Ihr
Grossvater war ein wohlhabender Bauer und Kaufmann. Er wurde unter
dem kommunistischen Regime enteignet. Ihre Mutter war zu jahrelanger
Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert worden. Ihr Vater, ein ehemaliger
SS-Soldat, verdiente seinen Lebensunterhalt als Lkw-Fahrer.
Nach dem Abitur studierte sie an der Universität des Westens
Timisoara Germanistik und rumänische Literatur. Ab 1976 arbeitete
sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde allerdings
1979 nach ihrer Weigerung, mit der rumänischen Securitate zusammenzuarbeiten,
entlassen. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt mit zeitweiliger
Lehrtätigkeit in Schulen und Kindergärten sowie mit privatem
Deutschunterricht.
Ihr erstes Buch Niederungen konnte 1982 in Rumänien, wie alle
Publikationen, nur in zensierter Fassung erscheinen. 1987 reiste
Herta Müller mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schriftsteller
Richard Wagner, in die Bundesrepublik Deutschland aus. In den folgenden
Jahren erhielt sie eine Reihe von Lehraufträgen als „Writer
in residence“ an Universitäten im In- und Ausland. 2005
war sie „Heiner-Müller-Gastprofessorin“ an der
Freien Universität in Berlin, wo sie heute lebt.
Herta Müller gehörte bis zu ihrem Austritt 1997 dem P.E.N.-Zentrum
Deutschland an; seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie
für Sprache und Dichtung.
2008 entbrannte eine innenpolitische Diskussion um die Teilnahme
des Historikers Sorin Antohi und des Germanisten Andrei Corbea-Hoisie
an einer Tagung des „Berliner Rumänischen Kulturinstituts“
am 25. Juli 2008, obwohl beide Informanten der Securitate im kommunistischen
Rumänien waren. Herta Müller kritisierte deren Einladung
in einem offenen Brief. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung griff
der aus dem Banat stammende Historiker, Philosoph und Literat Carl
Gibson Herta Müller an und warf ihr in seinem Buch „Symphonie
der Freiheit“ Systemloyalität unter dem Ceausescu-Regime
vor.
In einem Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit vom 23. Juli 2009
mit dem Titel „Die Securitate ist noch im Dienst“ beschreibt
Herta Müller allerdings, welchen Machenschaften des rumänischen
Geheimdienstes sie ausgesetzt war und noch heute ist. Die Akten
der Securitate offenbaren, dass sie und damit ihre unermüdliche
Kritik an der Diktatur Ceausescus durch Diskreditierungsmassnahmen
unglaubwürdig gemacht werden sollte. So wurden etwa von der
Securitate entworfene Briefe an deutsche Rundfunkanstalten geschickt,
in denen sie als Agentin beschuldigt wurde. Weiterhin beschuldigten
sie führende Personen der Landsmannschaft der Banater Schwaben,
die informelle Mitarbeiter der Securitate waren, im Auftrag der
Kommunistischen Partei Rumäniens zu schreiben.
2009 wurde ihr Roman Atemschaukel für den Deutschen Buchpreis
nominiert und gelangte ins Finale der besten sechs Romane. In diesem
Buch zeichnet die Autorin den Weg eines jungen Mannes in ein Deportationslager
nach Russland nach, das exemplarisch für das Schicksal der
deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen nach dem Zweiten
Weltkrieg steht. Als Modell diente ihr dabei das Erleben des 2006
verstorbenen Lyrikers Oskar Pastior.
Am 8. Oktober 2009 wurde bekannt gegeben, dass Herta Müller
den Nobelpreis für Literatur für 2009 erhalten wird. Sie
habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der
Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet, hiess
es in der Würdigung. Begründet wurde die Vergabe des Nobelpreises
mit der Intensität der von ihr verfassten Literatur.
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