Fukushima
Super-Gau
Das Kernkraftwerk Fukushima I oder Fukushima Daiichi war mit
sechs Kraftwerksblöcken und 4,5 Gigawatt elektrischer Nettoleistung
eines der leistungsstärksten Kernkraftwerke in Japan. Es
liegt in Okuma im Landkreis Futaba in der Präfektur Fukushima
unmittelbar am Pazifik und nutzt Meerwasser zur Kühlung.
Das Kraftwerk liegt etwa 250 km nördlich von Tokio. Es wurde
durch die Nuklearunfälle von Fukushima-Daiichi, die sich
infolge des Tohoku-Erdbeben und des darauf folgenden Tsunami im
März 2011 ereignete, weltweit bekannt.
(was
in Japan geschieht... eine verständliche Darstellung von
20min.ch)
Fukushima-Daiichi
Am 11. März 2011 kam es im 150 km vom Epizentrum entfernten
Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi (Fukushima I) bei den Reaktorblöcken
1 bis 3 zum Ausfall des Kühlsystems, nachdem zuvor die Dieselgeneratoren
der Notstromversorgung ihren Dienst versagten. In den Reaktorblöcken
1 bis 3 verdampfte daraufhin Kühlwasser. Zum Ausgleich des
Kühlwasserverlusts und zur Kühlung erhielten alle drei
Reaktorblöcke mit Borsäure als Neutronenabsorber versetztes
Meerwasser von aussen eingespritzt. Die Reaktorblöcke 4 bis
6 waren wegen Inspektionsarbeiten nicht in Betrieb; sind jedoch
mit Brennstäben bestückt, die in den dortigen Abklingbecken
lagern.
Winde
Strahlenexposition
Gemessene Dosisleistungen um Fukushima-Daiichi
Auf Lebewesen wirkt natürlicherweise eine Strahlung, welche
drei Quellen hat:
- Kosmos
- Erde
- Lebendige Körper
kosmische Strahlenquellen: Der Ursprung der
kosmischen Strahlenexposition liegt im Weltall. Der wesentliche
Teil kommt von der Sonne. Die Strahlung wird durch die Erdatmosphäre
(Luftschicht) geschwächt. Deshalb nimmt die kosmische Strahlung
mit zunehmender Höhe über Meer zu. Ihr Beitrag ist in
der Schweiz im Durchschnitt 0.34 mSv/Jahr.
terrestrische Strahlenquellen: Die Strahlung
stammt von radioaktiven Quellen, die sich natürlicherweise
in der Erde und damit auch in Baumaterialien befinden. Verantwortlich
sind vor allem das Uran und seine Folgeprodukte. Die Konzentration
von Radionukliden in Kalk und Sandstein ist gering, in Graniten
höher. Die Strahlenexposition in den Alpen kann bis zu 1.5
mSv/Jahr betragen. Im älteren Juragestein ist die Exposition
kleiner. Im Durchschnitt ist der Beitrag 0.45 mSv/Jahr.
inkorporierte Strahlenquellen: Durch die Nahrungsmittel
und das Wasser werden dem Körper natürliche Radionuklide
zugeführt, die vor allem im Muskelgewebe eingelagert werden
und den Körper von innen exponieren. Es handelt sich dabei
überwiegend um K-40, das vor allem mit Gemüse in den
Körper gelangt. Die Aktivität in unserem Körper
beträgt dadurch etwa 4'000 Bq. Der Dosisbeitrag liegt im
Durchschnitt bei 0.38 mSv/Jahr.
Am 11. März um 14:46 Uhr Ortszeit (06:46
Uhr MEZ) wird Japan im Nordosten vom schwersten Erdbeben seiner
Geschichte erschüttert. Nach wenigen Minuten trifft eine
erste riesige Tsunami-Flutwelle mit Maximalhöhen von 23 Meter
auf die dortige Küste.
Ereignisse chronologisch im AKW in Fukushima
1. Woche (11.-17. März 2011)
11. März (Tag 1, Freitag)
15:06 Uhr: zwei kräftige Beben der Stärke 6,4 Mw
15:15 Uhr: zahlreiche weitere Nachbeben. Das schwerste Nachbeben
mit einer Magnitude (M) von 7,9 Mw erfolgte bereits eine halbe
Stunde nach dem ersten massiven Beben.[3]
etwa 16:00 Uhr (08:00 Uhr MEZ): Eine weitere bis zu zehn Meter
hohe Flutwelle (Tsunami) trifft auf die Nordostküsten Japans.
15:42 Uhr: Stromversorgung der Reaktoreinheiten 1 - 3 des AKW
Fukushima 1 ist unterbrochen.[2]
15:45 Uhr: Die Öltanks für die Strom-Notversorgung von
AKW Fukushima 1 werden vom Tsunami weggespült.[2]
16:36 Uhr: Wasserkühlungen (ECCS) fallen in Reaktor 1 und
2 aus.[2]
17:00 Uhr: Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan erklärt,
die Lage in den Atomkraftwerken sei normal. Die Anlagen seien
automatisch heruntergefahren worden.
18:30 Uhr: Brand im Reaktor des Atomkraftwerks Fukushima 1 und
einen im Kernkraftwerk Onagawa.
20:30 Uhr: Die Regierung ruft den atomaren Notfall aus, und bezeichnet
dies als Vorsichtsmassnahme.
21:45 Uhr: Rund 2000 Bewohner in der Umgebung des Atomkraftwerks
Fukushima 1 werden zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert.
22:00 Uhr: Das Feuer im Atomkraftwerk Onagawa ist nach einer Mitteilung
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) gelöscht.
Die Evakuierungszone um das Atomkraftwerk Fukushima 1 wird von
zwei auf drei Kilometer ausgedehnt.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
11. März 120 30 3
12. März (Tag 2, Samstag)
00:46 Uhr: Im Reaktorgebäude 1 des Atomkraftwerks Fukushima
1 kam es um 0:46 Uhr zu einem abrupten Druckanstieg.
06:40 Uhr: Im Reaktor 1 des Atomkraftwerks Fukushima 1 wird kontrolliert
Druck abgelassen. In der Umgebung wird erhöhte Radioaktivität
gemessen.
07:00 Uhr: Die Evakuierungszone wird auf zehn Kilometer ausgeweitet.
Betroffen sind 45'000 Menschen. Die IAEO teilt mit, dass auch
das Kühlsystem im Reaktor 2 von Fukushima 1 beschädigt
ist.
09:00 Uhr: Neben den Berichten über zwei Reaktoren in Fukushima
1 gibt es demnach auch Probleme mit der Kühlung von drei
Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima 2.
14:00 Uhr: Die Atomsicherheitsbehörde teilt mit, dass in
Fukushima 1 möglicherweise eine Kernschmelze begonnen habe.
15:36 Uhr: Im Atomkraftwerk Fukushima 1 kommt es zu einer Wasserstoffexplosion.
Das Dach und die Wände des Reaktorgebäudes 1 werden
zerstört, Rauch steigt auf. Vier Arbeiter werden dabei verletzt.[6]
Einer Stellungnahme der Regierung zufolge wurde der Sicherheitsbehälter
nicht beschädigt, die Strahlungswerte am Werkstor sollen
70-fach über den Normalwerten gelegen haben.

19:45 Uhr: Der Radius der Evakuierungszone rund um Fukushima
1 wird auf 20 Kilometer ausgeweitet.
22:30 Uhr: Der Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima 1 teilt
mit, dass er den Reaktor 1 mit Meereswasser fluten will.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
13. März (Tag 3, Sonntag)
06:00 Uhr: die Evakuierung betrifft 140'000 Menschen.
08:00 Uhr: In einem dritten Reaktorblock in Fukushima 1 fällt
die Kühlung aus. Nun sind sechs Atomreaktoren von Unfällen
betroffen.
16:00 Uhr: Die japanische Regierung spricht von der Möglichkeit
einer bevorstehenden weiteren Explosion in Fukushima 1. Im Reaktorblock
3 gebe es möglicherweise ebenfalls eine partielle Kernschmelze.
21:00 Uhr: Ministerpräsident Kan spricht von einer alarmierenden
Lage im Atomkraftwerk Fukushima. Angesichts der nuklearen Notfälle,
des Erdbebens und des Tsunamis befinde sich Japan in der schlimmsten
Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.
22:45 Uhr: Die japanische Regierung setzt 100'000 Soldaten für
die Rettungsaktionen im Nordosten des Landes ein.
23:15 Uhr: Im Südwesten Japans bricht der Vulkan Shinmoedake
aus. Die Behörden beschränken den Zugang zum Vulkangebiet.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
14. März (Tag 4)
01:15 Uhr: Im Kernkraftwerk Tokai, südlich von Fukushima,
gibt es einen Notfall. Das Kühlsystem versagt, zwei Dieselgeneratoren
für die Notversorgung sind ebenfalls bereits ausgefallen.
Der dritte Generator hält die Kühlung der Brennstäbe
weiter aufrecht.
10:00 Uhr: Ein schweres Nachbeben der Stärke 6,2 erschüttert
Tokio. Eine zunächst herausgegebene Tsunami-Warnung wird
später wieder aufgehoben.
11:45 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima 1 ereignet sich im Reaktor
3 eine Wasserstoff-Explosion. Elf Menschen werden verletzt. Nach
Angaben des Betreibers TEPCO bleibt die Stahlhülle des Reaktors
intakt.
16:00 Uhr: Die Kühlung im Reaktor 2 des Kernkraftwerks Fukushima
1 fällt aus. Der Kühlwasserstand soll einer Nachrichtenagentur
zufolge absinken.
20:12 Uhr: Die Brennstäbe in diesem Reaktor liegen nach Angaben
der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo trocken.
21:55 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima 1 droht nach der Erklärung
von Regierungssprecher Yukio Edano eine Kernschmelze in drei Reaktoren.
Im Areal um das AKW wird eine erhöhte Radioaktivität
festgestellt.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
14. März 27 2 0
15. März (Tag 5)
00:15 Uhr: Im Reaktorblock 2 von Fukushima 1 sind die Brennstäbe
nicht mehr von Wasser bedeckt.
06:15 Uhr: In Fukushima 1 kommt es im Reaktor 2 zu einer Explosion
- die dritte in dem AKW. Dieses Mal wird von einem Druckabfall,
berichtet, was auf eine Beschädigung der Reaktorhülle
selbst hindeute, sagt TEPCO.
08:54 Uhr: Im Block 4 bricht ein Feuer aus und es gibt eine Wasserstoffexplosion.
11:00 Uhr: Der Brand im Block 4 wird gelöscht.
12:16 Uhr: Nach Regierungsangaben wurde bei der dritten Explosion
erstmals eine innere Schutzhülle (Reaktor 2) beschädigt.
16:15 Uhr: Der Betreiber TEPCO reduziert die Bedienungsmannschaften
von bislang 800 auf 50.
23:00 Uhr: Die Situation in Fukushima 1 wird von der IAEO „beunruhigend“
genannt.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
16. März (Tag 6)
00:26 Uhr: In Block 4 der Anlage Fukushima 1 ist nach einem
Bericht des TV-Senders NHK geplant, mit Hilfe von Hubschraubern
Wasser durch Löcher im teilweise zerstörten Dach zu
schütten, um die Brennstäbe im Innern zu kühlen.
05:45 Uhr: die japanischen Behörden melden, dass ein Feuer
im Block 4 entdeckt worden sei.
11:31 Uhr: Die Strahlung beim AKW Fukushima 1 erreicht neue Höchstwerte.
Die Techniker müssen das Kernkraftwerk verlassen, kehren
aber Stunden später wieder zurück.
12:59 Uhr: Ein starkes Nachbeben erschüttert die Region östlich
von Tokio bei Chiba.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
17. März (Tag 7)
01:20 Uhr: IAEA-Chef Yukiya Amano nennt die Lage „sehr
ernst“ und kündigt seinen Besuch in Japan an.
03:11 Uhr: Im Abklingbecken des Reaktors 4 steigt die Radioaktivität
wegen fehlendem Kühlwasser an.
11:02 Uhr: In Fukushima 1 wird mit Armee-Hubschraubern ein Kühlversuch
über dem Reaktor 3 begonnen und schnell wieder abgebrochen.
Elf Wasserwerfer der Streitkräfte sollen das Reaktorgebäude
4 mit dem Abklingbecken kühlen.
Anzahl der Nachbeben
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2. Woche (18.-25. März 2011)
18. März (Tag 8)
02:00 Uhr: Japan führt Strahlentests für Nahrungsmittel
ein.
03:30 Uhr: Es gelingt, ein Stromkabel in den Reaktor 2 zu verlegen.
14:00 Uhr: Der zweite Kühlversuch am Reaktor 3 mit Wasserwerfern
der Tokioter Feuerwehr und der Armee wird aufgenommen.
18:32 Uhr: Japan stuft die Gefährlichkeit der Atomunfälle
auf Stufe 5 hoch.
18:54 Uhr: Ein Diesel-Generator soll demnächst die Reaktoren
5 und 6 mit Wasser versorgen.
20:00 Uhr: Ministerpräsident Kan spricht zur Bevölkerung:
Die Lage sei weiter „sehr ernst“, werde aber „in
nicht weiter Ferne“ unter Kontrolle gebracht.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
19. März (Tag 9)
00:45 Uhr: Die Feuerwehr versucht weiter den Reaktor 3 von Fukushima
1 zu kühlen.
13:27 Uhr: Das Büro des japanischen Premierministers versendet
auf Twitter eine Art Anti-Panik-PDF in der gezeigt wird, welchen
Strahlungsdosen Menschen bei Röntgenaufnahmen oder Langstreckenflügen
ausgesetzt sind - so sollen die Nachrichten über Fukushima
1 in Relation gesetzt werden können.
Trilaterales Aussenministertreffen von Japan, China und Südkorea
in Kyoto, um einen AKW-Pakt zu vereinbaren
16:30 Uhr: Lokale Behörden haben im Leitungswasser nahe Fukushima
1 erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Man
solle das Wasser nicht mehr trinken.
19:20 Uhr: Japans Atombehörde warnt für Sonntag und
Montag vor radioaktivem Regen.
Anzahl der Nachbeben
M=5,0 M=6,0 M=7,0
20. März (Tag 10, Sonntag)
Das Abklingbecken von Block 2 von Fukushima 1 sei mit Meerwasser
aufgefüllt worden. Über das Notstromnetz seien die Pumpen
zur Wasserkühlung des Meilers in Gang gesetzt worden.
Die Kühlung im Reaktor 5 von Fukushima 1 sei stabilisiert
worden, teilten die Behörden mit. Zuvor war dies bereits
für Reaktor 6 bekannt gegeben worden.
Wieder wurde von der Feuerwehr Wasser über/auf den Reaktor
3 gespritzt.
14:39 Uhr: Ministerpräsident Naoto Kan kündigt für
Montag einen Besuch in der Region nahe vom Atomkraftwerk Fukushima
1 an.
Der Betreiber teilt mit, dass in zwei von sechs Abklingbecken
für verbrauchte Brennelemente im Kernkraftwerk Fukushima
1 die Temperaturen in einen normalen Bereich abgesunken seien.
Bisher sind bei Rückkehrern aus Japan auf dem Frankfurter
Flughafen keine überhöhten Strahlenwerte gemessen worden.
18:23 Uhr: Die jap. Regierung empfiehlt, das Trinkwasser in Fukushima
nicht zu trinken.
22:20 Uhr: Ministerpräsident Kan sagt den Besuch des Katastrophengebiets
wegen des erwarteten Regens wieder ab.
21. März (Tag 11)
Die Messwerte in Fukushima 1 übersteigen die erlaubten
Grenzwerte um das 6-fache
22. März (Tag 12)
09:39 Uhr: Messwerte weisen radioaktive Substanzen im Meereswasser
bei Fukushima 1 nach
23. März (Tag 13)
Da über dem Reaktor 3 von Fukushima 1 schwarzer Rauch aufsteigt,
sind nach Angaben des Betreibers TEPCO die Arbeiter angewiesen
worden, das Gelände erneut vorübergehend zu verlassen.
Die jap. Regierung empfiehlt, das Trinkwasser in Tokio Kindern
und Säuglingen wegen der gemessenen erhöhten Radioaktivität
nicht zum Trinken zu geben.
24. März (Tag 14)
01:38 Uhr: Arbeiten am Unglücksreaktor 3 gehen weiter -
nach einer fast eintägigen Pause seien die Ingenieure auf
das Geländer zurückgekehrt, meldet die Nachrichtenagentur
Kyodo.
Singapur und Australien verbieten den Import von Gemüse aus
vier japanischen Präfekturen.
3. Woche
25. März (Tag 15)
Japans Ministerpräsident Kan "entschuldigt sich"
für den GAU.
26. März (Tag 16 )
Insgesamt ist in vier der sechs Reaktorblöcke des AKW Fukushima
1 radioaktiv belastetes Wasser festgestellt worden. Der Wasserpegel
bei Reaktor 1 und 3 würde im Untergeschoss der Turbinenräume
bis zu 40 Zentimeter beziehungsweise bei 1,5 Meter liegen, meldet
die dpa. In den Reaktorblöcken 2 und 4 stehe das Wasser bis
zu einem Meter beziehungsweise bis zu 80 Zentimeter hoch. Der
Grund, warum das Wasser stark radioaktiv belastet ist, ist offiziell
unklar.
27. März (Tag 17, Sonntag)
Die Radioaktivität an Reaktor 2 des AKW Fukushima1 ist so
stark erhöht, dass die Arbeiten dort unterbrochen wurden.
Die nach den Explosionen in Block 1 und 3 auf dem Gelände
gemessene Dosisleistung (d. h. Strahlendosis pro Zeiteinheit)
betrug zwischen 20 µSv/h und 4 µSv/h. Nach der Explosion
von Block 2 stieg die Dosisleistung kurzzeitig auf über 8
mSv/h, was das 16-fache des Grenzwerts von 500 µSv/h bedeutet,
sank jedoch kurzzeitig wieder ab. Am Morgen des 15. März
um 09:10 Uhr Ortszeit stieg die Strahlung nach der Explosion am
Block 4 zeitweise auf 11,9 mSv/h und an einem Messpunkt direkt
zwischen Block 3 und 4 wurden 400 mSv/h gemessen. Am Morgen des
16. März stieg die Strahlenexposition auf dem Kraftwerksgelände
auf bis zu 1 Sv/h.
Im Vergleich liegt die natürliche Strahlenexposition bei
etwa 2,4 mSv pro Jahr, ein körperlicher Frühschaden
ist ab einer Gesamt-Äquivalentdosis von 200 bis 300 mSv beim
Menschen medizinisch nachweisbar, jedoch besteht auch bei geringeren
Dosen ein Strahlenrisiko. Ab einer Einzelfall-Gesamt-Äquivalentdosis
von 500 mSv tritt akute Strahlenkrankheit in Form von Übelkeit
und Erbrechen auf. Ab einer Gesamtdosis von 1 Sv versterben 10
% der Personen innerhalb von 30 Tagen (LD 10/30). Eine einzelne
Gesamtdosis von 6 Sv ist stets tödlich (LD 100).
Die vorherrschenden ablandigen Winde sorgten dafür, dass
die am Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi austretenden radioaktiven
Wolken im wesentlichen auf den Pazifik hinausgetrieben wurden.
Zeitweise erhöhte Radioaktivitätswerte in der Luft am
Kernkraftwerk Onagawa wurden auf die Freisetzungen vom Kernkraftwerk
Fukushima-Daiichi zurückgeführt. Messungen vom 14. März
2011 auf dem Flugzeugträger USS Ronald Reagan 160 km vor
der Küste bestätigen dies. Auf Grund der gemessenen
Strahlenexposition sah sich die US-Navy veranlasst, für ihre
sich auf dem Weg nach Fukushima befindlichen Schiffe die Route
zu ändern. Eine vorübergehende Winddrehung auf Nordost
am 15. März. war in den japanischen Medien Anlass für
die Verbreitung von Verhaltensmassnahmen im Falle einer über
Tokio ziehenden radioaktiven Wolke.
Der Vorfall wurde von der Japanischen Atomaufsichtsbehörde
bisher als INES Stufe 4 („Unfall“) von max. 7 („Katastrophaler
Unfall“) eingestuft und wurde seit dem nicht an die aktuelle
Lage angepasst. Diese Einschätzung der japanischen Behörden
wird von der französischen Kontrollbehörde für
Nuklearsicherheit ASN angezweifelt, deren Präsident André-Claude
Lacoste den Zwischenfall mit Stufe 5 („Ernster Unfall“)
oder Stufe 6 („Schwerer Unfall“) einstuft.
Im Laufe des 15. März 2011 stieg die Strahlung kurzfristig
auf einen so hohen Wert, dass zwischenzeitlich alle rund 50 verbliebenen
Techniker das Gelände von Fukushima-Daiichi komplett verlassen
mussten und die Bewässerung der Reaktoren ganz eingestellt
wurde. Nach einstündiger Räumung nahmen sie ihre Arbeit
erneut auf. Das Japanische Gesundheitsministerium setzte die zulässige
Gesamt-Äquivalentdosis für die im Kernkraftwerk tätigen
Arbeiter von 100 auf 250 mSv herauf.
Japan bat Südkorea um die Lieferung von 52 Tonnen des Halbmetalls
Bor. Die Chemikalie absorbiert Neutronen, verlangsamt die Kernspaltung
und soll die Reaktoren so zusätzlich abkühlen.
Evakuierungsmassnahmen
Nachdem die Japanische Regierung am 11. März 19:03 Uhr
(Ortszeit) den Nuklearen Notfallzustand ausgerufen hatte, verfügte
die Notfalleinsatzzentrale (Emergency Response Headquarter) der
Präfektur Fukushima um 20:50 die Evakuierung der Bevölkerung
in einem Radius von 2 km um das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi.
Später wurde dieser Radius dann auf Weisung des Premierministers
schrittweise von zwei (11. März 20:50) auf drei (11. März
21:23) auf zehn (12. März 5:44) und zuletzt zwanzig (15.
März 11:00) Kilometer erweitert. Bewohner in einem Umkreis
von dreissig Kilometern wurden darüberhinaus aufgefordert
in ihren Häusern zu bleiben. Von den Evakuierungsmassnahmen
sind insgesamt circa 80.000 Einwohner betroffen, wovon 28.000
Einwohner noch zu evakuieren sind (Stand 17. März).
Reaktorblock 1
Zustand des Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi am 17. März
2011 um 16:00 Uhr
Der Dampfdruck wurde teilweise in das Containment abgelassen,
wo er sich in Block 1 von 4 bar auf 8,4 bar erhöhte. Daraufhin
wurde Dampf aus dem Sicherheitsbehälter und Reaktorgebäude
abgelassen. Am 12. März wurde ausgetretenes radioaktives
Caesium und Iod gemessen, was auf eine Beschädigung der Brennelemente
schliessen lässt.
Am 12. März kam es um 15:36 Uhr (Ortszeit) im Reaktorblock
1 zu einer Knallgas-Explosion, die die äussere Hülle
des Reaktorblocks zerstörte und Menschen verletzte. Die Sicherheitshülle
des Reaktorkerns soll jedoch unbeschädigt geblieben sein.
Daraufhin wurde am 12. März 11:00 Uhr (Ortszeit) mit der
Einleitung von Meerwasser über das Feuerlöschsystem
begonnen. Diese Massnahme wurde am 14. März um 1:10 Uhr zeitweilig
unterbrochen. Danach wurde die Einleitung wieder aufgenommen.
Reaktorblock 2
Am 14. März begann um 13:18 Uhr (Ortszeit) der Wasserspiegel
im Reaktorblock 2 zu sinken. Daraufhin wurde um 19:20 Uhr (Ortszeit)
mit der Einleitung von Meerwasser über das Feuerlöschsystem
in die Reaktordruckkammer begonnen. Um 22:50 Uhr (Ortszeit) begann
der Wasserspiegel in der Reaktordruckkammer wieder zu steigen.
Am 15. März um 06:10 Uhr (Ortszeit) ereignete sich im Reaktorblock
2 eine Explosion. Dabei wurde sehr wahrscheinlich die Schutzhülle
des Reaktors beschädigt. Infolge der Explosion kam es zu
einer fast vollständigen Verdampfung des Kühlwassers.
Die Wasserzuleitung über das Feuerlöschsystem wurde
jedoch nicht beeinträchtigt, so dass der Wasserspiegel in
der Reaktordruckkammer wieder angehoben werden konnte.
Nach der Explosion wurden laut IAEA auf dem Anlagegelände
bis zu 400 mSv/h gemessen. Das JAIF berichtete von 30 mSv/h zwischen
Block 2 und 3, 400 mSv/h neben Block 3 und 100 mSv/h neben Block
4. Aufgrund eines Druckabfalls im Sicherheitsbehälter wird
von einer Beschädigung der Kondensationskammer ausgegangen.
Nach Angaben von Betreibergesellschaft TEPCO waren ca. 33% der
Brennelemente beschädigt, sie führte eine Teilevakuierung
der Arbeiter durch.
Reaktorblock 3
Am Morgen des 13. März fiel auch im Reaktorblocks 3 die
Notkühlung aus. Daraufhin wurde um 11:55 Uhr (Ortszeit) mit
der Einleitung von Frischwasser über das Feuerlöschsystem
in die Reaktordruckkammer begonnen. Ab 13:12 Uhr (Ortszeit) wurde
Meerwasser anstelle von Frischwasser verwendet. Am 14. März
um 01:10 Uhr (Ortszeit) musste die Wassereinleitung in die Reaktorkammer
abgebrochen werden, da das Meerwasserbecken leergepumpt worden
war. Um 3:20 Uhr (Ortszeit) konnte die Meerwassereinspeisung wieder
aufgenommen werden.
Am 14. März um 11:01 Uhr (Ortszeit) kam es dort ebenfalls
zu einer Knallgas-Explosion, bei der die äussere Hülle
zerstört wurde. Dabei wurde zunächst vermutet, dass
auch die Sicherheitshülle des Reaktorkerns beschädigt
wurde.
Am 16. März um 8:30 Uhr (Ortszeit) stiegen dichte Dampf/Rauchschwaden
aus dem Reaktorblock 3 hervor. Da zunächst eine mögliche
Beschädigung der Sicherheitshülle nicht ausgeschlossen
werden konnte, wurde um 10:45 Uhr (Ortszeit) das Bedienungspersonal
aus dem Zentralen Kontrollraum für Block 3 und 4 evakuiert.
Um 11:30 (Ortszeit) kehrte die Mannschaft wieder an ihren Arbeitsplatz
zurück. Die Meerwassereinspeisung wurde fortgesetzt.
Im Reaktor 3 werden Mischoxid-Brennelemente verwendet, die eine
Mischung aus Urandioxid und Plutoniumdioxid enthalten.
Reaktorblock 4
Am 15. März 2011 gegen 6:00 Uhr (Ortszeit) brach im abgeschalteten
Reaktorblock 4, in dem auch abgebrannte Brennstäbe lagern,
im 4. Stockwerk des Gebäudes ein Feuer aus, das jedoch gegen
11:00 Uhr (Ortszeit) von alleine erlosch. Die japanische Nachrichtenagentur
Jiji Press berichtet, dass es zwei acht Quadratmeter grosse Löcher
in der Aussenwand des Reaktors gebe. Ursache des Brandes waren
die Eigenwärme der Brennstäbe und die Bildung von Wasserstoff
an den Brennstäben. Die Einleitung von Meerwasser zur Kühlung
wurde vorbereitet.
Am 16. März 2011 brach gegen 5:45 Uhr (Ortszeit) im Reaktorblock
4 erneut ein Feuer aus, welches jedoch um 6:15 Uhr (Ortszeit)
nicht mehr nachweisbar war. Gegen 14:00 Uhr (Ortszeit) musste
die Wassereinspeisung in das Abklingbecken mit den dort lagernden
Brennstäben aufgegeben werden. Daher versuchen Japanischen
Streitkräfte die Brennstäbe in den Abklingbecken der
Reaktoren 3 und 4 anfangs mit polizeilichen Wasserwerfern, später
mit speziellen Sonderlöschfahrzeugen und zwei Chinook-Hubschraubern
mit Löschbehältern zu kühlen. Die Vereinigten Staaten
beabsichtigen ausserdem zur Inspektion eine hochfliegende Global-Hawk-Drohne
zu schicken.
Reaktorblöcke 5 und 6
Am 15. März 2011 traten in den Reaktorblöcken 5 und
6 Kühlprobleme in den Zwischenlagern mit den dort gelagerten
Brennelementen auf. Die Einleitung von Meerwasser zur Kühlung
wird vorbereitet.
Fukushima-Daini
Im Fukushima-Daini (Fukushima II) weisen die Reaktorblöcke
1 und 2 Störungen im Kühlsystem auf. Von den Reaktorblöcken
3 und 4 werden keine Probleme gemeldet. Auf Grund der Störungen
wurde auch um das Kernkraftwerk Fukushima-Daini die Evakuierung
im Radius von 10 Kilometer angeordnet, der nahezu vollständig
innerhalb des 20 Kilometer weit reichenden Evakuierungsradius
um das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi liegt. Ein Kranführer
stürzte ab und verstarb. Die Betreibergesellschaft TEPCO
teilte am 15. März 2011 mit, dass die Kühlsysteme in
allen 4 Reaktorblöcken einwandfrei funktionieren.
Die IAEO/IAEA teilte am 12. März gegen 21 Uhr (MEZ) mit,
dass – zusätzlich zu den Evakuierungen im Umkreis von
Fukushima I – bislang etwa 30.000 Anwohner innerhalb des
10-km-Radius um Fukushima II evakuiert wurden und dass die Evakuierungsmassnahmen
noch nicht abgeschlossen seien.
Seit dem 15. März 18:00 Uhr (Ortszeit) sind alle 4 Blöcke
des Kernkraftwerks im kalten Zustand abgeschaltet.
Onagawa
Im Kernkraftwerk Onagawa brach im konventionellen Teil der Anlage
ein Brand im vom Reaktor getrennt stehenden Turbinengebäude
aus, der bald unter Kontrolle gebracht werden konnte. Seit dem
12. März 1:17 Uhr (Ortszeit) sind alle 3 Blöcke des
Kernkraftwerks im kalten Zustand abgeschaltet.
Am 13. März meldete der Betreiber Tohoku Denryoku der IAEO,
dass in der Umgebung des Kraftwerks erhöhte Werte an Radioaktivität
gemessen wurden und erklärte deswegen einen Störfall
der niedrigsten Stufe.
Tokai
Im Kernkraftwerk Tokai fielen am 13. März 2011 zwei von
drei Kühlpumpen im Reaktorblock 2 aus. Eine Pumpe arbeitet
weiterhin. Der Reaktor ist seit dem 15. März 0:40 Uhr (Ortszeit)
im kalten Zustand abgeschaltet. Der Reaktorblock 1 wurde schon
1998 stillgelegt.
(verändert, nach Wikipedia)