Finanzkrise und Weltwirtschaftskrise
Es werden Eurobonds gefordert!
Die Finanzkrise ab 2007 ist eine Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise,
die im Frühjahr 2007 mit der US-Immobilienkrise (auch Subprimekrise)
begann. Die Krise war unter anderem Folge eines spekulativ aufgeblähten
Wirtschaftswachstums in den USA und einer weltweiten kreditfinanzierten
Massenspekulation. Die Krise äusserte sich weltweit
zunächst in Verlusten und Insolvenzen bei Unternehmen der
Finanzbranche. Ihren vorläufigen Höhepunkt hatte die
Krise im Zusammenbruch der US-amerikanischen Grossbank Lehman
Brothers im September 2008. Die Finanzkrise zwang mehrere Staaten,
grosse Finanzdienstleister (darunter unter anderem AIG, Fannie
Mae, Freddie Mac, UBS und die Commerzbank) durch staatliche Fremd-
und Eigenkapitalspritzen am Leben zu erhalten.
Die Krise übertrug sich in der Folge in Produktionssenkungen
und Unternehmenszusammenbrüchen auf die Realwirtschaft. Viele
Unternehmen, wie der Autohersteller General Motors, meldeten Konkurs
an und entliessen Mitarbeiter. Die ohnehin hohe Staatsverschuldung
vieler Staaten stieg krisenbedingt stark an. Mehrere Länder
der Eurozone konnten ihre Zahlungsfähigkeit nur durch internationale
Hilfskredite aufrechterhalten (Euro-Krise 2010).
Im April 2009 schätzte der Internationale Währungsfonds
(IWF) die weltweiten Wertpapierverluste infolge der Krise auf
vier Billionen US-Dollar. Eine Studie der Deutsche Bank Research
bezifferte die krisenbedingte Minderung des Welt-BIPs auf vier
Billionen US-Dollar.
Entstehung und Verlauf der Finanzkrise
Übersicht über die Entstehung der US-Immobilienkrise
und ihre Auswirkungen
Platzen der Dotcom-Spekulationsblase im Jahr 2000. Viele US-Aktien
stürzen ab. Geld wird dem Aktienmarkt entzogen.
Die US-Zentralbank reagiert auf die Krise und vergibt Geld an
US-Banken zu sehr niedrigen Zinsraten, um Liquidität in die
Finanzmärkte zu bringen. Nach dem Einbruch des Aktienmarktes
wird nach neuen Anlagemöglichkeiten gesucht.
Das billige Geld der US-Zentralbank führt zur Ausweitung
der Kreditgewährung von Banken auch an Darlehensnehmer mit
immer geringerer Bonität ("Subprime-Kredite").
Kontrolle der Kreditwürdigkeit schwindet. US-Banken vergeben
Verbrauchern Kreditkarten mit Niedrigzinskonditionen.
Boom-Phase des US-Immobilienmarktes. Häuserkauf und Konsum
von US-Bürgern auf Kreditbasis. Bildung einer Immobilienpreisspirale.
Das Kreditrisiko der US-Banken wird zunehmend an Dritte (auch
ausländische Anleger) ausgelagert über Mortgage Backed
Securities (MBS) und Collateralized Mortgage Obligations (CMOs).
Platzen der kreditinduzierten Immobilienblase im Jahr 2007. US-Bürgern
fällt es schwer, ihre Kredite zu bedienen oder zurückzuzahlen.
Zahlungsausfälle und Zahlungsstörungen im US-amerikanischen
Hypothekenmarkt, insbesondere im Subprime-Segment.
Verluste und negative Ratingänderungen von forderungsbesicherten
Wertpapieren und ABCP.
Illiquidität von ABCPs und forderungsbesicherten Wertpapieren
sowie Ausweitung der Risikoaversion von Investoren gegenüber
kreditrisikobehafteten Anlageinstrumenten.
Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers. Kurseinbrüche
an den Börsen. Vertrauenskrise im Interbankenmarkt, Geldmarktliquiditätsengpässe.
Refinanzierungsprobleme von Banken und hohe Neubewertungsverluste
von kreditrisikobehafteten Anlageinstrumenten. Insolvenzen u.
a. der Washington Mutual und Kaupthing Bank.
Rezession mit Arbeitsplatzabbau in Unternehmen; Unternehmensinsolvenzen
durch sinkende Kreditvergabe für kreditrisikobehaftete Anlagen
und wegen Deleveraging seitens der Banken.
Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten erreicht höchsten
Stand seit vierzig Jahren seit Beginn der statistischen Erfassung
1967.
Die US-Zentralbank vergibt Geld zu sehr niedrigen Zinsraten.
Banken können wieder spekulieren und melden Rekordgewinne.
Aus der US-Immobilienkrise entwickelte sich eine Krise in den
europäischen Ländern und die Gefahr einer Währungskrise.
Niedrige Zinssätze nach dem Ende der Dotcom-Blase
Der Krise ging weltweit ein längerer Zeitraum vergleichsweise
niedriger realer und nominaler Zinssätze voraus. Die US-Notenbank
Fed reagierte auf den Absturz der US-Börse nach der geplatzten
Dotcom-Blase der New Economy mit einer Niedrigzinspolitik, um
die US-Konjunktur zu stimulieren (?Konjunkturpolitik). Dies sorgte
für eine erneute Preisblase, diesmal am Immobilienmarkt (?Immobilienblase),
deren Platzen als der unmittelbare Anlass für die 2007 offen
ausbrechende Finanz- und Bankenkrise gilt.
Weltweit reichliche Ersparnisse suchten nach Rendite auf den Finanzmärkten
und führten zu einer (aus heutiger Sicht) Unterschätzung
der mit Krediten verbundenen Risiken („saving glut“
oder Sparschwemme). Im Juni 2003 wurde die Federal Funds Rate
auf 1 % abgesenkt. Dazu kommt, dass das Aussenhandelsdefizit
der USA durch Kapital finanziert wurde, das auf dem US-Kapitalmarkt
angelegt wurde, was die Zinssätze in den USA niedrig hielt.
So legte China seine Erlöse aus seinem Exportüberschuss
in den USA in Staatspapieren an, was die Effektivverzinsung von
Staatspapieren drückte. Ein Anlagenotstand in Form von „relativ
spärlicher werdenden Realinvestitionen“ trieb ebenfalls
die Kurse nach oben und die Effektivverzinsung nach unten.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stellt
in ihrem Jahresbericht vom Juni 2008 fest, dass die Zentralbanken
in den fortgeschrittenen Ländern angesichts ungewöhnlich
niedriger Inflationsraten sehr lange die Leitzinsen niedrig hielten.
Diese Politik niedriger Zinsen wurde in den USA auch damit begründet,
dass eine Deflation die inzwischen hoch verschuldeten Haushalte
und Unternehmen stark belasten würde. Vor dem Hintergrund
der aktuellen Finanzkrise schreibt dazu die BIZ: „Es ist
nicht ausgeschlossen, dass der Abbau der Kreditblase nach einer
vorübergehend höheren Inflation in eine Deflation mündet,
die – insbesondere angesichts des hohen nominalen Ausgangsniveaus
an Schulden – schwer zu bewältigen sein könnte.
Aufgrund derartiger Überlegungen machen sich nicht zuletzt
in den USA manche für einen besonders energischen Einsatz
der geldpolitischen Lockerung als ‚Versicherung‘ gegen
eine solche wenig wahrscheinliche, aber sehr kostspielige Entwicklung
stark.“
Die niedrigen Zinsen hätten nicht zu einer Abwertung der
Währungen dieser fortgeschrittenen Länder geführt,
weil die „aufstrebenden Volkswirtschaften“ gegen eine
Aufwertung ihrer Währungen intervenierten (Bretton-Woods-II-Regime).
China kaufte 2007 460 Mrd. Dollar. Die Währungsreserven Chinas
und des Industriestaats Japan, der eine vergleichbare Strategie
verfolgte, stiegen somit auf jeweils mindestens 1 Bio. US-Dollar.
Um seinen Export zu fördern, hält Japan den Leitzins
seit Jahren sehr niedrig, was den Kurs der japanischen Währung
niedrig hält. Investoren nutzen dies, um in Japan billige
Kredite aufzunehmen und damit in anderen Wirtschaftsräumen
Vermögenswerte aufzukaufen. Insgesamt hat dies zusammen
mit Finanzmarktinnovationen zu den hohen Vermögenspreisen
geführt. Hohe Vermögenspreise entsprechen einer
niedrigen Effektivverzinsung, die langfristigen Zinssätze
blieben niedrig. Als Mitte 2004 die US-Konjunktur so gefestigt
war, dass die US-Zentralbank daran ging, den Leitzins anzuheben,
führte dies aus diesen Gründen nicht, wie beabsichtigt,
auch zu einem Anstieg der langfristigen Zinssätze, so dass
sich die Immobilienhausse fortsetzte.
Ausweitung der Kreditvergabe an Schuldner mit mässiger
Bonität
Werbung eines Hypothekenmaklers für Kreditnehmer mit geringer
Bonität. Sinnhafte Übersetzung: "Kein Nachweis
über Einkommen erforderlich, Vergabe von Hypothekarkrediten
auch bei schlechter Kreditrückzahlung in der Vergangenheit."
Wegen des niedrigen Zinsniveaus konnten sich untere Einkommensschichten
ein Eigenheim leisten. Ermutigt durch den niedrigen Leitzins der
US-Notenbank und durch die Politik (Kontroverse um Community Reinvestment
Act) vergaben US-Banken Kredite mit variablem Zinssatz an Schuldner
mit mässiger Bonität. Wegen des niedrigen Zinsniveaus
waren die Raten zunächst niedrig. Das Risiko einer Zinserhöhung
lag bei den Schuldnern, denen dies häufig nicht bewusst war.
Wegen der steigenden Nachfrage stiegen die Preise von Immobilien
und damit deren Wert als Kreditsicherheit. Die Banken nutzten
diese Entwicklung, um den Schuldnern Zusatzkredite zu verkaufen.
Darüber hinaus wurden Kredite an Kunden mit schlechter Bonität
vergeben. Bei stetig steigenden Immobilienpreisen kann im Falle
einer Zahlungsunfähigkeit die Immobilie zu einem höheren
Marktwert verkauft werden. Die Banken waren bei steigenden Preisen
abgesichert und Schuldner glaubten daran, im Notfall ihr Haus
mit Gewinn weiterverkaufen zu können. Einige Banken spezialisierten
sich auf zweitklassige Hypothekenkredite (Subprime Loans).
Die Immobilienhausse führte so zu einer Belebung der Bauindustrie
und der Konsumnachfrage. 2005 erreichten die Wohnungsbauinvestitionen
in den USA einen Höchstwert von über 6 % Anteil am Bruttoinlandsprodukt
und überboten so erstmals den Rekordwert des Jahres 1960.
1991 lag dieser Anteil bei einem Tiefpunkt von 3,5 %. Nach 2005
ging dieser Anteil dann wieder zurück.
Verbriefung von US-Hypothekenkrediten
Um das notwendige Kapital für neue Kredite zu beschaffen,
wurden Kreditforderungen in grossem Stil verbrieft. Hierbei
gaben die Kredit gebenden Banken die Zahlungsansprüche aus
den Hypothekenkrediten zusammen mit deren Kreditrisiken an Investoren
– andere Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Vermögensverwalter
– weltweit weiter. Dies geschah, indem die Ansprüche
und Risiken aus ganzen Portfolien von Hypothekenkrediten in Zweckgesellschaften
(auch Special Purpose Vehicle, Conduit) eingebracht wurden und
dann als Mortgage Backed Securities (MBS), einer Form von forderungsbesichertem
Wertpapier, an die Investoren weitergegeben wurden. Um die MBS
bei Investoren platzieren zu können, wurden diese Papiere
von Ratingagenturen bezüglich ihrer Bonität beurteilt.
Die normalerweise von den verbriefenden Banken beauftragten Agenturen
arbeiteten dabei eng mit diesen zusammen mit dem Ziel, so die
Verbriefung zu strukturieren und damit möglichst grosse
Tranchen mit gutem Rating zu erhalten (siehe auch Credit Enhancement).
Für die Investition in eine Verbriefung mussten Finanzinstitutionen,
die bankaufsichtlichen Eigenkapitalregeln unterliegen, weniger
Eigenkapital halten als bei einer direkten Kreditvergabe.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung beschreibt dies so, dass über die Auslagerung
dieser Geschäfte aus den Bankbilanzen mit Hilfe der als „Schattenbanken“
bezeichneten Zweckgesellschaften bankaufsichtsrechtliche Regeln
zur Risikostreuung und zur Absicherung durch Eigenkapital umgangen
werden konnten.
Verbriefungen zweiter Stufe der Subprime-Kredite
In einem weiteren Schritt wurden die so gebildeten MBS-Tranchen
wiederum in Zweckgesellschaften eingebracht und erneut verbrieft
(Collateralized Debt Obligation (CDO) – Verbriefungen zweiter
Stufe) und die entstehenden Tranchen bewertet. Ein diversifiziertes
Portfolio bspw. aus verschiedenen MBS-Tranchen mit einer eher
schlechten Bewertung ("Rating") von „BBB“
konnte in Form einer Collateralized Debt Obligation (CDO) wiederverbrieft
werden, wobei die höchstrangige Tranche der CDO eine erstklassige
Bewertung von „AAA“ erhielt. Insbesondere für
europäische Banken waren Verbriefungen zweiter Stufe ein
Mittel, am provisionsträchtigen Verbriefungsgeschäft
teilzuhaben. Diese Banken hatten keinen guten Zugang zu amerikanischen
Hypothekenkrediten. Deshalb griffen sie auf MBS zurück, um
diese zu Paketen zu bündeln und in zweiter Stufe wiederzuverbriefen.
Ausserdem wurden Programme aufgelegt, bei denen die in die
Zweckgesellschaften eingebrachten Aktiva mit kürzerer Frist
rollierend refinanziert wurden (über die Emission kurzfristiger
Asset Backed Commercial Paper ABCP). Über ABCP konnten auch
Mittel der Investoren mobilisiert werden, die ihr Kapital nur
kurzfristig zur Verfügung stellen konnten oder wollten, wie
zum Beispiel Geldmarktfonds. Da diese Fristentransformation
die Gefahr barg, bei Fälligkeit der Emission keine Anschlussrefinanzierung
zu erhalten (Liquiditätsrisiko), mussten Banken Garantien
in Form von Liquiditätslinien bereitstellen, die die ABCP-Investoren
bei Fälligkeit ihrer Papiere vor Verlusten schützten
und die für die Garantiegeber zunächst eine Ertragsquelle
darstellten (vgl. IKB Deutsche Industriebank, SachsenLB). Diese
Garantien wurden normalerweise rollierend mit einer Laufzeit von
364 Tagen gestellt, da die bankaufsichtlichen Regeln vor dem Inkrafttreten
von Basel II für solche ausserbilanziellen Verpflichtungen
mit einer Laufzeit unter einem Jahr kein Eigenkapital forderten.
Es konnten also Erträge generiert werden, ohne dass bankaufsichtliches
Eigenkapital dafür in Anspruch genommen wurde.
Zahlungsausfälle der Subprime-Kredite
Die wirtschaftliche Abschwächung in den USA etwa ab 2005,
sinkende Wachstumsraten bei der Arbeitsproduktivität in den
USA und anderen Ländern, in den USA insbesondere in der Bauwirtschaft,
und der spätere Anstieg des US-Leitzinses auf bis zu 5,25
% im Juni 2006 löste eine Kettenreaktion aus. Einkommensschwache
Schuldner konnten die gestiegenen Raten für ihre variabel
verzinslichen Kredite nicht mehr bezahlen und mussten ihr Haus
verkaufen. Wegen der zunehmenden Immobilienverkäufe brachen
die Häuserpreise – Höhepunkt war Juli 2006
– ein, und durch den fallenden Wert der Immobilien hatten
die Banken und Investoren zunehmend ungesicherte Kreditforderungen.
Die Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern bescherte den Banken
und den Investoren nun Verluste.
Im Frühjahr 2007 erreichten in den Vereinigten Staaten die
Zahlungsausfälle auf Subprime-Kredite den höchsten Stand
der letzten Jahre. Einige Immobilienfonds, die in strukturierte
Finanzprodukte investiert hatten, setzten die Annahme von Fondsanteilen
aus, weil sie sonst in finanzielle Schwierigkeiten geraten wären.
Im Juni 2007 teilte Bear Stearns den Kunden zweier seiner Hedgefonds
mit, dass die Einlagen, die Ende 2006 noch mit 1,5 Mrd. US-Dollar
bewertet worden waren, jetzt fast nichts mehr wert seien.
Dutzende Baufinanzierer, die sich gerade auf diese Kredite spezialisiert
hatten, mussten Gläubigerschutz beantragen.
Insgesamt schätzte der Internationale Währungsfonds
im Oktober 2008 den Wertverfall von Subprime-Hypotheken auf 500
Mrd. US-Dollar und den von Prime-Hypotheken auf weitere 80 Mrd.
Dollar. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Technologie hält diese Summe im Vergleich
zur Grösse des weltweiten Finanzmarktes für nicht
sehr gross. Auch sei der Wertverlust der hypothekenbesicherten
Wertpapiere von 500 Mrd. US-Dollar, so die IWF-Schätzung
vom Oktober 2008, deutlich höher, als tatsächlich an
Ausfällen bei den zugrunde liegenden Hypotheken zu erwarten
sei. Der hohe Preisverfall der hypothekenbesicherten Wertpapiere
sei daher gekommen, dass Käufer diese Papiere aus Vorsicht
auch zu niedrigeren Preisen nicht mehr kaufen wollten. Zu dieser
Vorsicht trug die Komplexität und Intransparenz dieser Wertpapiere
bei sowie die Tatsache, dass viele Papiere ausserbörslich
gehandelt wurden, so dass eine Marktpreisbildung und damit eine
Bewertung der Papiere überhaupt schwierig war.
Die Wertverluste gingen dann unmittelbar in die Bankbilanzen ein
und minderten das Eigenkapital der Banken. Um den Regulierungsanforderungen
bzgl. Eigenkapitalreserven genügen zu können oder um
überhaupt das Verhältnis von Eigenkapital zu Forderungen
stabil zu halten, waren die Banken gezwungen, entweder neues Eigenkapital
zu beschaffen oder andere Vermögenswerte zu verkaufen, was
deren Preise senkte. Dieses Deleveraging – die Banken mussten
bei Wertverlusten von Forderungen ein Vielfaches an Vermögenswerten
abstossen, um das alte Verhältnis von Eigenkapital zu
Forderungsvolumen wieder herzustellen – führte zur
„Implosion des Finanzsystems seit August 2007“.
Vertrauenskrise des Interbankenmarktes
Unter den Investoren waren nicht nur risikobereite Hedgefonds,
sondern auch eher konservative Investmentfonds vertreten. Da aber
insbesondere Hedgefonds stark in die stärker risikobehafteten
Wertpapiertranchen investiert hatten, kam es bei diesen zu Verlusten,
die teilweise zur Schliessung und Abwicklung der Hedgefonds
führten. Aber auch Investmentbanken waren betroffen.
Die Schliessung von Hedgefonds und die Verluste bei den Investmentbanken
führten zu einer Abnahme der Risikobereitschaft der Anleger.
Diese zogen daraufhin in kurzer Zeit erhebliche Beträge aus
dem Kapitalmarkt ab oder hielten sich mit neuen Investitionen
in risikoreiche Anlagen zurück. Die abnehmende Risikobereitschaft
der Investoren brachte die Refinanzierung der von Banken gegründeten
Zweckgesellschaften zum Stillstand.
Inanspruchnahme der Einlagefazilität der Deutschen Bundesbank
Der Auslöser für die Krise war, dass im Juli und August
2007 die Inhaber der Commercial Papers nicht mehr bereit waren,
diese nach Fälligkeit erneut zu erwerben. Die kurzfristigen
Kredite wurden nicht weiter verlängert. Dadurch gerieten
die Zweckgesellschaften unter Druck. Sie konnten aber auch die
strukturierten Wertpapiere nicht mehr verkaufen, da sich dafür
auch keine Käufer mehr fanden. Deshalb mussten die Zweckgesellschaften
jetzt auf die Kreditzusagen der Banken zurückgreifen.
Dies trug zur Vertrauenskrise zwischen den Banken bei, die sich
am Geldmarkt durch einen Anstieg der Geldmarktzinsen widerspiegelte.
Am 9. August 2007 – dieser Tag gilt inzwischen als der Beginn
der eigentlichen Finanzkrise – stiegen die Aufschläge
für Interbankkredite im Vergleich zum Zentralbankleitzins
weltweit, vor allem in den USA, sprunghaft an. Mit der Insolvenz
von Lehman Brothers am 15. September 2008, nachdem eine staatliche
Rettung ausgeblieben war, kam der Interbankenmarkt weltweit zum
Erliegen. Kurzfristig überschüssige Liquidität
wurde nicht mehr bei anderen Banken, sondern unter Inanspruchnahme
der Einlagefazilität bei den Zentralbanken angelegt.
Auswirkungen auf die Realwirtschaft
Der IWF schätzte im April 2009 die Gesamtverluste auf 4,054
Billionen US-Dollar (3093 Mrd. Euro). Davon liegen die Verluste
bei „giftigen“ US-Papieren bei etwa 2,7 Bill. US$,
die Verluste aus europäischen Papieren werden mit etwa 1,2
Bill. US$ beziffert, die japanischen Papiere mit 150 Mrd. US$.
Im August 2009 erhöhte der IWF seine Kalkulationen auf 11,9
Billionen US-Dollar, was fast einer Verdreifachung entspricht.
Im Verlauf des Jahres 2008 hat sich die Finanzkrise zunehmend
auf die Realwirtschaft ausgewirkt. Effekte waren zunächst
in den USA, dann in Westeuropa und in Japan sowie seit Herbst
2008 auf der ganzen Welt zu erkennen. In Folge verzeichneten die
Aktienkurse weltweit ab Oktober 2008 nach einem ersten Einbruch
aufgrund der Finanzkrise einen zweiten starken Rückgang aus
Angst vor Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Auch auf den Rohstoffmärkten
kam es vor allem ab Beginn des vierten Quartals 2008 zu starken
Preisrückgängen. Die meisten Automobilhersteller in
den Industrieländern haben Ende Oktober/Anfang November deutliche
Produktionskürzungen angekündigt, um auf Absatzeinbrüche
in zweistelliger Grössenordnung zu reagieren. Nach Erkenntnissen
des Statistischen Bundesamtes befindet sich Deutschland nach zwei
Quartalen mit negativen Wachstumsraten gegenüber den entsprechenden
Vorjahresquartalen seit Oktober 2008 in einer Rezession. Nach
Statistiken von Eurostat ging die Industrieproduktion in der Eurozone
von ihrem Höhepunkt im Frühjahr 2008 bis zum Frühjahr
2009 um mehr als 20 % zurück. Der Rückgang der Industrieproduktion
ist damit mehrfach stärker als im ersten Jahr der Weltwirtschaftskrise
1930 in Deutschland und den USA.
Auch hatte die Finanzkrise deutliche Auswirkungen auf die Prognosefähigkeit
von Unternehmen. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Märkte
hatten viele börsennotierte Unternehmen Schwierigkeiten,
die für Ihre Geschäftsberichte im Lagebericht nach §
289 HGB erforderlichen Prognosen für das kommende Geschäftsjahr
zu formulieren. Die Unternehmen mussten hier eine Gratwanderung
vollziehen. Auf der einen Seite musste eine Prognose abgegeben
werden, um die Anleger entsprechend den rechtlichen Vorschriften
zu informieren, auf der anderen Seiten waren quantitative Ziele
schwierig zu beziffern. Der Trend ging damit hin zu Prognosen,
die auf verschiedenen Szenarien beruhten sowie vorwiegend von
qualitativer Beschaffenheit waren. Unternehmen, die auch weiterhin
quantitative Daten in ihren Prognosen kommunizierten, wurde vom
Kapitalmarkt die Angabe von grösseren Spannen von bis
zu 20% zugestanden.
Einschätzung von Dauer und Ausmass der Krise
Ausmass der Krise im Zeitraum 2007 bis 2008, dunkelrot: Länder
die offiziell Rezession gemeldet haben, hellrot: gemeldeter Wirtschaftsabschwung
um 0,1 % bis 1,0 %, blau: Länder die Wirtschaftswachstum
gemeldet haben (Schätzungen des IMF, Stand Dezember 2008)
Am 9. Dezember 2008 senkte die Weltbank ihre Prognose für
das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2009. Sie erwartete nur
noch ein globales Wachstum von 0,9 Prozent, im Gegensatz zu 2,5
Prozent im Jahr 2008. Am 11. Juni 2009 senkte sie ihre Prognose
abermals, von zuvor -1,75 % auf -3 %. Die jüngste Konjunkturprognose
fällt damit noch negativer aus als die der Schwesterorganisation
IWF: Man rechne mit der schlimmsten Krise seit der Grossen
Depression in den 1930er Jahren. Neben einem Rückgang des
weltweiten Handelsvolumens seien vor allem die Exportmöglichkeiten
für Entwicklungsländer in die reicheren Staaten betroffen.
Die EU-Kommission rechnete nach einer am 3. November 2008 veröffentlichten
Prognose für 2009 bei den Ländern der Eurozone nur noch
mit einem ganz geringen Wirtschaftswachstum von 0,1 %. Am
19. Januar 2009 verschärfte sie ihre Prognose auf -1,8 %
für die Länder der EU insgesamt. Der IWF erwartet
in seiner Prognose von Anfang November 2008 für 2009 die
erste weltweite Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.
Am 23. April 2009 veröffentlichte die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose
ihre mittelfristige Prognose bis 2013. Demnach erwarten diese
Institute für 2009 einen Rückgang des BIP von 6 % und
für 2010 von 0,5 % und bis 2013 wird das BIP in etwa das
Niveau von 2008 wieder erreicht haben.
Auf nationalstaatlicher Ebene haben viele Regierungen im Laufe
der Jahre 2008/2009 Konjunkturprogramme erarbeitet. Allgemein
verzeichnet mit Frühjahr 2009 der auslösende Sektor
des Geldwesens schon wieder positive Kennzahlen, seit Juli zeigen
auch die „Wirtschaftsmotoren“ der Realwirtschaft (im
Besonderen Automobilindustrie und Bauwesen in Europa) Anzeichen
der Entspannung, es gilt – zumindest eine erste –
Talsohle der Wirtschaftskrise durchschritten. Dafür verlagern
sich die Probleme in den Industrienationen zum einen in den Tertiär-
(Dienstleistung) und Quartärsektor (etwa die Tourismusbranche),
zum anderen wirkt sich die Flaute zeitverzögert erst seit
dem Frühjahr auch auf die Beschäftigtenzahlen und auf
die Kenndaten des Konsums im Allgemeinen aus (um Weihnachten 2008,
als die Bankenkrise schon in vollen Ausmass wirksam wurde,
zeigten die Konsumdaten noch Rekordwerte, und die Fremdenverkehrs-Wintersaison
2008/2009 gilt noch als durchwegs positiv). Die US-Notenbank Fed
rechnete durch die Finanzkrise mit einer Arbeitslosenquote mit
bis zu 9,6 % für Ende 2009 in den USA, in der EU waren
im Juli mit 9,5 % Arbeitslosenquote der höchste Stand seit
zehn Jahren erreicht. Für Jahresende 2011 sah die Fed
in ihren Berechnungen von Mai 2009 eine Arbeitslosenquote von
bis zu 8,5 % voraus. Die steigende Arbeitslosigkeit verschärfte
in den USA die Folgen der Krise. Die Sparquote der U.S.-Amerikaner
stieg, die Konsumneigung fiel. Ab August 2009 fiel der Index des
Konsumentenklimas der Universität Michigan, der im Frühjahr
2009 bereits gestiegen war, wieder. Ende August gab die OECD
– wenn auch nur als „Zwischenbericht“ zum fundierteren
Halbjahresbericht – das Minus des Wirtschaftswachstums für
die G-7 mit 3,7 % (statt 4,1 % im Juli), für die Eurozone
mit 3,9 % (statt 4,8 % – die EZB gab gleichzeitig 4,1 %
statt zuletzt 4,6 %), für die USA unverändert 2,8
%. Inzwischen (Januar 2010) scheint die Finanzkrise abzuflauen,
aber langsamer als von vielen vorhergesagt. Am 21. Januar 2010
prognostizierte der Chefökonom der Weltbank in einer "Globalen
Wirtschaftsprognose 2010", dass in den Industrieländern
das Bruttonationalprodukt im Jahre 2010 wieder um +1,8 % steigen
werde (2011: um +2,3 %; im letzten Jahr war es um -3,3 % zurückgegangen).
Zunahme der Risikoaufschläge bei Staatsanleihen
? Hauptartikel: Euro-Krise 2010 und Europäischer Stabilisierungsmechanismus
Im Verlauf der Krise kam es zu einer Zunahme der Risikoaufschläge
verschiedener europäischer Staaten (in der Folge als PIGS-Staaten
bezeichnet) gegenüber deutschen Bundesanleihen. Um insbesondere
einen Staatsbankrott Griechenlands infolge der griechischen Finanzkrise
2009/10 abzuwenden, einigten sich die Staats- und Regierungschefs
der Euroländer Anfang Mai 2010 auf ein Massnahmenpaket.
Im Rahmen des Europäischen Stabilisierungsmechanismus wurde
ein gemeinsames Kreditpaket von EU, Euroländern und IWF mit
der Gesamtsumme von 750 Milliarden Euro beschlossen. Die
Europäische Zentralbank kündigte zudem an, im Notfall
Staatsanleihen der Euro-Länder aufzukaufen.
Internationale Gegenmassnahmen
Koordinierung der Zentralbanken
Leitzinsen der EZB (rot) und des Federal Reserve Systems der USA
(blau)
Seit Dezember 2007 stellt die Europäische Zentralbank (EZB)
in Absprache mit der US-amerikanischen Federal Reserve den Banken
US-Dollar zur Verfügung und nimmt dafür auf Euro lautende
Wertpapiere als Sicherheit an, um die Lage auf dem Geldmarkt zu
entspannen. Die EZB übernimmt insoweit Wechselkursrisiken
der privaten Banken.
Am 18. September 2008 haben die Zentralbanken weltweit konzertiert
mehr als 180 Milliarden US-Dollar angeboten, um Spannungen auf
dem Geldmarkt zu lindern. Bei der Europäischen Zentralbank
konnten die Banken am Donnerstag, 18. September 2008, bis zu 40
Milliarden US-Dollar für einen Tag aufnehmen, hinzu kommt
ein Euro-Schnelltender mit einem offen gelassenen Volumen. Die
Bank of Japan bietet erstmals US-Dollar an.
Ab Oktober 2008 senkten in einer konzertierten Aktion sieben der
führenden Notenbanken, darunter die Federal Reserve (Fed),
die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England
(BoE) und die Schweizerische Nationalbank (SNB), weltweit
die Leitzinsen. Seither erfolgten weitere Zinssenkungen, die die
Leitzinsen auf ein seit Jahrzehnten nicht mehr erreichtes niedriges
Niveau, teilweise den historischen Tiefstand gebracht haben.
Am 6. April 2009 stellte die EZB der Fed eine Swap-Linie in Höhe
von 80 Mrd. US-Dollar in Euro bereit, die britische Notenbank
gewährt 60 Mrd. Pfund, die Schweizer Notenbank stellt 40
Mrd. Franken und die japanische Zentralbank 10 Bio. Yen zur Verfügung.
US-amerikanische Kreditinstitute können so zukünftig
über die Fed auf Kredite in Auslandswährungen zurückgreifen.
Die Massnahme der Notenbanken ergänzt die Massnahmen
vom 18. September 2008 in umgekehrter Richtung. Damals hatte die
Fed ausländischen Notenbanken Swaplinien von insgesamt 300
Mrd. US-Dollar eingeräumt.
Konjunkturprogramme
In vielen Ländern wurden im Rahmen der Finanzkrise umfangreiche
Konjunkturprogramme und Finanzmarktstabilisierungsgesetze aufgelegt.
In den USA sind es der Economic Stimulus Act of 2008 (Umfang des
ESA: 150 Milliarden US-Dollar), der Emergency Economic Stabilization
Act of 2008 (Umfang des EESA: 700 Mrd. US-Dollar) und der American
Recovery and Reinvestment Act of 2009 (Umfang des ARRA: 787 Mrd.
US-Dollar). In Deutschland sind es das Finanzmarktstabilisierungsgesetz
(Umfang des FMStG: 400 Mrd. Euro), das Massnahmenpaket „Beschäftigungssicherung
durch Wachstumsstärkung“ (Umfang des Konjunkturpaketes
I: 50 Mrd. Euro) und das Konjunkturprogramm „Entschlossen
in der Krise, stark für den nächsten Aufschwung“
(Umfang des Konjunkturpaketes II: 14 Mrd. Euro). Zur Stabilisierung
der Beschäftigung wurden insbesondere die Möglichkeiten
zur Kurzarbeit ausgeweitet. In Österreich wurden die Konjunkturpakete
I und II und die Steuerreform 2009 (insgesamt knapp 12 Mrd. Euro)
eingeführt.
Weltweit beträgt laut einer Studie von Deutsche Bank Research
das gesamte, auf mehrere Jahre verteilte Volumen der Konjunkturprogramme
etwa 2000 Mrd. US-Dollar. Ohne die Programme wäre laut DB
Research der Rückgang an Bruttoinlandsprodukt erheblich stärker
gewesen. Die krisenbedingte Minderung des BIPs beziffert die Studie
mit „4000 Mrd.“ US-Dollar. Schliesslich kann
der Bankensektor nur langsam saniert werden.
Hilfen für Banken
Im Rahmen der Krise wurden in den USA und Europa (temporäre)
Notverstaatlichungen durchgeführt und sogenannte Bad-Bank-Konzepte
(Abwicklungsbanken) eingeführt. In Deutschland wurde mit
dem Finanzmarktstabilisierungsfortentwicklungsgesetz im Jahr 2009
die Möglichkeit geschaffen, dezentral für einzelne Kreditinstitute
eine Bad Bank einzurichten. Diese soll problembehaftete strukturierte
Wertpapiere aufnehmen oder auch ganze defizitäre Geschäftsbereiche
sanierungsbedürftiger Banken abwickeln. Stützungsmassnahmen
zugunsten von Finanzinstitutionen erhöhten den staatlichen
Bruttoschuldenstand 2008 und 2009 insgesamt um 98 Mrd. Euro. Da
es sich überwiegend um Kredite handelt, stehen dem entsprechende
Forderungen an die Finanzinstitutionen gegenüber.
Seit Oktober 2008 werden Bankschuldverschreibungen weltweit zunehmend
vom Staat garantiert. Bis zum Oktober 2009 hat das Volumen staatsgarantierter
Bankschuldverschreibungen rund 800 Mrd. US-Dollar erreicht. Über
450 Mrd. US-Dollar entfallen auf Westeuropa, der Rest zum grossen
Teil auf die USA.
Nach Joaquín Almunia, Vizepräsident der EU-Kommission,
erhielten die Banken von Oktober 2008 bis März 2010 etwa
4 Bio. Euro Staatshilfen, davon drei Viertel in der Form von staatlichen
Garantien. Die Banken nahmen von den Staatsgarantien tatsächlich
994 Mrd. Euro in Anspruch.
Reformvorschläge der G-20-Staaten
Gipfeltreffen im November 2008
Unter dem akuten Eindruck der Finanzkrise fand vom 14. bis 16.
November 2008 ein Treffen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs
der G20-Staaten (zuzüglich Niederlande und Spanien) in Washington
statt, um die Grundlagen einer Reform der internationalen Finanzmärkte
zu beraten und umzusetzen. Dieses hochrangige Treffen wurde in
der deutschsprachigen Presse auch Weltfinanzgipfel genannt. Ziel
war die Vereinbarung von internationalen Regelungen, um die Wiederholung
einer Finanzkrise zu vermeiden. Ein Katalog mit knapp 50 Einzelmassnahmen
wurde verabschiedet. 28 dieser Einzelvorschläge sollten
bis 31. März 2009 umgesetzt werden, die weiteren Punkte mittelfristig.
Die Teilnehmer gaben Tendenzen zum Protektionismus eine klare
Absage, sie bekannten sich ausdrücklich zu den Prinzipien
eines freien Marktes und eines offenen Handels. Zudem wurden eine
effektivere Regulierung der Finanzmärkte gefordert. Unter
anderem wurden folgende Massnahmen vereinbart:
eine grössere Überwachung der Ratingagenturen,
eine stärkere Reglementierung von spekulativen Hedgefonds
sowie anderer bislang unregulierter Finanzprodukte,
Festlegung von Bewertungsmassstäben für komplexe
Finanzprodukte,
Erhöhung der Eigenkapitalpuffer von Finanzinstitutionen,
Harmonisierung und Überarbeitung von Bilanzierungsregeln,
Orientierung der Anreizsysteme von Managern an mittelfristigen
Zielen,
Schutz vor unfairem Wettbewerb durch Steueroasen,
Stärkung des Internationalen Währungsfonds,
ein besserer Schutz der Verbraucher durch transparentere Informationen.
Jedes Teilnehmerland verpflichtet sich, die Massnahmen in
nationales Recht umzusetzen.
Nachfolgende Gipfeltreffen
Eine Folgekonferenz fand am 1./2. April 2009 in London statt.
Neben der Konkretisierung verschiedener Punkte des ersten Treffens
wurden ergänzend Massnahmen zur Konjunkturbelebung verabschiedet:
Die G20-Länder beschlossen ein Programm von 1,1 Billionen
US-Dollar zur Belebung der Weltkonjunktur, insbesondere des Welthandels
sowie zur Verbesserung der Situation in den Entwicklungsländern.
Im Einzelnen:
Die Mittel für den IWF sollen auf 750 Mrd. US-Dollar erhöht
werden.
An neuen Sonderziehungsrechten sollen 250 Mrd. US-Dollar zugeteilt
werden.
Über Multilaterale Entwicklungsbanken sollen zusätzlich
mindestens 100 Mrd. US-Dollar gewährt werden.
Bis Ende 2010 soll eine fiskalpolitische Ausweitung von 5 Bio.
US-Dollar erfolgen, welche der Weltproduktion laut G20 einen Impuls
von 4 % erteilen wird.
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen:
Das Jahr 2010 ist vorbei. Eine solche Ausweitung müsste inzwischen
doch angekündigt worden sein. --Flominator 20:49, 12. Jan.
2011 (CET)
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Zur Bekämpfung von Steueroasen und Geldwäsche hat die
OECD eine schwarze Liste (Costa Rica, Malaysia, Philippinen, Uruguay)
sowie eine graue Länderliste veröffentlicht.
Reformen und eine Stärkung der internationalen Finanzinstitutionen,
insbesondere IWF und Weltbank, wurden beschlossen.
Massnahmen zur systematischen Regulierung und Überwachung
von Hedge-Fonds und ähnlichen Finanzanlagekonstruktionen
wurden konkretisiert.
Das bereits im November erklärte Ziel, die Eigenkapitalbasis
von Kreditinstituten zu stärken, wurde durch Massnahmen
ergänzt.
Es wurde das Ziel vereinbart, dass sich Managervergütungen
nicht an kurzfristigen Erfolgen, sondern an langfristigen Zielen
orientiert sollen.
Das Bekenntnis zum Freihandel wurde erneut bekräftigt.
Bei den weiteren G20-Treffen am 24./25. September 2009 in Pittsburgh
und am 26./27. Juni 2010 in Toronto waren die Schwerpunkte
unverändert eine Reform und Stärkung der Finanzsysteme
sowie das Wiedererreichen eines starken Wirtschaftswachstums,
hinzu kam die Forderung nach Nachhaltigkeit und Ausgewogenheit
bei der Erreichung der Wachstumsziele.