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Finanzkrise und Weltwirtschaftskrise

Es werden Eurobonds gefordert!

Die Finanzkrise ab 2007 ist eine Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Frühjahr 2007 mit der US-Immobilienkrise (auch Subprimekrise) begann. Die Krise war unter anderem Folge eines spekulativ aufgeblähten Wirtschaftswachstums in den USA und einer weltweiten kreditfinanzierten Massenspekulation. Die Krise äusserte sich weltweit zunächst in Verlusten und Insolvenzen bei Unternehmen der Finanzbranche. Ihren vorläufigen Höhepunkt hatte die Krise im Zusammenbruch der US-amerikanischen Grossbank Lehman Brothers im September 2008. Die Finanzkrise zwang mehrere Staaten, grosse Finanzdienstleister (darunter unter anderem AIG, Fannie Mae, Freddie Mac, UBS und die Commerzbank) durch staatliche Fremd- und Eigenkapitalspritzen am Leben zu erhalten.



Die Krise übertrug sich in der Folge in Produktionssenkungen und Unternehmenszusammenbrüchen auf die Realwirtschaft. Viele Unternehmen, wie der Autohersteller General Motors, meldeten Konkurs an und entliessen Mitarbeiter. Die ohnehin hohe Staatsverschuldung vieler Staaten stieg krisenbedingt stark an. Mehrere Länder der Eurozone konnten ihre Zahlungsfähigkeit nur durch internationale Hilfskredite aufrechterhalten (Euro-Krise 2010).

Im April 2009 schätzte der Internationale Währungsfonds (IWF) die weltweiten Wertpapierverluste infolge der Krise auf vier Billionen US-Dollar. Eine Studie der Deutsche Bank Research bezifferte die krisenbedingte Minderung des Welt-BIPs auf vier Billionen US-Dollar.




Entstehung und Verlauf der Finanzkrise

Übersicht über die Entstehung der US-Immobilienkrise und ihre Auswirkungen
Platzen der Dotcom-Spekulationsblase im Jahr 2000. Viele US-Aktien stürzen ab. Geld wird dem Aktienmarkt entzogen.

Die US-Zentralbank reagiert auf die Krise und vergibt Geld an US-Banken zu sehr niedrigen Zinsraten, um Liquidität in die Finanzmärkte zu bringen. Nach dem Einbruch des Aktienmarktes wird nach neuen Anlagemöglichkeiten gesucht.

Das billige Geld der US-Zentralbank führt zur Ausweitung der Kreditgewährung von Banken auch an Darlehensnehmer mit immer geringerer Bonität ("Subprime-Kredite"). Kontrolle der Kreditwürdigkeit schwindet. US-Banken vergeben Verbrauchern Kreditkarten mit Niedrigzinskonditionen.

Boom-Phase des US-Immobilienmarktes. Häuserkauf und Konsum von US-Bürgern auf Kreditbasis. Bildung einer Immobilienpreisspirale. Das Kreditrisiko der US-Banken wird zunehmend an Dritte (auch ausländische Anleger) ausgelagert über Mortgage Backed Securities (MBS) und Collateralized Mortgage Obligations (CMOs).

Platzen der kreditinduzierten Immobilienblase im Jahr 2007. US-Bürgern fällt es schwer, ihre Kredite zu bedienen oder zurückzuzahlen. Zahlungsausfälle und Zahlungsstörungen im US-amerikanischen Hypothekenmarkt, insbesondere im Subprime-Segment.

Verluste und negative Ratingänderungen von forderungsbesicherten Wertpapieren und ABCP.

Illiquidität von ABCPs und forderungsbesicherten Wertpapieren sowie Ausweitung der Risikoaversion von Investoren gegenüber kreditrisikobehafteten Anlageinstrumenten.

Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers. Kurseinbrüche an den Börsen. Vertrauenskrise im Interbankenmarkt, Geldmarktliquiditätsengpässe.

Refinanzierungsprobleme von Banken und hohe Neubewertungsverluste von kreditrisikobehafteten Anlageinstrumenten. Insolvenzen u. a. der Washington Mutual und Kaupthing Bank.

Rezession mit Arbeitsplatzabbau in Unternehmen; Unternehmensinsolvenzen durch sinkende Kreditvergabe für kreditrisikobehaftete Anlagen und wegen Deleveraging seitens der Banken.

Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten erreicht höchsten Stand seit vierzig Jahren seit Beginn der statistischen Erfassung 1967.

Die US-Zentralbank vergibt Geld zu sehr niedrigen Zinsraten. Banken können wieder spekulieren und melden Rekordgewinne. Aus der US-Immobilienkrise entwickelte sich eine Krise in den europäischen Ländern und die Gefahr einer Währungskrise.
Niedrige Zinssätze nach dem Ende der Dotcom-Blase
Der Krise ging weltweit ein längerer Zeitraum vergleichsweise niedriger realer und nominaler Zinssätze voraus. Die US-Notenbank Fed reagierte auf den Absturz der US-Börse nach der geplatzten Dotcom-Blase der New Economy mit einer Niedrigzinspolitik, um die US-Konjunktur zu stimulieren (?Konjunkturpolitik). Dies sorgte für eine erneute Preisblase, diesmal am Immobilienmarkt (?Immobilienblase), deren Platzen als der unmittelbare Anlass für die 2007 offen ausbrechende Finanz- und Bankenkrise gilt.
Weltweit reichliche Ersparnisse suchten nach Rendite auf den Finanzmärkten und führten zu einer (aus heutiger Sicht) Unterschätzung der mit Krediten verbundenen Risiken („saving glut“ oder Sparschwemme). Im Juni 2003 wurde die Federal Funds Rate auf 1 % abgesenkt. Dazu kommt, dass das Aussenhandelsdefizit der USA durch Kapital finanziert wurde, das auf dem US-Kapitalmarkt angelegt wurde, was die Zinssätze in den USA niedrig hielt. So legte China seine Erlöse aus seinem Exportüberschuss in den USA in Staatspapieren an, was die Effektivverzinsung von Staatspapieren drückte. Ein Anlagenotstand in Form von „relativ spärlicher werdenden Realinvestitionen“ trieb ebenfalls die Kurse nach oben und die Effektivverzinsung nach unten.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stellt in ihrem Jahresbericht vom Juni 2008 fest, dass die Zentralbanken in den fortgeschrittenen Ländern angesichts ungewöhnlich niedriger Inflationsraten sehr lange die Leitzinsen niedrig hielten. Diese Politik niedriger Zinsen wurde in den USA auch damit begründet, dass eine Deflation die inzwischen hoch verschuldeten Haushalte und Unternehmen stark belasten würde. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise schreibt dazu die BIZ: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Abbau der Kreditblase nach einer vorübergehend höheren Inflation in eine Deflation mündet, die – insbesondere angesichts des hohen nominalen Ausgangsniveaus an Schulden – schwer zu bewältigen sein könnte. Aufgrund derartiger Überlegungen machen sich nicht zuletzt in den USA manche für einen besonders energischen Einsatz der geldpolitischen Lockerung als ‚Versicherung‘ gegen eine solche wenig wahrscheinliche, aber sehr kostspielige Entwicklung stark.“
Die niedrigen Zinsen hätten nicht zu einer Abwertung der Währungen dieser fortgeschrittenen Länder geführt, weil die „aufstrebenden Volkswirtschaften“ gegen eine Aufwertung ihrer Währungen intervenierten (Bretton-Woods-II-Regime). China kaufte 2007 460 Mrd. Dollar. Die Währungsreserven Chinas und des Industriestaats Japan, der eine vergleichbare Strategie verfolgte, stiegen somit auf jeweils mindestens 1 Bio. US-Dollar. Um seinen Export zu fördern, hält Japan den Leitzins seit Jahren sehr niedrig, was den Kurs der japanischen Währung niedrig hält. Investoren nutzen dies, um in Japan billige Kredite aufzunehmen und damit in anderen Wirtschaftsräumen Vermögenswerte aufzukaufen. Insgesamt hat dies zusammen mit Finanzmarktinnovationen zu den hohen Vermögenspreisen geführt. Hohe Vermögenspreise entsprechen einer niedrigen Effektivverzinsung, die langfristigen Zinssätze blieben niedrig. Als Mitte 2004 die US-Konjunktur so gefestigt war, dass die US-Zentralbank daran ging, den Leitzins anzuheben, führte dies aus diesen Gründen nicht, wie beabsichtigt, auch zu einem Anstieg der langfristigen Zinssätze, so dass sich die Immobilienhausse fortsetzte.
Ausweitung der Kreditvergabe an Schuldner mit mässiger Bonität


Werbung eines Hypothekenmaklers für Kreditnehmer mit geringer Bonität. Sinnhafte Übersetzung: "Kein Nachweis über Einkommen erforderlich, Vergabe von Hypothekarkrediten auch bei schlechter Kreditrückzahlung in der Vergangenheit."
Wegen des niedrigen Zinsniveaus konnten sich untere Einkommensschichten ein Eigenheim leisten. Ermutigt durch den niedrigen Leitzins der US-Notenbank und durch die Politik (Kontroverse um Community Reinvestment Act) vergaben US-Banken Kredite mit variablem Zinssatz an Schuldner mit mässiger Bonität. Wegen des niedrigen Zinsniveaus waren die Raten zunächst niedrig. Das Risiko einer Zinserhöhung lag bei den Schuldnern, denen dies häufig nicht bewusst war.
Wegen der steigenden Nachfrage stiegen die Preise von Immobilien und damit deren Wert als Kreditsicherheit. Die Banken nutzten diese Entwicklung, um den Schuldnern Zusatzkredite zu verkaufen. Darüber hinaus wurden Kredite an Kunden mit schlechter Bonität vergeben. Bei stetig steigenden Immobilienpreisen kann im Falle einer Zahlungsunfähigkeit die Immobilie zu einem höheren Marktwert verkauft werden. Die Banken waren bei steigenden Preisen abgesichert und Schuldner glaubten daran, im Notfall ihr Haus mit Gewinn weiterverkaufen zu können. Einige Banken spezialisierten sich auf zweitklassige Hypothekenkredite (Subprime Loans).
Die Immobilienhausse führte so zu einer Belebung der Bauindustrie und der Konsumnachfrage. 2005 erreichten die Wohnungsbauinvestitionen in den USA einen Höchstwert von über 6 % Anteil am Bruttoinlandsprodukt und überboten so erstmals den Rekordwert des Jahres 1960. 1991 lag dieser Anteil bei einem Tiefpunkt von 3,5 %. Nach 2005 ging dieser Anteil dann wieder zurück.
Verbriefung von US-Hypothekenkrediten
Um das notwendige Kapital für neue Kredite zu beschaffen, wurden Kreditforderungen in grossem Stil verbrieft. Hierbei gaben die Kredit gebenden Banken die Zahlungsansprüche aus den Hypothekenkrediten zusammen mit deren Kreditrisiken an Investoren – andere Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Vermögensverwalter – weltweit weiter. Dies geschah, indem die Ansprüche und Risiken aus ganzen Portfolien von Hypothekenkrediten in Zweckgesellschaften (auch Special Purpose Vehicle, Conduit) eingebracht wurden und dann als Mortgage Backed Securities (MBS), einer Form von forderungsbesichertem Wertpapier, an die Investoren weitergegeben wurden. Um die MBS bei Investoren platzieren zu können, wurden diese Papiere von Ratingagenturen bezüglich ihrer Bonität beurteilt. Die normalerweise von den verbriefenden Banken beauftragten Agenturen arbeiteten dabei eng mit diesen zusammen mit dem Ziel, so die Verbriefung zu strukturieren und damit möglichst grosse Tranchen mit gutem Rating zu erhalten (siehe auch Credit Enhancement).
Für die Investition in eine Verbriefung mussten Finanzinstitutionen, die bankaufsichtlichen Eigenkapitalregeln unterliegen, weniger Eigenkapital halten als bei einer direkten Kreditvergabe. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beschreibt dies so, dass über die Auslagerung dieser Geschäfte aus den Bankbilanzen mit Hilfe der als „Schattenbanken“ bezeichneten Zweckgesellschaften bankaufsichtsrechtliche Regeln zur Risikostreuung und zur Absicherung durch Eigenkapital umgangen werden konnten.
Verbriefungen zweiter Stufe der Subprime-Kredite
In einem weiteren Schritt wurden die so gebildeten MBS-Tranchen wiederum in Zweckgesellschaften eingebracht und erneut verbrieft (Collateralized Debt Obligation (CDO) – Verbriefungen zweiter Stufe) und die entstehenden Tranchen bewertet. Ein diversifiziertes Portfolio bspw. aus verschiedenen MBS-Tranchen mit einer eher schlechten Bewertung ("Rating") von „BBB“ konnte in Form einer Collateralized Debt Obligation (CDO) wiederverbrieft werden, wobei die höchstrangige Tranche der CDO eine erstklassige Bewertung von „AAA“ erhielt. Insbesondere für europäische Banken waren Verbriefungen zweiter Stufe ein Mittel, am provisionsträchtigen Verbriefungsgeschäft teilzuhaben. Diese Banken hatten keinen guten Zugang zu amerikanischen Hypothekenkrediten. Deshalb griffen sie auf MBS zurück, um diese zu Paketen zu bündeln und in zweiter Stufe wiederzuverbriefen. Ausserdem wurden Programme aufgelegt, bei denen die in die Zweckgesellschaften eingebrachten Aktiva mit kürzerer Frist rollierend refinanziert wurden (über die Emission kurzfristiger Asset Backed Commercial Paper ABCP). Über ABCP konnten auch Mittel der Investoren mobilisiert werden, die ihr Kapital nur kurzfristig zur Verfügung stellen konnten oder wollten, wie zum Beispiel Geldmarktfonds. Da diese Fristentransformation die Gefahr barg, bei Fälligkeit der Emission keine Anschlussrefinanzierung zu erhalten (Liquiditätsrisiko), mussten Banken Garantien in Form von Liquiditätslinien bereitstellen, die die ABCP-Investoren bei Fälligkeit ihrer Papiere vor Verlusten schützten und die für die Garantiegeber zunächst eine Ertragsquelle darstellten (vgl. IKB Deutsche Industriebank, SachsenLB). Diese Garantien wurden normalerweise rollierend mit einer Laufzeit von 364 Tagen gestellt, da die bankaufsichtlichen Regeln vor dem Inkrafttreten von Basel II für solche ausserbilanziellen Verpflichtungen mit einer Laufzeit unter einem Jahr kein Eigenkapital forderten. Es konnten also Erträge generiert werden, ohne dass bankaufsichtliches Eigenkapital dafür in Anspruch genommen wurde.
Zahlungsausfälle der Subprime-Kredite
Die wirtschaftliche Abschwächung in den USA etwa ab 2005, sinkende Wachstumsraten bei der Arbeitsproduktivität in den USA und anderen Ländern, in den USA insbesondere in der Bauwirtschaft, und der spätere Anstieg des US-Leitzinses auf bis zu 5,25 % im Juni 2006 löste eine Kettenreaktion aus. Einkommensschwache Schuldner konnten die gestiegenen Raten für ihre variabel verzinslichen Kredite nicht mehr bezahlen und mussten ihr Haus verkaufen. Wegen der zunehmenden Immobilienverkäufe brachen die Häuserpreise – Höhepunkt war Juli 2006 – ein, und durch den fallenden Wert der Immobilien hatten die Banken und Investoren zunehmend ungesicherte Kreditforderungen. Die Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern bescherte den Banken und den Investoren nun Verluste.
Im Frühjahr 2007 erreichten in den Vereinigten Staaten die Zahlungsausfälle auf Subprime-Kredite den höchsten Stand der letzten Jahre. Einige Immobilienfonds, die in strukturierte Finanzprodukte investiert hatten, setzten die Annahme von Fondsanteilen aus, weil sie sonst in finanzielle Schwierigkeiten geraten wären. Im Juni 2007 teilte Bear Stearns den Kunden zweier seiner Hedgefonds mit, dass die Einlagen, die Ende 2006 noch mit 1,5 Mrd. US-Dollar bewertet worden waren, jetzt fast nichts mehr wert seien. Dutzende Baufinanzierer, die sich gerade auf diese Kredite spezialisiert hatten, mussten Gläubigerschutz beantragen.
Insgesamt schätzte der Internationale Währungsfonds im Oktober 2008 den Wertverfall von Subprime-Hypotheken auf 500 Mrd. US-Dollar und den von Prime-Hypotheken auf weitere 80 Mrd. Dollar. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hält diese Summe im Vergleich zur Grösse des weltweiten Finanzmarktes für nicht sehr gross. Auch sei der Wertverlust der hypothekenbesicherten Wertpapiere von 500 Mrd. US-Dollar, so die IWF-Schätzung vom Oktober 2008, deutlich höher, als tatsächlich an Ausfällen bei den zugrunde liegenden Hypotheken zu erwarten sei. Der hohe Preisverfall der hypothekenbesicherten Wertpapiere sei daher gekommen, dass Käufer diese Papiere aus Vorsicht auch zu niedrigeren Preisen nicht mehr kaufen wollten. Zu dieser Vorsicht trug die Komplexität und Intransparenz dieser Wertpapiere bei sowie die Tatsache, dass viele Papiere ausserbörslich gehandelt wurden, so dass eine Marktpreisbildung und damit eine Bewertung der Papiere überhaupt schwierig war.
Die Wertverluste gingen dann unmittelbar in die Bankbilanzen ein und minderten das Eigenkapital der Banken. Um den Regulierungsanforderungen bzgl. Eigenkapitalreserven genügen zu können oder um überhaupt das Verhältnis von Eigenkapital zu Forderungen stabil zu halten, waren die Banken gezwungen, entweder neues Eigenkapital zu beschaffen oder andere Vermögenswerte zu verkaufen, was deren Preise senkte. Dieses Deleveraging – die Banken mussten bei Wertverlusten von Forderungen ein Vielfaches an Vermögenswerten abstossen, um das alte Verhältnis von Eigenkapital zu Forderungsvolumen wieder herzustellen – führte zur „Implosion des Finanzsystems seit August 2007“.
Vertrauenskrise des Interbankenmarktes
Unter den Investoren waren nicht nur risikobereite Hedgefonds, sondern auch eher konservative Investmentfonds vertreten. Da aber insbesondere Hedgefonds stark in die stärker risikobehafteten Wertpapiertranchen investiert hatten, kam es bei diesen zu Verlusten, die teilweise zur Schliessung und Abwicklung der Hedgefonds führten. Aber auch Investmentbanken waren betroffen.
Die Schliessung von Hedgefonds und die Verluste bei den Investmentbanken führten zu einer Abnahme der Risikobereitschaft der Anleger. Diese zogen daraufhin in kurzer Zeit erhebliche Beträge aus dem Kapitalmarkt ab oder hielten sich mit neuen Investitionen in risikoreiche Anlagen zurück. Die abnehmende Risikobereitschaft der Investoren brachte die Refinanzierung der von Banken gegründeten Zweckgesellschaften zum Stillstand.


Inanspruchnahme der Einlagefazilität der Deutschen Bundesbank
Der Auslöser für die Krise war, dass im Juli und August 2007 die Inhaber der Commercial Papers nicht mehr bereit waren, diese nach Fälligkeit erneut zu erwerben. Die kurzfristigen Kredite wurden nicht weiter verlängert. Dadurch gerieten die Zweckgesellschaften unter Druck. Sie konnten aber auch die strukturierten Wertpapiere nicht mehr verkaufen, da sich dafür auch keine Käufer mehr fanden. Deshalb mussten die Zweckgesellschaften jetzt auf die Kreditzusagen der Banken zurückgreifen.
Dies trug zur Vertrauenskrise zwischen den Banken bei, die sich am Geldmarkt durch einen Anstieg der Geldmarktzinsen widerspiegelte. Am 9. August 2007 – dieser Tag gilt inzwischen als der Beginn der eigentlichen Finanzkrise – stiegen die Aufschläge für Interbankkredite im Vergleich zum Zentralbankleitzins weltweit, vor allem in den USA, sprunghaft an. Mit der Insolvenz von Lehman Brothers am 15. September 2008, nachdem eine staatliche Rettung ausgeblieben war, kam der Interbankenmarkt weltweit zum Erliegen. Kurzfristig überschüssige Liquidität wurde nicht mehr bei anderen Banken, sondern unter Inanspruchnahme der Einlagefazilität bei den Zentralbanken angelegt.
Auswirkungen auf die Realwirtschaft
Der IWF schätzte im April 2009 die Gesamtverluste auf 4,054 Billionen US-Dollar (3093 Mrd. Euro). Davon liegen die Verluste bei „giftigen“ US-Papieren bei etwa 2,7 Bill. US$, die Verluste aus europäischen Papieren werden mit etwa 1,2 Bill. US$ beziffert, die japanischen Papiere mit 150 Mrd. US$. Im August 2009 erhöhte der IWF seine Kalkulationen auf 11,9 Billionen US-Dollar, was fast einer Verdreifachung entspricht.
Im Verlauf des Jahres 2008 hat sich die Finanzkrise zunehmend auf die Realwirtschaft ausgewirkt. Effekte waren zunächst in den USA, dann in Westeuropa und in Japan sowie seit Herbst 2008 auf der ganzen Welt zu erkennen. In Folge verzeichneten die Aktienkurse weltweit ab Oktober 2008 nach einem ersten Einbruch aufgrund der Finanzkrise einen zweiten starken Rückgang aus Angst vor Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Auch auf den Rohstoffmärkten kam es vor allem ab Beginn des vierten Quartals 2008 zu starken Preisrückgängen. Die meisten Automobilhersteller in den Industrieländern haben Ende Oktober/Anfang November deutliche Produktionskürzungen angekündigt, um auf Absatzeinbrüche in zweistelliger Grössenordnung zu reagieren. Nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes befindet sich Deutschland nach zwei Quartalen mit negativen Wachstumsraten gegenüber den entsprechenden Vorjahresquartalen seit Oktober 2008 in einer Rezession. Nach Statistiken von Eurostat ging die Industrieproduktion in der Eurozone von ihrem Höhepunkt im Frühjahr 2008 bis zum Frühjahr 2009 um mehr als 20 % zurück. Der Rückgang der Industrieproduktion ist damit mehrfach stärker als im ersten Jahr der Weltwirtschaftskrise 1930 in Deutschland und den USA.
Auch hatte die Finanzkrise deutliche Auswirkungen auf die Prognosefähigkeit von Unternehmen. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Märkte hatten viele börsennotierte Unternehmen Schwierigkeiten, die für Ihre Geschäftsberichte im Lagebericht nach § 289 HGB erforderlichen Prognosen für das kommende Geschäftsjahr zu formulieren. Die Unternehmen mussten hier eine Gratwanderung vollziehen. Auf der einen Seite musste eine Prognose abgegeben werden, um die Anleger entsprechend den rechtlichen Vorschriften zu informieren, auf der anderen Seiten waren quantitative Ziele schwierig zu beziffern. Der Trend ging damit hin zu Prognosen, die auf verschiedenen Szenarien beruhten sowie vorwiegend von qualitativer Beschaffenheit waren. Unternehmen, die auch weiterhin quantitative Daten in ihren Prognosen kommunizierten, wurde vom Kapitalmarkt die Angabe von grösseren Spannen von bis zu 20% zugestanden.
Einschätzung von Dauer und Ausmass der Krise


Ausmass der Krise im Zeitraum 2007 bis 2008, dunkelrot: Länder die offiziell Rezession gemeldet haben, hellrot: gemeldeter Wirtschaftsabschwung um 0,1 % bis 1,0 %, blau: Länder die Wirtschaftswachstum gemeldet haben (Schätzungen des IMF, Stand Dezember 2008)
Am 9. Dezember 2008 senkte die Weltbank ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2009. Sie erwartete nur noch ein globales Wachstum von 0,9 Prozent, im Gegensatz zu 2,5 Prozent im Jahr 2008. Am 11. Juni 2009 senkte sie ihre Prognose abermals, von zuvor -1,75 % auf -3 %. Die jüngste Konjunkturprognose fällt damit noch negativer aus als die der Schwesterorganisation IWF: Man rechne mit der schlimmsten Krise seit der Grossen Depression in den 1930er Jahren. Neben einem Rückgang des weltweiten Handelsvolumens seien vor allem die Exportmöglichkeiten für Entwicklungsländer in die reicheren Staaten betroffen. Die EU-Kommission rechnete nach einer am 3. November 2008 veröffentlichten Prognose für 2009 bei den Ländern der Eurozone nur noch mit einem ganz geringen Wirtschaftswachstum von 0,1 %. Am 19. Januar 2009 verschärfte sie ihre Prognose auf -1,8 % für die Länder der EU insgesamt. Der IWF erwartet in seiner Prognose von Anfang November 2008 für 2009 die erste weltweite Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Am 23. April 2009 veröffentlichte die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose ihre mittelfristige Prognose bis 2013. Demnach erwarten diese Institute für 2009 einen Rückgang des BIP von 6 % und für 2010 von 0,5 % und bis 2013 wird das BIP in etwa das Niveau von 2008 wieder erreicht haben.
Auf nationalstaatlicher Ebene haben viele Regierungen im Laufe der Jahre 2008/2009 Konjunkturprogramme erarbeitet. Allgemein verzeichnet mit Frühjahr 2009 der auslösende Sektor des Geldwesens schon wieder positive Kennzahlen, seit Juli zeigen auch die „Wirtschaftsmotoren“ der Realwirtschaft (im Besonderen Automobilindustrie und Bauwesen in Europa) Anzeichen der Entspannung, es gilt – zumindest eine erste – Talsohle der Wirtschaftskrise durchschritten. Dafür verlagern sich die Probleme in den Industrienationen zum einen in den Tertiär- (Dienstleistung) und Quartärsektor (etwa die Tourismusbranche), zum anderen wirkt sich die Flaute zeitverzögert erst seit dem Frühjahr auch auf die Beschäftigtenzahlen und auf die Kenndaten des Konsums im Allgemeinen aus (um Weihnachten 2008, als die Bankenkrise schon in vollen Ausmass wirksam wurde, zeigten die Konsumdaten noch Rekordwerte, und die Fremdenverkehrs-Wintersaison 2008/2009 gilt noch als durchwegs positiv). Die US-Notenbank Fed rechnete durch die Finanzkrise mit einer Arbeitslosenquote mit bis zu 9,6 % für Ende 2009 in den USA, in der EU waren im Juli mit 9,5 % Arbeitslosenquote der höchste Stand seit zehn Jahren erreicht. Für Jahresende 2011 sah die Fed in ihren Berechnungen von Mai 2009 eine Arbeitslosenquote von bis zu 8,5 % voraus. Die steigende Arbeitslosigkeit verschärfte in den USA die Folgen der Krise. Die Sparquote der U.S.-Amerikaner stieg, die Konsumneigung fiel. Ab August 2009 fiel der Index des Konsumentenklimas der Universität Michigan, der im Frühjahr 2009 bereits gestiegen war, wieder. Ende August gab die OECD – wenn auch nur als „Zwischenbericht“ zum fundierteren Halbjahresbericht – das Minus des Wirtschaftswachstums für die G-7 mit 3,7 % (statt 4,1 % im Juli), für die Eurozone mit 3,9 % (statt 4,8 % – die EZB gab gleichzeitig 4,1 % statt zuletzt 4,6 %), für die USA unverändert 2,8 %. Inzwischen (Januar 2010) scheint die Finanzkrise abzuflauen, aber langsamer als von vielen vorhergesagt. Am 21. Januar 2010 prognostizierte der Chefökonom der Weltbank in einer "Globalen Wirtschaftsprognose 2010", dass in den Industrieländern das Bruttonationalprodukt im Jahre 2010 wieder um +1,8 % steigen werde (2011: um +2,3 %; im letzten Jahr war es um -3,3 % zurückgegangen).
Zunahme der Risikoaufschläge bei Staatsanleihen
? Hauptartikel: Euro-Krise 2010 und Europäischer Stabilisierungsmechanismus
Im Verlauf der Krise kam es zu einer Zunahme der Risikoaufschläge verschiedener europäischer Staaten (in der Folge als PIGS-Staaten bezeichnet) gegenüber deutschen Bundesanleihen. Um insbesondere einen Staatsbankrott Griechenlands infolge der griechischen Finanzkrise 2009/10 abzuwenden, einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Euroländer Anfang Mai 2010 auf ein Massnahmenpaket.
Im Rahmen des Europäischen Stabilisierungsmechanismus wurde ein gemeinsames Kreditpaket von EU, Euroländern und IWF mit der Gesamtsumme von 750 Milliarden Euro beschlossen. Die Europäische Zentralbank kündigte zudem an, im Notfall Staatsanleihen der Euro-Länder aufzukaufen.
Internationale Gegenmassnahmen

Koordinierung der Zentralbanken


Leitzinsen der EZB (rot) und des Federal Reserve Systems der USA (blau)
Seit Dezember 2007 stellt die Europäische Zentralbank (EZB) in Absprache mit der US-amerikanischen Federal Reserve den Banken US-Dollar zur Verfügung und nimmt dafür auf Euro lautende Wertpapiere als Sicherheit an, um die Lage auf dem Geldmarkt zu entspannen. Die EZB übernimmt insoweit Wechselkursrisiken der privaten Banken.
Am 18. September 2008 haben die Zentralbanken weltweit konzertiert mehr als 180 Milliarden US-Dollar angeboten, um Spannungen auf dem Geldmarkt zu lindern. Bei der Europäischen Zentralbank konnten die Banken am Donnerstag, 18. September 2008, bis zu 40 Milliarden US-Dollar für einen Tag aufnehmen, hinzu kommt ein Euro-Schnelltender mit einem offen gelassenen Volumen. Die Bank of Japan bietet erstmals US-Dollar an.
Ab Oktober 2008 senkten in einer konzertierten Aktion sieben der führenden Notenbanken, darunter die Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BoE) und die Schweizerische Nationalbank (SNB), weltweit die Leitzinsen. Seither erfolgten weitere Zinssenkungen, die die Leitzinsen auf ein seit Jahrzehnten nicht mehr erreichtes niedriges Niveau, teilweise den historischen Tiefstand gebracht haben.
Am 6. April 2009 stellte die EZB der Fed eine Swap-Linie in Höhe von 80 Mrd. US-Dollar in Euro bereit, die britische Notenbank gewährt 60 Mrd. Pfund, die Schweizer Notenbank stellt 40 Mrd. Franken und die japanische Zentralbank 10 Bio. Yen zur Verfügung. US-amerikanische Kreditinstitute können so zukünftig über die Fed auf Kredite in Auslandswährungen zurückgreifen. Die Massnahme der Notenbanken ergänzt die Massnahmen vom 18. September 2008 in umgekehrter Richtung. Damals hatte die Fed ausländischen Notenbanken Swaplinien von insgesamt 300 Mrd. US-Dollar eingeräumt.
Konjunkturprogramme
In vielen Ländern wurden im Rahmen der Finanzkrise umfangreiche Konjunkturprogramme und Finanzmarktstabilisierungsgesetze aufgelegt. In den USA sind es der Economic Stimulus Act of 2008 (Umfang des ESA: 150 Milliarden US-Dollar), der Emergency Economic Stabilization Act of 2008 (Umfang des EESA: 700 Mrd. US-Dollar) und der American Recovery and Reinvestment Act of 2009 (Umfang des ARRA: 787 Mrd. US-Dollar). In Deutschland sind es das Finanzmarktstabilisierungsgesetz (Umfang des FMStG: 400 Mrd. Euro), das Massnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ (Umfang des Konjunkturpaketes I: 50 Mrd. Euro) und das Konjunkturprogramm „Entschlossen in der Krise, stark für den nächsten Aufschwung“ (Umfang des Konjunkturpaketes II: 14 Mrd. Euro). Zur Stabilisierung der Beschäftigung wurden insbesondere die Möglichkeiten zur Kurzarbeit ausgeweitet. In Österreich wurden die Konjunkturpakete I und II und die Steuerreform 2009 (insgesamt knapp 12 Mrd. Euro) eingeführt.
Weltweit beträgt laut einer Studie von Deutsche Bank Research das gesamte, auf mehrere Jahre verteilte Volumen der Konjunkturprogramme etwa 2000 Mrd. US-Dollar. Ohne die Programme wäre laut DB Research der Rückgang an Bruttoinlandsprodukt erheblich stärker gewesen. Die krisenbedingte Minderung des BIPs beziffert die Studie mit „4000 Mrd.“ US-Dollar. Schliesslich kann der Bankensektor nur langsam saniert werden.
Hilfen für Banken
Im Rahmen der Krise wurden in den USA und Europa (temporäre) Notverstaatlichungen durchgeführt und sogenannte Bad-Bank-Konzepte (Abwicklungsbanken) eingeführt. In Deutschland wurde mit dem Finanzmarktstabilisierungsfortentwicklungsgesetz im Jahr 2009 die Möglichkeit geschaffen, dezentral für einzelne Kreditinstitute eine Bad Bank einzurichten. Diese soll problembehaftete strukturierte Wertpapiere aufnehmen oder auch ganze defizitäre Geschäftsbereiche sanierungsbedürftiger Banken abwickeln. Stützungsmassnahmen zugunsten von Finanzinstitutionen erhöhten den staatlichen Bruttoschuldenstand 2008 und 2009 insgesamt um 98 Mrd. Euro. Da es sich überwiegend um Kredite handelt, stehen dem entsprechende Forderungen an die Finanzinstitutionen gegenüber.
Seit Oktober 2008 werden Bankschuldverschreibungen weltweit zunehmend vom Staat garantiert. Bis zum Oktober 2009 hat das Volumen staatsgarantierter Bankschuldverschreibungen rund 800 Mrd. US-Dollar erreicht. Über 450 Mrd. US-Dollar entfallen auf Westeuropa, der Rest zum grossen Teil auf die USA.
Nach Joaquín Almunia, Vizepräsident der EU-Kommission, erhielten die Banken von Oktober 2008 bis März 2010 etwa 4 Bio. Euro Staatshilfen, davon drei Viertel in der Form von staatlichen Garantien. Die Banken nahmen von den Staatsgarantien tatsächlich 994 Mrd. Euro in Anspruch.
Reformvorschläge der G-20-Staaten
Gipfeltreffen im November 2008
Unter dem akuten Eindruck der Finanzkrise fand vom 14. bis 16. November 2008 ein Treffen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten (zuzüglich Niederlande und Spanien) in Washington statt, um die Grundlagen einer Reform der internationalen Finanzmärkte zu beraten und umzusetzen. Dieses hochrangige Treffen wurde in der deutschsprachigen Presse auch Weltfinanzgipfel genannt. Ziel war die Vereinbarung von internationalen Regelungen, um die Wiederholung einer Finanzkrise zu vermeiden. Ein Katalog mit knapp 50 Einzelmassnahmen wurde verabschiedet. 28 dieser Einzelvorschläge sollten bis 31. März 2009 umgesetzt werden, die weiteren Punkte mittelfristig. Die Teilnehmer gaben Tendenzen zum Protektionismus eine klare Absage, sie bekannten sich ausdrücklich zu den Prinzipien eines freien Marktes und eines offenen Handels. Zudem wurden eine effektivere Regulierung der Finanzmärkte gefordert. Unter anderem wurden folgende Massnahmen vereinbart:
eine grössere Überwachung der Ratingagenturen,
eine stärkere Reglementierung von spekulativen Hedgefonds sowie anderer bislang unregulierter Finanzprodukte,
Festlegung von Bewertungsmassstäben für komplexe Finanzprodukte,
Erhöhung der Eigenkapitalpuffer von Finanzinstitutionen,
Harmonisierung und Überarbeitung von Bilanzierungsregeln,
Orientierung der Anreizsysteme von Managern an mittelfristigen Zielen,
Schutz vor unfairem Wettbewerb durch Steueroasen,
Stärkung des Internationalen Währungsfonds,
ein besserer Schutz der Verbraucher durch transparentere Informationen.
Jedes Teilnehmerland verpflichtet sich, die Massnahmen in nationales Recht umzusetzen.
Nachfolgende Gipfeltreffen
Eine Folgekonferenz fand am 1./2. April 2009 in London statt. Neben der Konkretisierung verschiedener Punkte des ersten Treffens wurden ergänzend Massnahmen zur Konjunkturbelebung verabschiedet:
Die G20-Länder beschlossen ein Programm von 1,1 Billionen US-Dollar zur Belebung der Weltkonjunktur, insbesondere des Welthandels sowie zur Verbesserung der Situation in den Entwicklungsländern. Im Einzelnen:
Die Mittel für den IWF sollen auf 750 Mrd. US-Dollar erhöht werden.
An neuen Sonderziehungsrechten sollen 250 Mrd. US-Dollar zugeteilt werden.
Über Multilaterale Entwicklungsbanken sollen zusätzlich mindestens 100 Mrd. US-Dollar gewährt werden.
Bis Ende 2010 soll eine fiskalpolitische Ausweitung von 5 Bio. US-Dollar erfolgen, welche der Weltproduktion laut G20 einen Impuls von 4 % erteilen wird.
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Das Jahr 2010 ist vorbei. Eine solche Ausweitung müsste inzwischen doch angekündigt worden sein. --Flominator 20:49, 12. Jan. 2011 (CET)
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Zur Bekämpfung von Steueroasen und Geldwäsche hat die OECD eine schwarze Liste (Costa Rica, Malaysia, Philippinen, Uruguay) sowie eine graue Länderliste veröffentlicht.
Reformen und eine Stärkung der internationalen Finanzinstitutionen, insbesondere IWF und Weltbank, wurden beschlossen.
Massnahmen zur systematischen Regulierung und Überwachung von Hedge-Fonds und ähnlichen Finanzanlagekonstruktionen wurden konkretisiert.
Das bereits im November erklärte Ziel, die Eigenkapitalbasis von Kreditinstituten zu stärken, wurde durch Massnahmen ergänzt.
Es wurde das Ziel vereinbart, dass sich Managervergütungen nicht an kurzfristigen Erfolgen, sondern an langfristigen Zielen orientiert sollen.
Das Bekenntnis zum Freihandel wurde erneut bekräftigt.
Bei den weiteren G20-Treffen am 24./25. September 2009 in Pittsburgh und am 26./27. Juni 2010 in Toronto waren die Schwerpunkte unverändert eine Reform und Stärkung der Finanzsysteme sowie das Wiedererreichen eines starken Wirtschaftswachstums, hinzu kam die Forderung nach Nachhaltigkeit und Ausgewogenheit bei der Erreichung der Wachstumsziele.

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