Das
norwegische Nobel-Komitee hat dem seit Januar amtierenden US-amerikanischen
Präsidenten Barack Obama den Friedensnobelpreis zuerkannt.
In einer Mitteilung würdigen sie den Politiker für sein
"außerordentliches Bemühen um den Ausbau der internationalen
Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Menschen". Sehr
wichtig sei Obamas Hinwirken zu einer Welt ohne Atomwaffen. Zudem
spielten die USA im Kampf gegen den Klimawandel nun eine konstruktivere
Rolle als zuvor.
Barack Hussein Obama (* 4. August 1961 in Honolulu, Hawaii) ist
seit dem 20. Januar 2009 der 44. Präsident der Vereinigten
Staaten. Der Jurist und Politiker der Demokratischen Partei ist
amerikanisch-kenianischer Abstammung und damit der erste Afroamerikaner
in diesem Amt.
Von 2005 bis 2008 war Obama der dienstjüngere der beiden US-Senatoren
(Junior Senator) für den Bundesstaat Illinois.
2009 wurde ihm der Friedensnobelpreis für seine Anstrengungen
zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit
zwischen den Völkern zuerkannt.
Familie, Kindheit und Jugend
Obamas Vater, Barack Hussein Obama Senior (1936–1982), stammte
aus Alego in Kenia und gehörte zum Luo-Volk. Obamas Mutter,
Stanley Ann Dunham (1942–1995), war eine weiße US-Amerikanerin
aus Wichita im Bundesstaat Kansas. Die Eltern lernten sich als Studenten
an der Universität von Manoa, Hawaii kennen. Sie heirateten
1961 in Hawaii, als in anderen Teilen der USA Ehen zwischen Schwarzen
und Weißen noch verboten waren.
1964 ließen sie sich scheiden. Der Vater setzte sein Studium
an der Harvard University fort. Obama sah ihn als Zehnjähriger
zum letzten Mal. Er hat väterlicherseits drei ältere und
drei jüngere Halbbrüder sowie eine Halbschwester namens
Auma, die in Heidelberg und Bayreuth studierte.
Die Mutter promovierte als Anthropologin und wurde zu einer Spezialistin
für Entwicklungsfragen, insbesondere im Bereich der Kleinkredite.
Sie heiratete einen Indonesier und späteren Ölmanager
und zog mit ihm und ihrem Sohn Barack 1967 nach Jakarta. Dort wurde
Obamas jüngere Halbschwester Maya geboren..
Während des Aufenthalts der Mutter in Indonesien besuchte
Obama 1967 bis 1970 in Jakarta die von Kapuzinern geführte
St. Francis of Assisi Elementary School, 1970/71 eine staatliche,
multireligiöse Schule. 1971 kehrte er nach Hawaii zurück,
wo ihn die Eltern seiner Mutter, Madelyn (1922–2008) und Stanley
Dunham (1918–1992), aufzogen. Sie schulten ihn in die fünfte
Klasse der renommierten privaten Punahou School ein. Diese Schule
schloss er 1979 mit Auszeichnung ab. Seine Mutter selbst starb mit
Mitte 50 an Krebs.
Michelle und Barack Obama
Barack Obama ist seit 1992 mit Michelle Obama (* 1964) verheiratet,
die wie er an der Harvard Law School studierte und vor dem Umzug
nach Washington eine Stellung in der öffentlichen Verwaltung
von Chicago inne hatte. Sie lernten sich in der Anwaltskanzlei kennen,
in der Michelle nach ihrem Abschluss 1988 arbeitete und dem Praktikanten
Barack Obama als Tutorin zugeteilt war. Sie haben zwei Töchter:
Malia Ann (* 1998) und Natasha („Sasha“) (* 2001).
Studium und Beruf
Obama studierte ab 1979 für zwei Jahre am Occidental College
in Los Angeles und weitere zwei Jahre an der Columbia University
in New York City. Nach seinem Bachelor-Abschluss 1983 in Politikwissenschaften
(Schwerpunkt Internationale Beziehungen) arbeitete er ein Jahr lang
für das Wirtschaftsberatungsunternehmen Business International
Corporation in New York. 1985 zog er nach Chicago und arbeitete
dort für eine gemeinnützige Organisation, die Kirchengemeinden
beim Arbeitstraining für Einwohner armer Stadtviertel half.
Danach studierte Obama drei Jahre Rechtswissenschaft an der Harvard
Law School. Als erster Afroamerikaner wurde er dort zum Präsidenten
der Fachzeitschrift Harvard Law Review gewählt. 1991 machte
Obama seinen J.D.-Abschluss mit der Gesamtbewertung magna cum laude.
1992 kehrte er nach Chicago zurück, arbeitete ab 1993 in der
auf Bürgerrechte spezialisierten Anwaltssozietät Miner,
Barnhill and Galland und lehrte bis 2004 Verfassungsrecht an der
University of Chicago.
Beginn der politischen Laufbahn
1992 wurde Obama erstmals politisch aktiv: Mit einer Kampagne zur
Wählerregistrierung von afroamerikanischen Bürgern Chicagos
mobilisierte er mehr als 150.000 Menschen zur Wahl Bill Clintons
zum US-Präsidenten.
1996 wurde Obama in den Senat von Illinois als Vertreter des 13.
Bezirks (der südliche Teile der Stadt Chicago umfasst, rund
um das Stadtviertel Hyde Park) gewählt. Im Senat übernahm
er den Vorsitz im Ausschuss für öffentliches Gesundheitswesen
und Wohlfahrt. Er verfasste eine Gesetzesinitiative mit, die Hilfen
für arme Arbeiterfamilien vorsah, und arbeitete an einer Vorlage
zur Unterstützung von Menschen ohne Krankenversicherung. Zudem
half er Organisationen, die sich für Schwule und Lesben einsetzen,
und setzte eine Erhöhung der Mittel zur Aids-Prävention
und -Behandlung durch.
1998 – gegen den Republikaner Yesse Yehudah – und 2002
– diesmal ohne Gegenkandidaten – wurde Obama in den
Senat von Illinois wiedergewählt. Auf seine Gesetzesinitiativen
hin muss die Polizei in Illinois Vernehmungen für Anklagen
auf Todesstrafe auf Video aufzeichnen. Krankenversicherungen müssen
Kosten für regelmäßige vorbeugende Mammografien
übernehmen. Außerdem wurden Waffenkontrollen verschärft.
Für diese und andere Vorhaben konnte Obama Koalitionen mit
politischen Gegnern bilden. Dafür fand er Zustimmung auch bei
Gegnern seiner Initiativen wie der Polizeigewerkschaft Fraternal
Order of Police.
2000 unterlag Obama bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei
im Ersten Kongressdistrikt für das Repräsentantenhaus
gegen den langjährigen Mandatsinhaber Bobby L. Rush.
US-Senator und Wahlkampf
2004 bewarb sich Obama für die Demokratische Partei um einen
Sitz im US-Senat und gewann bei den Vorwahlen im März überraschend
52 Prozent der Stimmen. Die New York Times sprach von einem „aufgehenden
Stern“ bei den Demokraten. Die von Medienberater David Axelrod
entworfene Kampagne stellte Obama in die Tradition des ersten afroamerikanischen
Bürgermeisters Chicagos, Harold Washington, und des US-Senators
Paul M. Simon, der kurz vor seinem Tod einen Wahlwerbespot für
Obama aufnahm.
In den Hauptwahlen trat Jack Ryan, der anfängliche Gegenkandidat
der Republikaner, am 25. Juni 2004 zurück, nachdem seine Scheidungsunterlagen
und ein Auftrag zur Überwachung Obamas öffentlich bekannt
geworden waren. Der am 8. August 2004 nominierte zweite Gegenkandidat,
der konservative Alan Keyes aus Maryland, mietete nun erst einen
Wohnsitz in Illinois und führte einen stark polarisierenden
Wahlkampf: Er verglich Obamas Wähler mit denen der NSDAP, nannte
Homosexuelle „selbstsüchtige Hedonisten“, bezeichnete
Obamas Meinung zu Abtreibungen vergewaltigter Frauen als „Position
der Sklavenhalter“ und erklärte, Jesus würde Obama
nicht wählen.
Obamas Vorsprung erlaubte ihm, demokratische Kandidaten in anderen
Wahlkämpfen mit Auftritten und Spenden zu unterstützen.
So half er etwa Melissa Bean, ihren Wahlkreis in den nördlichen
Vororten von Chicago erstmals seit 1935 für die Demokraten
zu erobern.
Ende Juli hielt Obama eine Grundsatzrede (Keynote) bei der Democratic
National Convention 2004 in Boston, die den damaligen Präsidentschaftskandidaten
John Kerry kürte. Er schilderte darin seine Familiengeschichte,
die seinen Glauben an den amerikanischen Traum begründet habe.
Sein Großvater habe als heimgekehrter US-Soldat im Zweiten
Weltkrieg von den Wohlfahrtsprogrammen der FHA und der GI Bill profitiert.
Er selbst habe große Hoffnung für die Zukunft seiner
Töchter, denn in einem „großzügigen Amerika“
müsse man nicht reich sein, um sein Potenzial ausschöpfen
zu können. Zum Ende hin sprach er sich für die amerikanische
Identität und nationale Einheit aus:
“Now even as we speak, there are those who are preparing
to divide us, the spin masters and negative ad peddlers who embrace
the politics of anything goes. Well, I say to them tonight, there’s
not a liberal America and a conservative America; there’s
the United States of America. There’s not a black America
and white America and Latino America and Asian America; there’s
the United States of America. (…) The pundits like to slice
and dice our country into red states and blue States: red states
for Republicans, blue States for Democrats. But I've got news for
them, too. We worship an awesome God in the blue states, and we
don't like federal agents poking around our libraries in the red
states. We coach little league in the blue states and, yes, we've
got some gay friends in the red states. There are patriots who opposed
the war in Iraq, and there are patriots who supported the war in
Iraq.”
Obamas Rede löste Begeisterung aus, machte ihn in den ganzen
USA bekannt, verschaffte ihm viel Sympathie in den Medien und Zustimmung
bei den US-Bürgern. Er galt fortan als der erfolgreichste politische
Aufsteiger der Demokraten und möglicher künftiger Bewerber
um das Präsidentenamt.
Er gewann die Wahl mit 70 zu 27 Prozent, dem besten Ergebnis eines
Neubewerbers für das Senatorenamt, und das höchste Wahlergebnis,
das je ein Kandidat in einer Illinois-weiten Wahl gegen einen Gegner
gewonnen hatte.
Amtsführung und Initiativen
Ab dem 4. Januar 2005 vertrat Obama neben dem dienstälteren
Dick Durbin den Bundesstaat Illinois im US-Senat. In seiner Einarbeitungsphase
verzichtete er auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Seine
Stimme für die Bestätigung von Condoleezza Rice als Außenministerin
der USA stieß auf Kritik der Parteilinken. Im März 2005
– relativ früh – kündigte er die Gründung
eines eigenen Political Action Committees an.
2005 und 2006 initiierte Obama 152 Gesetzesentwürfe und Senatsbeschlüsse
und unterstützte weitere 427. Seine erste an der Southern Illinois
University Edwardsville angekündete Gesetzesinitiative vom
März 2005 sollte den Maximalbetrag der Pell Grants anheben
und so Collegestudenten helfen, ihre Collegegebühren zu zahlen.
Der Entwurf gelangte aber im Senat nie zur Abstimmung.
Obama war Mitglied folgender Senatsausschüsse: Außenpolitische
Beziehungen, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten, Heimatschutz
und staatliche Angelegenheiten und Angelegenheiten der Veteranen.
Im August 2005 besuchten Obama und Richard Lugar, der Vorsitzende
des Senatsausschusses für Auslandsbeziehungen, Russland, die
Ukraine und Aserbaidschan. Hauptanliegen der Reise war, die Kontrollmöglichkeiten
von Massenvernichtungswaffen aller Art zu verbessern. Dazu besuchten
sie in Saratow eine vom Nunn-Lugar-Programm unterstützte Einrichtung
zur Vernichtung nuklearer Sprengköpfe. In der Ukraine besichtigten
sie eine Einrichtung zur Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten
und waren beim Abschluss eines Vertrages der Ukraine mit den USA
dabei, der der Feststellung von Bioterrorismus, also der Unterscheidung
von natürlichen oder künstlichen Krankheitserregern und
Gefechtsrisiken beim Ausbruch infektiöser Krankheiten dient.
Im Januar 2006 besuchte Obama mit einer Delegation des US- Kongresses
verschiedene Staaten im Nahen Osten. In Kuwait und im Irak besuchte
er die dortigen US-Truppen und merkte öffentlich an, der Konflikt
dort sei nicht militärisch lösbar. In Israel traf er Außenminister
Silwan Schalom, in den palästinensischen Autonomiegebieten
Mahmud Abbas. Dabei unterstrich er, die USA seien nicht bereit,
die Beteiligung der Hamas an der Palästinenserregierung zu
akzeptieren, solange diese Israels Vernichtung anstrebe.
Im August 2006 reiste Obama mit seiner Familie nach Südafrika
und Kenia mit Zwischenstopps in Äthiopien und im Tschad. In
Kenia besuchte er den Geburtsort seines Vaters und wurde von der
dortigen Bevölkerung überwiegend enthusiastisch aufgenommen.
Um mehr Kenianer von einem HIV-Test zu überzeugen, ließ
sich das Ehepaar Obama in einer kenianischen Klinik öffentlich
auf HIV testen. Obamas Rede vor Studenten der Universität von
Nairobi wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt. Er kritisierte
darin die Korruption und den Einfluss ethnischer Rivalitäten
auf die kenianische Politik.
Am 30. Januar 2007 legte er einen Plan zum etappenweisen Rückzug
von US-Truppen aus dem Irak bis zum 31. März 2008 vor.
Im Juli 2008 besuchte Obama als voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat
der Demokraten, begleitet von den Senatoren Jack Reed und Chuck
Hagel, zunächst die US-Truppen in Afghanistan und im Irak,
führte dann Gespräche mit Politikern in Israel und den
Palästinensergebieten und reiste schließlich nach Deutschland,
Frankreich und Großbritannien. In Berlin hielt er nach Treffen
mit Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Klaus Wowereit am
24. Juli vor etwa 200.000 Zuschauern die zentrale Rede des Europabesuchs,
die weltweit direkt übertragen wurde.
Wie drei Tage zuvor angekündet, trat Obama am 16. November
2008, zwölf Tage nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl,
als Senator von Illinois zurück. Der unter Korruptionsverdacht
stehende Gouverneur von Illinois, Rod Blagojevich, bestellte Roland
Burris zu seinem Nachfolger.
Biografie (nach Wikipedia, leicht gekürzt)

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