Erdbeben
Als Erdbeben werden messbare Erschütterungen des Erdkörpers
bezeichnet. Der deutlich grösste Anteil aufgezeichneter Erdbeben
ist zu schwach, um von Menschen wahrgenommen zu werden. Erdbeben
bestehen in der Regel nicht aus einzelnen Erschütterungen,
sondern ziehen meist weitere nach sich. Man spricht in diesem
Zusammenhang von Nachbeben.
Starke Erdbeben können Häuser und Bauten zerstören,
Tsunamis und Erdrutsche auslösen und dabei Menschen töten.
Sie können die Gestalt der Erdoberfläche verändern
und zählen zu den Naturkatastrophen.
Unterseeische Erdbeben werden im Volksmund auch als „Seebeben“
bezeichnet. Das Beben findet auch hier in der festen Erde statt
und nicht, wie der Begriff suggeriert, in der See. Treten zahlreiche
Erdbeben innerhalb eines begrenzten Zeitraums auf, so spricht
man von einem Erdbebenschwarm bzw. Schwarmbeben. In Deutschland
gibt es gelegentlich Erdbebenschwärme im Vogtland und am
Hochstaufen.
Die Wissenschaft, die sich mit Erdbeben befasst, heisst Seismologie.
Sendai-Erdbeben von
2011: Erdbeben in Japan am 11. März 2011
Datum 11. März 2011
Uhrzeit 05:46:23 UTC (14:46:23 Ortszeit)
Intensität VII auf der MM-Skala
Magnitude 9,0 MW
Tiefe 24,4 km
Epizentrum 38° 19' 19? N, 142° 22' 8? OKoordinaten:
38° 19' 19? N, 142° 22' 8? O (Karte)
(130 km von Sendai)
Land Japan
Betroffene Orte: nördliche Ostküste von Honshu
Tsunami ja
Das Sendai-Erdbeben von 2011
war ein grosses Erdbeben vor der Küste der japanischen Region
Tohoku. Es ereignete sich am 11. März um 14:46:23 Uhr Ortszeit
(5:46:23 Uhr UTC, also 6:46:23 Uhr MEZ). Das Epizentrum lag etwa
370 km nordöstlich von Tokio und 130 km östlich von
Sendai. Es gilt als stärkstes Beben in Japan seit Beginn
der Erdbebenaufzeichnungen in der Region.
Die Stärke des Erdbebens wurde von der automatischen Auswertung
United States Geological Survey mit der Momenten-Magnitude 8,9
Mw angegeben. Das Hypozentrum des Erdbebens lag nach diesen
Angaben in etwa 24 km Tiefe. Nach Angaben der Japan Meteorological
Agency hatte das Beben eine Stärke von 9,0 Mw; das Hypozentrum
verorteten sie in derselben Tiefe. Nach Angaben des Pacific
Tsunami Warning Centers (PTWC) hatte das Beben eine Stärke
von 9,1.
Das Erdbeben löste einen mehrere Meter hohen Tsunami aus,
der bis zu 10 km landeinwärts Verwüstungen hinterliess.
Der japanische Name des Erdbebens ist Heisei 23 (2011) Tohoku-chiho
Taiheiyo-oki Jishin (dt. etwa „pazifisches
Küstenerdbeben [vor der] Region Tohoku 2011“, der
amtliche englische Name lautet: The 2011 off the Pacific coast
of Tohoku Earthquake).
Das Beben erreichte in Kurihara im Norden der Präfektur
Miyagi die maximale Intensität von 7 auf der JMA-Skala.
Es führte zu schweren Überschwemmungen und Havarien
bei Kernkraftwerken im Nordosten Japans.
Schon in der Antike fragten sich Menschen, wie Erdbeben und Vulkanausbrüche
entstehen. Man schrieb diese Ereignisse häufig Göttern
zu (in der griechischen Mythologie dem Poseidon). Manche Wissenschaftler
im alten Griechenland glaubten, die Kontinente schwämmen
auf dem Wasser und schaukelten wie ein Schiff hin und her. Andere
Leute glaubten, Erdbeben brächen aus Höhlen aus. In
Japan gab es den Mythos des Drachens, der den Erdboden erzittern
liess und Feuer spie, wenn er wütend war. Im europäischen
Mittelalter schrieb man Naturkatastrophen dem Wirken Gottes zu.
Mit der Entdeckung und Erforschung des Magnetismus entstand die
Theorie, man könne Erdbeben wie Blitze ableiten. Man empfahl
daher Erdbebenableiter nach Art der ersten Blitzableiter.
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kam die heute allgemein anerkannte
Theorie von der Plattentektonik und der Kontinentaldrift durch
Alfred Wegener
auf. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Erklärungsmuster
der tektonischen Beben verbreitet diskutiert. Bis zum Beginn des
21. Jahrhunderts konnte man daraus allerdings keine Technik zur
sicheren Vorhersage von Erdbeben entwickeln.
Ursachen und Beschreibung von Erdbeben
Weltkarte mit 358.214 Epizentren von Erdbeben zwischen 1963 und
1998
Erdbeben entstehen durch dynamische Prozesse im Erdinnern. Eine
Folge dieser Prozesse ist die Plattentektonik, also die Bewegung
der Lithosphärenplatten, die von der oberflächlichen
Erdkruste bis in den lithosphärischen Mantel reichen.
Besonders an den Plattengrenzen, wo sich verschiedene Platten
auseinander (Spreizungszone), aufeinander zu (Kollisionszone)
oder aneinander vorbei (Transformverwerfung) bewegen, bauen sich
Spannungen innerhalb des Gesteins auf, wenn sich die Platten in
ihrer Bewegung verhaken und verkanten. Wird die Scherfestigkeit
der Gesteine dann überschritten, entladen sich diese Spannungen
durch ruckartige Bewegungen der Erdkruste und es kommt zum tektonischen
Beben. Dabei kann mehr als das Hundertfache der Energie einer
Wasserstoffbombe freigesetzt werden. Da die aufgebaute Spannung
nicht auf die unmittelbare Nähe der Plattengrenze beschränkt
ist, kann der Entlastungsbruch in selteneren Fällen auch
im Inneren der Platte auftreten, wenn dort das Krustengestein
eine Schwächezone aufweist.
Die Temperatur nimmt zum Erdinneren hin stetig zu, weshalb das
Gestein mit zunehmender Tiefe immer leichter deformierbar wird
und schliesslich nicht mehr spröde genug ist, um brechen
zu können. Erdbeben tragen sich daher meist in der oberen
Schicht der Erdkruste zu. Vereinzelt wurden Beben mit Herden bis
in 700 km Tiefe nachgewiesen. Dies erklärt man sich durch
die Subduktion von Lithosphärenplatten: Kollidieren zwei
Platten, dann wird die dichtere der beiden unter jene mit der
geringeren Dichte gedrückt und taucht in den Erdmantel ab.
Das Gestein der abtauchenden Platte erwärmt sich jedoch wesentlich
langsamer, als sie abtaucht, so dass also bei solchen Erdbeben
Krustenmaterial bis in grössere Tiefen als üblich bruchfähig
bleibt. Die Hypozentren von Erdbeben, die innerhalb der abtauchenden
Platte auftreten, ermöglichen somit Schlüsse auf die
Position des Slabs in der Tiefe (sogenannte Wadati-Benioff-Zone).
Auch in vulkanischen Zonen aufsteigendes Magma kann Erdbeben
auslösen, ebenso die Förderung von Rohstoffen wie zum
Beispiel Erdöl und Erdgas, da die Druckveränderung die
Spannungsverhältnisse im Gestein verändern. Erdbeben
entstehen weiter auch beim Einsturz unterirdischer Hohlräume
im Bergbau (Gebirgsschlag). Durch Vulkanismus verursachte Beben
und Gebirgsschläge setzen typischerweise weitaus weniger
Energie frei als tektonische Beben.
Bei unterseeischen Erdbeben, beim Ausbruch ozeanischer Vulkane
oder beim Auftreten unterseeischer Erdrutsche können sogenannte
Tsunamis entstehen. Bei plötzlicher vertikaler Verlagerung
grosser Teile des Ozeanbodens entstehen Wellen, die sich mit Geschwindigkeiten
von bis zu 800 Kilometern pro Stunde fortbewegen. Auf dem offenen
Meer sind Tsunamis kaum wahrnehmbar; läuft die Welle jedoch
in flacherem Wasser aus, steilt sich der Wellenberg auf und kann
am Ufer in extremen Fällen bis zu 100 Meter Höhe erreichen.
Am häufigsten entstehen Tsunamis im Pazifik. Deshalb besitzen
die an den Pazifik angrenzenden Staaten ein Frühwarnsystem,
das Pacific Tsunami Warning Center. Nachdem am 26. Dezember 2004
etwa 230.000 Menschen bei einem verheerenden Erdbeben im Indischen
Ozean starben, wurde auch dort ein Frühwarnsystem errichtet.
Aufzeichnung der Erdbebenwellen
Seismogramm eines Erdbebens bei den Nikobaren, 24. Juli 2005,
Magnitude 7,3
Erdbeben erzeugen Erdbebenwellen verschiedenen Typs, die sich
über und durch die ganze Erde ausbreiten und von Seismographen
(bzw. Seismometern) überall auf der Erde in sogenannten Seismogramme
aufgezeichnet werden können. Die mit starken Erdbeben einhergehenden
Zerstörungen an der Erdoberfläche (Spaltbildung, Schäden
an Gebäuden und Verkehrsinfrastruktur usw.) sind auf die
sogenannten Oberflächenwellen zurückzuführen, die
sich an der Erdoberfläche ausbreiten und eine elliptische
Bodenbewegung auslösen.
Durch Auswertung der Stärke und Laufzeiten von Erdbebenwellen
kann man die Position des Erdbebenherdes bestimmen, dabei fallen
auch Daten über das Erdinnere an. Die Positionsbestimmung
unterliegt als Messung an Wellen der gleichen Unschärfe,
die bei Wellenphänomenen in anderen Bereichen der Physik
bekannt sind. Im Allgemeinen nimmt die Unschärfe der Ortsbestimmung
mit zunehmender Wellenlänge zu. Eine Quelle von langperiodischen
Wellen kann also nicht so genau lokalisiert werden wie die von
kurzperiodischen Wellen. Da schwere Erdbeben den grössten
Teil ihrer Energie im langperiodischen Bereich entwickeln, kann
besonders die Tiefe der Quelle nicht genau bestimmt werden.
Erdbebenherd
Durch den Vergleich der Laufzeiten der seismischen Wellen eines
Erdbebens in weltweit verteilten Observatorien, wo die Signale
mit Seismographen registriert werden, kann im Rahmen der physikalisch
bedingten Unschärfe auf die Position des Hypozentrums als
Quelle der Wellen geschlossen werden. Das Hypozentrum wird entsprechend
auch als Erdbebenherd bezeichnet. Die Quelle der seismischen Wellen
kann sich im Laufe eines Bebens bewegen, so etwa, bei schweren
Beben, die eine Bruchlänge von mehreren hundert Kilometern
aufweisen können. Nach internationaler Übereinkunft
wird dabei die zuerst gemessene Position als Hypozentrum des Erdbebens
bezeichnet, also der Ort, wo das Beben begonnen hat. Der Ort auf
der Erdoberfläche direkt über dem Hypozentrum heisst
Epizentrum. Der Zeitpunkt des Bruchbeginns wird als Herdzeit bezeichnet.
Die Bruchfläche, die das Erdbeben auslöst, wird in ihrer
Gesamtheit als Herdfläche bezeichnet. In den meisten Fällen
erreicht diese Bruchfläche die Erdoberfläche nicht,
sodass der Erdbebenherd in der Regel nicht sichtbar wird. Im Fall
eines grösseren Erdbebens, dessen Hypozentrum in nur geringer
Tiefe liegt, kann die Herdfläche bis an die Erdoberfläche
reichen und dort zu einem deutlichen Versatz führen. Der
genaue Ablauf des Bruchprozesses legt die Abstrahlcharakteristik
des Bebens fest, bestimmt also, wie viel Energie in Form von seismischen
Wellen in jede Richtung des Raumes abgestrahlt wird. Dieser Bruchmechanismus
wird als Herdvorgang bezeichnet. Der Ablauf des Herdvorganges
kann aus der Analyse von Ersteinsätzen an Messstationen rekonstruiert
werden. Das Ergebnis einer solchen Berechnung ist die Herdflächenlösung.
Es gibt drei grundlegende Typen von Erdbebenereignissen, welche
die drei Arten der Plattengrenzen widerspiegeln: In Spreizungszonen,
wo die tektonischen Platten auseinander driften, wirkt eine Zugspannung
auf das Gestein (Extension). Die Blöcke zu beiden Seiten
der Herdfläche werden also auseinander gezogen und es kommt
zu einer Abschiebung (engl.: normal fault), bei welcher der Block
oberhalb der Bruchfläche nach unten versetzt wird. In Kollisionszonen,
wo sich Platten aufeinander zu bewegen, wirkt dagegen eine Kompressionsspannung.
Das Gestein wird zusammen gestaucht und es kommt zu einer Aufschiebung
(engl.: thrust fault), bei welcher der Block oberhalb der Bruchfläche
nach oben versetzt wird. In Subduktionszonen kann sich die abtauchende
Platte mitunter grossflächig verhaken, was in der Folge zu
einem massiven Spannungsaufbau und letztlich zu besonders schweren
Erdbeben führen kann. Diese werden gelegentlich auch als
Megathrust-Erdbeben bezeichnet. Der dritte Herdtyp wird als Blattverschiebung
(engl.: strike-slip fault) bezeichnet, der an Transformverwerfungen
vorkommt, wo sich die beteiligten Platten seitlich aneinander
vorbei schieben.
In der Realität wirken die Kräfte und Spannungen jedoch
zumeist schräg auf die Gesteinsblöcke, da sich die Lithosphärenplatten
verkanten und dabei auch drehen können. Die Platten bewegen
sich daher im Normalfall nicht gerade aufeinander zu oder aneinander
vorbei, so dass die Herdmechanismen zumeist eine Mischform aus
einer Auf- oder Abschiebung und einer seitwärts gerichteten
Blattverschiebung darstellen. Man spricht hier von einer Schrägaufschiebung
bzw. Schrägabschiebung (engl.: oblique fault).
Die räumliche Lage der Herdfläche kann durch die drei
Winkel F, d und l beschrieben werden:
F bezeichnet das Streichen (engl.: strike) der Herdfläche.
Dies ist der Winkel zwischen der geografischen Nordrichtung und
der horizontalen Richtung der einfallenden Herdfläche. Das
Streichen kann Werte zwischen 0° und 360° annehmen; eine
nach Osten einfallende Herdfläche würde ein Streichen
von F = 90° aufweisen.
d bezeichnet die Neigung (engl.: dip) der Herdfläche, also
den Winkel zwischen der Horizontalen und der Herdfläche.
Er kann Werte zwischen 0° und 90° annehmen; eine exakt
senkrecht verlaufende Bruchfläche hätte eine Neigung
von d = 90°.
l bezeichnet die Richtung des Versatzes (engl.: rake), die in
der Ebene des Versatzes bestimmt wird. Dies ist der Winkel zwischen
dem Streichen der Herdfläche und dem Richtungsvektor des
Versatzes, der Werte zwischen 0° und 360° annehmen kann.
Wird z. B. das Hangende, also der oben liegende Block, exakt nach
oben verschoben, wäre l = 90°. Steht die Herdfläche
exakt senkrecht, wird – in Streichrichtung blickend –
der rechte Block als das „Hangende“ definiert. Für
eine links-laterale Verschiebung wäre l = 0°, für
eine rechts-laterale Verschiebung wäre l = 180°.
Erdbebenstärke
Um Erdbeben miteinander vergleichen zu können, ist es notwendig,
deren Stärke zu ermitteln. Da eine direkte Messung der freigesetzten
Energie eines Erdbebens schon allein auf Grund der Tiefenlage
des Herdprozesses nicht möglich ist, wurden in der Seismologie
verschiedene Erdbebenskalen entwickelt.
Intensität
Die ersten Erdbebenskalen, die Ende des 18. bis Ende des 19.
Jahrhunderts entwickelt wurden, konnten nur die Intensität
eines Erdbebens beschreiben, also die Auswirkungen auf Menschen,
Tiere, Gebäude und natürliche Objekte wie Gewässer
oder Berge. Im Jahre 1883 entwickelten die Geologen M. S. De Rossi
und F. A. Forel eine zehnstufige Skala zur Bestimmung der Intensität
von Erdbeben. Wichtiger wurde jedoch die im Jahre 1902 eingeführte
zwölfteilige Mercalliskala. Sie beruht allein auf der subjektiven
Einschätzung der hör- und fühlbaren Beobachtungen
sowie der Schadensauswirkung auf Landschaft, Strassen oder Gebäude
(Makroseismik). 1964 wurde sie zur MSK-Skala und später zur
EMS-Skala weiterentwickelt.
Intensitätsskalen werden auch heute noch verwendet, wobei
verschiedene Skalen existieren, die an die Bauweise und Bodenverhältnisse
des jeweiligen Landes angepasst sind. Die räumliche Verteilung
der Intensitäten wird häufig durch Fragebogenaktionen
zuständiger Forschungseinrichtungen (in Deutschland beispielsweise
bundesweit durch die BGR per Online-Formular) ermittelt und in
Form von Isoseistenkarten dargestellt. Isoseisten sind Isarithmen
gleicher Intensitäten. Die Möglichkeit zur Erfassung
von Intensitäten beschränkt sich auf relativ dicht besiedeltes
Gebiet.
Magnitude
Durch die Entwicklung und stete Verbesserung von Seismometern
ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffnete
sich die Möglichkeit, objektive, auf physikalischen Grössen
basierende Messungen vorzunehmen, was zur Entwicklung der Magnitudenskalen
führte. Diese ermöglichen über empirisch gefundene
Beziehungen und physikalische Gesetzmässigkeiten, von den
an seismologischen Messstationen aufgezeichneten ortsabhängigen
Amplitudenwerten auf die Stärke eines Bebens zurückzuschliessen.
Es gibt verschiedene Methoden, die Magnitude zu berechnen. Die
unter Wissenschaftlern gebräuchlichste Magnitudenskala ist
heute die Momenten-Magnituden-Skala. Von den Medien wird die in
den 1930er Jahren von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg
eingeführte Richterskala am häufigsten zitiert, die
auch als Lokalbebenmagnitude bezeichnet wird. Zur exakten Messung
der Erdbebenstärke benutzt man Seismographen, die in 100
km Entfernung zum Epizentrum des Erdbebens liegen sollten. Mit
der Richter-Skala werden die seismischen Wellen in logarithmischer
Einteilung gemessen. Sie diente ursprünglich der Quantifizierung
von Erdbeben im Raum Kalifornien. Liegt eine Erdbebenmessstation
zu weit vom Erdbebenherd entfernt (> 1000 km) und ist die Stärke
des Erdbebens zu gross (ab etwa Magnitude 6), kann diese Magnitudenskala
jedoch nicht oder nur eingeschränkt verwendet werden. Sie
ist aufgrund der einfachen Berechnung und der Vergleichbarkeit
mit älteren Erdbebeneinstufungen vielfach auch in der Seismologie
noch in Gebrauch.
Vorhersage
Die zeitlich und räumlich exakte Vorhersage von Erdbeben
ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht möglich.
Die verschiedenen bestimmenden Faktoren sind qualitativ weitestgehend
verstanden. Auf Grund des komplexen Zusammenspiels aber ist eine
genaue Quantifizierung der Herdprozesse bislang nicht möglich,
sondern nur die Angabe einer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten
eines Erdbebens in einer bestimmten Region.
Allerdings kennt man Vorläuferphänomene. Einige davon
äussern sich in der Veränderung geophysikalisch messbarer
Grössen, wie z. B. der seismischen Geschwindigkeit, der Neigung
des Erdbodens oder die elektromagnetischen Eigenschaften des Gesteins.
Andere Phänomene basieren auf statistischen Beobachtungen,
wie etwa das Konzept der seismischen Ruhe, die bisweilen auf ein
bevorstehendes grösseres Ereignis hindeutet. Wiederholt wurde
auch von ungewöhnlichem Verhalten bei Tieren kurz vor grösseren
Erdbeben berichtet. Dadurch gelang in einem Einzelfall im Februar
1975 die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung vor einem Erdbeben.
Alle bekannten Vorläuferphänomene variieren jeweils
sehr stark in Zeitverlauf und Grössenordnung. Zudem wäre
der instrumentelle Aufwand, der für eine lückenlose
Erfassung dieser Phänomene erforderlich wäre, aus heutiger
Sicht finanziell und logistisch nicht realisierbar.
Wegen des volkswirtschaftlichen Schadens und eventueller Opfer
(Massenpanik oder Massenhysterie) ist eine Frühwarnung der
Bevölkerung vor einem einzelnen Erdbeben nur sinnvoll, wenn
die Zahl der zu erwartenden Opfer des Erdbebens als sehr gross
eingeschätzt wird, oder wenn das Erdbeben sehr genau in Raum
und Zeit vorausgesagt werden kann.
Historische Erdbeben
Die wichtigsten bekannten Erdbebengebiete sind in der Liste der
Erdbebengebiete der Erde aufgeführt. Eine umfassende Aufstellung
historisch überlieferter Erdbebenereignisse befindet sich
in der Liste von Erdbeben.
Stärkste gemessene Erdbeben
Nach Angaben des USGS Die Werte beziehen sich, wenn nicht anders
angegeben, auf die Momenten-Magnitude MW. Hinweis: Unterschiedliche
Magnitudenskalen sind nicht direkt miteinander vergleichbar!
| Rang |
Bezeichnung |
Ort |
Datum |
Stärke |
Anmerkungen |
| 1. |
Erdbeben von Valdivia |
Chile |
22. Mai 1960 |
9,5 |
1655 Tote |
| 2. |
Karfreitagsbeben |
Alaska |
27. Mär. 1964 |
9,2 |
Tsunami-Welle von maximaler Höhe von etwa 67 Metern |
| 3. |
Erdbeben im Indischen Ozean |
vor Sumatra |
26. Dez. 2004 | 9,1 |
Durch das Beben und den nachfolgenden Tsunami starben etwa 230.000 Menschen,
über 1,7 Millionen Küstenbewohner rund um den Indischen Ozean
wurden obdachlos. |
| 4. |
Erdbeben von Kamtschatka |
Kamtschatka, Russland |
4. Nov. 1952 |
9,0 |
|
| 5. |
Tohoku-Erdbeben 2011 |
östlich vor Honshu, Japan |
11. Mär. 2011 | 9,0 |
Schwere Folgen für die Kernreaktorblöcke der Atomkraftwerke
Fukushima I, Fukushima II, Onagawa und Tokai |
| 6. |
Erdbeben vor Maule |
Chile |
27. Feb. 2010 | 8,8 |
342 Tote |
| 7. |
Erdbeben vor Ecuador |
vor Ecuador |
31. Jan. 1906 | 8,8 |
|
| 8. |
Erdbeben bei den Rat Islands |
Rat Islands, Alaska |
4. Feb. 1965 | 8,7 |
|
| 9. |
Erdbeben bei den Andreanof Islands | Andreanof Islands, Alaska |
9. Mär. 1957 | 8,6 |
|
| 10. |
Erdbeben vor Sumatra |
vor Nord-Sumatra |
28. Mär. 2005 | 8,6 |
Über 1000 Tote |
Quelle: Wikipedia