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Albert Schweitzer ist vielen Menschen heute noch bekannt, vor allem
deshalb, weil er gesagt hat, dass der Mensch Respekt habe muss vor
jedem Leben. Er hat dies "Ehrfurcht vor dem Leben" genannt.
Das ist aber nicht der einzige Grund, dass Albert Schweitzer so
berühmt geworden ist: Er baute vor genau 90 Jahren in Lambarene
ein Spital, um die Menschen in dem – damals noch armen –
afrikanischen Land Gabun zu behandeln. In Europa hielt er von Zeit
zu Zeit Vorträge und spielte Orgelmusik, um damit Geld für
sein Urwaldspital zu verdienen. Schweitzer hat auch viele wichtige
Bücher geschrieben.
Lebenslauf – vom Schüler im Elsass zum Urwalddoktor
in Afrika
Am 14. Januar 1875 wurde Albert Schweitzer in Kaysersberg (Elsass)
als eines von fünf Geschwistern geboren. Der junge Albert besuchte
die Schulen in Günsbach und Münster sowie das Gymnasium
in Mühlhausen, anschliessend studierte er in Strassburg Musik,
Philosophie und Theologie. Später machte er an der Universität
seine Doktorexamen und wurde sogar selber Theologieprofessor.
„Theologie“ bedeutet „die Lehre von Gott“
oder „die Lehre der Religion“. „Philosophie“
heisst eigentlich „Freund der Weisheit“ und meint „die
Lehre vom Wissen über alle wichtigen Dinge des Lebens“
Im Oktober 1905 schrieb Albert Schweitzer seinen Eltern und seinen
Freunden, dass er auch noch Medizin studieren wolle, denn er habe
beschlossen, Urwaldarzt zu werden. Schweitzer begründete diesen
Entschluss später so:
"Den Plan, den ich nun zu verwirklichen unternahm, trug ich
schon länger mit mir herum. Sein Ursprung reicht in meine Studentenzeit
zurück. Es kam mir unfasslich vor, dass ich, wo ich so viele
Menschen um mich herum mit Leid und Sorgen ringen sah, ein glückliches
Leben führen durfte. Schon auf der Schule hatte es mich bewegt,
wenn ich Einblick in traurige Familienverhältnisse von Klassenkameraden
gewann und die geradezu idealen, in denen wir Kinder des Pfarrhauses
zu Günsbach lebten, damit verglich. (...) An einem strahlenden
Sommermorgen, als ich – es war im Jahre 1896 –
in den Pfingstferien zu Günsbach erwachte, überfiel mich
der Gedanke, dass ich dieses Glück nicht als etwas Selbstverständliches
hinnehmen dürfe, sondern etwas dafür geben müsse."
Nachdem Albert Schweitzer sein medizinisches Staatsexamen abgeschlossen
hatte, heiratete er 1912 Helene Bresslau. Im folgenden Jahr ging
das Ehepaar Schweitzer zum ersten Mal nach Afrika. Nach einer Reise,
die fast einen Monat lang dauerte, erreichten sie am 16. April 1913
Lambarene und blieben dort bis 1917. Inzwischen war 1914 der 1.
Weltkrieg ausgebrochen, in dem u.a. Frankreich und Deutschland gegeneinander
kämpften. Das Elsass, das heute zu Frankreich gehört,
war damals noch ein Teil Deutschlands. Albert Schweitzer war also
auf dem Papier ein Deutscher. In Gabun aber hatte sich die französische
Kolonialarmee eingerichtet. Der "deutsche" Urwaldarzt
wurde deshalb von den Franzosen als "Feind" betrachtet
und nach Europa gebracht. Dort wurde er an verschiedenen Orten bis
zum Kriegsende 1918 interniert. Erst danach konnte er wieder zurück
ins Elsass gehen.
Im Jahr 1919 kam Albert Schweitzers Tochter Rhena auf die Welt,
danach entschloss er sich, seine Arbeit in Lambarene fortzusetzen.
Nach einer Konzert- und Vortragsreise durch die Schweiz fuhr er
ein zweites mal nach Afrika, allerdings ohne seine Frau. In den
folgenden Jahren lebte Albert Schweitzer abwechselnd in Afrika und
Europa. Im Jahr 1953 begannen in Lambarene, gleich neben dem Spital,
die Arbeiten für den Bau eines Dorfes für Lepra-Kranke
– früher „Aussätzige“ genannt“
– , das zwei Jahre später fertig wurde. Inzwischen hatte
Albert Schweitzer den Friedensnobelpreis erhalten. Kurz darauf gab
er in der Strassburger Thomaskirche sein letztes öffentliches
Orgelkonzert. Mehrfach warnte der Urwalddoktor in den fünfziger
Jahren vor den Gefahren der Atomwaffen.
Im Mai 1957 verliess Helene Schweitzer Lambarene, nur 10 Tage später
starb sie mit 78 Jahren in Zürich. Nach einem letzten Aufenthalt
in seiner alten Heimat verliess Albert Schweitzer 1959 Europa für
immer. Zu Ehren Schweitzers widmete das von Frankreich unabhängig
gewordene Land Gabun im Jahr 1960 seine erste Briefmarke dem berühmt
gewordenen Urwalddoktor. Fünf Jahre später, am 4. September
1965, starb Albert Schweitzer im Alter von 90 Jahren in Lambarene,
wo er auch begraben wurde.
Das Vermächtnis von Albert Schweitzer
Wie ich am Anfang schon gesagt habe, gibt es drei Dinge von Albert
Schweitzer, die auch heute noch wichtig sind: Seine Orgelmusik,
das Urwaldspital in Lambarene und seine Forderung, Ehrfurcht vor
dem Leben zu bewahren.
Die Orgelmusik
„Nur wenige Menschen“, heisst es im Begleitheft zu
einer seiner CDs, „haben sich auf so vielen Gebieten ausgezeichnet
wie Albert Schweitzer. Schon sehr früh fühlte er sich
zur Musik hingezogen. Mit neun Jahren bereits vertrat er den Organisten
seines Heimatorts.“ Mit 30 Jahren veröffentlichte er
ein sehr wichtiges Buch über den Komponisten Johann Sebastian
Bach. Später schrieb er auch noch andere Bücher, so zum
Beispiel über den Orgelbau. Albert Schweitzer hat zu Lebzeiten
sehr viele Konzerte gegeben, um Geld für sein Urwaldspital
zu verdienen. Seine Musik wurde damals auch auf Schallplatten aufgenommen.
Heute gibt es einige davon auch auf CDs.
Das Urwaldspital
Als Albert Schweitzer 1913 zum ersten Mal nach Lambarene kam, behandelte
er seine Patientinnen und Patienten noch in einem alten Hühnerstall.
Später baute er in diesem Dorf ein Spital, das im Lauf der
Zeit immer grösser wurde. Nachdem der Urwalddoktor 1965 gestorben
war, floss aber kein Geld mehr nach Lambarene. Aus diesem Grund
verfiel das Spital immer mehr und die Holzbaracken wurden von den
Termiten zerfressen.
Im Jahr 1971 wurde in einer französischen Kirchenzeitschrift
ein Inserat veröffentlicht, durch das man für das Urwaldspital
einen neuen Verwalter suchte. Dieses Inserat las Max Caulet, ein
alter Soldat, der in verschiedenen Kriegen gekämpft hatte,
und nun in Südfrankreich ein Weingut verwaltete. Caulet ging
in der Folge nach Lambarene, wo er das Spital wieder aufbaute. Gleichzeitig
sammelte er auf der ganzen Welt Geld. Nach ein paar Jahren konnte
man im Urwaldspital wieder arbeiten.
Leider bekamen Max Caulet und der Schweizer Chefarzt Andreas Steiner
schon bald Streit miteinander, so dass es neue Probleme gab. In
den neunziger Jahren beruhigte sich die Situation wieder. Es kamen
neue Leute nach Lambarene und das Spital wurde modernisiert. Auch
Albert Schweitzers Tochter Rhena schaute nun, dass alles mit rechten
Dingen zuging. Heute zeigt ein Blick ins Internet, dass aus dem
Albert-Schweitzer-Spital eine grosse, moderne Klinik geworden ist,
mit einer eigenen Kinderabteilung. Jedes Jahr werden in Lambarene
40'000 Menschen behandelt. Es gibt im Durchschnitt 600 Geburten
und 2000 Operationen. Auch das Lepra-Dorf wurde wieder aufgebaut.
Ich habe ein paar Bilder vom Urwaldspital in Lambarene mitgebracht,
die Ihr nachher anschauen könnt.
„Ehrfurcht vor dem Leben“
Albert Schweitzer war der Sohn eines Pfarrers und deshalb wurde
in seinem Elternhaus auch gebetet. Schon als kleines Kind wollte
Albert aber nicht nur für Menschen beten, sondern auch für
die Tiere. Jeden Abend sagte er deshalb vor dem Einschlafen: „Lieber
Gott, schütze und segne alles, was Atem hat, bewahre es vor
allem Übel und lass es ruhig schlafen.“
Einen grossen Eindruck machte dem jungen Albert ein Erlebnis, das
er im Alter von 7 oder 8 Jahren hatte. Ein Freund hatte den Vorschlag
gemacht, mit einer Steinschleuder auf Vögel zu schiessen. Albert
wollte eigentlich nicht mitmachen, doch er hatte Angst, sein Freund
würde ihn auslachen, und deshalb ging er trotzdem mit. Er nahm
sich allerdings vor, mit der Steinschleuder absichtlich daneben
zu schiessen. Gerade als sie auf einen Vogel in der Nähe zielten,
begannen die Kirchenglocken zu läuten. Für Albert Schweitzer
war dies „ein Zeichen des Himmels“. Er verscheuchte
die Vögel, warf die Steinschleuder weg und ging nach Hause.
Als Albert Schweitzer schon längst erwachsen war, suchte er
immer wieder nach einer Antwort auf die Frage, wie man sich im Leben
verhalten soll. Als er im Jahr 1915 einmal auf einem Schiff über
den Fluss Ogowe fuhr, der bei Lambarene vorbeifliesst, fiel ihn
die Antwort plötzlich ein: „Ehrfurcht vor dem Leben“
war das Schlüsselwort. Was das bedeutete, beschrieb er so:
„Gut ist, Leben zu erhalten und zu fördern, Böse
ist, Leben zu zerstören und zu hindern.“ Aus diesem Grund
meinte Albert Schweitzer zum Beispiel, dass man einen Regenwurm,
der auf dem Trottoir fast vertrocknet, retten müsste, indem
man ihn wieder auf die Wiese zurück trägt. Schweitzer
hat selber so gehandelt. In seinem Spital hat er deshalb auch Tiere
gepflegt und sogar operiert. Er wusste, dass einige ihn deswegen
auslachen würden, doch das war ihm egal.
Albert Schweitzer wusste aber auch, dass es nicht immer möglich
ist, Leben zu beschützen. Er sagte: „Ich bin Leben, das
leben will, inmitten von Leben, das Leben will.“ Das heisst:
„Das Kalb will leben. Aber ich will auch leben, und deshalb
muss ich essen. Damit ich leben kann, muss das Tier also sterben“.
Oder: „Ich muss mit dem Velo zur Schule fahren, und dabei
werde ich ein paar Insekten überfahren. Leider geht es nicht
anders!“
Kein Mensch kann immer nur „Leben schützen“. Das
wusste auch Albert Schweitzer. Ein Bauer zum Beispiel mäht
das Gras, um seine Kühe zu füttern. Das ist nötig.
Wenn er aber zum Zeitvertreib Blumen köpft, ist dies nicht
nötig und deshalb schlecht. Oft kann man allerdings nicht so
genau sagen, was nötig und unnötig ist. Zum Beispiel dann,
wenn in der Nacht die Mücken um den Kopf schwirren und mich
stechen wollen. Soll ich sie umbringen oder nicht? Das muss ich
selber entscheiden. Wenn ich sie aber töte, muss ich mir darüber
im Klaren sein, dass ich Leben vernichte.
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