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Wie funktionieren Atomkraftwerke?

Hier zum Begriff GAU und Super-GAU

Mit Kernenergie, Atomenergie, Nuklearenergie, Atomkernenergie, Kernkraft oder Atomkraft wird die Technologie zur grosstechnischen Erzeugung von elektrischer Energie aus Kernreaktionen bezeichnet. Während sich Kernfusionsreaktoren erst im Forschungsstadium befinden, wird die Kernspaltung seit den 1950er Jahren in Kernkraftwerken – überwiegend unter Verwendung des Kernbrennstoffs Uran – praktiziert.

Ein Kernkraftwerk (KKW), auch Atomkraftwerk (AKW), ist ein Wärmekraftwerk zur Gewinnung elektrischer Energie aus Kernenergie durch kontrollierte Kernspaltung.

Physikalische Grundlage ist die Energiefreisetzung bei der Spaltung von schweren Atomkernen. Sie beruht darauf, dass die Bindungsenergie pro Nukleon in den Spaltprodukten grösser ist als vorher im spaltbaren Kern. Diese Energie wird hauptsächlich als Bewegungsenergie der Spaltprodukte freigesetzt. Durch deren Abbremsung im umgebenden Material entsteht Wärme, mit der Wasserdampf erzeugt wird.
Grössere Kernkraftwerke bestehen aus mehreren Blöcken, die je für sich unabhängig voneinander elektrischen Strom erzeugen. Zurzeit sind weltweit 210 Kernkraftwerke mit 436 Reaktorblöcken am Netz, die rund 13% des weltweiten Strombedarfs decken.

Funktionsweise und Aufbau eines Kernkraftwerkes

Schema eines Druckwasserreaktors

Schema eines Siedewasserreaktors


Die Umwandlung in elektrischer Energie geschieht indirekt wie in herkömmlichen Wärmekraftwerken: Die Wärme, die bei der Kernspaltung im Kernreaktor entsteht (in einem Kohlekraftwerk würde er dem Kessel entsprechen), wird auf einen Wärmeträger – meist Wasser (Standardtyp Leichtwasserreaktor) – übertragen, wodurch dieses erwärmt wird. Direkt im Reaktor oder indirekt in einem Dampferzeuger entsteht Wasserdampf. Der unter Druck stehende Wasserdampf wird einer meist mehrstufigen Dampfturbine zugeführt.

Dampfturbinen in westlichen Kernkraftwerken gehören zu den grössten Dampfturbinen überhaupt. Nachdem die Turbine den Dampf expandiert und teilweise kondensiert hat, wird der restliche Dampf in einem Kondensator niedergeschlagen. Der Kondensator entspricht dabei einem Wärmeaustauscher, welcher auf Sekundärseite etwa mit einem Fluss oder einem Kühlturm verbunden ist. Nach der Kondensation wird das nun mehr flüssige Wasser durch Pumpen auf den Dampfdruck im Kernreaktor oder Dampferzeuger gebracht und in mehreren Schritten nahezu auf Sättigungstemperatur regenerativ vorgewärmt. Das Wasser gelangt danach in den Kernreaktor und der Kreislauf beginnt erneut.

Kernreaktor

Der Kernreaktor ist das Herz des Kraftwerks. In seinem zentralen Teil, dem Reaktorkern, wird durch kontrollierte Kernspaltung Wärme erzeugt. Mit dieser Wärme wird ein Kühlmittel erhitzt, das durch den Reaktor gepumpt wird und dadurch die Energie aus dem Reaktor abtransportiert.
Da die Kernspaltung mit für Lebewesen gefährlicher Radioaktivität verbunden ist, ist der Reaktorkern von einem Schutzschild umgeben. Dieses Containment absorbiert radioaktive Strahlung und verhindert, dass radioaktives Material in die Umwelt gelangt. Zusätzlich sind viele Reaktoren mit einer Kuppel aus Beton ausgestattet, um den Reaktor vor Einwirkungen von aussen zu schützen.

 

In Kernkraftwerken werden unterschiedliche Reaktortypen eingesetzt, die sich im Wesentlichen durch die verwendeten Kernbrennstoffe, Kühlkreisläufe und Moderatoren unterscheiden.

Generator

Der Generator wandelt die durch die Turbine bereitgestellte kinetische Energie (Bewegungsenergie) in elektrische Energie.
 

Hauptkühlmittelpumpe (DWR) und Zwangsumwälzpumpe (SWR)

Die Hauptkühlmittelpumpe im Falle des DWR hat die Aufgabe das Kühlmittel zwischen Reaktor und Dampferzeuger umzuwälzen. In westlichen Kernkraftwerken wird der Kernreaktor mit vier redundanten Pumpen (Loops) bespeist, die jeweils im Sinne der Redundanz baulich getrennt im Reaktorgebäude untergebracht sind. Die Ausführung der Pumpe entspricht dabei einer Zentrifugalpumpe mit einem einteilig geschmiedeten Gehäuse. Der Durchsatz beträgt bis zu 10.000 l/s bei einem Druck von bis zu 175 bar und einer zulässigen maximalen Temperatur von 350° C. Die Druckerhöhung durch die Hauptkühlmittelpumpe beim DWR entspricht dem Druckverlust im Reaktor, Dampferzeuger und des Rohrleitungssystems. Auch nach Ausfall der Hauptkühlmittelpumpen (RESA ist die Folge) ist die Umwälzung und somit die Wärmeabfuhr durch sog. Naturumlauf gewährleistet.

Im Falle des Siedewasserreaktors sind im Reaktordruckbehälter Zwangsumwälzpumpen zur Vermeidungen von Kernschwingen angebracht, deren Auslegung etwa denen in einem gleich grossen DWR entsprechen. Sie sind für die Sicherheit des Kraftwerks nicht unbedingt notwendig.
Neben diesen Hauptkühlmittelpumpen verfügt ein Kernkraftwerk üblicherweise noch über mehrere Notfalleinspeisungen auf unterschiedlichen Druckniveaus, die bei Störungen (siehe Auslegungsstörfall) die Kühlung des Reaktorkerns aufrecht erhalten.
 

Sicherheitsventile

Um den Druck im Reaktordruckbehälter bei einem Störfall nach oben zu begrenzen sind zwei voneinander unabhängige Sicherheitsventile vorhanden. Die Druckbegrenzung verhindert dabei ein Bersten von Rohrleitungen oder dem Reaktor. Die Ventile sind in ihrer Kapazität so ausgelegt, dass sie alle zugeführten Volumenströme bei nur geringem Druckanstieg ableiten können. Im Falle des SWR wird der Dampf in die Kondensatkammer geleitet und dort kondensiert. Die Kammern sind über Wärmetauscher mit dem Zwischenkühlkreislauf verbunden.
Sollten die Sicherheitsventile nicht schliessen sind in unmittelbarer Nähe nochmals Sicherheitsabsperrventile vorhanden, die im Bedarfsfall einen Kühlmittelstörfall vermeiden sollen. Das Nicht-Schliessen eines Sicherheitsventils führte zu einem folgenschweren Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island.
 

Speisewasserpumpen

Die Speisewasserpumpen haben die Aufgabe das Wasser aus dem Speiswasserbehälter auf den Dampfdruck im Reaktor und im Dampferzeuger zu bringen und eine das Wasser etwa mit ca. 2200 kg/s zu fördern. Die benötigte Leistung beläuft sich dabei auf ca. 20 MW pro Pumpe. Über das Speisewassersystem wird der Wasserstand im Dampferzeuger und Kernreaktors geregelt.
 

Notstromversorgung

Die Notstromversorgung eines Kernkraftwerks ist mehrfach durch Dieselaggregate sichergestellt und batteriegepuffert. Die Batteriepufferung stellt die unterbrechungsfreie Einkoppelung der Dieselaggregate in das Netz sicher. Wenn nötig, erlaubt die Notstromversorgung das sichere Herabfahren des Kernreaktors. Weniger wichtige Hilfssysteme wie bspw. Begleitheizungen von Rohrleitungen werden dabei nicht versorgt. Der Grossteil der benötigten Leistung dient der Versorgung der Speisepumpen und Notspeisepumpen.
 

Atomkraft-Katastrophe: Gau und Super-Gau

Der GAU (grösster anzunehmender Unfall, Störfall, Auslegestörfall) ist somit der grösste Unfall, der bei der Planung einer kerntechnischen Anlage anzunehmen ist und dessen Beherrschbarkeit im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nachzuweisen ist. Grundlage sind technisch-physikalische Modelle für einen technisch beherrschbaren Störfall. Es gibt aber Störfälle, die von solchen Modellen nicht erfasst werden und die zu einem technisch nicht mehr beherrschbaren Super-

Der Begriff Auslegungsstörfall wird von staatlichen Stellen und Kraftwerksbetreibern der bekannteren Bezeichnung GAU vorgezogen. Er weist darauf hin, dass es sich um Störfälle handelt, die bereits durch Analysen in der Planungsphase berücksichtigt wurden und gegen die Kraftwerke redundant ausgelegt sind.

GAU (grösster anzunehmender Unfall) und Super-GAU

 

(verändert, nach Wikipedia)

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