Wladimir
Wladimirowitsch Putin
* 7. Oktober 1952 in Leningrad, heute Sankt Petersburg
Russischer Politiker und seit Mai 2008 Ministerpräsident
Russlands, ein Amt, das er bereits 1999 innehatte. Er ist ebenfalls
seit 2008 Vorsitzender der Partei Einiges Russland.
Putins Vater hiess Wladimir Spiridonowitsch, er war Fabrikarbeiter
in einem Werk für Waggonbau und überzeugter Kommunist.
Er war zum Grundwehrdienst in die Marine eingezogen worden und kämpfte
im Zweiten Weltkrieg. Die Mutter, Maria Iwanowna, soll Sanitäterin
gewesen sein. Sie gehörte zu jenen Leningradern, welche die
deutsche Belagerung der Stadt vom September 1941 bis Januar 1944
(Leningrader Blockade) überlebt hatten. Ihr zweiter Sohn starb
in dieser Zeit an Diphtherie.
Wladimir war das dritte Kind der Familie. Zwei ältere, Mitte
der 1930er Jahre zur Welt gekommene Söhne starben im Kindesalter.
Die Erziehung durch den Vater war streng, während die dem russisch-orthodoxen
Glauben anhängende Mutter Milde walten ließ. Die Arbeiterfamilie
lebte in einer 20 m² großen Leningrader „Gemeinschaftswohnung“;
Bad und Küche mussten sie sich mit den Nachbarn teilen. Als
Hofkind prügelte sich der junge Wladimir sehr oft mit Gleichaltrigen.
Die kommunistische Pionierorganisation nahm ihn darum erst später
auf. Putin interessierte sich früh für Kampfsportarten
und brachte es im Judosport bis zum Leningrader Stadtmeister. Putin
beherrscht heute diverse Kampfsportarten wie Boxen, Sambo und Judo
(Träger des „Schwarzen Gürtels“). Auch als
Präsident in seinem Kreml-Amtssitz trainierte er regelmäßig
in einem Dojo. Ferner gehört Skifahren zu seinen sportlichen
Vorlieben.
Patriotische Spionagefilme ließen dem jungen Putin eine Agententätigkeit
als Berufsziel attraktiv erscheinen. Als Schüler der neunten
Klasse bewarb er sich nach eigenen Angaben in der Leningrader KGB-Zentrale
um Aufnahme, erhielt aber den Rat, es zunächst mit einem Jurastudium
zu versuchen.
Putin, der selbst Deutsch spricht, ist seit 1983 mit der Deutschlehrerin
Ljudmila verheiratet und hat zwei Töchter: Maria (* 1985) und
Jekaterina (* 1986 in Dresden). Die Töchter besuchten die Deutsche
Schule in Moskau und studieren an der Staatlichen Universität
Sankt Petersburg. Putins Mutter starb 1998, sein Vater am 2. August
1999, kurz vor der Ernennung Putins zum russischen Ministerpräsidenten.
Seit einem lebensbedrohlichen Brand in seiner Datscha Anfang der
1990er Jahre ist Putin Mitglied der russisch-orthodoxen Kirche.
Putin bekennt sich immer wieder zu seinem russisch-orthodoxen Glauben.
So nahm er am orthodoxen Weihnachtsfest 2006 an einem Gottesdienst
im Kloster Neu-Jerusalem in Istra bei Moskau teil. Im Fernsehen
wurde gezeigt, wie Putin sich bekreuzigte und eine Kerze anzündete.
Es existieren Gerüchte, nach denen eine in Russland geborene
Georgierin namens Wera Putina die Mutter Wladimir Putins sei. Berichte
über einen angeblich gewalttätigen georgischen Stiefvater
Putins wurden im Kaukasus-Konflikt 2008 besonders in georgischen
Medien häufig zitiert und Putin in diesem Zusammenhang persönliche
Rachemotive unterstellt. Die britische Tageszeitung The Daily Telegraph
griff das Thema ebenfalls Anfang Dezember 2008 wieder auf. Gesicherte
Informationen über seinen familiären Hintergrund gibt
es jedoch nicht und Putin hat diese Gerüchte nicht bestätigt.
Putin absolvierte zunächst ein Jura-Studium an der Universität
Leningrad. Von 1975 bis 1992 war er KGB-Offizier in der ersten Hauptabteilung
(Auslandsspionage). Zu seinen frühen KGB-Pflichten zählte
auch das Unterdrücken von Dissidenten-Tätigkeiten in seiner
Heimatstadt. 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau.
Putin war ab 1985 in der DDR, hauptsächlich in Dresden, in
nachgeordneter Funktion tätig, wo er seine Deutschkenntnisse
vertiefte. Er avancierte vom Rang eines Hauptmanns zum Major. 1989
hatte Putin den Dienstgrad eines Oberstleutnants, was auf eine Dienststellung
als stellvertretender Abteilungsleiter in der KGB-Residentur hindeutet.
Nach Angaben der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen
Republik versuchte er im Jahre 1990, einen Spionagering aus ehemaligen
Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit aufzubauen.
Da aber die von Putin ausgewählte Zentralfigur schnell zum
Verfassungsschutz überlief, flog der Ring auf.
Putin wurde im Januar 1990 in die UdSSR zurückbeordert. Wegen
Personalüberkapazitäten beim Leningrader KGB ging er im
Rang eines Offiziers der Reserve als Assistent des Rektors für
internationale Fragen an die dortige Hochschule.
Sein früherer Professor und nunmehriger Chef des Leningrader
Stadtparlaments, Anatoli Sobtschak engagierte Putin im selben Jahr
als Berater. 1991 wurde der Rückkehrer zum Leiter des städtischen
Komitees für Außenbeziehungen ernannt. 1992 erhielt er
ein Amt als Vizebürgermeister in der Verwaltung des nunmehrigen
Sankt Petersburger Bürgermeisters Anatoli Sobtschak. Im gleichen
Jahr ging das Stadtparlament ergebnislos Gerüchten nach, Putin
habe Unregelmäßigkeiten bei der Erteilung von Exportlizenzen
begangen.
1994 stieg Putin zum Ersten Vize-Bürgermeister auf, vertrat
in dieser Funktion Sobtschak und organisierte 1995 vor Ort den Duma-Wahlkampf
der Kreml-Partei „Unser Haus Russland“. Im Juni 1996
verlor Sobtschak seine angestrebte Wiederwahl als Stadtoberhaupt
gegen Wladimir Anatoljewitsch Jakowlew. Putin trat daraufhin von
seinen kommunalen Ämtern zurück. Er half in der Folge
im örtlichen Wahlkampfstab von Boris Jelzin für die russischen
Präsidentenwahlen mit.
Im August 1996 bekam Putin den Posten als stellvertretender Leiter
der Kreml-Liegenschaftsverwaltung. Im März 1997 arbeitete er
als stellvertretender Kanzleileiter des Präsidenten Boris Jelzin.
Im Mai 1998 rückte Putin zum stellvertretenden Chef der Präsidialverwaltung
auf. Eine von ihm 1997 eingereichte Doktorarbeit bestand laut Behauptungen
aus den USA in wesentlichen Teilen aus Abschriften und Abbildungsplagiaten
der US-Ökonomen William King und David Cleland von der Universität
Pittsburgh, von denen er darüber hinaus in der Einleitung des
zweiten Teils 16 Seiten aus den Arbeiten der US-Amerikaner von 1978
kopiert habe. Hierzu gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme
von Putin.
Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war er Direktor des Inlandsgeheimdienstes
der russischen Föderation, ab 26. März 1999 außerdem
Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation.
Putin wurde von Boris Jelzin am 9. August 1999 zum Ministerpräsidenten
ernannt und von der Duma eine Woche später bestätigt.
Er reagierte auf die Bombenexplosion in einem Einkaufszentrum in
der Moskauer Innenstadt und eine Serie von Bombenanschlägen
auf Moskauer Wohnhäuser, die tschetschenischen Terroristen
angelastet wurden, mit harter Hand. Am 1. Oktober 1999 überschritten
russische Armeeeinheiten die Grenze zum tschetschenischen Landesteil
zur Rebellenbekämpfung, nachdem kurz zuvor tschetschenische
Kämpfer in Dagestan eingefallen waren. Der zweite Tschetschenienkrieg
begann. Putin leitete als Politiker die militärischen Aktionen
in Tschetschenien und erntete dafür gute Umfragewerte.
Als Jelzin am 31. Dezember 1999 überraschend sein Amt niederlegte,
übernahm Putin verfassungsgemäß auch die Amtsgeschäfte
des Präsidenten der Russischen Föderation bis zur Wahl
des Nachfolgers. Jelzin erklärte Putin zum Wunschkandidaten
für seine Nachfolge.
Am gleichen Tag gewährte Putin per Dekret Jelzin Straffreiheit
für seine Handlungen während der Amtszeit sowie für
künftiges Handeln und gewährte ihm und seiner Familie
einige Privilegien. Vier Monate zuvor waren in westlichen Zeitungen
Ermittlungen westlicher Behörden gegenüber der Jelzin-Familie
wegen Geldwäscheverdachts publik geworden.
Am 10. Januar 2000 entließ Putin einige in Korruptionsverdacht
geratene Kremlgrößen und nahm Umbesetzungen in der Regierung
vor. Ende Januar kündigte er eine Anhebung der Militärausgaben
um 50 Prozent an, wohl im Hinblick auf die Lage im Nordkaukasus.
Der Ministerpräsident hatte im Volk mit seinem harten Vorgehen
in Tschetschenien hohe Sympathie erlangt. Am 26. März 2000
fanden Präsidentschaftswahlen statt, die Putin im ersten Wahlgang
mit 52,9 Prozent der Stimmen gewann. Nach Boris Jelzin wurde Putin
nun der zweite nachsowjetische Präsident Russlands.
Nach Jahren der Skandale, erratischer Politikgestaltung und einem
allgemeinen Gefühl nationaler Malaise unter Präsident
Jelzin erschien die Wahl Putins vielen Russen als Neubeginn in ihrer
Nach-Sowjetära. Zugleich gab sich der innere Kreis um Jelzin
der Hoffnung hin, eigene Machtpositionen und Privilegien zu behalten,
da er Putin ausgewählt und unterstützt hatte. Eine radikale
Kehrtwende in der Administration blieb denn auch im ersten Jahr
aus. Einige Mitglieder der Nomenklatura aus der Jelzinzeit, wie
Stabschef Alexander Woloschin und Ministerpräsident Michail
Michailowitsch Kasjanow, behielten Amt und Würde. Andererseits
holte Putin sachkundige Weggefährten aus seiner Petersburger
Zeit in die Regierung und konnte auf die Unterstützung seines
Kurses durch Kräfte in den Spitzen der Sicherheitsdienste (Silowiki)
zählen.
Nach seiner Wahl leitete Putin Maßnahmen ein, um den Vorrang
des Kremls in der Innenpolitik wiederherzustellen. Russlands 89
Föderativsubjekte (Republiken, Bezirke, Gebiete sowie Moskau
und Sankt Petersburg) hatten unter Jelzin eine zuvor ungekannte
Autonomie erhalten. Sie ließ allmählich auch –
gerade in Tschetschenien – separatistische Bestrebungen reifen
und hatte den regionalen Gouverneuren allerlei Selbstherrlichkeiten
gestattet. Putin strebte nun eine, wie er sagte, Machtvertikale
an, wodurch die Föderativsubjekte wieder auf die Zentrale hören
(sollten).
Sein zweites Augenmerk galt den Oligarchen, der reich gewordenen
Oberschicht. Im Wahlkampf hatten sie sich nach Putins Überzeugung
durch finanzielle Unterstützung und Zulassen pro-westlicher
regimekritischer Beiträge in ihnen gehörenden Medien unangemessen
in die russische Politik eingemischt. Als erstes traf es Wladimir
Gussinski, dessen Medienkonglomerat Media-MOST durch staatliche
Eingriffe, Untersuchungen wegen Betrugs, Übernahme des kremlkritischen
Privatsenders NTW durch den halbstaatlichen Gazprom-Konzern am 14.
April 2001 sowie straf- und zivilrechtliche Gerichtsentscheidungen
in wenigen Monaten dahinschwand. Gussinski selbst zog es vor, nach
Spanien ins Exil zu gehen. Der superreiche Boris Abramowitsch Beresowski
flüchtete aus Russland, als gegen ihn Untersuchungsverfahren
eingeleitet wurden. Der ihm gehörende Fernsehsender ORT mit
landesweiter Ausstrahlung und kritischen pro-westlichen Beiträgen
geriet unter staatliche Kontrolle.
Anders als sein Vorgänger, knüpfte Präsident Putin
vielfach wieder an Russlands sowjetische Vergangenheit an. Er betonte,
dass das kommunistische Regime trotz seiner Verbrechen ein wichtiger
Bestandteil der russischen Geschichte sei und einen wichtigen Einfluss
auf die moderne russische Gesellschaft gehabt habe. In der Folge
kehrten einige sowjetische Symbole nach Russland zurück, darunter
die rote Militärflagge mit dem Sowjetstern und die sowjetische
Nationalhymne - allerdings mit einem anderen Text.
Die Partei Putins „Einiges Russland“ erreichte bei
den Parlamentswahlen am 7. Dezember 2003 einen erdrutschartigen
Sieg und wurde mit 37,1 Prozent der Stimmen stärkste Fraktion
in der Duma. Mit diesem Wahlergebnis wurde Putin, dessen Kreml-Regierung
aus dem Einigen Russland, LDPR und Rodina besteht, massiv gestärkt.
Die Wahl ist nach Auffassung der OSZE korrekt abgelaufen, doch Staatsapparat
und Massenmedien sind im Wahlkampf zur Unterstützung der Präsidentenpartei
eingesetzt worden.
Innerhalb des Kremls operierten nach Beobachtern zwei Gruppen.
Eine rekrutiert sich aus eher nationalistisch gesinnten Elementen
aus Militär-, Sicherheits- und Geheimdienstkreisen. Die andere,
genannt die Familie, besteht aus Leuten, die dem früheren Präsidenten
Boris Jelzin nahe standen bzw. den so genannten Oligarchen, die
von Jelzins Amtszeit profitierten. Die beiden Parteien waren oft
gegensätzlicher Meinung, so auch bei der Verhaftung des russischen
Ölmagnaten Michail Chodorkowski. Putin versuchte, zwischen
den beiden Gruppen zu vermitteln. Als sein Stabschef Alexander Woloschin,
welcher der Familie zugerechnet wird, aus Protest gegen die Verhaftung
Chodorkowskis mit Rücktritt drohte, akzeptierte Putin seinen
Rücktritt und ersetzte ihn durch Dmitri Medwedew, den Geschäftsführer
des staatlichen Gaskonzerns Gazprom.
Am 24. Februar 2004, im Monat vor den Duma-Wahlen, entließ
Putin Ministerpräsident Kasjanow samt dessen Kabinett und ernannte
kommissarisch Wiktor Christenko zum Ministerpräsidenten. Eine
Woche später, am 1. März, berief der Präsident jedoch
Michail Jefimowitsch Fradkow in dieses Amt, der von der Duma bestätigt
wurde.
Bei den Präsidentschaftswahlen am 14. März 2004 gewann
Putin mit 71 Prozent der Stimmen und ging so in eine zweite Amtszeit.
Beobachter konnten keinerlei Unregelmäßigkeiten im Wahlablauf
feststellen, kritisierten jedoch die starke Chancenungleichheit
der Kandidaten infolge der vielfach staatlich kontrollierten Medien,
die im Vorfeld für Putin geworben hatten.
Am 13. September 2004 legte Putin einen Plan vor, dass die (bislang
direkt gewählten) Gouverneure künftig von ihm allein vorgeschlagen
und von den regionalen Parlamenten bestätigt oder abgelehnt
werden sollten. Am selben Tag unterstützte er einen Vorschlag
der zentralen Wahlkommission, die gesamten Duma-Mandate künftig
ausschließlich nach den Listen im Verhältniswahlrecht
zu bestimmen. Beides ist inzwischen für die Zukunft so beschlossen
worden und hat einen weiteren Machtzuwachs für Putin gebracht.
Bisher war die Hälfte der Abgeordneten in Wahlkreisen direkt
ins Parlament entsandt worden, dies führte dazu, dass einige
Abgeordnete, deren Partei an der Fünf-Prozent-Klausel scheiterte,
den Einzug in die Duma schafften und dort für Meinungsvielfalt
sorgen.
Im November 2004 unterzeichnete Putin das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz
und schloss damit den Ratifizierungsprozess in Russland ab. Dadurch
machte er den Weg für das Inkrafttreten des Abkommens Anfang
2005 frei.
Nach der russischen Verfassung darf der Präsident nur zwei
Amtszeiten von jeweils vier Jahren bekleiden. Dies bedeutet, dass
nach der geltenden Rechtslage im Jahre 2008 ein neuer Präsident
in den Kreml einziehen musste. Dies war der von Putin unterstützte
bisherige Vizepremier Dmitri Medwedew, der die Präsidentschaftswahlen
am 2. März 2008 klar gewonnen hat. Anfang 2008 gab Putin bekannt,
dass er im Fall des Wahlsieges Medwedews das Amt des Regierungschefs
übernehmen werde, was er nach dessen Wahlsieg noch einmal bekräftigte.
Mit der von ihm angeführten Partei Einiges Russland erreichte
Putin bei den Wahlen im Dezember 2007 eine Zwei-Drittel-Mehrheit
in der Duma. Mit dieser Mehrheit kann die Partei jederzeit den Präsidenten
der Republik mit einem Amtsenthebungsverfahren absetzen. Die Verfassung
ist damit formal befolgt, aber faktisch ausgehebelt.
Politik im Bereich der ehemaligen Sowjetunion
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 verlor die Sowjetunion den
Status einer Supermacht. In der von Wirren geprägten Amtszeit
Jelzins erschien selbst der Erhalt des Status einer Großmacht
fragwürdig.
Putin ist bestrebt, eben diesen Status Russlands als Großmacht
zu erhalten beziehungsweise auszubauen. So beabsichtigt er, den
russischen Einfluss in den ehemaligen Sowjetrepubliken und sonstigen
Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts zu stabilisieren und zu
verstärken. Gleichzeitig soll der zunehmende westliche, insbesondere
US-amerikanische Einfluss in dieser Region eingedämmt oder
zurückgedrängt werden.
So unterstützte Putin bei der ukrainischen Präsidentschaftswahl
im November 2004 offen den von ihm favorisierten Kandidaten Wiktor
Janukowytsch. Janukowytsch befürwortete eine engere Anbindung
der Ukraine an Russland anstatt nach Westen. Nach einer von Manipulationen
beider Seiten überschatteten Wahl gab die Ukraine Janukowytsch
als Sieger bekannt. Daraufhin entluden sich wütende Proteste
eines Teiles der ukrainischen Bevölkerung, der – von
westlichen Staaten und von ihnen mitgetragenen Organisationen unterstützt
– „saubere“ Neuwahlen ohne Manipulationen forderte.
Putin versuchte, die Endgültigkeit des Wahlsiegs Janukowytschs
zu sichern, indem er ihm als erster Staatschef zum vermeintlichen
Sieg gratulierte. Die offizielle Anerkennung des Wahlergebnisses
durch den russischen Präsidenten sollte Zweifel an der Legitimität
des Wahlergebnisses ausräumen. Jedoch erzwangen die teilweise
aus dem Westen finanzierten Proteste auf der Straße gegen
den Ablauf der Wahl einen erneuten Urnengang, aus dem der als westlich
orientierte und vom Westen unterstützte Wiktor Juschtschenko
im Dezember 2004 als Sieger hervorging. Auch wenn Putin in Folge
bekräftigte, mit Juschtschenko zusammenarbeiten zu wollen,
werden die Niederlage des kremlnahen Kandidaten Janukowytsch und
der Sieg des westlich orientierten Juschtschenko zugleich als außenpolitische
Niederlage Putins gewertet.
Als Wladimir Putin im September 2004 zu deutsch-russischen Konsultationen
in Hamburg erwartet wurde, sollte ihm die Ehrendoktorwürde
der Universität Hamburg verliehen werden. Dutzende Professoren
sprachen sich allerdings dagegen aus und eine deutschlandweite Diskussion
wurde in Gang gesetzt. Gleichzeitig ereignete sich im nordkaukasischen
Beslan ein Geiseldrama, das nun alle Aufmerksamkeit auf sich zog.
Die Konsultationen wurden daraufhin wegen der erschreckenden Ereignisse
im Nordkaukasus abgesagt. Als der Präsident den Besuch in Hamburg
am 20. Dezember 2004 nachholte, war von einer Würdigung nicht
mehr die Rede.
Am 25. April 2005 sorgte Putin für Irritationen im Westen
und bei Verbündeten, als er in einer landesweit vom Fernsehen
übertragenen Rede vor der Duma den Fall der Sowjetunion als
„die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts“
bezeichnete. Später erklärte er, diese Bemerkung diente
als reine Verdeutlichung der aus diesem Ereignis entstandenen politischen
und sozialen Folgen und sollte nicht als Nostalgie verstanden werden.
Als erster russischer Präsident warb Putin am 6. Juli 2005
in einer offiziellen Ansprache auf Englisch per Video für Moskau
als Austragungsort der Olympischen Spiele 2012.
Am 8. September 2005 wurde in Berlin in Anwesenheit der deutschen
und russischen Regierungschefs eine Vereinbarung zum Bau einer Ostsee-Erdgaspipeline
unterzeichnet. Unterzeichner der Vereinbarung sind die BASF AG und
E.ON AG, auf russischer Seite das Unternehmen Gazprom. Die Vereinbarung
begründet eine Kooperation der drei Unternehmen zum Bau der
North European Gas Pipeline, die vom russischen Ostseehafen Wyborg
(bei St. Petersburg) bis zur deutschen Ostseeküste über
eine Strecke von 1.200 km durch die Ostsee verlaufen soll. Putins
enger persönlicher Freund Gerhard Schröder, der zum Zeitpunkt
der Ankündigung noch deutscher Bundeskanzler war, soll den
Aufsichtsratsvorsitz des Konsortiums für die Gaspipeline übernehmen,
was Kritik seitens der Opposition ausgelöst hat.
Die im März 2005 angekündigte Angleichung der Gaspreise
für die Ukraine an das europäische Niveau wurde von westlichen
Medien zur Zeit des im Dezember 2005 ausgebrochenen russisch-ukrainischen
Gasstreits verbreitet als Reaktion Putins auf die politische Entwicklung
des Nachbarlandes gewertet. Später betrieb Moskau jedoch auch
bei seinen verbündeten Staaten wie Weißrussland Preisanpassungen.
Am 17. November 2005 eröffnete Putin zusammen mit dem türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem italienischen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Samsun (Türkei)
die russisch-türkische Blue Stream Erdgaspipeline.
Putin baut den Weltmachtanspruch Russlands weiter aus und nutzt
dabei die Energie-Nachfrage in Europa. Am 21. Oktober 2006 versicherte
Putin den 25 EU-Staats- und Regierungschefs beim Gipfel im finnischen
Lahti zwar, Russland sei offen für eine Energie-Partnerschaft
mit der Europäischen Union, lehnte aber die vom Westen gewünschten
Unterzeichnung der Energiecharta ab, nach der Russland die Kontrolle
über sein Pipelinesystem an die Europäer abtreten müsste.
2007 besuchte Russlands Präsident Wladimir Putin während
seines Italien-Besuchs Papst Benedikt XVI. im Vatikan. Dort besprach
er die Stellung der Kirche in Russland, sowie die Beziehungen zwischen
der Russisch-orthodoxen und der Römisch-katholischen Kirche.
Pressefreiheit unter Putin
Die substanzielle Einschränkung der Pressefreiheit unter Putin
wird schon seit Jahren von Menschenrechtsorganisationen kritisiert.
Wie die Organisation Reporter ohne Grenzen im letzten Jahresbericht
Russland 2006 feststellte, verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen
für russische Journalisten auch 2005 alarmierend. Gewalt sei
die „ernsteste Bedrohung der Pressefreiheit“.
Den Angaben der Organisation zufolge wird das russische Fernsehen
durch Kreml-nahe Gruppen kontrolliert und stark zensiert. Etliche
unabhängige Zeitungen seien 2005 durch hohe Geldstrafen zur
Aufgabe gezwungen worden. Durch die Vergabe von staatlichen Aufträgen
für Anzeigen würden Zeitungen, die den Krieg in Tschetschenien
thematisierten, faktisch erpresst. Die Arbeitserlaubnis von amerikanischen
Journalisten, die für den Fernsehsender ABC tätig waren,
sei nicht erneuert worden, nachdem der Sender ein Interview mit
dem tschetschenischen Rebellenführer Schamil Basajew ausstrahlte.
In Saratow sei der Journalist Edward Abrosimow wegen Verleumdung
zu sieben Monaten Zwangsarbeit verurteilt worden. Im August sei
der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung Odinzowskaja
Nedelja wegen Verleumdung zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt
worden. Er kam auf freien Fuß, nachdem internationale Menschenrechtsorganisationen
protestierten. Insgesamt lägen die russischen Pressegesetze
sehr weit unter europäischem Standard.
Die schon unter Putins Amtsvorgänger Jelzin zu beobachtende
Gewalt gegen Journalisten konnte auch unter Putin nicht eingedämmt
werden. Während seiner Präsidentschaft wurden bislang
insgesamt 13 Journalisten ermordet. In keinem der Fälle kam
es zu einer Verurteilung der Täter, so ein Bericht des Committee
to Protect Journalists.
Erst die Ermordung der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja
am 7. Oktober 2006 durch Unbekannte brachte das Thema Pressefreiheit
in Russland in die Schlagzeilen westlicher Medien. Der bayerische
Ministerpräsident Edmund Stoiber forderte von Putin, die Pressefreiheit
in Russland zu gewährleisten. In einem offenen Brief, veröffentlicht
in der Wochenzeitung Die Zeit an Bundeskanzlerin Angela Merkel fragte
die russische Journalistin Jelena Tregubowa, wie die Ermordung Zufall
gewesen sein kann, „wenn Putin vom ersten Tag seiner Präsidentschaft
an die freie Presse und Opposition planmäßig vernichtet
(und) konsequent alle unabhängigen oppositionellen Fernsehsender
in Russland liquidiert (hat): NTW, TV-6, TWS.“

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