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    Albert Schweitzer (1875 - 1965)    
          
   
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Albert Schweitzer ist vielen Menschen heute noch bekannt, vor allem deshalb, weil er gesagt hat, dass der Mensch Respekt habe muss vor jedem Leben. Er hat dies "Ehrfurcht vor dem Leben" genannt. Das ist aber nicht der einzige Grund, dass Albert Schweitzer so berühmt geworden ist: Er baute vor genau 90 Jahren in Lambarene ein Spital, um die Menschen in dem – damals noch armen – afrikanischen Land Gabun zu behandeln. In Europa hielt er von Zeit zu Zeit Vorträge und spielte Orgelmusik, um damit Geld für sein Urwaldspital zu verdienen. Schweitzer hat auch viele wichtige Bücher geschrieben.

Lebenslauf – vom Schüler im Elsass zum Urwalddoktor in Afrika

Am 14. Januar 1875 wurde Albert Schweitzer in Kaysersberg (Elsass) als eines von fünf Geschwistern geboren. Der junge Albert besuchte die Schulen in Günsbach und Münster sowie das Gymnasium in Mühlhausen, anschliessend studierte er in Strassburg Musik, Philosophie und Theologie. Später machte er an der Universität seine Doktorexamen und wurde sogar selber Theologieprofessor.

„Theologie“ bedeutet „die Lehre von Gott“ oder „die Lehre der Religion“. „Philosophie“ heisst eigentlich „Freund der Weisheit“ und meint „die Lehre vom Wissen über alle wichtigen Dinge des Lebens“

Im Oktober 1905 schrieb Albert Schweitzer seinen Eltern und seinen Freunden, dass er auch noch Medizin studieren wolle, denn er habe beschlossen, Urwaldarzt zu werden. Schweitzer begründete diesen Entschluss später so:

"Den Plan, den ich nun zu verwirklichen unternahm, trug ich schon länger mit mir herum. Sein Ursprung reicht in meine Studentenzeit zurück. Es kam mir unfasslich vor, dass ich, wo ich so viele Menschen um mich herum mit Leid und Sorgen ringen sah, ein glückliches Leben führen durfte. Schon auf der Schule hatte es mich bewegt, wenn ich Einblick in traurige Familienverhältnisse von Klassenkameraden gewann und die geradezu idealen, in denen wir Kinder des Pfarrhauses zu Günsbach lebten, damit verglich. (...) An einem strahlenden Sommermorgen, als ich – es war im Jahre 1896 –
in den Pfingstferien zu Günsbach erwachte, überfiel mich der Gedanke, dass ich dieses Glück nicht als etwas Selbstverständliches hinnehmen dürfe, sondern etwas dafür geben müsse."

Nachdem Albert Schweitzer sein medizinisches Staatsexamen abgeschlossen hatte, heiratete er 1912 Helene Bresslau. Im folgenden Jahr ging das Ehepaar Schweitzer zum ersten Mal nach Afrika. Nach einer Reise, die fast einen Monat lang dauerte, erreichten sie am 16. April 1913 Lambarene und blieben dort bis 1917. Inzwischen war 1914 der 1. Weltkrieg ausgebrochen, in dem u.a. Frankreich und Deutschland gegeneinander kämpften. Das Elsass, das heute zu Frankreich gehört, war damals noch ein Teil Deutschlands. Albert Schweitzer war also auf dem Papier ein Deutscher. In Gabun aber hatte sich die französische Kolonialarmee eingerichtet. Der "deutsche" Urwaldarzt wurde deshalb von den Franzosen als "Feind" betrachtet und nach Europa gebracht. Dort wurde er an verschiedenen Orten bis zum Kriegsende 1918 interniert. Erst danach konnte er wieder zurück ins Elsass gehen.

Im Jahr 1919 kam Albert Schweitzers Tochter Rhena auf die Welt, danach entschloss er sich, seine Arbeit in Lambarene fortzusetzen. Nach einer Konzert- und Vortragsreise durch die Schweiz fuhr er ein zweites mal nach Afrika, allerdings ohne seine Frau. In den folgenden Jahren lebte Albert Schweitzer abwechselnd in Afrika und Europa. Im Jahr 1953 begannen in Lambarene, gleich neben dem Spital, die Arbeiten für den Bau eines Dorfes für Lepra-Kranke – früher „Aussätzige“ genannt“ – , das zwei Jahre später fertig wurde. Inzwischen hatte Albert Schweitzer den Friedensnobelpreis erhalten. Kurz darauf gab er in der Strassburger Thomaskirche sein letztes öffentliches Orgelkonzert. Mehrfach warnte der Urwalddoktor in den fünfziger Jahren vor den Gefahren der Atomwaffen.

Im Mai 1957 verliess Helene Schweitzer Lambarene, nur 10 Tage später starb sie mit 78 Jahren in Zürich. Nach einem letzten Aufenthalt in seiner alten Heimat verliess Albert Schweitzer 1959 Europa für immer. Zu Ehren Schweitzers widmete das von Frankreich unabhängig gewordene Land Gabun im Jahr 1960 seine erste Briefmarke dem berühmt gewordenen Urwalddoktor. Fünf Jahre später, am 4. September 1965, starb Albert Schweitzer im Alter von 90 Jahren in Lambarene, wo er auch begraben wurde.

Das Vermächtnis von Albert Schweitzer

Wie ich am Anfang schon gesagt habe, gibt es drei Dinge von Albert Schweitzer, die auch heute noch wichtig sind: Seine Orgelmusik, das Urwaldspital in Lambarene und seine Forderung, Ehrfurcht vor dem Leben zu bewahren.

Die Orgelmusik

„Nur wenige Menschen“, heisst es im Begleitheft zu einer seiner CDs, „haben sich auf so vielen Gebieten ausgezeichnet wie Albert Schweitzer. Schon sehr früh fühlte er sich zur Musik hingezogen. Mit neun Jahren bereits vertrat er den Organisten seines Heimatorts.“ Mit 30 Jahren veröffentlichte er ein sehr wichtiges Buch über den Komponisten Johann Sebastian Bach. Später schrieb er auch noch andere Bücher, so zum Beispiel über den Orgelbau. Albert Schweitzer hat zu Lebzeiten sehr viele Konzerte gegeben, um Geld für sein Urwaldspital zu verdienen. Seine Musik wurde damals auch auf Schallplatten aufgenommen. Heute gibt es einige davon auch auf CDs.

Das Urwaldspital

Als Albert Schweitzer 1913 zum ersten Mal nach Lambarene kam, behandelte er seine Patientinnen und Patienten noch in einem alten Hühnerstall. Später baute er in diesem Dorf ein Spital, das im Lauf der Zeit immer grösser wurde. Nachdem der Urwalddoktor 1965 gestorben war, floss aber kein Geld mehr nach Lambarene. Aus diesem Grund verfiel das Spital immer mehr und die Holzbaracken wurden von den Termiten zerfressen.

Im Jahr 1971 wurde in einer französischen Kirchenzeitschrift ein Inserat veröffentlicht, durch das man für das Urwaldspital einen neuen Verwalter suchte. Dieses Inserat las Max Caulet, ein alter Soldat, der in verschiedenen Kriegen gekämpft hatte, und nun in Südfrankreich ein Weingut verwaltete. Caulet ging in der Folge nach Lambarene, wo er das Spital wieder aufbaute. Gleichzeitig sammelte er auf der ganzen Welt Geld. Nach ein paar Jahren konnte man im Urwaldspital wieder arbeiten.

Leider bekamen Max Caulet und der Schweizer Chefarzt Andreas Steiner schon bald Streit miteinander, so dass es neue Probleme gab. In den neunziger Jahren beruhigte sich die Situation wieder. Es kamen neue Leute nach Lambarene und das Spital wurde modernisiert. Auch Albert Schweitzers Tochter Rhena schaute nun, dass alles mit rechten Dingen zuging. Heute zeigt ein Blick ins Internet, dass aus dem Albert-Schweitzer-Spital eine grosse, moderne Klinik geworden ist, mit einer eigenen Kinderabteilung. Jedes Jahr werden in Lambarene 40'000 Menschen behandelt. Es gibt im Durchschnitt 600 Geburten und 2000 Operationen. Auch das Lepra-Dorf wurde wieder aufgebaut.

Ich habe ein paar Bilder vom Urwaldspital in Lambarene mitgebracht, die Ihr nachher anschauen könnt.

„Ehrfurcht vor dem Leben“

Albert Schweitzer war der Sohn eines Pfarrers und deshalb wurde in seinem Elternhaus auch gebetet. Schon als kleines Kind wollte Albert aber nicht nur für Menschen beten, sondern auch für die Tiere. Jeden Abend sagte er deshalb vor dem Einschlafen: „Lieber Gott, schütze und segne alles, was Atem hat, bewahre es vor allem Übel und lass es ruhig schlafen.“

Einen grossen Eindruck machte dem jungen Albert ein Erlebnis, das er im Alter von 7 oder 8 Jahren hatte. Ein Freund hatte den Vorschlag gemacht, mit einer Steinschleuder auf Vögel zu schiessen. Albert wollte eigentlich nicht mitmachen, doch er hatte Angst, sein Freund würde ihn auslachen, und deshalb ging er trotzdem mit. Er nahm sich allerdings vor, mit der Steinschleuder absichtlich daneben zu schiessen. Gerade als sie auf einen Vogel in der Nähe zielten, begannen die Kirchenglocken zu läuten. Für Albert Schweitzer war dies „ein Zeichen des Himmels“. Er verscheuchte die Vögel, warf die Steinschleuder weg und ging nach Hause.

Als Albert Schweitzer schon längst erwachsen war, suchte er immer wieder nach einer Antwort auf die Frage, wie man sich im Leben verhalten soll. Als er im Jahr 1915 einmal auf einem Schiff über den Fluss Ogowe fuhr, der bei Lambarene vorbeifliesst, fiel ihn die Antwort plötzlich ein: „Ehrfurcht vor dem Leben“ war das Schlüsselwort. Was das bedeutete, beschrieb er so: „Gut ist, Leben zu erhalten und zu fördern, Böse ist, Leben zu zerstören und zu hindern.“ Aus diesem Grund meinte Albert Schweitzer zum Beispiel, dass man einen Regenwurm, der auf dem Trottoir fast vertrocknet, retten müsste, indem man ihn wieder auf die Wiese zurück trägt. Schweitzer hat selber so gehandelt. In seinem Spital hat er deshalb auch Tiere gepflegt und sogar operiert. Er wusste, dass einige ihn deswegen auslachen würden, doch das war ihm egal.

Albert Schweitzer wusste aber auch, dass es nicht immer möglich ist, Leben zu beschützen. Er sagte: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.“ Das heisst: „Das Kalb will leben. Aber ich will auch leben, und deshalb muss ich essen. Damit ich leben kann, muss das Tier also sterben“. Oder: „Ich muss mit dem Velo zur Schule fahren, und dabei werde ich ein paar Insekten überfahren. Leider geht es nicht anders!“

Kein Mensch kann immer nur „Leben schützen“. Das wusste auch Albert Schweitzer. Ein Bauer zum Beispiel mäht das Gras, um seine Kühe zu füttern. Das ist nötig. Wenn er aber zum Zeitvertreib Blumen köpft, ist dies nicht nötig und deshalb schlecht. Oft kann man allerdings nicht so genau sagen, was nötig und unnötig ist. Zum Beispiel dann, wenn in der Nacht die Mücken um den Kopf schwirren und mich stechen wollen. Soll ich sie umbringen oder nicht? Das muss ich selber entscheiden. Wenn ich sie aber töte, muss ich mir darüber im Klaren sein, dass ich Leben vernichte.

 

 

 

   
     

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