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ERSTER ENTWURF EINER ALLGEMEINEN EINLEITUNG IN
DIE VERGLEICHENDE ANATOMIE, AUSGEHEND VON DER OSTEOLOGIE
795 entstanden; Zur Morphologie, Band 1 Heft 2,
182
Naturgeschichte beruht überhaupt auf Vergleichung.
Äußere Kennzeichen sind bedeutend, aber nicht hinreichend, um
organische Körper gehörig zu sondern und wieder zusammenzustellen.
Anatomie leistet am organisierten Wesen, was Chemie
am unorganisierten.
Die vergleichende Anatomie beschäftigt den Geist
mannigfaltig, gibt uns Gelegenheit, die organischen Naturen aus
vielen Gesichtspunkten zu betrachten.
Neben Zergliederung des menschlichen Körpers geht
die der Tiere immer sachte fort.
Die Einsicht in den Körperbau und in die Physiologie
des Menschen ist durch Entdeckungen, die man an Tieren gemacht,
sehr erweitert worden.
Die Natur hat verschiedene Eigenschaften und Bestimmungen
unter die Tiere verteilt, jedes zeigt sich charakteristisch ausgesprochen.
Ihr Bau ist einfach, notdürftig, oft in ein großes weitschichtiges
Volum ausgedehnt.
Des Menschen Bau ist in zartere Ramifikationen vermannigfaltigt,
reich und gedrängt ausgestattet, bedeutende Stellen in die Enge
gezogen, abgesonderte Teile durch Anastomose verbunden.
Dem Beobachter liegt im Tiere das Tierische mit
allen unmittelbaren Forderungen und Bedürfnissen vor Augen.
Im Menschen ist das Tierische zu höhern Zwecken
gesteigert und für das Auge, wie für den Geist, in Schatten gestellt.
Die Hindernisse, welche der vergleichenden Anatomie
bisher im Wege standen, sind mannigfaltig. Sie hat keine Grenzen,
und jede bloß empirische Behandlung müdet sich ab in dem weiten
Umfang.
Die Beobachtungen blieben einzeln, wie sie gemacht
wurden, stehen. Man konnte sich über Terminologie nicht vereinigen.
Gelehrte, Stallmeister, Jäger, Fleischer und so weiter hatten
verschiedene Benennungen hergebracht.
Niemand glaubte an einen Vereinigungspunkt, an den
man die Gegenstände hätte anschließen können, oder einen Gesichtspunkt,
aus dem man sie anzusehen hätte.
Man wendete, wie in andern Wissenschaften, so auch
hier, nicht genug geläuterte Vorstellungsarten an. Entweder man
nahm die Sache zu trivial und haftete bloß an der Erscheinung,
oder man suchte sich durch Endursachen zu helfen, wodurch man
sich denn nur immer weiter von der Idee eines lebendigen Wesens
entfernte. Ebensosehr und auf gleiche Weise hinderte die fromme
Denkart, da man jedes Einzelne zur Ehre Gottes unmittelbar verbrauchen
wollte. Man verlor sich in leere Spekulationen, zum Beispiel über
die Seele der Tiere und so weiter.
Die Anatomie des Menschen bis in die feinsten Teile
zu verfolgen, ward eine unendliche Arbeit gefordert. Ja sogar
diese, der Medizin untergeordnet, konnte nur von wenigen als ein
besonderes Studium betrieben werden. Noch wenigere hatten Neigung,
Zeit, Vermögen und Gelegenheit in der vergleichenden Anatomie
etwas Bedeutendes und Zusammenhängendes zu leisten.
Die Ähnlichkeit der Tiere untereinander und mit
dem Menschen ist in die Augen fallend und im allgemeinen anerkannt,
im besondern schwerer zu bemerken, im einzelnen nicht immer sogleich
darzutun, öfters verkannt und manchmal gar geleugnet. Die verschiedenen
Meinungen der Beobachter sind daher schwer zu vereinigen. Denn
es fehlt an einer Norm, an der man die verschiedenen Teile prüfen
könnte, es fehlt an einer Folge von Grundsätzen, zu denen man
sich bekennen müßte.
Man verglich die Tiere mit dem Menschen und die
Tiere untereinander, und so war bei vieler Arbeit immer nur etwas
Einzelnes erzweckt und, durch diese vermehrten Einzelheiten jede
Art von Überblick immer unmöglicher. Beispiele aus Buffon würden
sich manche vorlegen lassen. Josephis Unternehmen und anderer
wäre in diesem Sinne zu beurteilen. Da man nun auf solche Weise
alle Tiere mit jedem, und jedes Tier mit allen vergleichen mußte,
so sieht man die Unmöglichkeit ein, je auf diesem Wege eine Vereinigung
zu finden.
Deshalb geschieht hier ein Vorschlag zu einem anatomischen
Typus, zu einem allgemeinen Bilde, worin die Gestalten sämtlicher
Tiere, der Möglichkeit nach, enthalten wären, und wonach man jedes
Tier in einer gewissen Ordnung beschriebe. Dieser Typus müßte
soviel wie möglich in physiologischer Rücksicht aufgestellt sein.
Schon aus der allgemeinen Idee eines Typus folgt, daß kein einzelnes
Tier als ein solcher Vergleichungskanon aufgestellt werden könne;
kein Einzelnes kann Muster des Ganzen sein.
Der Mensch, bei seiner hohen organischen Vollkommenheit,
darf, ebendieser Vollkommenheit wegen, nicht als Maßstab der unvollkommenen
Tiere aufgestellt werden. Man verfahre vielmehr folgendermaßen.
Die Erfahrung muß uns vorerst die Teile lehren,
die allen Tieren gemein sind, und worin diese Teile verschieden
sind. Die Idee muß über dem Ganzen walten und auf eine genetische
Weise das allgemeine Bild abziehen. Ist ein solcher Typus auch
nur zum Versuch aufgestellt, so können wir die bisher gebräuchlichen
Vergleichungsarten zur Prüfung desselben sehr wohl benutzen.
Man verglich: Tiere untereinander, Tiere zum Menschen,
Menschenrassen untereinander, die beiden Geschlechter wechselseitig,
Hauptteile des Körpers, zum Beispiel obere und untere Extremitäten,
untergeordnete Teile, zum Beispiel einen Wirbelknochen mit den
andern.
Alle diese Vergleichungen können nach aufgestelltem
Typus noch immer stattfinden, nur wird man sie mit besserer Folge
und größerm Einfluß auf das Ganze der Wissenschaft vornehmen.
ja dasjenige, was bisher schon geschehen, beurteilen und die wahrgefundenen
Beobachtungen an gehörigen Orten einreihen.
Nach aufgebautem Typus verfährt man bei Vergleichung
auf doppelte Weise. Erstlich daß man einzelne Tierarten nach demselben
beschreibt. Ist dieses geschehen, so braucht man Tier mit Tier
nicht mehr zu vergleichen, sondern man hält die Beschreibungen
nur gegeneinander und die Vergleichung macht sich von selbst.
Sodann kann man aber auch einen besondern Teil durch alle Hauptgattungen
durch beschreiben, wodurch eine belehrende Vergleichung vollkommen
bewirkt wird. Beide Arten von Monographien müßten jedoch so vollständig
als möglich sein, wenn sie fruchten sollten, besonders zur Letztem
könnten sich mehrere Beobachter vereinigen. Doch müßte man vorerst
über ein allgemeines Schema sich verständigen, worauf das Mechanische
der Arbeit durch eine Tabelle befördert werden könnte, welche
jeder bei seiner Arbeit zugrunde legte. Und so wäre er gewiß,
daß er bei der kleinsten, spezialsten Arbeit für alle, für die
Wissenschaft gearbeitet hätte. Bei der jetzigen Lage der Dinge
ist es traurig, daß jeder wieder von vorne anfangen muß.
Im vorhergehenden war eigentlich nur von komparierter
Anatomie der Säugetiere gesprochen und von den Mitteln, welche
das Studium derselben erleichtern könnten; jetzt aber, da wir
die Erbauung des Typus unternehmen, müssen wir uns weiter in der
organischen Natur umsehen, weil wir ohne einen solchen Überblick
kein allgemeines Bild der Säugetiere aufstellen könnten, und weil
sich dieses Bild, wenn wir bei dessen Konstruktion die ganze Natur
zu Rate ziehen, künftighin rückwärts dergestalt modifizieren läßt,
daß auch die Bilder unvollkommener Geschöpfe daraus herzuleiten
sind.
Alle einigermaßen entwickelten Geschöpfe zeigen
schon am äußern Gebäude drei Hauptabteilungen. Man betrachte die
vollendeten Insekten 1 Ihr Körper besteht aus drei Teilen, welche
verschiedene Lebensfunktionen ausüben, durch ihre Verbindung untereinander
und Wirkung aufeinander die organische Existenz auf einer hohen
Stufe darstellen. Diese drei Teile sind das Haupt, der Mittel-
und Hinterteil; die Hilfsorgane findet man unter verschiedenen
Umständen an ihnen befestigt.
Das Haupt ist seinem Platze nach immer vorn, ist
der Versammlungsort der abgesonderten Sinne und enthält die regierenden
Sinneswerkzeuge, in einem oder mehreren Nervenknoten, die wir
Gehirn zu nennen pflegen, verbunden. Der mittlere Teil enthält
die Organe des innern Lebensantriebes und einer immer fortdauernden
Bewegung nach außen; die Organe des innern Lebensanstoßes sind
weniger bedeutend, weil bei diesen Geschöpfen jeder Teil offenbar
mit einem eignen Leben begabt ist. Der hinterste Teil enthält
die Organe der Nahrung und Fortpflanzung, sowie der gröbern Absonderung.
Sind nun die benannten drei Teile getrennt und oft
nur durch fadenartige Röhren verbunden, so zeigt dies einen vollkommenen
Zustand an. Deshalb ist der Hauptmoment der sukzessiven Raupenverwandlung
zum Insekt eine sukzessive Separation der Systeme, welche im Wurm
noch unter der allgemeinen Hülle verborgen lagen, sich teilweis
in einem unwirksamen, unausgesprochenen Zustand befanden; nun
aber, da die Entwicklung geschehen ist, da die letzten besten
Kräfte für sich wirken, so ist die freie Bewegung und Tätigkeit
des Geschöpfs vorhanden und durch mannigfaltige Bestimmung und
Absonderung der organischen Systeme die Fortpflanzung möglich.
Bei den vollkommenen Tieren ist das Haupt von der
zweiten Abteilung mehr oder weniger entschieden abgesondert, die
dritte aber durch Verlängerung des Rückgrats mit der vordern verbunden
und in eine allgemeine Decke gehüllt; daß sie aber durch eine
Scheidewand von dem mittlern System der Brust abgeteilt sei, zeigt
uns die Zergliederung.
Hilfsorgane hat das Haupt, insofern sie zur Aneignung
der Speisen nötig sind; sie zeigen sich bald als geteilte Zangen,
bald als ein mehr oder weniger verbundenes Kinnladenpaar.
Der mittlere Teil hat bei unvollkommenen Tieren
sehr vielfache Hilfsorgane, Füße, Flügel und Flügeldecken; bei
den vollkommenen Tieren sind an diesem mittlern Teile auch die
mittlern Hilfsorgane, Arme oder Vorderfüße, angebracht. Der hintere
Teil hat bei den Insekten in ihrem entwickelten Zustand keine
Hilfsorgane, hingegen bei vollkommenen Tieren, wo die beiden Systeme
angenähert und zusammengedrängt sind, stehen die letzten Hilfsorgane,
Füße genannt, am hinteren Ende des dritten Systemes, und so werden
wir die Säugetiere durchgängig gebildet finden. Ihr letzter oder
hinterster Teil hat mehr oder weniger noch eine Fortsetzung, den
Schwanz, die aber eigentlich nur als eine Andeutung der Unendlichkeit
organischer Existenzen angesehen werden kann.
IV. Anwendung der allgemeinen Darstellung des Typus
auf das Besondere
Die Teile des Tieres, ihre Gestalt untereinander,
ihr Verhältnis, ihre besondern Eigenschaften, bestimmen die Lebensbedürfnisse
des Geschöpfs. Daher die entschiedene, aber eingeschränkte Lebensweise
der Tiergattungen und Arten.
Betrachten wir nach jenem, erst im allgemeinsten
aufgestellten Typus die verschiedenen Teile der vollkommensten,
die wir Säugetiere nennen, so finden wir, daß der Bildungskreis
der Natur zwar eingeschränkt ist, dabei jedoch, wegen der Menge
der Teile und wegen der vielfachen Modifikabilität, die Veränderungen
der Gestalt ins Unendliche möglich werden.
Wenn wir die Teile genau kennen und betrachten,
so werden wir finden, daß die Mannigfaltigkeit der Gestalt daher
entspringt, daß diesem oder jenem Teil ein Übergewicht über die
andern zugestanden ist.
So sind, zum Beispiel, Hals und Extremitäten auf
Kosten des Körpers bei der Giraffe begünstigt, dahingegen beim
Maulwurf das Umgekehrte stattfindet.
Bei dieser Betrachtung tritt uns nun gleich das
Gesetz entgegen: daß keinem Teil etwas zugelegt werden könne,
ohne daß einem andern dagegen etwas abgezogen werde, und umgekehrt.
Hier sind die Schranken der tierischen Natur, in
welchen sich die bildende Kraft auf die wunderbarste und beinahe
auf die willkürlichste Weise zu bewegen scheint, ohne daß sie
im mindesten fähig wäre, den Kreis zu durchbrechen oder ihn zu
überspringen. Der Bildungstrieb ist hier in einem zwar beschränkten,
aber doch wohl eingerichteten Reiche zum Beherrscher gesetzt.
Die Rubriken seines Etats, in welche sein Aufwand zu verteilen
ist, sind ihm vorgeschrieben, was er auf jedes wenden will, steht
ihm, bis auf einen gewissen Grad, frei. Will er der einen mehr
zuwenden, so ist er nicht ganz gehindert, allein er ist genötigt,
an einer andern sogleich etwas fehlen zu lassen; und so kann die
Natur sich niemals verschulden oder wohl gar bankrott werden.
Wir wollen versuchen, uns durch das Labyrinth der
tierischen Bildung an diesem Leitfaden durchzuhelfen, und wir
werden künftig finden, daß er auch bis zu den formlosesten organischen
Naturen hinabreicht. Wir wollen ihn an der Form prüfen3 um ihn
nachher auch bei den Kräften brauchen zu können.
Wir denken uns also das abgeschlossene Tier als
eine kleine Weit, die um ihrer selbst willen und durch sich selbst
da ist. So ist auch jedes Geschöpf Zweck seiner selbst, und weil
alle seine Teile in der unmittelbarsten Wechselwirkung stehen,
ein Verhältnis gegeneinander haben und dadurch den Kreis des Lebens
immer erneuern, so ist auch jedes Tier als physiologisch vollkommen
anzusehen. Kein Teil desselben ist, von innen betrachtet, unnütz,
oder wie man sich manchmal vorstellt, durch den Bildungstrieb
gleichsam willkürlich hervorgebracht; obgleich Teile nach außen
zu unnütz erscheinen können, weil der innere Zusammenhang der
tierischen Natur sie so gestaltete, ohne sich um die äußeren Verhältnisse
zu bekümmern. Man wird also künftig von solchen Gliedern, wie
zum Beispiel von den Eckzähnen des Sus babirussa, nicht fragen,
wozu dienen sie? sondern, woher entspringen sie? Man wird nicht
behaupten, einem Stier seien die Hörner gegeben daß er stoße,
sondern man wird untersuchen, wie er Hörner haben könne um zu
stoßen. jenen allgemeinen Typus, den wir nun freilich erst konstruieren
und in seinen Teilen erst erforschen wollen, werden wir im ganzen
unveränderlich finden, werden die höchste Klasse der Tiere, die
Säugetiere selbst, unter den verschiedensten Gestalten in ihren
Teilen höchst übereinstimmend antreffen.
Nun aber müssen wir, indem wir bei und mit dem Beharrlichen
beharren, auch zugleich mit und neben dem Veränderlichen unsere
Ansichten zu verändern und mannigfaltige Beweglichkeit lernen,
damit wir den Typus in aller seiner Versatilität zu verfolgen
gewandt seien und uns dieser Proteus nirgendhin entschlüpfe.
Fragt man aber nach den Anlässen, wodurch eine so
mannigfaltige Bestimmbarkeit zum Vorschein komme, so antworten
wir vorerst: das Tier wird durch Umstände zu Umständen gebildet;
daher seine innere Vollkommenheit und seine Zweckmäßigkeit nach
außen.
Um nun jene Idee eines haushälterischen Gebens und
Nehmens anschaulich zu machen, führen wir einige Beispiele an.
Die Schlange steht in der Organisation weit oben. Sie hat ein
entschiedenes Haupt, mit einem vollkommenen Hilfsorgan, einer
vorne verbundenen unteren Kinnlade. Allein ihr Körper ist gleichsam
unendlich, und er kann es deswegen sein, weil er weder Materie
noch Kraft auf Hilfsorgane zu verwenden hat. Sobald nun diese
in einer andern Bildung hervortreten, wie zum Beispiel bei der
Eidechse nur kurze Arme und Füße hervorgebracht werden, so muß
die unbedingte Länge sogleich sich zusammenziehen und ein kürzerer
Körper stattfinden. Die langen Beine des Frosches nötigen den
Körper dieser Kreatur in eine sehr kurze Form, und die ungestaltete
Kröte ist nach ebendiesem Gesetze in die Breite gezogen.
Hier kommt es nun darauf an, wie weit man dieses
Prinzip durch die verschiedenen naturhistorischen Klassen, Geschlechter
und Arten, kursorisch durchführen und durch Beurteilung des Habitus
und der äußerlichen Kennzeichen die Idee im allgemeinen anschaulich
und angenehm machen wollte, damit die Lust und der Mut gereizt
würde, mit Aufmerksamkeit und Mühe das Einzelne zu durchsuchen.
zuerst wäre aber der Typus in der Rücksicht zu betrachten,
wie die verschiedenen elementaren Naturkräfte auf ihn wirken und
wie er den allgemeinen äußern Gesetzen, bis auf einen gewissen
Grad, sich gleichfalls fügen muß.
Das Wasser schwellt die Körper, die es umgibt, berührt,
in die es mehr oder weniger hineindringt, entschieden auf. So
wird der Rumpf des Fisches, besonders das Fleisch desselben aufgeschwellt,
nach den Gesetzen des Elements. Nun muß nach den Gesetzen des
organischen Typus auf diese Aufschwellung des Rumpfes das Zusammenziehen
der Extremitäten oder Hilfsorgane folgen, ohne was noch weiter
für Bestimmungen der übrigen Organe daraus entstehen, die sich
später zeigen werden.
Die Luft, indem sie das Wasser in sich aufnimmt,
trocknet aus. Der Typus also, der sich in der Luft entwickelt,
wird, je reiner, je weniger feucht sie ist, desto trockener inwendig
werden, und es wird ein mehr oder weniger magerer Vogel entstehen,
dessen Fleisch und Knochengerippe reichlich zu bekleiden, dessen
Hilfsorgane hinlänglich zu versorgen für die bildende Kraft noch
Stoff genug übrig bleibt. Was bei dem Fische auf das Fleisch gewandt
wird, bleibt hier für die Federn übrig. So bildet sich der Adler
durch die Luft zur Luft, durch die Berghöhe zur Berghöhe. Der
Schwan, die Ente, als eine Art von Amphibien, verraten ihre Neigung
zum Wasser schon durch ihre Gestalt. Wie wundersam den Storch,
den Strandläufer, die Nähe zum Wasser und seine Neigung zur Luft
bezeichnen, ist anhaltender Betrachtung wert.
So wird man die Wirkung des Klimas, der Berghöhe,
der Wärme und Kälte, nebst den Wirkungen des Wassers und der gemeinen
Luft, auch zur Bildung der Säugetiere sehr mächtig finden. Wärme
und Feuchtigkeit schweut auf und bringt selbst innerhalb der Grenzen
des Typus unerklärlich scheinende Ungeheuer hervor, indessen Hitze
und Trockenheit die vollkommensten und ausgebildetsten Geschöpfe,
so sehr sie auch der Natur und Gestalt nach dem Menschen entgegen
stehen, zum Beispiel den Löwen und Tiger, hervorbringen, und so
ist das heiße Klima allein imstande selbst der unvollkommenen
Organisation etwas Menschenähnliches zu erteilen, wie zum Beispiel
im Affen und Papageien geschieht.
Man kann auch den Typus verhältnismäßig gegen sich
selbst betrachten und die Vergleichung innerhalb desselben anstellen,
zum Beispiel die Vergleichung der harten und weichen Teile gegeneinander.
So scheinen zum Beispiel die Ernährungs- und Zeugungsorgane weit
mehr Kraft wegzunehmen als die Bewegungs- und Antriebsorgane.
Herz und Lunge sitzen in einem knöchernen Gehäuse fest, anstatt
daß Magen, Gedärme und Gebärmutter in einem weichen Behältnisse
schwanken. Man sieht, daß, der Bildungsintention nach so gut ein
Brustgrat als ein Rückgrat stattfindet. Aber das Brustgrat, bei
den Tieren das untere, ist, gegen das Rückgrat betrachtet, kurz
und schwach. Seine Wirbelknochen sind länglich, schmal oder breit
gedrückt, und wenn das Rückgrat vollkommene oder unvollkommene
Rippen zu Nachbarn hat, so stehen am Brustgrate nur Knorpel gegenüber.
Das Brustgrat scheint also den sämtlichen oberen Eingeweiden einen
Teil seiner Festigkeit, den untern hingegen seine völlige Existenz
aufzuopfern; so wie selbst das Rückgrat diejenigen Rippen, welche
an den Lendenwirbeln stehen könnten, der vollkommenen Ausbildung
der benachbarten wichtigen weichen Teile aufopfert.
Wenden wir nun sofort das von uns ausgesprochene
Gesetz auf verwandte Naturerscheinungen an, so möchte manches
interessante Phänomen erklärbar sein. Der Hauptpunkt der ganzen
weiblichen Existenz ist die Gebärmutter. Sie nimmt unter den Eingeweiden
einen vorzüglichen Platz ein, und äußert, entweder in der Wirklichkeit
oder Möglichkeit, die höchsten Kräfte, in Anziehung, Ausdehnung,
Zusammenziehung und so weiter. Nun scheint die Bildungskraft auf
diesen Teil, durch alle vollkommneren Tiere, so viel verwenden
zu müssen, daß sie genötigt ist, bei andern Teilen der Gestalt
kärglich zu verfahren, daher möchte ich die mindere Schönheit
des Weibchens erklären; auf die Eierstöcke war so viel zu verwenden,
daß äußerer Schein nicht mehr stattfinden konnte. In der Ausführung
der Arbeit selbst werden uns viele solche Fälle vorkornrüen, die
wir hier im allgemeinen nicht voraus nehmen dürfen.
Durch alle diese Betrachtungen steigen wir zuletzt
zum Menschen herauf, und es wird die Frage sein: ob und wann wir
den Menschen auf der höchsten Stufe der Organisation antreffen?
Hoffentlich wird uns unser Faden durch dieses Labyrinth durchbringen
und uns auch über die verschiedenen Abweichungen der menschlichen
Gestalt und zuletzt über die schönste Organisation Aufschlüsse
geben.
V. Vom osteologischen Typus insbesondere
Ob nun aber diese Vorstellungsart dem behandelnden
Gegenstande völlig gemäß sei, kann nur dann erst geprüft und entschieden
werden, wenn durch umsichtige Anatomie die Teile der Tiere gesondert
und wieder miteinander verglichen worden. Auch die Methode, nach
welcher wir nunmehr die Ordnung der Teile betrachten, wird künftig
erst durch Erfahrung und Gelingen gerechtfertigt.
Das Knochengebäude ist das deutliche Gerüst aller
Gestalten. Einmal wohl erkannt, erleichtert es die Erkenntnis
aller übrigen Teile. Hier sollte nun freilich, ehe wir weiter
gehen, manches besprochen werden, zum Beispiel wie es mit der
Osteologie des Menschen gegangen? Auch sollte man über partes
proprias et improprias einiges verhandeln; doch ist uns diesmal
nur gegönnt, lakonisch und aphoristisch zu verfahren.
Ohne Widerrede zu befürchten, dürfen wir vorerst
behaupten, daß die Einteilung des menschlichen Knochengebäudes
bloß zufällig entstanden; daher man denn bei Beschreibungen bald
mehr, bald weniger Knochen annahm, auch jeder sie nach Belieben
und eigner Ordnung beschrieb.
Wie es ferner nach so vielfältigen Bemühungen um
die Knochenlehre des Säugetieres überhaupt aussehe, wäre sorgfältig
auszumitteln, wobei denn Campers Urteil über die wichtigsten Schriften
der vergleichenden Osteologie jeder Prüfung und Benutzung zustatten
käme.
Im ganzen wird man sich auch bei der allgemeinen
vergleichenden Osteologie überzeugen, daß sie eben aus Mangel
eines ersten Vorbildes und dessen genau bestimmter Abteilung in
große Verworrenheit geraten sei; Volcher Coiter, Duverney, Daubenton
und andere sind nicht frei von Verwechslung der Teile; ein Fehler,
der beim Beginnen jeder Wissenschaft unvermeidlich, bei dieser
aber sehr verzeihlich ist.
Gewisse beschränkende Meinungen setzten sich fest,
man wollte zum Beispiel dem Menschen seinen Zwischenknochen abstreiten.
Was man dabei zu gewinnen glaubte, war wunderlich genug: hier
sollte das Unterscheidungszeichen zwischen uns und dem Affen sein.
Dagegen bemerkte man nicht, daß man durch indirekte Leugnung des
Typus die schönste Aussicht verlor.
Ferner behauptete man eine Zeitlang: der Eckzahn
des Elefanten stehe im Zwischenknochen, da er doch unabänderlich
der obern Kinnlade angehört und ein genauer Beobachter gar wohl
bemerken kann, daß von der obern Kinnlade sich eine Lamelle um
den ungeheuren Zahn herumschlingt und die Natur keineswegs duldet,
daß hier etwas gegen Gesetz und Ordnung geschehe.
Wenn wir nun ausgesprochen, daß der Mensch nicht
könne fürs Tier, das Tier nicht für den Menschen als Typus aufgestellt
werden, so müssen wir nunmehr das Dritte, was sich zwischen beide
hineinsetzt, ungesäumt hinstellen und die Ursache unseres Verfahrens
nach und nach zur Sprache bringen.
Notwendig ist es daher, alle Knochenabteilungen,
welche nur vorkommen können, aufzusuchen und zu bemerken; hiezu
gelangen wir durch Betrachtung der verschiedensten Tierarten,
ja durch Untersuchung des Fötus.
Wir nehmen das vierfüßige Tier, wie es vor uns steht
und das Haupt vorreckt, von vorn nach hinten, und bauen erst den
Schädel, dann das übrige zusammen; die Begriffe, Gedanken, Erfahrungen,
die uns hiebei leiteten, sprechen wir zum Teil aus, wir lassen
sie vermuten und teilen sie in der Folge mit; ohne weiteres also
zur Darlegung des ersten Allgemeinsten Scheines.
VI. Der osteologische Typus in
seiner Einteilung zusammengestellt
A. Das Haupt.
a) ossa intermaxillaria,
b) Ossa maxillae superioris,
c) Ossa palatina.
Diese Knochen lassen sich in mehr als einem Sinne
miteinander vergleichen: sie bilden die Base des Gesichts und
Vorderhauptes; sie machen zusammen den Gaumen aus; sie haben in
der Form vieles gemein und stehen deshalb voran, weil wir das
Tier von vorn nach hinten zu beschreiben und die beiden ersten
nicht allein offenbar die vordersten Teile des Tierkörpers ausmachen,
sondern auch den Charakter des Geschöpfes vollkommen aussprechen,
weil ihre Form die Nahrungsweise des Geschöpfes bestimmt.
d) Ossa zygomatica,
e) Ossa lacrymalia
setzen wir auf die vorhergehenden und bilden das
Gesicht mehr aus; auch wird der untere Rand der Augenhöhle fertig.
f) Ossa nasi,
g) Ossa frontis setzen wir als Decke über jene, erzeugen den oberen
Rand der Augenhöhlen, die Räume für die Geruchsorgane und das
Gewölbe des Vorderhirnes.
h) Os sphenoideum anterius
fügen wir dem Ganzen von unten und hinten als Base
zu, bereiten dem Vorderhirne das Bette und mehreren Nerven ihre
Ausgänge. Der Körper dieses Knochens ist mit dem Körper des Os
posterius beim Menschen immer verwachsen.
i) Os ethmoideum,
k) Conchae,
l) Vomer
und so kommen die Werkzeuge des Geruchs an ihren
Ort.
m) Os sphenoideum posterius
schließt sich an das vordere an. Die Basis des Gehirnbehälters
nähert sich ihrer Vollkommenheit.
n) Ossa temporum
bilden die Wände über demselben, verbinden sich
vorwärts.
o) Ossa bregmatis
decken diese Abteilung des Gewölbes.
p) Basis ossis occipitis
vergleicht sich den beiden Sphenoideis.
q) Ossa lateralia
machen die Wände, vergleichen sich den Ossibus temporum.
r) Os lambdoideum
schließt das Gebäude, vergleicht sich den Ossibus
bregmatis.
s) Ossa petrosa
enthalten die Gehörwerkzeuge und werden an dem leeren
Platze eingefügt.
Hier endigen sich die Knochen, die das Gebäude des
Hauptes ausmachen und gegeneinander unbeweglich sind.
t) Kleine Knochen des Gehörwerkzeuges.
Bei der Ausführung wird gezeigt, wie diese Knochenabteilungen
wirklich existieren, wie sie noch Unterabteilungen haben. Es wird
die Proportion und das Verhältnis derselben untereinander, Wirkung
aufeinander, Wirkung der äußern und innern Teile dargestellt und
der Typus konstruiert und mit Beispielen erläutert.
B. Der Rumpf
1. Spina dorsalis,
a) Vertebrae colli.
Nähe des Hauptes wirkt auf die Halswirbel, besonders
die ersten.
b) dorsi,
die Wirbelknochen, an denen die Rippen angesetzt
sind, kleiner als die
c) lumborum,
Lendenwirbel die frei stehen, d) pelvis,
diese werden durch die Nähe der Beckenknochen mehr
oder weniger verändert,
e) caudae,
sind an Zahl sehr verschieden. Costae
verae,
spuriae,
f) Spina pectoralis,
Sternum,
Cartilagines.
Die Vergleichung des Rück- und Brustgrates, der
Rippen und der Knorpel führt uns auf interessante Punkte.
C. Hilfsorgane.
1. Maxiiia inferior, 2. Brachia
affixa sursurn vel retrorsurn, Scapula
deorsum vel antrorsurn, Clavicula. Humerus,
Ulna, Radius, Carpus,
Metacarpus, Digiti,
Form, Proportion, Zahl. 3. Pedes
affixi sursum vel advorsurn, Ossa ilium, Ossa ischii
deorsum vel antrorsum, Ossa pubis,
Femur, Patella, Tibia, Fibula, Tarsus,
Metatarsus. Digiti. Innere -
Os hyoides
Cartilagines, plus minus ossificatae.
VII. Was bei Beschreibung der
einzelnen Knochen vorläufig zu bemerken sei
Beantwortung zweier Fragen ist notwendig:
I. Finden wir die im Typus aufgestellten Knochenabteilungen
in allen Tieren?
II. Wann erkennen wir, daß es dieselben seien? Hindernisse.
Die Knochenbildung ist unbeständig -
a) in ihrer Ausbreitung oder Einschränkung;
b) in dem Verwachsen der Knochen;
c) in den Grenzen der Knochen gegen die Nachbarn;
d) in der Zahl;
e) in der Größe;
f) in der Form.
Die Form ist:
einfach oder ausgebildet, zusammengedrängt oder
entwickelt;
bloß notdürftig oder überflüssig begabt;
vollkommen und isoliert oder zusammen verwachsen
und verringert. Vorteile:
Die Knochenbildung ist beständig,
a) daß der Knochen immer an seinem Platze steht;
b) daß er immer dieselbe Bestimmung hat,
Die erste Frage läßt sich also nur unter der Hinsicht
auf die Hindernisse und unter den angezeigten Bedingungen mit
ja beantworten.
Die zweite Frage können wir auflösen, wenn wir uns
der obengenannten Vorteile bedienen. Und zwar werden wir dabei
folgendermaßen zu Werke gehen:
1. Werden wir den Knochen an seinem Platze aufsuchen;
2. nach dem Platze, den er in der Organisation einnimmt,
seine Bestimmung kennen lernen;
3. die Form, die er nach seiner Bestimmung haben
kann, und im allgemeinen haben muß, determinieren;
4. die mögliche Abweichung der Form teils aus dem
Begriff, teils aus der Erfahrung herleiten und abstrahieren;
5. und bei jedem Knochen diese Abweichungen in einer
gewissen anschaulichen Ordnung möglichst vortragen.
Und so können wir hoffen, wenn sie sich unserm Blick
entziehen, sie aufzufinden, ihre verschiedensten Bildungen unter
einen Hauptbegriff zu bringen und auf diese Art die Vergleichung
zu erleichtern.
A. Verschiedenheit der Einschränkung und Ausbreitung
des ganzen Knochensystems
Wir haben schon den osteologischen Typus im ganzen
dargestellt und die Ordnung festgesetzt, nach welcher wir seine
Teile durchgehen wollen. Ehe wir nun aber zum Besonderen schreiten,
ehe wir es wagen die Eigenschaften auszusprechen, welche jedem
Knochen im allgemeinsten Sinne zukommen, dürfen wir uns die Hindernisse
nicht verbergen, welche unseren Bemühungen entgegenstellen könnten.
Indem wir jenen Typus aufstellen und als eine allgemeine
Norm, wonach wir die Knochen der sämtlichen Säugetiere zu beschreiben
und zu beurteilen haben, denken, setzen wir in der Natur eine
gewisse Konsequenz voraus, wir trauen ihr zu, daß sie in allen
einzelnen Fällen nach einer gewissen Regel verfahren werde. Auch
können wir darin nicht irren. Schon oben sprachen wir unsere Überzeugung
aus, in der uns jeder flüchtige Blick auf das Tierreich bestärkt:
daß ein gewisses allgemeines Bild allen diesen einzelnen Gestalten
zugrunde liege.
Allein die lebendige Natur könnte dieses einfache
Bild nicht in das Unendliche vermannigfaltigen, wenn sie nicht
einen großen Spielraum hätte, in welchem sie sich bewegen kann,
ohne aus den Schranken ihres Gesetzes herauszutreten. Wir wollen
also zuerst zu bemerken suchen, worin die Natur bei Bildung der
einzelnen Knochen sich unbeständig zeigt, sodann worin sie sich
beständig erweist, und es wird uns möglich sein, auf diesem Wege
die allgemeinen Begriffe festzusetzen, nach welchen jeder einzelne
Knochen durch das ganze Tierreich zu finden ist.
Die Natur ist unbeständig in der Ausbreitung und
Einschränkung des Knochensystems.
Das Knochengebäude kann als Teil eines organischen
Ganzen nicht isoliert betrachtet werden. Es steht mit allen übrigen
Teilen, den halbharten und weichen, in Verbindung. Die übrigen
Teile sind mehr oder weniger mit dem Knochensystem verwandt und
fähig, in den festen Zustand überzugehen.
Wir sehen dieses deutlich bei der Erzeugung der
Knochen, vor und nach der Geburt eines wachsenden Tieres, wo die
Membranen, Knorpel und nach und nach die Knochenmassen gebildet
werden; wir sehen es bei alten Personen, im kranken Zustande,
wo mehrere Teile, welche die Natur nicht mit zum Knochensystem
bestimmt hat, verknöchern und zu demselben hinüber gezogen werden
und dasselbe dadurch gleichsam ausgebreitet wird.
Eben dieses Verfahren hat sich die Naturvorbehalten
bei Bildung der Tiere hie und da anzuwenden und die Knochenmasse
dorthin zu bringen, wo bei anderen nur Sehnen und Muskeln sich
befinden. So hängt zum Beispiel bei einigen Tieren (bis jetzt
ist es mir vom Pferd und Hund bekannt) mit dem Knorpel des Processus
styloideus ossis temporurn ein länglicher, flacher, fast wie eine
kleine Rippe gestalteter Knochen zusammen, dessen weitere Bestimmung
und Verbindung aufzusuchen ist. So ist bekannt, daß zum Beispiel
der Bär, einige Fledermäuse, einen Knochen in der männlichen Rute
haben, und es werden sich solcher Fälle noch mehrere finden.
Es scheint aber auch im Gegenteile die Natur ihr
Knochensystem manchmal einzuschränken und hie und da etwas fehlen
zu lassen, wie zum Beispiel das Schlüsselbein mehreren Tieren
völlig abgeht.
Es drängen sich uns bei dieser Gelegenheit mehrere
Betrachtungen auf, bei denen aber hier zu verweilen außer der
Zeit sein würde, zum Beispiel wie der Verknöcherung gewisse Grenzen
gesetzt sind, welche sie nicht überschreitet, ob man gleich nicht
bemerken kann was sie zurückhält. Ein auffallendes Beispiel zeigt
sich an den Knochen, Knorpeln und Membranen des Schlundes.
So wird es uns, um nur einen Seitenblick in die
weite Natur zu tun, künftig merkwürdig werden, wenn wir sehen,
wie, bei Fischen und Amphibien, sich oft große Knochenmassen auf
die Haut werfen und, wie wir bei der Schildkröte wahrnehmen, die
äußeren gewöhnlich weichen und zarten Teile in einen harten und
starren Zustand übergehen.
Doch müssen wir uns vorerst in unsern engen Kreis
einschließen und nur das nicht außer acht lassen, was oben angezeigt
worden, daß nämlich flüssige, weiche und ganz harte Teile in einem
organischen Körper als eins angesehen werden müssen und daß es
der Natur frei stehe, bald da bald dorthin zu wirken.
B. Verschiedenheit des Verwachsens
Wenn wir jene Knochenabteilungen bei verschiedenen
Tieren aufsuchen, so finden wir, daß sie nicht überall dieselbigen
zu sein scheinen, sondern daß sie manchmal zusammen verwachsen,
manchmal voneinander getrennt, in verschiedenen Gattungen und
Arten, ja sogar in verschiedenen Individuen derselben Art, besonders
auch von verschiedenen Altern dieser Individuen gefunden werden,
ohne daß man eben sogleich eine Ursache dieser Mannigfaltigkeit
anzugeben wüßte.
Es ist dieser Punkt, soviel mir bewußt ist, noch
niemals recht durchgearbeitet worden, und es sind daher die Differenzen
bei Beschreibung des menschlichen Körpers entstanden, wo sie zwar,
wenn sie auch nicht förderlich sind, dennoch wegen der Beschränktheit
des Gegenstandes allenfalls nicht hinderlich sein mögen.
Wollen wir nun aber unsere osteologischen Kenntnisse
über die sämtlichen Säugetiere ausbreiten, wollen wir dabei so
zu Werke gehen, daß wir durch unsere Methode selbst den anderen
Tierklassen, den Amphibien und Vögeln, uns nähern, ja zuletzt
an eben dem Faden uns durch die ganze Reihe der organischen Körper
durchfinden können, so müssen wir freilich anders zu Werke gehen
und, wie das alte Sprichwort sagt, um gut zu lehren gut unterscheiden.
Es ist bekannt, daß schon beim menschlichen Fötus
und bei einem neugebornen Kinde sich mehr Knochenabteilungen finden
als bei einem Halberwachsenen, und bei diesem wieder mehr als
bei einem ausgewachsenen oder veralteten Menschen.
Wie empirisch man aber zu Werke gegangen, um die
menschlichen Knochen, besonders die Knochen des Kopfes, zu beschreiben,
würde auffallender sein, wenn uns nicht die Gewohnheit diese fehlerhafte
Methode erträglich gemacht hätte. Man versucht nämlich in einem
gewissen, nicht ganz bestimmten Alter durch mechanische Hilfsmittel
den Kopf auseinander zu treiben, und was sich alsdann separiert,
nimmt man als Teile an, die nun, wie sie sich zusammenbefinden
als ein Ganzes beschrieben werden.
Es scheint sehr sonderbar, daß man bei anderen Systemen,
zum Beispiel bei den Muskeln, Nerven, Gefäßen, bis auf die kleinsten
Abteilungen vorgedrungen ist, und bei dem Knochengebäude sich
mit einem oberflächlichen Begriff teils lange befriedigt hat,
teils noch befriedigt. Was ist zum Beispiel der Idee sowohl als
der Bestimmung des Os ternporurn und des Os petrosum mehr zuwider,
als wenn man beide zusammen beschreibt, und doch ist es lange
geschehen, da uns doch die vergleichende Knochenlehre zeigen wird,
daß wir um einen deutlichen Begriff von der Bildung des Gehörorgans
zu erhalten, nicht allein das Os petrosum ganz abgesondert vom
Os temporum betrachten, sondern jenes sogar in zwei verschiedene
Teile teilen müssen.
Werden wir nun in der Folge sehen, daß diese verschiedenen
Verwachsungen der Knochen, wo nicht zufälligen, denn im organischen
Körper kann nichts zufällig sein, doch solchen Gesetzen unterworfen
sind, die nicht leicht zu erkennen, oder wenn man sie erkannt
hat, nicht leicht anzuwenden sind, so bleibt uns wohl nichts übrig
als, da wir durch die Ausarbeitung jenes Typus nun dazu gelangen
alle möglichen Knochenabteilungen zu kennen, nunmehr bei Untersuchung
der Skelette einer jeglichen Gattung, Art und sogar der Individuen,
bei unserer Beschreibung abzugeben, welche Abteilungen verwachsen,
welche noch bemerkbar und welche trennbar sind. Wir erhalten dadurch
den großen Vorteil, daß wir die Teile auch alsdann noch erkennen,
wenn sie uns selbst keine sichtbaren Zeichen ihrer Absonderungen
mehr geben, daß uns das ganze Tierreich unter einem einzigen großen
Bilde erscheint, und daß wir nicht etwa glauben, was in einer
Art, ja was in einem Individuum verborgen ist, müsse demselben
fehlen. Wir lernen mit Augen des Geistes sehen, ohne die wir,
wie überall, so besonders auch in der Naturforschung, blind umher
tasten.
So gut wir zum Beispiel wissen, daß beim Fötus das
Hinterhauptbein aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist, und uns
diese Kenntnis die Bildung des vollkommen zusammengewachsenen
Hinterhauptbeins begreifen und erklären hilft: so wird uns auch
die Erfahrung die bei manchen Tieren noch deutlichen Knochenabteilungen
und die oft seltsame, schwer zu begreifende und selbst schwer
zu beschreibende Form desselbigen Knochens an andern Tieren und
vorzüglich am Menschen erläutern; ja wir werden, wie oben schon
bemerkt worden, um die schon sehr komplizierte Bildung der Säugetiere
zu erklären, weiter hinabsteigen und selbst von den Amphibien,
von den Fischen und weiter hinab uns Hilfsmittel zu unserer Einsicht
zu verschaffen haben. Ein merkwürdiges und auffallendes Beispiel
wird die untere Kinnlade geben.
C. Verschiedenheit der Grenzen
Noch ein anderer, obgleich seltener Fall macht uns
einige Hindernisse bei Aufsuchung und Anerkennung der einzelnen
Knochen. Wir finden nämlich, daß sie manchmal andere Grenzen zu
haben und andere Nachbarn als gewöhnlich zu berühren scheinen.
-So reicht zum Beispiel der Seitenfortsatz des Zwischenkieferknochens
beim Katzengeschlecht bis an den Stirnknochen hinauf und trennt
die obere Kinnlade von dem Nasenknochen.
Dagegen wird beim Ochsen die Maxiiia superior vom
Nasenbeine durchs Tränenbein getrennt.
Beim Affen verbinden sich die Ossa bregmatis mit
dem Osse sphenoideo und trennen das Os frontis und temporum voneinander.
Diese Fälle sind genauer mit ihren Umständen zu
untersuchen, denn sie können nur scheinbar sein und zwar auf eine
bei Beschreibung der Knochen näher anzugebende Weise.
D. Verschiedenheit der Zahl
Daß die äußersten Glieder der Extremitäten auch
in der Zahl verschieden sind, ist bekannt, und es folgt, daß die
Knochen, welche diesen Gliedern zum Grunde liegen, gleichfalls
der Zahl nach verschieden sein müssen; so finden wir die Knochenzahl
der Hand- und Fußwurzel, der Mittelhand und des Mittelfußes, ebenso
wie die Zahl der Fingerglieder bald mehr, bald minder, und zwar
dergestalt, daß, wie die einen sich vermindern, die andern auch
weniger werden müssen, wie bei der einzelnen Betrachtung dieser
Teile gezeigt wird.
Ebenso vermindert sich die Zahl der Wirbelknochen,
sowohl des Rückens, der Lenden, des Beckens, als des Schwanzes;
so auch die Zahl der Rippen, der wirbelförmig oder flach gestalteten
Teile des Sternum; so vermindert oder vermehrt sich die Anzahl
der Zähne, durch welchen letzten Unterschied sehr große Diversität
in den Bau des Körpers gebracht zu sein scheint'
Doch macht uns die Beobachtung, welche die Zahl
betrifft, die wenigste Mühe, weil sie die leichteste von allen
ist und uns, wenn wir genau sind, nicht leicht mehr überraschen
kann.
E. Verschiedenheit der Größe
Da die Tiere voneinander an Größe sehr verschieden
sind, so müssen es auch ihre Knochenteile sein. Diese Verhältnisse
sind dem Maß unterworfen und die Messungen sind hier brauchbar,
welche von mehreren Anatomen, besonders von Daubenton gemacht
worden. Wären diese Knochenteile nicht auch oft in ihrer Form
verschieden, wie wir im folgenden sehen werden, so würde uns der
Unterschied der Größe wenig irre machen, weil zum Beispiel ein
Femur des größeren Tieres mit dem des kleinsten leicht zu vergleichen
ist.
Bei dieser Gelegenheit ist eine Bemerkung zu machen,
welche in das Allgemeine der Naturgeschichte eingreift. Es entsteht
nämlich die Frage: ob Größe auf Bildung, auf Form Einfluß habe?
und inwiefern?
Wir wissen, daß alle sehr großen Tiere zugleich
unförmlich sind, daß nämlich entweder die Masse über die Form
zu herrschen scheint oder daß das Maß der Glieder gegeneinander
kein glückliches Verhältnis habe.
Dem ersten Anblick nach sollte man denken, es müsse
ebenso möglich sein, daß ein Löwe von zwanzig Fuß entstehen könnte
als ein Elefant von dieser Größe, und daß sich derselbe so leicht
müsse bewegen können als die jetzt auf der Erde befindlichen Löwen,
wenn alles verhältnismäßig proportioniert wäre; allein die Erfahrung
lehrt uns, daß vollkommen ausgebildete Säugetiere über eine gewisse
Größe nicht hinausschreiten und daß daher bei zunehmender Größe
auch die Bildung anfange zu wanken und Ungeheuer auftreten. Selbst
am Menschen will man behaupten, daß übermäßig großen Individuen
etwas an Geiste abgehe, daß kleine hingegen ihn lebhafter zeigen.
Man hat ferner die Bemerkung gemacht, daß ein Gesicht im Hohlspiegel
sehr vergrößert gesehen geistlos aussehe. Eben als wenn auch in
der Erscheinung nur die körperliche Masse, nicht aber die Kraft
des belebenden Geistes hier vergrößert werden könnte.
F. Verschiedenheit der Form
Es tritt nun aber die größte Schwierigkeit ein,
welche daher entspringt, daß auch die Knochen verschiedener Tiere
einander in der Form höchst unähnlich sind. Daher gerät der Beobachter,
mag er ganze Skelette vor sich haben oder nur einzelne Teile,
gar oft in Verlegenheit. Findet er die Teile außer dem Zusammenhange,
so weiß er oft nicht, wofür er sie erklären soll; hat er sie aber
auch erkannt, so weiß er nicht, wie er sie beschreiben und insonderheit,
wie er sie vergleichen kann, da ihm, bei völliger Verschiedenheit
der äußeren Bildung, das Tertium comparationis zu mangeln scheint.
Wer würde zum Beispiel den Oberarm eines Maulwurfs und des Hasen
für ebendenselben Teil verwandter organischer Wesen halten? Von
den Arten jedoch wie gleiche Glieder verschiedener Tiere in der
Form so sehr voneinander abweichen können, und die uns erst bei
der Ausführung ganz deutlich werden dürften, wollen wir uns vorerst
folgende vorzüglich merken.
Bei dem einen Tiere kann der Knochen einfach sein
und nur gleichsam das Rudiment dieses Organes vorstellen, bei
andern hingegen derselbe Knochen in seiner völligen Ausbildung
und in seiner möglichen Vollkommenheit sich finden: So ist zum
Beispiel der Zwischenknochen des Rehes von dem Zwischenknochen
des Löwen so unterschieden, daß beim ersten Anblick keine Vergleichung
stattzuhaben scheint.
So kann ein Knochen zwar in einem gewissen Sinne
ausgebildet, aber durch die übrige Bildung zusammengedrängt und
mißgestaltet sein, daß man gleichfalls kaum wagen würde, ihn für
denselbigen Knochen zu erkennen. In diesem Fall sind die Ossa
bregmatis der Hörner und Geweihe tragenden Tiere gegen die Ossa
bregmatis des Menschen, der Zwischenknochen des Walrosses gegen
den irgend eines Raubtieres.
Ferner: jeder Knochen, der bloß notdürftig seine
Bestimmung erfüllt, hat auch eine bestimmtere und kenntlichere
Form als derselbe Knochen, der mehr Knochenmasse zu haben scheint,
als er zu ebendieser Bestimmung braucht; daher er seine Gestalt
auf eine sonderbare Weise verändert, besonders aber aufgebläht
wird. So machen ungeheure Sinuositäten die Flächenknochen beim
Ochsen und Schweine völlig unkenntlich, dahingegen dieselben bei
den Katzenarten außerordentlich schön und deutlich gefunden werden.
Noch eine Art, wodurch ein Knochen sich unseren
Augen beinahe völlig verlieren kann, ist wenn er mit einem Nachbar
zusammenwächst, und zwar dergestalt, daß wegen besonderer Umstände,
der Nachbar mehr Knochenmaterie braucht, als ihm bei einer regelmäßigen
Bildung bestimmt wäre. Dadurch wird dem andern verwachsenen Knochen
so viel entzogen, daß er sich fast gänzlich verzehrt. So verwachsen
die sieben Halswirbelknochen des Walfisches miteinander, und zwar
dergestalt daß man fast nur den Atlas mit einem Anhange zu sehen
glaubt.
Dagegen ist das Beständigste der Platz, in welchem
der Knochen jedesmal gefunden wird, und die Bestimmung, wozu er
sich in einem organischen Gebäude bequemt. Wir werden daher bei
unserer Ausarbeitung den Knochen jederzeit zuerst an seinem Platze
aufsuchen, und finden, daß er auf demselben, wenn auch verschoben,
gedrückt und verrückt gefunden wird, manchmal auch zu großer Ausdehnung
gelangt. Wir wollen sehen, was er dem Platze nach, den er in der
Organisation einnimmt, für einer Bestimmung dienen muß. Es wird
sich hieraus erkennen lassen, was er nach seiner Bestimmung für
eine Form haben müsse, von der er wenigstens im allgemeinen nicht
abweichen kann.
Man wird alsdann die möglichen Abweichungen dieser
Form teils aus dem Begriff, teils aus der Erfahrung herleiten
und abstrahieren können.
Man wird bei jedem Knochen versuchen, die Abweichungen,
in denen er sich zeigt, in einer gewissen anschaulichen Ordnung
vorzutragen, dergestalt, daß man sich vom Einfachen zum Vielfachen
und Ausgebildeten, oder umgekehrt, eine Reihe darlegt, je nachdem
die besondern Umstände der Deutlichkeit am günstigsten scheinen.
Man sieht leicht ein, wie wünschenswert vollständige Monographien
einzelner Knochen durch die ganze Klasse der Säugetiere wären,
so wie wir oben vollständigere und genauere Beschreibung mit Rücksicht
auf den auszubildenden Typus gewünscht haben.
Bei gegenwärtiger Bemühung werden wir versuchen,
ob nicht ein Vereinigungspunkt sei, um welchen wir die gemachten
und noch zu machenden Erfahrungen über diesen Gegenstand in einen
übersehbaren Kreis vereinigen können.
VIII. Nach welcher Ordnung das
Skelett zu betrachten und was bei den verschiedenen Teilen desselben
zu bemerken sei
In der Abhandlung über diesen Gegenstand müssen
die allgemeinen Bemerkungen schon vorgelegt und dem Beobachter
im ganzen bekannt sein, worauf er überhaupt zu sehen hat und wie
die Bemerkung vorzüglich anzustellen ist, damit bei der Beschreibung,
wozu gegenwärtiges Schema dienen soll, nichts vorkomme, was allen
Tieren gemein ist, sondern dasjenige, worin sie voneinander abweichen.
So werden zum Beispiel in der allgemeinen Beschreibung die Knochen
des Hauptes, wie sie nebeneinander stehen und wie sie miteinander
verbunden sind, beschrieben. Bei dieser einzelnen Beschreibung
hingegen wird nur bemerkt, wenn sie ihre Nachbarschaft, wie ni=chmal
geschieht, verändern.
So wird zum Beispiel ein Beobachter wohltun, wenn
er bemerkt, ob ein Knochen des Hauptes oder ein Teil desselben
sinuos sei und dieses am Ende in der allgemeinen Anmerkung über
denselben allenfalls beibringen. Mehrere solcher Momente der Beschreibung
werden sich im folgenden ergeben.
Caput.
Os intermaxillare.
Pars horizontales sive palatina,
Pars lateralis sive facialis,
Margo anterior.
N.B. Man kann bei diesem sowie bei den übrigen Gesichts-
und anderen Knochen, deren Gestalt sich sehr verändert, erst etwas
über die allgemeine Gestalt vorausschicken, ehe man an die Gestalt
der Teile geht, weil alsdann diese sich von selbst geben.
Dentes,
spitzige,
stumpfe,
flache,
flache und gekrönte.
Canales incisivi.
Hiebei fragt sich, ob der Raum zwischen den Oss.
intermax. groß oder klein ist.
Maxilla superior.
Pars palatina sive horizontales,
Pars lateralis sive perpendicularis,
Margo sive pars alveolaris,
Dentes.
Eckzahn,
proportionierlich klein oder groß;
spitz,
stumpf,
gebogen,
nach oben oder nach unten gerichtet,
Backenzähne,
einfach und spitz,
zusammengesetzt und breit,
mit Kronen, deren innere Knochenblättchen mit den
äußern nach einer Richtung gehen,
mit labyrinthartigen Kronen,
mit sehr gedrängten Labyrinthen,
dreispitzige,
flache.
Foramen infraorbitale.
Nur foramen:
mehr oder weniger langer Kanal, dessen Austritt
im Gesichte zu bemerken;
ist manchmal doppelt.
Os palatinum.
Pars horizontales sive palatina,
Pars lateralis,
Pars posterior,
Processus harnatus,
Canalis palatinus.
Wollte man ja einmal messen und auf diese Weise
eine Vergleichung anstellen, so könnte man vorgemeldete drei Knochen,
die zusammen den Gaumen ausmachen, messen und ihre Länge untereinander,
so wie auch die Breite zur allgemeinen Länge vergleichen.
Os zygomaticum.
Seine mehr oder weniger zusammengedrängte Gestalt.
Seine Verbindung mit den benachbarten Knochen, die
nicht immer gleich ist. In welchen Fällen er sinuos ist und wohin
sich der Sinus verbindet.
Os lacrymale.
Pars facialis,
Pars orbitalis,
Canalis.
Os nasi.
Verhältnis der Länge zur Breite. Inwiefern sie als
länglich viereckige Blättchen oder mit anderen Eigenschaften erscheinen.
Ihre Verbindung und Nachbarschaft mit anderen Knochen, welche
nicht immer gleich ist.
Die große Fontanelle, die mit der Membran zugeschlossen
ist, zwischen ihm und dem benachbarten Knochen. Os frontis.
Bei demselben ist vorzüglich wegen der Sinuum auf
die innere und äußere Lamelle des Knochens zu sehen. Die äußere
Lamelle geht in einer Fläche oder in einem Bogen fort, macht nach
außen zu den obern Teil der Stirne, inwendig aber verläßt die
innere Lamelle, indem sie sich an das Os ethmoideum festsetzt,
die äußere und bildet die sogenannten Sinus frontales. Die Sinus
des übrigen ganzen Knochens, die sich mit den vorhergehenden verbinden,
und die Sinuosität der Fortsätze.
Die Hörner als Fortsetzung der Sinuum sind gewunden
oder gerade. - Hörner, die nicht sinuos sind und auch nicht auf
Sinus aufsitzen.
Der Processus zygomaticus knöchern oder mernbranos.
Wie die Nachbarschaft des Augapfels auf die innere Gestalt des
Gehirnes wirkt und das Os ethmoideum zusammendrückt oder frei
läßt.
Os ethmoideum.
Gedrückt.
In freier Ausbreitung.
Merkwürdig das Maß zur Breite der ganzen Hirnhöhle.
Beschaffenheit der Lamellen des Körpers des ganzen
Siebbeines.
Vomer.
Conchae.
Einfach gewunden, sehr mannigfaltig gewunden.
Os sphenoideum anterius.
Corpus.
Seine Sinuositäten merkwürdig in Vergleich
mit den Lamellen des Ossis ethmoidei.
Alae. Fragte sich, ob man sie nicht irgendwie im menschlichen
Foetus getrennt fände.
Os sphenoideum posterius.
Corpus.
Alae.
Sinuositates.
Vergleichung der beiden Knochen untereinander, besonders
der Flügel und der Ausdehnung derselben.
Os temporum.
Die Form der Partis squarnosae. Processus zygomaticus
mehr oder weniger lang und kurz. Merkwürdige Sinuositäten
dieses Knochens.
Os bregmatis.
Die verschiedenen Gestalten; Verhältnis ihrer
Größe gegen den Stirnknochen.
Os occipitis.
Basis. Vergleicht sich im Durchschnitte den beiden
Oss. sphenoideis und dem Os ethmoideum.
Partes laterales.
Processus styloidei, manchmal gerade, bisweilen krumm.
Pars lambdoidea.
Bulla.
Collum.
Bulla sive marsupium, nimmt manchmal die Gestalt eines
Processus mastoidei an, muß aber nicht mit demselben verwechselt
werden.
Os petrosum.
Pars externa ist öfters spongios, öfters
sogar sinuos, setzt sich nach außen zwischen das Os temporum
und Os occipitis.
Pars interna. In diese gehen die Gehörnerven.
Schnecke usw.
Ist ein sehr fester elfenbeinartiger Knochen.
Kleine bewegliche Knochen der Gehörwerkzeuge.
Truncus.
Vertebrae colli.
Überhaupt ist ihre Länge, Breite und Stärke
zu bemerken.
Atlas besonders in der Breite gebildet. Deutet auf
Verwandtschaft mit den Schädelknochen.
Epistropheus. Hoher und breiter Rückenfortsatz.
Vertebra tertia. Bemerken der Gestalt der Seiten und
Dornfortsätze.
Vertebra quarta. Abweichungen dieser Gestalt.
Vertebra quinta. Weitere Abweichung.
Vertebra sexta. An dieser entstehen die flügelartigen
Fortsätze, von denen die stufenweisen Abweichungen der vorigen
gleichsam Vorboten waren.
Vertebra septima. Kleiner knopfartiger Seitenfortsatz.
Artikularfläche für die Köpfchen der ersten Rippe.
Vertebrae dorsi.
Sie zu zählen.
Worauf bei ihnen zu sehen und wie sie voneinander
abweichen, ist noch näher zu bestimmen.
Die Größe und Richtung der Processuum spinosorum
anzugeben.
Vertebrae lumborum.
Sie zu zählen.
Die Gestalt und Richtung der Processuum lateralium
et horizontalium ist anzugeben.
Von den regelmäßigen Abweichungen ihrer
Gestalt ist umständlicher zu handeln.
N. B. Wir bleiben zwar bei der gewöhnlichen Einteilung,
daß wir die Vertebrae, an welche Rippen anstoßen, Vertebrae
dorsi, die übrigen aber lumborum nennen: allein wir bemerken
bei den Tieren noch eine andere Einteilung: der Rücken hat
nämlich eine gewisse Mitte, von welcher sowohl die Processus
spinosi sich hinterwärts, als die breiteren Processus sich
vorwärts neigen. Diese Mitte ist gewöhnlich vor der dritten
falschen Rippe.
Die Vertebrae bis zur Mitte und von da nach hinten
sind zu zählen und wenn etwas Merkwürdiges vorkommt, ist
es zu notieren.
Vertebrae pelvis.
Ihre mehr und wenigere Verwachsung ist zu bemerken.
Sie sind zu zählen.
Vertebrae caudae.
Sie sind zu zählen.
Ihre Gestalt zu bemerken.
Oft haben sie flügelartige Seitenfortsätze,
die sich nach und nach verlieren, da denn der Wirbelknochen endlich
in den phalangenartigen übergeht.
Costae.
Verae.
Sind zu zählen.
Ihre Länge und Stärke zu beobachten.
Ihre Beugung mehr oder weniger.
Die Abweichung ihres oberen Teiles ist zu bemerken
und was davon allgemein ist.
Der Hals nämlich wird nach und nach kürzer,
das Tuberculum breiter und nähert sich mehr dem Capitulum.
Spuriae.
Wie bei den vorigen.
Sternum.
Vertehrae sterni.
Sind zu zählen.
Phalangenartig.
Flach gedrückt.
Überhaupt die Gestalt des Sterni, ob es lang
oder kurz sei, ob die Vertebrae von vorne nach hinten sich ähnlich
bleiben, oder ob in der Gestalt Abweichungen zu bemerken sind. Inwiefern
sie fest oder porös sind und so weiter.
Adminicula
Anteriora.
Maxilla inferior.
Bei dieser hat man sich zuerst aus Beispielen an Fischen
und Amphibien, aus was für Teilen sie zusammengesetzt sei,
bekannt zu machen und sich allenfalls auf einer tierischen Kinnlade
die Suturen und Harmonien zu zeichnen. Bei Mammalien besteht sie
immer aus zwei Teilen, die manchmal sogar in der Mitte verwachsen
sind.
Inwiefern es nötig sei, von der beim Menschen
gewöhnlichen Einteilung und Terminologie abzugehen, wird noch
zu überlegen sein.
Dentes.
Fehlen,
oder sind gegenwärtig.
Schneidezähne.
Eckzahn. Dessen Größe.
Backenzähne. Siehe obere Kinnlade.
Media.
Scapula.
Beim Humerus zu bemerken, inwiefern seine Neigung,
sich drehen zu lassen, mehr oder weniger erscheint.
Länge.
Kürze und was sonst noch in die Augen fallen
möchte. Ulna.
Hat ihren stärksten Teil oben und ihren schwächsten
unten. Inwiefern die Röhre an Stärke dem Radius gleichkommt
oder nach Art einer Fibula sich an ihn anlegt und mehr oder weniger
mit ihm verwächst. Radius.
Hat seinen stärksten Teil unten und seinen schwächsten
oben, erhält ein Übergewicht über die Ulna und wird
Fulcrum. Zugleich geht die Supination verloren und das Tier bleibt
zuletzt in beständiger Pronation stehen.
Siehe Ulna. Carpus.
Die Zahl der Knochen, und wenn sie sich vereinigen:
womöglich zu unterscheiden, welche Knochen bleiben und welche
sich verlieren. Wahrscheinlich sind die beständig, welche an
den Radius und die Ulna stoßen. Wahrscheinlich sind'die unbeständig,
welche mit den Phalangen sich verbinden. Ossa rnetacarpi. Zahl.
Verhältnis der Länge. Digiti.
Zahl der Phalangen; werden wahrscheinlich immer drei
gefunden. Solche bei den Solidungulis und Bisulcis zu verfolgen
und zu beschreiben.
Ungues, Ungulae.
Scapula.
Wird die Einteilung des menschlichen Schulterblattes
zuerst beizubehalten sein.
Gestalt.
Proportion von der Länge zur Breite. Clavicula.
Ob sie da ist oder fehlt.
Verhältnis ihrer Länge zur Breite. Humerus.
Bei diesem und bei allen langen Knochen zu bemerken,
ob die Epiphyses verwachsen sind oder nicht,
Media.
Postica
Werden mit dem Trunco verbunden durch das Os ilium,
Os ischii, Os pubis.
Ihre Gestalt.
Das Verhältnis der Länge zur Breite zu bemerken.
Die Teile könnten nach den menschlichen einstweilen
beschrieben werden. Wäre auf die Synchondroses zu sehen, ob
sie verknöchern oder durch Suturen zusammenhängen. Femur.
Der Knochen ist oft gerade, manchmal wenig gebogen,
manchmal gedreht. Dabei zu bemerken, ob die Epiphyses verwachsen
oder lose sind. Bei einigen Tieren scheint noch ein dritter Trochanter
zu existieren. Übrigens werden auch hier die Teile wie bei
der Beschreibung des menschlichen Fernur beibehalten werden können.
Patella. Tibia.
Selten mit der Fibula von gleicher oder annahender
Stärke der Röhre.
Bei rudernden Tieren ist zu bemerken ihre größere
Verstärkung und ihr völliges Übergewicht über
die Fibula bei andern.
Frage wegen der Epiphyses. Fibula.
Steht nach außen und innen zu, wird immer schmäler
bei verschiedenen Tieren, verwächst zuletzt ganz bei einigen
mit der Tibia.
Die Gradationen zu bemerken und zu beschreiben, zum
Beispiel, ob sie sich glatt anlegt, ob sie eine Lücke oder
runde Öffnung noch dazwischen läßt. Tarsus.
Sind dessen Knochen zu zählen und wie oben beim
Carpus geschehen, welche allenfalls fehlen und welche vorhanden
sind. Wahrscheinlich werden auch hier die Nachbarn der Tibia und
Fibula beständig und Calcaneus und Astragalus vorhanden sein.
Metatarsus.
Zahl der Knochen, ihre Länge oder Kürze.
Digiti. Zahl.
Besonders zu bemerken, welcher Digitus allenfalls
fehlt und ob man darüber ein allgemeines Gesetz finden könnte.
Wahrscheinlich verschwindet der Daumen zuerst. Auch vermute ich,
daß manchmal der Ringfinger oder Mittelfinger fehlt. Wie die
Zahl der Zehen sich zu der Zahl der Finger verhält.
Phalanges. Werden wahrscheinlich noch immer drei gefunden.
Ungues, Ungulae.
Da der Charakter, der im allgemeinen allen Tierknochen
durch alle Geschlechter durch zukommt, erstlich als Resultat der
Untersuchung wird aufgestellt werden können, so wird es bei
den Beschreibungen, die zur Übung vorgenommen werden, eher
nützlich als schädlich sein, so zu beschreiben wie man
vor sich sieht. Hält man alsdann die Beschreibungen zusammen,
so findet sich in dem, was man wiederholt hat, das Gemeinsame und,
bei vielen Arbeiten, der allgemeine Charakter.

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