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Usama
ibn Muhammad ibn Awad ibn Ladin (geboren vermutlich am 10. März
1957 in Riad, Saudi-Arabien, gestorben bei einem Tötungsanschlag
durch die USA Ende April 2011), kurz als Osama bin Laden bekannt,
ist ein Terrorist und spirituelles Oberhaupt verschiedener dschihadistischer
Gruppierungen wie beispielsweise al-Qaida. Als Mudschahid kämpfte
bin Laden mit Unterstützung der USA gegen den Einmarsch der
Sowjetunion in Afghanistan. Später begannen die USA, bin Laden
für mehrere Anschläge verantwortlich zu machen, bei denen
US-Bürger ums Leben kamen. Dazu werden häufig auch die
Terroranschläge am 11. September 2001 gezählt. Auf Hinweise
zu seinem Verbleib setzte der US-Senat im Juli 2007 ein Kopfgeld
in Höhe von 50 Millionen Dollar aus. Seit 1994 ist er staatenlos.
Eltern
Osama bin Ladens Mutter Alia Ghanem stammt aus dem syrischen Latakia
und ist eine Palästinenserin. Sein aus dem Jemen stammender
Vater Muhammad bin Laden war Bauunternehmer, Multimillionär
und saudischer Minister für öffentliche Bauvorhaben. Osama
bin Laden ist der Siebzehntgeborene unter dutzenden Halbgeschwistern.
Familiäre Eckdaten bleiben ungewiss, weil Muhammad bin Laden
viele Kurzehen einging und Geburten oft nicht amtlich gemeldet wurden.
Die Angaben zur Zahl der anerkannten Kinder von Muhammad bin Laden
schwanken in der Literatur, meist zwischen 52 und 57.
Der Vater Muhammad bin Laden hatte sich um 1931 in der am Roten
Meer gelegenen Stadt Dschidda niedergelassen. Ab 1932 gehörte
diese dem neuen Königreich Saudi-Arabien an. Sein unternehmerischer
Erfolg half Muhammad bin Laden zeitlebens nicht, gesellschaftliche
Akzeptanz unter Saudi-Arabern zu finden. Das Stigma ging möglicherweise
auf seine Söhne über.
Gerüchte über die Mutter Alia Ghanem besagen, sie und
ihre Familie gehören den in Syrien verbreiteten schiitischen
Alawiten an. Für Araber, insbesondere für Sunniten, gelten
Alawiten gemeinhin nicht als vollwertige Muslime. Angehörige
der Familie Ghanem wiesen Behauptungen, alawitisch zu sein, stets
zurück.
Osama bin Ladens Eltern lernten einander kennen, als Muhammad bin
Laden im Sommer 1956 eine Geschäftsreise nach Syrien unternahm.
Alia Ghanem war zu diesem Zeitpunkt nach einigen Quellen erst 14
Jahre alt, nach anderen bereits über 20. Sie trat schon bald
in den Haushalt bin Ladens in Dschidda ein. Offen bleibt, ob Alia
Muhammads vierte Ehefrau war oder die beiden nur eine Liebschaft
unterhielten.
Alia Ghanem war verhältnismässig modern und weltlich
eingestellt, trotzdem zeigte sie sich gemäss saudischem
Brauch öffentlich nur mit Hidschab. Ihr Familienstand soll
aufgrund Herkunft, Alter und Habitus niedrig gewesen sein. Die Annahme
besteht, der Familienkreis könnte sie abfällig als „Sklavenfrau“
bezeichnet haben – eine nicht unübliche Bezeichnung für
die vierte Ehefrau in Haushalten polygamer Muslime. Osama bin Laden
könnte daher den Rufnamen „Sohn der Sklavin“ gehabt
haben. Minderwertigkeitsgefühle und Drang nach Selbstvergewisserung
gelten daher als sein möglicher Antrieb.
Ursprünge des Familienvermögens
1931 gründete Muhammad bin Laden in Dschidda die „Muhammad
bin Laden Company“. Das Bauunternehmen wuchs in den 1940er-Jahren
zu einem Branchenführer heran, nachdem Aufträge amerikanischer
Ölfirmen zum Ausbau der saudi-arabischen Infrastruktur eingingen.
Mit der Erschliessung weiterer Wirtschaftszweige ab 1950 wurde
das Unternehmen zur Dachgesellschaft „Saudi Binladin Group“
umgewandelt.
Unter der Regentschaft von König Ibn Saud, 1932 bis 1953, gelang
es Muhammad bin Laden, Bande zum saudischen Königshaus zu knüpfen.
Sie verfestigten sich in der Herrschaftszeit von Ibn Sauds Söhnen
Saud, 1953 bis 1964, und Faisal, 1964 bis 1975. Unter Faisal diente
Muhammad bin Laden als ehrenamtlicher Minister für öffentliche
Bauvorhaben. Er verantwortete in den 1950er-Jahren den Bau königlicher
Paläste, den Ausbau des saudi-arabischen Strassennetzes
und die Renovierung sakraler Stätten. Zu dieser Zeit erwarb
Muhammad bin Laden beträchtlichen Reichtum.
Osama bin Laden beschrieb seinen Vater in einem 1999 ausgestrahlten
TV-Interview als einen der „Begründer der Infrastruktur
Saudi-Arabiens“. Er stellte fest, sein Vater leitete in den
1950er- und 1960er-Jahren die Renovierung samt Modernisierung dreier
bedeutender Moscheen, nämlich der Al-Haram-Moschee in Mekka,
der Prophetenmoschee in Medina und der al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg
in Jerusalem. Sein Vater habe dabei zum Teil ohne Profit kalkuliert.
Die Aktienanteile der „Saudi Binladin Group“ werden
im Familienbesitz gehalten. Unter der Firmenleitung von Osama bin
Ladens Brüdern Salim, 1972 bis 1988, und Bakr, seit 1988, wuchs
die SBG zum Mischkonzern mit Beteiligungen an transnationalen Unternehmen
heran. Neben dem Stammgeschäft im Baugewerbe operiert der Konzern
unter anderem in der Automobilindustrie, im Telekommunikationsgewerbe
und auf dem Agrarsektor. Zudem ist die SBG Eigentümer vieler
Immobilien und hält Anteile an Banken nebst Investmentfirmen.
Die verschiedenen Unternehmensbereiche sowie ausländische Vertretungen
werden vornehmlich von weiteren Brüdern Osama bin Ladens geführt.
Das Gesamtvermögen wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt.
Trotz der Belastung durch die Aktivitäten Osama bin Ladens
seit den frühen 1990ern unterhalten Familie und Unternehmen
weiterhin gute Kontakte zum Hause Saud.
Kindheit und Jugend
Osama bin Laden wurde zwischen März 1957 und Februar 1958 geboren.
Er war das einzige gemeinsame Kind von Muhammad bin Laden und Alia
Ghanem. Das genaue Geburtsdatum ist nicht belegt, und Osama bin
Laden selbst gab unterschiedliche Daten an. Im Jahr 1991 zitierte
ihn eine arabische Zeitung, er sei im Monat Radschab des islamischen
Jahres 1377 bzw. im Januar oder Februar 1958 nach Gregorianischem
Kalender auf die Welt gekommen. In einem 1998 aufgezeichneten und
1999 gesendeten Interview mit dem Nachrichtensender Al-Dschasira
soll er den 10. März 1957 genannt haben. Als Geburtsort identifizierte
bin Laden den Malaz-Bezirk der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.
Weil sich die Angabe eines genauen Geburtstages – im Gegensatz
zu dem des Geburtsortes – nicht in der offiziellen Abschrift
des Al Dschasira-Interviews wiederfindet, schlussfolgert Lawrence
Wright, bin Laden sei wahrscheinlich im Januar 1958 geboren. In
der Interview-Abschrift wird bin Laden nur damit zitiert, er sei
im Jahr 1377 geboren (also nach christlicher Zeitrechnung zwischen
Juli 1957 und Juli 1958). Der Vorname Osama bedeutet Löwe und
erinnert an einen der Weggefährten des Propheten Mohammed.
Seine früheste Kindheit verbrachte Osama bin Laden zeitweise
dort, wo sein Vater in Saudi-Arabien Bauaufträge ausführte.
Ab dem sechsten Lebensmonat wohnte er stets in der heimatlichen
Region Hedschas, und zwar abwechselnd in Mekka, Medina und Dschidda.
Seine frühe Ortsnähe zu heiligsten Stätten hat Osama
bin Laden in Interviews wiederholt herausgehoben. Aufenthaltsort
des jungen Osama bin Laden war zumeist das weitläufige, aber
schlichte Haus der Familie bin Laden im Vorort al-Amarija von Dschidda.
Den häufig auf Geschäftsreisen befindlichen Vater sah
Osama nur selten. Und selbst wenn dieser sich in Dschidda aufhielt,
war es angesichts vieler Geschwister im Haushalt unmöglich,
eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen.
Als Osama bin Laden vier oder fünf Jahre alt war, liess
sich Muhammad bin Laden von Alia scheiden. Für seine Exfrau
Alia arrangierte Muhammad bin Laden eine neue Ehe mit dem Firmenangestellten
Mohammed al-Attas. Osama begleitete seine Mutter in deren neues
Domizil, das einige Blocks vom Familiensitz der bin Ladens in Dschidda
entfernt lag. Im neuen Haushalt kümmerte er sich als älterer
Bruder auch um die Erziehung der vier Halbgeschwister – drei
Jungen, ein Mädchen. Zu seiner Mutter hatte Osama bin Laden
ein inniges Verhältnis, das zum Stiefvater war aufgrund von
dessen Tätigkeit für den leiblichen Vater aber kompliziert.
Von seinem Jugendfreund Chaled Batarfi wird der junge Osama als
„ruhig, scheu, fast mädchenhaft“ beschrieben. Ehemalige
Schulfreunde erinnern sich an Osamas Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit.
Bin Laden galt ferner als durchweg friedfertig und selten jähzornig.
Er liebte es, in seiner Kindheit fernzusehen, vor allem amerikanische
TV-Serien wie Bonanza und Fury. Mit Freunden spielte er häufig
Fussball, war aber selbst nur ein mittelmässiger
Spieler.
Muhammad bin Laden starb am 3. September 1967 bei einem Flugzeugabsturz
in der saudi-arabischen Provinz Asir, als Osama bin Laden etwa zehn
Jahre alt war. Da sie nicht volljährig waren, konnte keiner
der Söhne Muhammads das väterliche Erbe antreten, woraufhin
König Faisal drei Treuhänder ernannte, die das Familienvermögen
für einige Jahre verwalten und sich um eine standesgemässe
Ausbildung der Söhne kümmern sollten.
Bin Laden besuchte ab 1968 die weltlich-westlich orientierte al-Thagr-Schule,
eine angesehene staatliche Bildungseinrichtung im Zentrum Dschiddas.
Wie alle al-Thagr-Schüler trug er dort eine Schuluniform nach
angelsächsischem Vorbild und wurde unter anderem von britischen
und irischen Englischlehrern unterrichtet. Als „durchschnittlichen“
Schüler bezeichnete ihn Ahmed Badib, der ihn in Naturwissenschaften
unterrichtete; der irische Gastlehrer Seamus O’Brien erinnerte
sich an bin Laden als „guten“ Schüler. Im Gegensatz
zu seinen Halbbrüdern, die Schulen in England und im Libanon
besuchten, blieb Osama bin Laden jedoch in Saudi-Arabien (? Abschnitt
Frühe Auslandsaufenthalte). Seine Halbbrüder bereisten
auch später Nordamerika und Europa und waren daher eher kosmopolitisch
eingestellt.
Als Jugendlicher und junger Erwachsener erfuhr Osama bin Laden auch
jene Privilegien, die dem Reichtum seiner Familie entsprachen. Seine
Ferien verbrachte er beim Bergsteigen in der Türkei oder mit
Freunden auf Safari in Kenia. Schon früh besass Osama
bin Laden mehrere Limousinen, mit denen er manchmal zu schnell gefahren
sein soll. Einen Unfall mit Totalschaden seines Chryslers überstand
er dabei unverletzt. Die Familie besass ein Landgut in einer
Oase südlich von Dschidda, auf der Pferde gehalten wurden,
einige davon Eigentum Osama bin Ladens. Bin Laden war für die
risikoreiche Art bekannt, mit der er die Wüste mit Geländewagen
und zu Pferd durchquerte.
Osama bin Laden zeichnete sich durch Häuslichkeit und Aufrechterhaltung
familiärer Beziehungen aus. Nach eigener Erinnerung hat er
schon in früher Jugend auf Strassenbaustellen des Familienunternehmens
mitgeholfen. Als die bin-Laden-Gesellschaft einen grossen Bauauftrag
übernehmen sollte, wollte er die Schule verlassen, um sich
im Familienunternehmen zu bewähren. Erst der Widerspruch seiner
Mutter, so bin Ladens Erinnerung im Jahr 1991, habe ihn zum Umdenken
bewegt: „Ich konnte den Tränen meiner Mutter nicht widerstehen.
Ich musste an die Schule zurückkehren und meine Ausbildung
beenden.“
Entdeckung von Religion und Politik
Osama bin Laden
Bin Laden wuchs in der Tradition des Wahhabismus bzw. Salafiyyas
auf, eine hanbalitische Richtung des sunnitischen Islam. Es ist
nicht bezeugt, dass er in früher Jugend ein inniges Verhältnis
zu Religion und Politik hatte. Jedoch lernte er schon früh
Personen religiöser Prägung kennen. Während des Dhu
l-hiddscha bot Vater Muhammad bin Laden regelmässig zahlreichen
Mekkapilgern eine Bleibe, darunter hohe Geistliche und Anführer
islamischer Bewegungen. Muhammad bin Laden war an theologischen
Fragen interessiert und regte seine Gäste häufig zu entsprechenden
Debatten an.
Osama bin Ladens Intimität zu Religion könnte sich an
der al-Thagr-Schule unter dem Einfluss eines als charismatisch beschriebenen
syrischen Sportlehrers entwickelt haben. Bin Laden nahm an Treffen
eines Studienzirkels teil, den der Lehrer ins Leben rief, um Koranpassagen
und Hadiths mit Interessierten zu diskutieren und zu verinnerlichen.
An Prinzipientreue appellierend, schilderte der Lehrer unter anderem
Gleichnisse, um fundamentalistisch motivierte Gewalt zu legitimieren.
Der Lehrer gehörte mutmasslich der Muslimbruderschaft
an, der sich Osama bin Laden später, aber noch während
der Schulzeit, ebenfalls anschloss.
Es war kennzeichnend für die in den 1970er-Jahren vor allem
in Ägypten und Syrien verbreitete Muslimbruderschaft, religiöse
und politische Überzeugungen ideologisch zu verbinden. Sie
wünschte einen revolutionären und antiimperialistischen
Gesinnungswandel der muslimischen Welt. Dies stand mit saudischem
Wahhabismus in Konflikt, denn die systembewahrende und sozialkonservative
Ulema stützt die Herrschaft des Königshauses Saud. Obwohl
sich die Muslimbrüder in Saudi-Arabien organisierten, strebten
sie dort nicht nach politischem Umsturz.
Osama bin Laden wandte sich ab dem 14. Lebensjahr der Religion zu
und übte strikte Selbstkasteiung. Dies forderte er ebenso Mitgliedern
des al-Attas-Haushaltes ab, insbesondere seinen Halbgeschwistern.
Zu den fünf täglichen Gebetszeiten legte er eine weitere
um 1:00 Uhr nachts ein, fastete wie Mohammed an zwei Tagen der Woche,
trug fortan kaum westliche Kleidung mehr und kehrte sich von Musik
wie Fernsehen ab.
Osama bin Laden äusserte jetzt Besorgnis über den
Zustand der arabischen und muslimischen Welt im Allgemeinen und
die Lage der Palästinenser im Besonderen. Er sah den Grund
politischer Malaise in allgemeiner Vernachlässigung von Religion.
Er klagte, die Muslime seien gottesfern und jugendliche Muslime
bloss damit beschäftigt, sich Weltlichem hinzugeben.
Auch Brüder Osama bin Ladens galten als sehr fromm. Osama bin
Ladens gleichwohl striktere Religiosität erfuhr in der Familie
eher Bewunderung, keineswegs Kritik. Doch beobachtete Mutter
Alia Ghanem die spätere Radikalisierung ihres Sohnes mit Sorge.
Studium
1976 immatrikulierte Osama bin Laden für Betriebswirtschaft
und Bauingenieurwesen an der König-Abdul-Aziz-Universität
zu Dschidda. Allerdings widmete er religiösen Aktivitäten
mehr Aufmerksamkeit als seinem Studium. Er gründete eine religiöse
Wohlfahrtsorganisation, in deren Rahmen er mit anderen Studenten
den Koran und die Lehre vom Dschihad interpretierte.
Eine Reihe von Professoren der König-Abdul-Aziz-Universität
waren Anhänger der Muslimbruderschaft. Mit dem Ziel, auf Basis
des Korans politische und religiöse Ordnung in Einklang zu
bringen, traten sie für die Umgestaltung muslimischer Gesellschaften
ein. Der Flügel radikaler Muslimbrüder propagierte dabei
einen gewaltsamen politischen Kampf, der sich gegen moderate Muslime
zu richten versuchte.
Einige Quellen geben an, dass Osama bin Laden sich erst in dieser
Zeit radikaleren politischen Lehren zuwandte. Diese beruhten vor
allem auf Schriften des Ägypters Sayyid Qutb. Hierzu hielt
Mohammad Qutb, der sich als Bannerträger der Lehren seines
1966 hingerichteten Bruders verstand, regelmässige Vorträge
an bin Ladens Universität. Bin Laden wohnte den Vorträgen
bei. Doch zögerte er nach Erinnerung seines Freundes Dschamal
Chalifa, bevor er jenen Lehren zustimmte. Die revolutionäre
Rhetorik radikaler Muslimbrüder übte auf junge Studenten
wie Chalifa und bin Laden eine gewisse Anziehung aus. Die Rhetorik
unterschied sich von der konservativen Haltung saudischer Theologen.
Bin Laden suchte während seines Studiums ein Betätigungsfeld
im Unternehmen des Vaters. Auf Drängen gaben ihm seine Brüder
eine Teilzeitanstellung. Bin Laden überwachte den Bau von Strassen,
Hotels und Pilgerunterkünften in Mekka. Dort legte er selbst
Hand an und bediente schweres Arbeitsgerät. Obwohl er in Interviews
späterer Jahre betonte, er habe seinerzeit Nebenverdienst und
Studium vereinbaren können, hielt er den Belastungen nicht
stand. 1979, ein Jahr vor dem eigentlichen Abschluss, verliess
er die Universität. Nach widersprüchlichen Berichten
habe er dennoch 1979 oder 1981 einen Universitätsabschluss
im Bauingenieurswesen oder im öffentlichen Verwaltungswesen
erlangt.
Familienleben
Osama bin Laden hat zusammen mit fünf Ehefrauen mindestens
24 Kinder. Von einer Ehefrau wurde er geschieden.
1974, als bin Laden 16 oder 17 Jahre alt war, heiratete er zum ersten
Mal. Seine Ehefrau wurde die vierzehnjährige Cousine Najwa
Ibrahim Ghanem, die Tochter eines Onkels mütterlicherseits.
Er kannte sie durch jährliche sommerliche Besuche bei Verwandten
in Syrien. Das junge Paar lebte noch mehrere Jahre im Haushalt seiner
Mutter und seines Stiefvaters.
Das erste gemeinsame Kind, Abdullah, wurde einige Jahre nach der
Hochzeit geboren. Im Laufe der Zeit brachte die Ehe zehn weitere
Kinder hervor. Obwohl säkular aufgewachsen, trug Najwa seit
ihrer Hochzeit mit Osama in der Öffentlichkeit stets den für
saudische Frauen üblichen Hidschab. Osama bin Ladens frühere
Schwägerin Carmen bin Laden beschreibt Najwa als „blutjung,
unterwürfig und ständig schwanger“.
Noch während des gemeinsamen Studiums entschlossen sich bin
Laden und sein Freund Dschamal Chalifa, einen polygamischen Lebensstil
zu führen. Dieser wurde in Saudi-Arabien mittlerweile als inakzeptabel
betrachtet, weil Männer, wie auch bin Ladens Vater, ihn für
Eintagsehen ausnutzten. Ein Ansinnen von bin Laden und Chalifa war
daher, dafür einzutreten, dass der Islam und die Polygamie,
sofern nicht missbräuchlich praktiziert, in Einklang stehen
können.
Im Jahr 1982 heiratete bin Laden seine zweite Frau Umm Hamsa, mit
der er einen Sohn, Hamsa, hatte. Sie stammt aus der angesehenen
Familie Sabar aus Dschidda, ist sieben Jahre älter als ihr
Mann, besitzt einen Universitätsabschluss der Kinderpsychologie
und lehrte am Frauenkolleg der Abd-ul-Aziz-Universität. Gemeinsam
mit seinen zwei Familien bezog bin Laden nach der zweiten Hochzeit
ein Haus in Dschidda.
Bin Ladens dritte Ehefrau Umm Chaled aus der Familie Scharif in
Medina schloss ein Studium der arabischen Sprachwissenschaften ab
und dozierte an einem Lehrerkolleg in ihrer Heimatstadt. Neben dem
Sohn Khaled haben die beiden drei Töchter. Die vierte Ehefrau,
Umm Ali aus der Familie Gilaini in Mekka, hat drei gemeinsame Kinder
mit bin Laden. Auf ihr Bitten hin liess bin Laden sich in der
Zeit seines Aufenthalts im Sudan im Jahr 1994 von ihr scheiden.
Nach saudischer Tradition blieben die Kinder bei der Mutter und
kehrten mit ihr in deren Heimatstadt Mekka zurück.
Bin Laden wird als liebevoller, aber auch als strenger Vater geschildert.
Er lehnte es ab, seine Kinder zur Schule zu schicken und liess
sie statt dessen durch Hauslehrer unterrichten. Einige der Kinder
blieben dadurch in ihrer Bildung hinter Altersgenossen deutlich
zurück, zum Teil konnten sie kaum lesen.
Eine Ehefrau und einige Kinder wurden bei einem Grenzübertritt
aus Afghanistan Anfang September 2001 aufgebracht und seither im
Iran festgehalten. Khaled bin Laden forderte im März 2010
in einem Brief an die iranische Führung auf, diese freizulassen.
Eine der Töchter von Osama bin Laden soll mit Mullah Omar,
dem Anführer der Taliban, verheiratet sein.
Politischer Kampf
Das Schlüsseljahr 1979
Beim Versuch, zu erklären, warum und wann Osama bin Laden bewaffneten
politischen Kampf zu unterstützen begann, werden in der Literatur
häufig drei Ereignisse des Jahres 1979 herangezogen.
Islamische Revolution im Iran
Anfang 1978 demonstrierten Regimegegner im Iran gegen die Herrschaft
von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Man forderte eine islamische politische
Neuordnung und eine Abwendung von den USA. Als Mohammad Reza Pahlavi
im Januar 1979 den Iran verliess und dessen Widersacher Ajatollah
Ruhollah Khomeini aus dem Pariser Exil in den Iran zurückkehrte,
erreichte die islamische Revolution einen Höhepunkt. Im April
1979 wurde der Iran per Referendum zur „islamischen Republik“
erklärt und erhielt im Dezember schliesslich eine theokratische
Verfassung.
Radikal-islamische Gruppierungen in arabischen Ländern, vor
allem Moslembrüder, zeigten sich wegen des politischen Umsturzes
beschämt und gleichermassen bestärkt. Denn einerseits
konnte ein schiitisches Land wie der Iran für Sunniten nicht
als Leitbild dienen, andererseits erfüllte der Iran jetzt aber
wesentliche Programmatik sunnitischer Radikaler; hier zu nennen
sind die Machtvereinigung von Weltlichkeit und Geistlichkeit, die
Einführung der Scharia und ein antiamerikanischer Kurs. Die
sunnitischen Radikalen erhielten in der Folge in verschiedenen Ländern
des Nahen Ostens Auftrieb. Die Forderung kam auf, es dem Iran gleichzutun.
Die Erstürmung der Grossen Moschee in Mekka
Am Morgen des 20. November 1979 stürmte eine bis zu 500 Personen
zählende Gruppe schwer bewaffneter radikaler Muslime aus verschiedenen
arabischen Ländern die Grosse Moschee in Mekka und nahm
tausende versammelte Gläubige als Geiseln. Anführer der
Gruppe war Juhaiman al-Utaibi, ein fundamentalistischer Prediger.
Der Überfall fand am letzten Tag des Pilgermonats und Vortag
des Neujahrstags des Jahres 1400 nach muslimischer Zeitrechnung
statt. Die von eschatologischen Vorstellungen und dem iranischen
Vorbild angetriebenen Aufständischen erklärten, dass das
Ende der Welt bevorstehe. Sie riefen zur Übernahme islamischer
Rechtsordnungen in allen muslimischen Ländern, zum Sturz des
saudischen Königshauses und zum Bruch der diplomatischen Beziehungen
mit westlichen Ländern auf.
Die meisten Geiseln wurden bald freigelassen, aber ein Teil blieb
in den Händen der Aufständischen. Die saudische Regierung
erwirkte eine Fatwa der obersten Theologen, die die Anwendung von
Gewalt in der heiligen Stadt erlaubte. Erst nach langwierigen und
verlustreichen Kämpfen in dem labyrinthischen Gebäude,
gelang es nach mehr als zweiwöchiger Besetzung, die überlebenden
Aufständischen zur Aufgabe zu bringen. Unzählige Geiselnehmer,
Geiseln und Sicherheitskräfte kamen in dieser Zeit ums Leben.
63 Aufständische, darunter al-Utaibi, wurden am 9. Januar 1980
in einer Massenexekution in verschiedenen Städten Saudi-Arabiens
hingerichtet.
Die Familie bin Laden wurde von diesem Ereignis unterschiedlich
berührt. Einerseits gab diese schwere Krise des Landes der
Familie die Chance, ihre Loyalität zum Königshaus zu beweisen.
So waren die zur Verfügung gestellten Baupläne der vom
Familienunternehmen renovierten Moschee den Sicherheitskräften
bei der Eroberung des Gebäudes hilfreich. Andererseits wurden
Osama bin Laden und sein Bruder Mahrous kurz nach Beginn des Aufstands
für ein bis zwei Tage festgenommen, weil sie sich verdächtig
benommen hatten. Es gibt keine Hinweise, dass Osama bin Laden von
der terroristischen Aktion im Vorfeld wusste, und er distanzierte
sich damals auch von ihr; allerdings fand er in späteren Jahren
lobende Worte für sie. Nach anderen Berichten hing die
Verhaftung von Mahrous bin Laden damit zusammen, dass die Aufständischen
sein freundschaftliches Vertrauen missbraucht und Bauwagen der Bin
Laden Company ohne sein Wissen zum Schmuggeln ihrer Waffen nach
Mekka benutzt hatten.
Sowjetische Besetzung Afghanistans
Die am 25. Dezember 1979 beginnende sowjetische Invasion in Afghanistan
hatte zum Ziel, ein prosowjetisches politisches Regime in dem Land
zu erhalten. Der Einfall wurde von Muslimen weltweit mit Bestürzung
aufgenommen. Das vormoderne zentralasiatische Afghanistan war den
meisten von ihnen zwar fremd, aber der Versuch, durch äusseren
Einfluss dort eine säkulare, der sowjetischen Form der Moderne
verpflichtete politische Ordnung zu etablieren, wurde als Bedrohung
der gesamten muslimischen Welt wahrgenommen. Schnell entwickelte
sich vor allem in arabischen Ländern eine Bewegung, den sich
von Pakistan aus formierenden afghanischen Widerstand zu unterstützen,
sowohl durch grosszügige Finanzhilfen als auch mit freiwilligen
Kämpfern.
Kampf in Afghanistan (1979–1989)
Stellvertreterkrieg und Dschihad-Bewegung
Privatinitiativen für den afghanischen Widerstand gegen die
Sowjets wurden offiziell von der saudi-arabischen Führung zwar
nicht gebilligt, aber insgeheim begrüsst wie auch unterstützt.
Bestärkt wurden die Saudis dabei von der US-Regierung unter
Präsident Jimmy Carter. Diese wollte der Sowjetunion in Afghanistan
„ihr Vietnam“ bereiten, wie Carters Sicherheitsberater
Zbigniew Brzezinski es formulierte.
Der Widerstand in Afghanistan wurde zu einem Stellvertreterkrieg
zwischen den beiden Grossmächten. Die US-Regierungen –
erst unter Präsident Carter, ab 1981 unter Präsident Ronald
Reagan – unterstützten die aufständischen Mudschahiddin.
Finanz- und Militärhilfen gingen verdeckt über die CIA
und die saudische Regierung an den pakistanischen Geheimdienst ISI.
Der ISI gab das Geld wiederum an Ittihad-e-Islami weiter, eine von
den Saudis formierte Fraktion der zerstrittenen afghanischen Widerstandsgruppen
unter Leitung von Abu Sajaf. Die Saudis verpflichteten sich, amerikanische
Finanzhilfen mit eigenen Beiträgen aus Staatsmitteln und mit
privaten Spenden zu verdoppeln. So flossen bis 1989 Milliarden US-Dollar
an den afghanischen Widerstand.
Der palästinensische Gelehrte Scheich Abdallah Yusuf Azzam
propagierte einen Dschihad gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans.
Azzam lehrte ab 1980 an der König-Abd-ul-Aziz-Universität
in Dschidda; im November des darauffolgenden Jahres wechselte er
an die Islamische Universität von Islamabad. Von dort aus nahm
er Kontakt zum afghanischen Widerstand auf, der sich um Peschawar
organisierte. In seinen Schriften und Videobotschaften verbreitete
Azzam anschliessend das Bild des heiligen Kriegers, der sog.
Mudschahiddin, denen es mit Gottes Beistand gelinge, den „gottlosen“
Invasoren in Afghanistan auf wundersame Weise erfolgreich Widerstand
zu leisten.
Bin Laden und die Rolle der „arabischen Afghanen“
Osama bin Laden gab in Interviews in den 1990er-Jahren an, die Kenntnisnahme
über die sowjetische Besetzung Afghanistans habe ihn derart
erzürnt, dass er schon wenige Tage darauf das erste Mal nach
Afghanistan gereist sei. Auch in Folgejahren will er das Land regelmässig
besucht haben, um Spendengelder persönlich zu überbringen.
Allerdings habe er die Reisen vor seiner Familie verheimlicht. Dem
widerspricht sein Freund Chalifa: Bin Laden habe Afghanistan erstmals
1984 betreten. Nach Darstellung verschiedener Quellen interessierte
sich bin Laden zunächst weniger für Afghanistan als für
den Aufstand der Moslembrüder gegen die Herrschaft der alawitischen
Baath-Partei in Syrien. Die Revolte hatte 1976 begonnen und wurde
erst 1982 blutig niedergeschlagen. Bin Laden soll die syrischen
Moslembrüder finanziell unterstützt und sich Afghanistan
erst nach deren Niederlage zugewandt haben.
Als die saudische Führung die Gründung regionaler Hilfskomitees
für Afghanistan organisierte, wurde Osama bin Laden auf Familienwunsch
Zweigstellenleiter für die Region Hedschas. Abdallah Azzam
war bei mehrmaligen Reisen nach Dschidda sein Gast und versuchte
bei Vorträgen, junge Saudis zu bewegen, sich den Mudschahiddin
anzuschliessen. Nach Darstellung von bin Ladens Frau Najwa
hatte dieser Azzam 1979 während eines zweiwöchigen Aufenthalts
im US-Bundesstaat Indiana getroffen. Seit 1980 oder 1981 hatte
er in Dschidda Vorlesungen Azzams besucht. Bei wechselseitigen Besuchen
entstand im Laufe der Jahre eine enge persönliche Bindung zwischen
beiden.
Bin Ladens Haus entwickelte sich bis 1984 zu einer wichtigen Anlaufstelle,
in der sich Afghanistanfreiwillige verschiedener Länder vor
der Abreise nach Pakistan sammelten. Bin Laden betätigte sich
als Spendensammler und errichtete im städtischen Umland militärische
Ausbildungslager. Er reiste bis 1984 mehrmals nach Islamabad
und Lahore in Pakistan, um den Widerstand zu unterstützen.
Dabei hielt er sich aber von Afghanistan und von Peschawar fern,
angeblich weil ihm die saudische Führung ein persönliches
Auftreten dort untersagt hatte. Da die regelmässigen Reisen
ihn davon abhielten, den Aufgaben im Familienunternehmen nachzukommen,
verlor er seine Anstellung.
1984 besuchte bin Laden auf Einladung Azzams ein Mudschahiddinlager
in Ostafghanistan und wurde dort Zeuge eines sowjetischen Angriffs.
Sein jahrelanges Fernbleiben beschämte ihn: „Ich fühlte,
dass mir dieser vierjährige Aufschub nicht vergeben werden
konnte, wenn ich nicht selbst zum Märtyrer würde.“
Osama bin Laden war nun überzeugt, dass die Unterstützung
der Mudschahiddin intensiviert werden müsse. Er reiste nach
Saudi-Arabien zurück und mobilisierte dort in Kürze rund
10 Millionen US-Dollar an Spendengeldern. Bei einer gemeinsamen
Hadsch einigte er sich mit Azzam darauf, die wenigen arabischen
Freiwilligen für Afghanistan zu stärken und besser zu
koordinieren. Azzam erliess eine (in der arabischen Welt durchaus
umstrittene) Fatwa, in der er den Kampf in Afghanistan zur Pflicht
aller dazu fähigen Muslime (fard ayn) erklärte.
1984 richtete bin Laden in Peschawar ein Bait al-ansar genanntes
Gasthaus ein, das als Anlaufstelle für arabische Mudschahiddin
diente. Mit Azzam gründete er das Peschawarer Büro Maktab
al-Chadamat zwecks Organisation und Betreuung der Kämpfer und
der Verteilung der Spendengelder unter afghanischen Flüchtlingen.
Ausserdem unterstützte bin Laden Abu Sajaf bei der Gründung
der Universität Dawa al-Dschihad, einer Einrichtung in der
Umgebung Peschawars, die später als Ausbildungsstelle für
Terroristen diente. Als Geldgeber wurde Osama bin Laden zu einer
Respektsperson bei den Mudschahiddin, obschon er die Rolle des charismatischen
militärischen Führers nicht ausfüllen konnte.
Trotz der Legenden, die zunächst Azzam und später bin
Laden über ihr Wirken verbreiteten, war der Einfluss arabischer
Freiwilliger auf den afghanischen Freiheitskampf gering. Die Zahl
der „arabischen Afghanen“ überschritt zu keinem
Zeitpunkt 3000. Die meisten von ihnen blieben in Peschawar, wo sie
sich auf Hilfsdienste für die afghanischen Flüchtlinge
konzentrierten, und nahmen nie an Kämpfen gegen die Rote Armee
teil. Der Märtyrerkult, den diese von ihren Heimatländern
bald entfremdeten Araber, inspiriert von den Schriften Sayyid Qutbs
und Abdallah Azzams, entwickelten, blieb den afghanischen Mudschahiddin
fremd. Auch die Militärhilfe der Araber war nicht immer erwünscht.
Ähnliches galt für deren Versuche, wahhabistische oder
andere arabische religiöse Prinzipien in Afghanistan zu verbreiten
oder die Arbeit westlicher Hilfsorganisationen und Korrespondenten
im Land zu behindern.
Bin Laden im Partisanenkampf
Anfänglich seines Engagements in Pakistan und Afghanistan hielt
Osama bin Laden sich mehrere Monate jährlich bei seiner Familie
in Saudi-Arabien auf. Bei diesen Gelegenheiten stattete er den saudischen
Behörden Bericht über seine Auslandsaktivitäten ab.
1986 brachte er seine Frauen und Kinder nach Peschawar. Er liess
die Höhlen von Tora Bora an der afghanisch-pakistanischen Grenze
zu Munitionslagern ausbauen und führte erstmals eine kleine
Einheit arabischer Freiwilliger in den Kampf nach Afghanistan, von
wo diese sich aber schnell zurückziehen musste.
Sein Entschluss, dauerhaft eigene Widerstandslager für Araber
auf afghanischem Boden zu unterhalten, brachte ihn in Konflikt mit
Azzam, der die orts- und sprachunkundigen Freiwilligen nur als Mitglieder
afghanischer Einheiten kämpfen lassen wollte. Bin Laden liess
im ersten Lager Masaada (=Höhle des Löwen) im Nordosten
Afghanistans mit schwerem Baugerät, das die SBG zur Verfügung
gestellt hatte, künstliche Höhlen anlegen, in denen die
Kämpfer sich verschanzen konnten.
Seit dem Frühjahr 1987 führte bin Laden seine Männer
in kleinere Kämpfe gegen sowjetische Einheiten, die zumeist
mit demütigenden Niederlagen und Rückzug endeten. Das
schädigte den Ruf der arabischen Freiwilligen bei afghanischen
Mudschahiddin und sie unterstützenden Pakistanern. Allerdings
gelang es bin Ladens Männern, die Festung Masaada, die kurzzeitig
wegen starker sowjetischer Angriffe hatte geräumt werden müssen,
zurückzuerobern. Dies wurde für die „afghanischen
Araber“ zu einem mythischen Ereignis, das göttlichen
Rückhalt zu beweisen schien. Nach widerstreitenden Berichten
soll bin Laden selbst während solcher Gefechte Nervenstärke
bewiesen haben oder krank und indisponiert gewesen sein.
Gründung von al-Qaida und Ende des Afghanistan-Einsatzes
Im Mai 1988 begannen die Sowjets ihren bis Februar 1989 dauernden
Abzug aus Afghanistan. Die Führer der „arabischen Afghanen“
wollten ihre Männer aus einem sich abzeichnenden Bruderkrieg
zwischen den Mudschahiddingruppen heraushalten und den Dschihad
gegen „Ungläubige“ andernorts fortführen.
Auf einer Zusammenkunft am 11. August 1988 in Peschawar beschlossen
sie, geeignete Männer in einer neuen Organisation namens al-Qaida
(„die Basis“) zu vereinen. Bin Laden zufolge bezog sich
der Begriff zunächst auf das Militärübungslager,
in dem Kämpfer auf Tauglichkeit für die neue arabische
Elitelegion geprüft wurden.
Es herrschte Uneinigkeit, wo genau der Dschihad fortgesetzt werden
solle. Der Ägypter Aiman az-Zawahiri, der auf bin Laden inzwischen
grossen Einfluss gewonnen hatte, plädierte dafür,
den Sturz säkularer Regime in Ländern wie Ägypten
herbeizuführen. Für Abdallah Azzam hatte vor dem Hintergrund
der ersten Intifada der Kampf um Palästina Vorrang, den er
mithilfe der neugegründeten islamischen Hamas als Gegengewicht
zur säkularen Fatah Jassir Arafats führen wollte. Bin
Laden schlug vor, die „arabischen Afghanen“ im Kaschmir,
auf den Philippinen oder in den zentralasiatischen Republiken der
Sowjetunion einzusetzen.
Weil der Grossteil des Geldes zur Unterstützung der „arabischen
Afghanen“ aus Saudi-Arabien kam, sollte auch die Führung
der Dschihadisten einem Saudi obliegen. Dass die Wahl dieses „Emirs“
1988 auf Osama bin Laden fiel, hing auch mit wachsenden Animositäten
zwischen den Ägyptern um Zawahiri und den Unterstützern
Azzams zusammen. Die arabischen Gruppierungen, die vor dem Hintergrund
des sowjetischen Abzugs mehr Zulauf von Freiwilligen denn je hatten,
konkurrierten in der Folge um Gunst und Finanzmittel bin Ladens.
Gleichzeitig reduzierten die saudische Führung und die USA
ihre Hilfen für die arabischen Mudschahiddin, was diese verärgerte
und die einstigen Unterstützer als neue Gegner erscheinen liess.
In einem 1999 ausgestrahlten Interview mit Al Dschasira bestritt
bin Laden, dass die arabischen Dschihadisten jemals von den USA
unterstützt worden seien, und meinte, die Amerikaner hätten
ihn und seine Kämpfer bestenfalls behindert.
Im Kampf um die Stadt Dschalalabad erlitten bin Laden und seine
Männer zusammen mit den afghanischen Mudschahhidin im Frühjahr
1989 eine bittere Niederlage gegen die afghanischen Regierungstruppen.
Das Desaster verschärfte den Zwist zwischen den Fraktionen
der Mudschahiddin. Bin Laden reiste nach Saudi-Arabien, um von der
Regierung in Riad Anweisung zu erhalten, welche Seite er unterstützen
solle. Er erhielt die Antwort, er und seine Männer verliessen
Afghanistan und Pakistan am besten ganz. Bin Laden gehorchte und
kehrte im Herbst 1989 in sein Heimatland zurück. Die meisten
arabischen Freiwilligen taten es ihm gleich. Der in Peschawar verbliebene
Azzam starb im November 1989 bei einem Attentat unbekannter Urheber.
Aufenthalt in Saudi-Arabien (1989–1992)
Nach der Rückkehr ins Heimatland lebte Osama bin Laden abwechselnd
in Dschidda und in Medina. Er stieg erneut in das Familienunternehmen
ein und überwachte vor allem Strassenbauprojekte. Sein
damaliges Vermögen wird auf 7 Millionen US-Dollar geschätzt,
rund 270.000 US-Dollar kamen jährlich durch Gewinnanteile an
der SBG hinzu. In Saudi-Arabien war er inzwischen zu einer respektablen
Persönlichkeit geworden. Die saudischen Medien zeichnten das
Bild, bin Laden und seine Männer seien für die Niederlage
der Weltmacht Sowjetunion in Afghanistan hauptverantwortlich gewesen.
In Reden und Handeln bin Ladens trat ein wachsendes politisches
Sendungsbewusstsein zutage, was Konfliktpotential mit der saudischen
Führung barg. Mehrfach argumentierte er in der familieneigenen
Moschee in Dschidda für die Notwendigkeit, Dschihad gegen die
USA zu führen, da Washington nur bei Gewaltanwendung Abstand
von der Unterstützung Israels nehmen werde. Er forderte seine
Zuhörer dazu auf, amerikanische Handelswaren zu boykottieren.
1990 schlug bin Laden Prinz Turki bin Faisal Al Saud, Leiter des
saudischen Auslandsgeheimdienstes, vor, seine in Afghanistan ausgebildeten
Männer in den Kampf gegen die kommunistische Führung im
Anrainerstaat Südjemen zu führen. Der Vorschlag wurde
zurückgewiesen. Als sich Süd- und Nordjemen 1991 vereinigten,
schloss bin Laden bei mehreren Reisen ins Nachbarland mit nordjeminitischen
Stammesführern ein Bündnis mit dem Vorhaben, die Führer
der an der neuen Koalitionsregierung im Jemen beteiligten Sozialisten
aus dem Süden gezielt zu töten. Bei diesen Unternehmungen
kamen erstmals Männer aus bin Ladens al-Qaida-Gruppe ausserhalb
Afghanistans zum Einsatz. Infolge mehrfachen Protests des jemenitischen
Präsidenten Ali Abdullah Salih beim saudischen König Fahd
musste bin Laden seine Kampagne im Jemen einstellen. Sein Reisepass
wurde eingezogen, die Führung verbot ihm weitere aussenpolitische
Aktivitäten.
Bin Laden warnte ebenfalls vor dem säkularen Regime Saddam
Husseins im Irak. Er sah seine Befürchtungen bestätigt,
als die irakische Armee im August 1990 in Kuwait einmarschierte.
Saudi-Arabien war überzeugt, dass die Einnahme kuwaitischer
Ölfelder eigentliches Ziel Husseins war. Zögernd nahm
die Regierung in Riad das Angebot aus Washington an, mehrere hunderttausend
amerikanische Soldaten zum Schutz Saudi-Arabiens im Land zu stationieren
(siehe Operation Wüstenschild). Bin Laden betrachtete diese
Einladung an Nichtmuslime als Verstoss gegen das Gebot Mohammeds,
in Arabien dürfe es nur eine Religion geben. Vergeblich versuchte
er, die saudische Führung zu überzeugen, er allein könne
eine Freiwilligenarmee von 100.000 Mann aufstellen, um das Land
zu verteidigen.
Der Kuwait-Krieg endete im März 1991. Anschliessend warb
bin Laden mithilfe einflussreicher Unterstützer darum, sein
Ausreiseverbot aufzuheben. Er wollte nach Afghanistan zurückkehren,
um zwischen zerstrittenen Mudschahiddingruppen zu vermitteln, die
inzwischen kurz vor dem Sturz der marxistischen Regierung in Kabul
standen. Im März 1992 erhielt er seinen Pass zurück und
reiste nach Afghanistan. Dort gewann er bald den Eindruck, seine
Vermittlungsbemühungen unterminierten die Versuche von Prinz
Turki, die islamische Gruppierung von Gulbuddin Hekmatyar zu stärken.
Bin Laden erklärte seinem Umfeld, die saudische Führung
plane, ihn in einem Komplott mit dem pakistanischen Geheimdienst
ermorden zu lassen.
Aufenthalt im Sudan (1992–1996)
Leben und wirtschaftliche Betätigung
Osama bin Laden entschloss sich, nicht nach Saudi-Arabien zurückzukehren.
Stattdessen nahm er eine bereits 1990 von der Regierung in Karthum
ausgesprochene Einladung an, sich im Sudan niederzulassen. Bin Laden
kannte das Land von Geschäftsreisen für die SBG, die den
Flughafen Bur Sudan ausbaute. Im grossen, ärmlichen und
politisch instabilen Sudan hatte es 1989 einen von islamischen Gruppen
getragenen Militärputsch gegeben. Im Gegensatz zu den Regierungen
anderer arabischer Staaten begrüsste die neue sudanesische
Führung, wenn arabische Exmudschahiddin aus Afghanistan ins
Land übersiedelten. Einige Hundert taten dies in den folgenden
Jahren. Bin Laden folgte mit seinen Frauen und Kindern im Jahr 1992.
Sie lebten gemeinsam in einer Villa in Karthums Stadtteil Riad.
Als geistiger Führer der Islamisierung des Sudan gilt Hasan
at-Turabi, Vorsitzender der Nationalen Islamischen Front (NIF),
die 1969 als Gegenstück zur ägyptischen Muslimbruderschaft
gegründet worden war. Turabi wollte den Sudan zum Zentrum einer
islamischen Revolution machen, in deren Zuge die Gemeinschaft aller
Muslime („Umma“) und eine Abgrenzung vom Westen herbeigeführt
werde. Viele seiner Vorstellungen, etwa dass die Scharia nur schrittweise
eingeführt werden könne, waren mit denen bin Ladens nicht
in Einklang zu bringen. Später führte dies zu Meinungsverschiedenheiten
zwischen beiden.
Bin Laden gründete im Sudan eine Reihe von Firmen, zusammengefasst
in der Dachgesellschaft Wadi El Aqiq. Sie betätigte sich in
unterschiedlichen Wirtschaftszweigen wie Bau, Lederherstellung,
Produktion von Insektiziden, Import von Lastwagen, Maschinen und
Fahrrädern sowie im Agrarwesen. In der schwach entwickelten
sudanesischen Wirtschaft wurde bin Laden zum Hauptinvestor, obwohl
nur rund 500 Angestellte für ihn arbeiteten. Ausserdem
lieh er dem sudanesischen Staat mehrmals Geld zum Ankauf von Weizen
und Erdöl. Als Bezahlung für den Ausbau von Strassen
erhielt bin Laden Ländereien, was ihn zum vielleicht grössten
Grundbesitzer des Landes machte. Beim Export wichtiger sudanesischer
Agrarprodukte, wie Sesam und Gummiarabikum, hatte er fast eine Monopolstellung
inne. Überdies erwarb er mehrere Häuser in Karthum, in
denen er Gäste und Gefolgsleute bewirtete. Sein Vermögen
verteilte er auf Konten in Karthum, Dubai, London, Malaysia und
Hongkong, die unter Namen von al-Qaida-Mitgliedern geführt
wurden. Da er mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten zumeist
Verluste machte, blieb bin Laden von monatlichen Gewinnbeteiligungen
der SBG abhängig.
Zu Beginn seines Aufenthalts im Sudan zeigte bin Laden wenig Neigung,
seine politische Tätigkeit fortzusetzen. Freunden erklärte
er, der politische Kampf sei für ihn vorüber. Al-Qaida-Mitglieder,
die auf seinen Landgütern arbeiteten, führten zwar weiterhin
Militärübungen durch, aber in geringem Umfange. Bin Laden
widersetzte sich sogar der Forderung, seine Kämpfer im Bürgerkrieg
der sudanesischen Regierung gegen den christlichen Süden des
Landes einzusetzen.
Die USA als neuer Hauptgegner
Bei wöchentlichen Treffen der al-Qaida-Führung in bin
Ladens Gästehaus in Karthum wurde ab Herbst 1992 vermehrt über
die Bedrohung der islamischen Welt seitens der USA diskutiert. Trotz
Abzugszusagen aus Washington zu Beginn des Kuwaitkrieges waren in
Saudi-Arabien weiterhin US-Truppen stationiert. Der im November
1992 begonnene US-Militäreinsatz in Somalia zur Unterstützung
der UN-Operation „Wiederherstellung der Hoffnung“ erschien
der al-Qaida-Führung als Teil einer umfassenden Kreuzzugsstrategie
des christlichen Westens gegen den Islam. Rufe nach einem Dschihad
gegen die USA kamen in bin Ladens Umfeld auf. Unter dem Einfluss
seines Freundes und religiösen Beraters Mamduh Mahmud Salim,
genannt Abu Hadscher, schloss sich bald auch bin Laden diesen Forderungen
an.
Am 29. Dezember 1992 ereigneten sich zwei Bombenanschläge auf
Hotels im jemenitischen Aden; zwei Menschen starben. Ziel der Anschläge
waren offenbar US-Soldaten, die im Rahmen des Somalia-Einsatzes
in der Stadt untergebracht waren. Sie kamen aber nicht zu Schaden.
In einigen Darstellungen gelten diese Anschläge, die in US-Medien
kaum registriert wurden, als erste Terrorakte al-Qaidas; auch bin
Laden hat in späteren Jahren die Urheberschaft seiner Organisation
eingeräumt. Weil das Töten Unschuldiger ein moralisches
Dilemma darstellt, erliess Abu Hadscher zwei Fatwas, in denen
er die Ermordung von US-Soldaten und von Menschen, die sie direkt
oder indirekt unterstützten, als legitim darstellte.
Internationalisierung der Aktivitäten
Bis 1994 vernetzte sich al-Qaida mit weiteren radikalen Gruppierungen
auf internationaler Ebene, wenngleich diese andere Ziele verfolgten
und andere Strukturen nebst Methoden besassen. Dazu gehörte
die schiitische Hisbollah, die im Libanon um Einfluss rang. Bin
Laden traf in dieser Zeit Imad Mughniyah, den Sicherheitschef der
Hisbollah, und al-Qaida-Männer übten in Hisbollah-Ausbildungslagern.
Kontakte gab es auch zur Islamischen Vereinigung von Umar Abd ar-Rahman,
dem „blinden Scheich“, der durch Anschläge auf
Politiker wie Touristen einen politischen Umsturz in Ägypten
einleiten wollte. Auch für Rahman wurden die USA als Unterstützer
der Regierung in Kairo nun zum Gegner. Anhänger von Rahman
planten seit 1992 Terroranschläge in New York, die nach späteren
Informationen der US-Bundespolizei FBI von bin Laden finanziert
werden sollten. Ramzi Ahmed Yousef, der am 26. Februar 1993 einen
Autobombenanschlag auf das World Trade Center verübte, bei
dem sechs Menschen ums Leben kamen, war in einem afghanischen Lager
von al-Qaida zum Sprengstoffspezialisten ausgebildet worden. Ungeklärt
bleibt weiterhin, ob Yousef beim Anschlag in New York im Auftrag
Rahmans oder bin Ladens agierte.
Eine dritte Gruppierung, mit der al-Qaida Kontakte pflegte, bildete
der al-Dschihad unter der Führung Aiman az-Zawahiris, den Osama
bin Laden aus Afghanistan kannte. Wie sein Kontrahent Rahman wollte
Zawahiri das ägyptische Regime stürzen, lehnte die Operationen
der Islamischen Vereinigung aber ab, weil sie zu Antiterroraktionen
der ägyptischen Geheimpolizei führten, bei denen auch
Zellen von al-Dschihad ausgehoben wurden. Zawahiri verweigerte sich
in dieser Zeit der antiamerikanischen Kampagne Rahmans und bin Ladens,
da er die Amerikaner für seine Zwecke auszunutzen hoffte. Ständige
Geldnöte seiner ebenfalls in Sudan befindlichen Organisation
zwangen Zawahiri jedoch 1993, die finanzielle Unterstützung
bin Ladens zu suchen, obgleich er die Kooperation ursprünglich
nur als Bündnis auf Zeit ansah. Bei einem gescheiterten Anschlag
auf den ägyptischen Innenminister Hassan al-Alfi setzte al-Dschihad
im August 1993 erstmals Selbstmordattentäter ein – eine
bei sunnitischen Gruppen bis dahin fast unbekannte Praxis.
Infolge des Anschlages auf das World Trade Center wurde man im Jahr
1993 in westlichen Ländern erstmals auf al-Qaida und bin Ladens
Rolle aufmerksam. So berichtete die Nachrichtenagentur Agence France-Presse
in einer Meldung des 30. Mai 1993 über einem Mann, der „von
al-Qaida ausgebildet worden [ist]“, und sprach ferner von
„einer geheimen Organisation in Afghanistan, die von einem
wohlhabenden saudischen Geschäftsmann namens Osama bin Laden
finanziert wird, der in Dschidda eine Baufirma betreibt.“
Die steigende Bekanntheit bin Ladens führte zusehends mehr
junge Männer aus unterschiedlichen muslimisch geprägten
Ländern in das Ausbildungslager al-Qaidas südlich von
Karthum. Geübt wurde an Waffen, die aus den verbliebenen Beständen
im afghanischen Tora Bora stammten. Sie waren mit einem von bin
Laden erworbenen amerikanischen Militärflugzeug in den Sudan
verfrachtet worden. Neue Dschihadisten nahm bin Laden persönlich
in Empfang. Er stellte gegenüber den Neuankömmlingen die
USA als Hauptfeind der muslimischen Welt dar und argumentierte,
der Vietnamkrieg und der amerikanische Rückzug aus dem Libanon
im Jahr 1983 hätten gezeigt, dass der Kampfeswille der Amerikaner
bereits durch verhältnismässig geringe Verluste gebrochen
werden kann.
Bin Laden sah den Schwund amerikanischer Gefechtsmoral in Somalia
bestätigt, von wo das US-Militär im März 1994 abzog,
nachdem am 3./4. Oktober 1993 in der Schlacht von Mogadischu 18
US-Soldaten gefallen waren. Bin Laden präsentierte den Abzug
als Erfolg al-Qaidas. Laut Darstellung des sudanesischen Geheimdienstes
waren jedoch nur einige Dutzend al-Qaida-Männer nach Somalia
geschickt worden, waren dort in Konflikt mit einheimischen Milizenführern
geraten und hatten sich bereits im Oktober 1993 wieder in den Sudan
abgesetzt. Eine Beteiligung der al-Qaida-Kämpfer an der Tötung
amerikanischer Soldaten während der Schlacht von Mogadischu
wurde zwar später von Vertretern amerikanischer Sicherheitsdienste
unterstellt, kann aber nicht dokumentiert werden.
Mit Finanzmitteln unterstützte bin Laden zeitweilig den Guerillakrieg
der GIA, der nach einem Militärputsch im Zuge des Wahlsiegs
der Islamischen Heilsfront im Jahr 1992 in Algerien eingesetzt hatte.
Jedoch keimten bald ideologische Konflikte mit al-Qaida: GIA-Vertreter
warfen bin Laden Schwäche und Nachgiebigkeit gegenüber
Demokraten vor. Womöglich befürchtete bin Laden, die Terrorkampagne
der GIA, der mehrere zehntausend Zivilisten zum Opfer fielen, schade
dem Ansehen der dschihadistischen Bewegung. Er entzog der GIA schliesslich
seine Unterstützung.
Wachsende Probleme
Am 4. und 5. Februar 1994 versuchte eine radikale Gruppierung unter
Führung des Libyers Abdullah al-Chalifei, einem ehemaligen
Mudschahiddin, Osama bin Laden zu ermorden. In mehreren wirr verlaufenden
Aktionen überfielen Chalifei und seine Männer zwei Polizeiwachen
in Karthum, um Waffen zu erbeuten, töteten 16 Personen beim
Sturm auf bin Ladens Moschee, feuerten auf Mitarbeiter seiner Unternehmen
und griffen schliesslich auch bin Ladens Villa an, wo sie jedoch
überwältigt wurden. Osama bin Laden, der eine Urheberschaft
des ägyptischen Geheimdienstes vermutete, blieb unverletzt,
mehrere seiner Mitarbeiter und Gäste wurden aber von Geschossen
getroffen. Bin Laden musste nun seinen bis dato sehr freien Lebensstil
im Sudan ändern. Auf Zawahiris Drängen hin umgaben ihn
nun ständig ägyptische Leibwächter, und er verliess
sein Haus nur noch bewaffnet.
Während die meisten westlichen Geheimdienste noch nicht auf
bin Laden und al-Qaida aufmerksam geworden waren, brachten deren
Aktivitäten die saudische Führung in der arabischen Welt
zunehmend in diplomatische Bedrängnis. Algerien und Ägypten
forderten die Saudis dazu auf, ihrem Staatsbürger Einhalt zu
gebieten. Als der Versuch, durch die Entsendung von Mitgliedern
seiner Familie in den Sudan mässigenden Einfluss auf Osama
bin Laden auszuüben, scheiterte, entzog König Fahd ihm
am 5. März 1994 die saudische Staatsbürgerschaft. Sein
Halbbruder Bakr bin Laden, Chef des Clans, verstiess ihn in
einer öffentlichen Erklärung kurz darauf aus der Familie.
Das saudische Innenministerium beschlagnahmte Osama bin Ladens Anteile
an der SBG, was ihn schnell in Finanznot brachte. Bin Laden verschärfte
nun seine Rhetorik gegen den saudischen König und die ihn tragende
Geistlichkeit. Zur Verbreitung seiner gegen das Regime in Riad gerichteten
Propaganda diente ihm ein als „Beratungs- und Reformausschuss“
(„Advice and Reformation Committee“) bezeichnetes Informationsbüro,
das al-Qaida in London betrieb.
Auch im Privatleben wuchsen bin Ladens Probleme. Mehrere seiner
heranwachsenden Söhne waren mit den Lebensbedingungen im Sudan
unzufrieden und äusserten den Wunsch, nach Saudi-Arabien
zurückzukehren. Seine vierte Ehefrau Umm Ali bat ihn um Scheidung,
und bin Laden willigte ein. Umm Ali zog mit den drei gemeinsamen
Kindern nach Mekka.
Aufgrund seiner Finanzschwierigkeiten teilte bin Laden den al-Qaida-Männern
Ende 1994 mit, dass er ihre Gehälter kürzen müsse.
Auch Sonderzuweisungen für seinen engsten Umkreis wurden eingeschränkt.
Bisher hatten die meisten al-Qaida-Mitglieder unterstellt, bin Ladens
Finanzmittel seien unerschöpflich. Da der enge Zusammenhalt
der Dschihadisten im Sudan auch mit den regelmässigen
Zahlungen zusammenhing, wirkte die Ankündigung wie ein Schock.
Es kam zu ersten Absatzbewegungen. Medani al-Tajeb, der Schatzmeister
von al-Qaida, der mit einer Nichte bin Ladens verheiratet war, kehrte
nach Saudi-Arabien zurück. Bin Ladens enger sudanesischer Gefolgsmann
Dschamal al-Fadl tauchte unter, nachdem er in bin Ladens Unternehmen
Geld unterschlagen hatte. Anschliessend bot Fadl mehreren Geheimdiensten
Informationen über al-Qaida an und verkaufte diese 1996 für
1 Million Dollar an die amerikanische Regierung. Fadl berichtete
den Amerikanern unter anderem, Osama bin Laden habe 1994 versucht,
Uran von einem sudanesischen General über Schwarzmarktwege
zu beziehen, um offenbar eine „schmutzige Atombombe“
bauen zu können. Allerdings sei bin Laden bei dem Geschäft
betrogen worden. Ausserdem habe bin Laden mit der sudanesischen
Regierung an der Produktion chemischer Kampfstoffe gearbeitet.
Noch immer versuchte die saudi-arabische Führung über
Mittelsmänner, bin Laden zur Einlenkung zu bewegen. Man bot
ihm eine Restitution seines Eigentums, die Rückgabe der Staatsbürgerschaft
und möglicherweise auch Geldzahlungen an. Im Gegenzug sollte
bin Laden dem Dschihad abschwören und seine Angriffe auf König
Fahd widerrufen. Bin Laden verlangte jedoch zusätzlich eine
volle Amnestie und einen festen Zeitplan für den vollständigen
Abzug amerikanischer Truppen aus Saudi-Arabien. Die Unterhandlungen
führten zu keinem Ergebnis. Mit einem per Fax verschickten,
offenen Brief an König Fahd, in dem er diesen zum Rücktritt
aufforderte, vollzog bin Laden im August 1995 den endgültigen
Bruch mit der saudischen Führung. Er prangerte die politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Saudi-Arabien
an, machte den König persönlich und dessen Prunksucht
sowie die Abhängigkeit vom Rohstoff Erdöl für die
Zustände verantwortlich und protestierte erneut gegen die Stationierung
amerikanischer Truppen in seiner Heimat: „Diesen schmutzigen,
ungläubigen Kreuzzüglern darf nicht gestattet werden,
im heiligen Land zu bleiben.“ Allerdings rief bin Laden,
der Hoffnungen an eine Thronübernahme von Kronprinz Abdullah
knüpfte, weder zum Sturz des Hauses Saud noch zu einer politischen
Revolution in Saudi-Arabien auf.
Bei einem Sprengstoffanschlag auf die Befehlsstelle der saudischen
Nationalgarde in Riad starben am 13. November 1995 sieben Menschen,
darunter fünf Amerikaner, die die saudischen Sicherheitskräfte
ausbilden sollten. Die Tat wurde von der saudischen Führung
als Racheakt für die Hinrichtung eines „arabischen Afghanen“
wenige Monate zuvor bewertet. In Reaktion auf den Anschlag wurden
weitere „arabische Afghanen“ verhaftet und vier angeblich
Verantwortliche im saudischen Fernsehen präsentiert, wo sie
Schuldbekenntnisse verlasen und behaupteten, von den Erklärungen
bin Ladens und anderer Radikaler angestachelt worden zu sein. Es
ist indes zweifelhaft, ob die offenbar unter Folter erzwungenen
Geständnisse von den wirklichen Tätern stammten. Osama
bin Laden bekannte sich selbst niemals öffentlich zu einer
Rolle al-Qaidas bei dem Anschlag, soll aber einem arabischen Journalisten
gegenüber vertraulich geäussert haben, er habe die
verantwortliche Zelle aktiviert, nachdem sein Brief an König
Fahd folgenlos blieb.0
Ausweisung aus dem Sudan
Am 26. Juni 1995 verübten al-Dschihad und Islamische Vereinigung
ein Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.
Schauplatz war die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba, in der
Mubarak anlässlich eines Gipfels des Staatenbundes OAU weilte.
Leiter der Operation war Mustafa Hamsa, ein führendes Mitglied
sowohl al-Qaidas wie auch der Islamischen Vereinigung. Mubarak wurde
von den Geschossen der Attentäter nicht getroffen, aber zwei
seiner Leibwächter und drei Angreifer starben bei Schusswechseln.
Durch die Verhaftung weiterer Verschwörer konnte die äthiopische
Polizei die sudanesischen Verbindungen der Drahtzieher offenlegen.
Der UN-Sicherheitsrat forderte den Sudan im Januar 1996 mit UN-Resolution
1044 auf, die Verantwortlichen an Äthiopien auszuliefern und
Terroristen keine Zuflucht mehr zu gewähren. Im April 1996
traten weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen das Land in Kraft.
Die ägyptische Geheimpolizei erpresste in der Folge des Attentats
zwei ägyptische Jugendliche, das Umfeld Zawahiris in Karthum
auszuspionieren und bei der geplanten Ermordung des al-Dschihad-Führers
zu helfen. Mehrere Anschläge auf Zawahiris Leben schlugen jedoch
fehl, und die jugendlichen Spione konnten enttarnt werden. Zawahiri
liess sie unter einem privaten Tribunal hinrichten –
zum Entsetzen von Hasan at-Turabi und der sudanesischen Führung,
die den ägyptischen Dschihadisten vorwarfen, die Gesetze ihres
Gastlandes zu missachten. Zawahiri und seine Anhänger wurden
aufgefordert, den Sudan umgehend zu verlassen. Sie reisten nach
Afghanistan, Jordanien und in den Jemen aus. Wegen der inzwischen
engen Vernetzung von al-Dschihad und al-Qaida verlor Osama bin Laden
dadurch einige seiner wichtigsten Gefolgsleute im Sudan.
Der geschwächte al-Dschihad verübte am 19. November 1995
einen Anschlag auf die ägyptische Botschaft im pakistanischen
Islamabad. Ein Selbstmordattentäter fuhr mit einem sprengstoffbeladenen
Kleintransporter in ein Gebäude, das daraufhin durch Explosion
zum Einsturz kam. 16 Menschen starben, 60 wurden verletzt. Da sowohl
die Tötung einfacher Botschaftsmitarbeiter als auch der Einsatz
von Selbstmördern unter den al-Dschihad-Mitgliedern umstritten
war, sah sich Zawahiri genötigt, den Anschlag in mehreren Erklärungen
zu verteidigen: Wer für die ägyptische Regierung gearbeitet
habe, sei es auch nur in einer niederen Positionen, könne nicht
als unschuldiges Opfer gelten; und Märtyrertum sei ein legitimes
Mittel im Kampf gegen die Feinde Gottes. Die Ausführung des
Attentats und Zawahiris Rechtfertigungen wurden zum Vorbild späterer
Aktionen al-Qaidas. Osama bin Laden missbilligte das Attentat von
Islamabad, weil er Pakistan, wichtigste Verbindung zu seinen Stellungen
in Afghanistan und Gastland vieler „arabischer Afghanen“,
nicht zum Feind der Dschihadisten machen wollte. Persönlich
erwirkte er bei den pakistanischen Behörden die Freilassung
von 200 „arabischen Afghanen“, die nach dem Attentat
verhaftet worden waren. Sie durften bin Laden in den Sudan begleiten.
Die Attentate in Addis Abeba und Islamabad unterminierten die Stellung
Osama bin Ladens im Sudan, obwohl es sich bei den Attentaten nicht
um Operationen al-Qaidas gehandelt hatte. Die Regierung in Karthum
war nun darum bemüht, die drohende diplomatische Isolation
des Landes abzuwenden, weswegen man bin Ladens Aufenthalt im Land
folglich als Belastung empfand. Der sudanesische Geheimdienst streute
falsche Gerüchte, eine Auslieferung bin Ladens nach Frankreich
stünde bevor; dies geschah offenbar mit der Absicht, ihn zur
freiwilligen Ausreise zu bewegen. Staatspräsident Omar al-Baschir
bot dem saudischen Kronprinzen Abdullah die Überstellung bin
Ladens nach Saudi-Arabien an, falls diesem Straffreiheit gewährt
würde. Das Angebot wurde zurückgewiesen. Die USA liessen
gegenüber der Führung in Karthum vertraulich durchblicken,
die Ausweisung bin Ladens sei eine Voraussetzung dafür, dass
der Sudan von der Liste der den internationalen Terrorismus unterstützenden
Staaten gestrichen würde. Eine Auslieferung an die USA wurde
jedoch nicht gefordert, weil offenbar keine Beweise vorlagen, um
bin Laden wegen der Ermordung von Amerikanern anklagen zu können.
In mehreren persönlichen Gesprächen erläuterte Hasan
at-Turabi Osama bin Laden im Frühjahr 1996, der al-Qaida-Führer
müsse entweder seine politische Betätigung einstellen
oder den Sudan verlassen. Bin Laden, der sich dem Ultimatum nicht
beugte, verwies auf die Dankespflicht des Sudan wegen seiner Investitionen
im Land. Schliesslich erklärte er sich aber zur Ausreise
bereit. Weil er keinen Pass besass, war die Auswahl möglicher
Zufluchtsorte begrenzt. Nachdem er auch ein Untertauchen in Ägypten
und Somalia erwogen hatte, entschied sich bin Laden, nach Afghanistan
zurückzugehen. Obwohl ihm die sudanesische Regierung noch immer
Geld schuldete, zwang sie ihn, seine grossen Besitztümer
im Land zu einem Bruchteil ihres Wertes zu veräussern.
Am 18. Mai 1996 wurde Osama bin Laden vom Sudan ins afghanische
Dschalalabad ausgeflogen, begleitet wurde er nur von seinen Söhnen
Saad und Omar sowie einigen Leibwächtern. Den verbliebenen
al-Qaida-Männern finanzierte bin Laden den Rückflug in
ihre Heimatländer. Nur einige von ihnen wurden eingeladen,
ihm nach Afghanistan zu folgen.
Im Afghanistan der Taliban (1996–2001)
Osama bin Laden kehrte in ein von 16 Jahren Krieg weitgehend zerstörtes
Afghanistan zurück. Die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen
Mudschahiddinfraktionen hatten die staatliche Ordnung in weiten
Gebieten zusammenbrechen lassen. Der Mohnanbau hatte sich zum einzig
lukrativen Wirtschaftszweig des Landes entwickelt. Der Einflussbereich
des amtierenden Präsidenten Burhanuddin Rabbani, unter dem
Afghanistan zur „Islamischen Republik“ ausgerufen worden
war, reichte kaum über die Hauptstadt Kabul hinaus. Zur stärksten
Kraft im Bürgerkrieg waren inzwischen die Taliban geworden,
eine erst 1994 formierte, radikale muslimische Gruppierung, die
sich vor allem aus vormaligen Koranschülern zusammensetzte.
Als afghanische Flüchtlingswaisen waren diese häufig in
pakistanischen Madrassen im Geiste eines besonders strengen Islam
ausgebildet worden, in dem die Bedeutung von Scharia und Dschihad
herausgehoben wurde. Der Taliban-Führer Mohammed Omar („Mullah
Omar“), ein islamischer Rechtsgelehrter und ehemaliger Mudschahid,
sah sich auserwählt, Frieden in seinem Land zu stiften. Seine
Organisation genoss die finanzielle und logistische Unterstützung
Pakistans sowie Saudi-Arabiens, die sich von einer Machtübernahme
der Taliban ein Ende der Bürgerkriegswirren in Afghanistan
versprachen. Ausserdem finanzierten sich die Taliban durch
Schutzgeldzahlungen von Mohnbauern und Opiatschmugglern.
Osama bin Laden errichtete in Afghanistan etwa fünfzig Militärlager.
Am 23. Februar 1998 unterzeichnete er mit Aiman az-Zawahiri und
anderen gemeinsam ein Manifest zur Gründung einer Internationalen
Front für einen Dschihad gegen die Juden und Kreuzfahrer, in
der der Kampf gegen die USA zur Pflicht eines jeden Muslim erklärt
wurde.
In der Folgezeit veröffentlichte er die erste Dschihad-Erklärung:
Ziel seiner Organisation al-Qaida sei „die Vertreibung amerikanischer
Truppen aus der Golfregion, der Sturz des saudischen Könighauses
und damit die Befreiung der heiligen Stätten der Muslime und
die weltweite Unterstützung militanter islamistischer Gruppen“.
Zwischenzeitlich wurde russischerseits spekuliert, bin Laden habe
sich im georgischen Pankissi-Tal versteckt gehalten.
Der erste Haftbefehl gegen Bin Laden wurde von Libyen am 16. März
1998 beantragt und von Interpol am 15. April 1998 verbreitet. Er
wurde des Mordes an zwei Beamten des BND verdächtigt.
Der französischen Tageszeitung Le Figaro zufolge liess
sich Bin Laden im Juli 2001 in Dubai im amerikanischen Krankenhaus
behandeln und wurde in der Zeit von CIA-Beamten, Familienmitgliedern
und hohen Persönlichkeiten Saudi-Arabiens besucht. Einer der
Beamten wurde bald danach in die USA zurückbeordert, da er
operative Vertraulichkeiten vor Freunden ausgebreitet hatte.
11. September 2001
Als Oberhaupt der islamistischen Organisation al-Qaida (dt. Basis,
Datenbank) wird bin Laden verdächtigt, Hintermann verschiedener
Terroranschläge zu sein. Ihm wird auch die Beteiligung an den
Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA zur Last
gelegt. Bin Laden selbst hatte sich zunächst in einer Video-Botschaft
zu den Anschlägen geäussert. Jedoch beruhte das sogenannte
Geständnis-Video nach Meldung des Politmagazins "Monitor"
auf einem Übersetzungsfehler des US-Verteidigungsministeriums.
Im Oktober 2004 veröffentlichte der arabische TV-Sender Al-Jazeera
hingegen eine Videobotschaft Osama bin Ladens, in welcher dieser
sich in deutlich klareren Worten zu den Anschlägen bekannte.
So z.B. sagte er:
„Während ich auf diese zerstörten Türme im
Libanon blickte, kam mir die Idee dass der Tyrann ebenso bestraft
werden muss, und dass wir Türme in Amerika zerstören sollten,
so dass es schmeckt was wir schmecken und dass sie davon abgeschreckt
werden unsere Frauen und Kinder zu töten.“
– While I was looking at these destroyed towers in Lebanon,
it sparked in my mind that the tyrant should be punished with the
same and that we should destroy towers in America, so that it tastes
what we taste and would be deterred from killing our children and
women.
Mit ihrem Angriff auf Afghanistan im Oktober 2001 wollten die USA
die Zerschlagung al-Qaidas und Festnahme Bin Ladens bezwecken.
Bei den Beweisen stützten sich die USA unter anderem auf Geheimdienstunterlagen,
die diese aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlichen
wollen. Der vormalige britische Premierminister Tony Blair meinte
vor dem englischen Unterhaus „jeder, der die Geheimdienstunterlagen
gelesen hat“ sei überzeugt, dass Bin Laden der Drahtzieher
sei. Als (bekannter) Beweis werden beispielsweise Geldtransfers
benannt, die zwischen Scheich Said und den Attentätern stattgefunden
haben sollen. Scheich Said soll der Finanzchef von Osama Bin Laden
gewesen sein. Auch abgehörte Telefonate, in denen sich Anhänger
von Bin Laden über die Anschläge unterhalten sollen, werden
als Beweis bezeichnet.
Nach der Bombardierung von Bin Ladens Bergfestung Tora-Bora im Dezember
2001 blieb zunächst unklar, ob Bin Laden dabei umgekommen war
oder überlebt hatte und sich ins Ausland absetzen konnte.
Man geht jedoch mittlerweile davon aus, dass er weiterhin am Leben
ist und sich in dem Grenzgebiet Waziristan zwischen Afghanistan
und Pakistan aufhält.
Im Februar 2004 wurde gemeldet, dass Osama bin Laden im Nordwesten
Pakistans eingekreist worden sei. Bin Laden und etwa fünfzig
seiner Anhänger seien in einem rund 16x16 km grossen Berggebiet
nördlich der Städte Khanozai, Murgha und Quetta nahe der
afghanischen Grenze ausgemacht worden. Die USA und Pakistan dementierten
dies.
Am 20. Juni 2005 gab der amtierende Chef des amerikanischen Nachrichtendienstes
CIA, Porter Goss, in einem Interview mit dem US-Magazin Time bekannt,
er wisse, wo sich bin Laden aufhalte. Er deutete an, dass ein ausländischer
Staat die schützende Hand über Osama Bin Laden halte.
Es wurde vermutet, dass dies Pakistan sei und die dortige Regierung
aus innenpolitischen Gründen derzeit keine Art von Auslieferung
wegen radikaler Strömungen im eigenen Lande durchführen
könne. Ähnlich äusserte sich im August 2006
Garry Berntsen, ebenfalls Funktionär des CIA, gegenüber
CNN. Ein aus Sicherheitsgründen anonym gebliebener Mitarbeiter
der Behörde vermutet einen Aufenthalt im pakistanischen Distrikt
Chitral, weit im Norden des Landes, das im Westen an Afghanistan,
im Norden an China angrenzt.
Am 23. September 2006 berichtete die französische Zeitung „L'Est
Republicain“ unter Berufung auf den französischen Auslandsgeheimdienst
DGSE, dass saudi-arabische Ermittler vom Tode Bin Ladens überzeugt
seien. Danach sei Bin Laden am 23. August 2006 an einer starken
Typhusinfektion verstorben. Allerdings erklärten sowohl ein
„hochrangiger Vertreter des pakistanischen Innenministeriums“
als auch „ein Sprecher der US-Regierung“, welche namentlich
nicht genannt werden wollten, ihnen lägen solche Erkenntnisse
nicht vor. Am 13. Juli 2007 beschloss der US-Senat mit
87 Stimmen bei einer Gegenstimme, dass 50 Millionen Dollar Prämie
(bisher die Hälfte) für Hinweise gezahlt werden sollen,
die zur Festnahme oder zum Tod bin Ladens führen.
Am 7. September 2007 meldete sich Osama bin Laden erneut per Videobotschaft,
in der er unter anderem die Präsidentschaft des neuen französischen
Staatspräsidenten erwähnt, so dass die Aktualität
des Videos bewiesen ist.
Tod bin Ladens
Am 1. Mai verkündete Barack Obama, dass Osama bin Ladin bei
einer Kommandoaktion der USA getötet worden sei. Dies bei einem
Hubschrauberangriff auf ein Hausin Abbotabad etwa hundert Kilometer
nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, berichteten
sowohl Vertreter der Vereinigten Staaten als auch Pakistans.
(leicht verändert nach wikipedia)
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