haftbefehl gegen Bin Laden wurde von Libyen am 16. März 1998 beantragt und von Interpol am 15. April 1998 verbreitet. Er wurde des Mordes an zwei Beamten des BND verdächtigt.
Der französischen Tageszeitung Le Figaro zufolge liess sich Bin Laden im Juli 2001 in Dubai im amerikanischen Krankenhaus behandeln und wurde in der Zeit von CIA-Beamten, Familienmitgliedern und hohen Persönlichkeiten Saudi-Arabiens besucht. Einer der Beamten wurde bald danach in die USA zurückbeordert, da er operative Vertraulichkeiten vor Freunden ausgebreitet hatte.
11. September 2001
Als Oberhaupt der islamistischen Organisation al-Qaida (dt. Basis, Datenbank) wird bin Laden verdächtigt, Hintermann verschiedener Terroranschläge zu sein. Ihm wird auch die Beteiligung an den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA zur Last gelegt. Bin Laden selbst hatte sich zunächst in einer Video-Botschaft zu den Anschlägen geäussert. Jedoch beruhte das sogenannte Geständnis-Video nach Meldung des Politmagazins "Monitor" auf einem Übersetzungsfehler des US-Verteidigungsministeriums. Im Oktober 2004 veröffentlichte der arabische TV-Sender Al-Jazeera hingegen eine Videobotschaft Osama bin Ladens, in welcher dieser sich in deutlich klareren Worten zu den Anschlägen bekannte. So z.B. sagte er:
„Während ich auf diese zerstörten Türme im Libanon blickte, kam mir die Idee dass der Tyrann ebenso bestraft werden muss, und dass wir Türme in Amerika zerstören sollten, so dass es schmeckt was wir schmecken und dass sie davon abgeschreckt werden unsere Frauen und Kinder zu töten.“
– While I was looking at these destroyed towers in Lebanon, it sparked in my mind that the tyrant should be punished with the same and that we should destroy towers in America, so that it tastes what we taste and would be deterred from killing our children and women.
Mit ihrem Angriff auf Afghanistan im Oktober 2001 wollten die USA die Zerschlagung al-Qaidas und Festnahme Bin Ladens bezwecken.
Bei den Beweisen stützten sich die USA unter anderem auf Geheimdienstunterlagen, die diese aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlichen wollen. Der vormalige britische Premierminister Tony Blair meinte vor dem englischen Unterhaus „jeder, der die Geheimdienstunterlagen gelesen hat“ sei überzeugt, dass Bin Laden der Drahtzieher sei. Als (bekannter) Beweis werden beispielsweise Geldtransfers benannt, die zwischen Scheich Said und den Attentätern stattgefunden haben sollen. Scheich Said soll der Finanzchef von Osama Bin Laden gewesen sein. Auch abgehörte Telefonate, in denen sich Anhänger von Bin Laden über die Anschläge unterhalten sollen, werden als Beweis bezeichnet.
Nach der Bombardierung von Bin Ladens Bergfestung Tora-Bora im Dezember 2001 blieb zunächst unklar, ob Bin Laden dabei umgekommen war oder überlebt hatte und sich ins Ausland absetzen konnte. Man geht jedoch mittlerweile davon aus, dass er weiterhin am Leben ist und sich in dem Grenzgebiet Waziristan zwischen Afghanistan und Pakistan aufhält.
Im Februar 2004 wurde gemeldet, dass Osama bin Laden im Nordwesten Pakistans eingekreist worden sei. Bin Laden und etwa fünfzig seiner Anhänger seien in einem rund 16x16 km grossen Berggebiet nördlich der Städte Khanozai, Murgha und Quetta nahe der afghanischen Grenze ausgemacht worden. Die USA und Pakistan dementierten dies.
Am 20. Juni 2005 gab der amtierende Chef des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA, Porter Goss, in einem Interview mit dem US-Magazin Time bekannt, er wisse, wo sich bin Laden aufhalte. Er deutete an, dass ein ausländischer Staat die schützende Hand über Osama Bin Laden halte. Es wurde vermutet, dass dies Pakistan sei und die dortige Regierung aus innenpolitischen Gründen derzeit keine Art von Auslieferung wegen radikaler Strömungen im eigenen Lande durchführen könne. Ähnlich äusserte sich im August 2006 Garry Berntsen, ebenfalls Funktionär des CIA, gegenüber CNN. Ein aus Sicherheitsgründen anonym gebliebener Mitarbeiter der Behörde vermutet einen Aufenthalt im pakistanischen Distrikt Chitral, weit im Norden des Landes, das im Westen an Afghanistan, im Norden an China angrenzt.
Am 23. September 2006 berichtete die französische Zeitung „L'Est Republicain“ unter Berufung auf den französischen Auslandsgeheimdienst DGSE, dass saudi-arabische Ermittler vom Tode Bin Ladens überzeugt seien. Danach sei Bin Laden am 23. August 2006 an einer starken Typhusinfektion verstorben. Allerdings erklärten sowohl ein „hochrangiger Vertreter des pakistanischen Innenministeriums“ als auch „ein Sprecher der US-Regierung“, welche namentlich nicht genannt werden wollten, ihnen lägen solche Erkenntnisse nicht vor. Am 13. Juli 2007 beschloss der US-Senat mit 87 Stimmen bei einer Gegenstimme, dass 50 Millionen Dollar Prämie (bisher die Hälfte) für Hinweise gezahlt werden sollen, die zur Festnahme oder zum Tod bin Ladens führen.
Am 7. September 2007 meldete sich Osama bin Laden erneut per Videobotschaft, in der er unter anderem die Präsidentschaft des neuen französischen Staatspräsidenten erwähnt, so dass die Aktualität des Videos bewiesen ist.

Tod bin Ladens

Am 1. Mai verkündete Barack Obama, dass Osama bin Ladin bei einer Kommandoaktion der USA getötet worden sei. Dies bei einem Hubschrauberangriff auf ein Hausin Abbotabad etwa hundert Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, berichteten sowohl Vertreter der Vereinigten Staaten als auch Pakistans.

(leicht verändert nach wikipedia)

 

   
     

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